Dienstag, 25. Juni 2013

EMSCHERKUNST.2013: Gelsenkirchen

„Monument for a forgotten future“

Anlagen der Ruhr Oel Raffinerie

Das „Monument for a forgotten future“ auf der „Wilden Insel“ (51°31’50,81” N, 7°3’7,86” E) in der Nähe der Schleuse Gelsenkirchen RHK km 23,323 ist im Rahmen der EMSCHERKUNST.2010 in Zusammenarbeit des deutschen Bildhauers und Konzeptkünstlers Olaf Nicolai (* 1962 in Halle an der Saale) mit der schottischen Rockband Mogwai (Dominic Aitchison, Stuart Braithwaite, Martin Bulloch, Barry Burns und John Cummings) unter der künstlerischen Leitung von Douglas Gordon als maßstabsgerechte Kopie einer Bergformation aus dem Joshua Tree Nationalpark im Süden Kaliforniens entstanden, im Inneren des Felsens erklingt das etwa 23-minütige Stück „Music for a forgotten future (The singing mountain)“ von Mogwai, welches auch auf deren Doppel-CD „Hardcore will never die, but you will“ erschienen ist.

„Monument for a forgotten future“


„Ring Bell – the solar orchestra and the wind structures“

Kohlebunker im Nordsternpark Gelsenkirchen

Ab 1928 wurde auf der Emscher-Insel zwischen Emscher und Rhein-Herne-Kanal nach Entwürfen des Industriearchitekten Fritz Schupp (* 22. Dezember 1896 in Uerdingen, † 1. August 1974 in Essen) eine Zentralkokerei mit zwei parallelen Koksofenbatterien und insgesamt 200 Koksöfen errichtet. 1970 wurde diese einzigartige Industrieanlage abgerissen. Eine Zeichnung im ehemaligen Kohlebunker (51°31’19,11” N, 7°1’51,98” E) der Kohlenmischanlage, der zur Bundesgartenschau 1997 im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Emscher Park schon einmal bespielt wurde, vermittelt einen ungefähren Eindruck vom Aussehen der Zentralkokerei. Darüber eine Erläuterung von Fritz Schupp: „Der Begriff der funktionellen Architektur: Man möchte damit sagen, dass im Rhythmus der Baukörper und Baumassen der Rhythmus der Funktionen zum Ausdruck kommen soll, der sich in ihnen vollzieht.“ (Fritz Schupp, 1929)

„Ring Bell – the solar orchestra and the wind structures“ von Tomás Saraceno

Jeder wird bei Alexander Graham Bell (* 3. März 1847 in Edinburgh, Schottland, † 1. August 1922 in Baddeck, Nova Scotia, Kanada) als erstes an die Erfindung des Telefons denken, obwohl diese eigentlich Antonio Meucci (* 13. April 1808 in San Frediano bei Florenz, † 18. Oktober 1889 in New York) zu verdanken ist. Doch ihm fehlten die finanziellen Mittel, um seine Erfindung endgültig zum Patent anzumelden, und so lief ein vorläufiges Patent 1873 aus. 1876 meldete Alexander Graham Bell sein Telefon zum Patent an. Neben der Kommunikation ging er auch wissenschaftlichen Experimenten mit Drachen, Flugzeugen und tetraedrischen Strukturen nach. Er entdeckte, dass ein aus dreidimensionalen Dreiecken hergestelltes Tetraeder-Fachwerk ein erhebliches Gewicht tragen kann, selbst wenn es aus leichten Materialien gebaut ist. Alexander Graham Bell machte umfangreiche aerodynamische Studien mit diesen Drachen, bevor er versuchte, Flugzeuge zu bauen. Der argentinische Performance- und Installationskünstler Tomás Saraceno (* 1973 in San Miguel de Tucumán, Argentinien), bekannt für seine dreidimensionalen, raumfüllenden Installationen, greift Bells Ideen in seinem Werk „Ring Bell – the solar orchestra and the wind structures“ auf. Sein Modell sieht einem Ring-Drachen auf einer Fotografie von Gilbert H. Grosvenor vom 7. Juli 1908 sehr ähnlich, schließlich hat sich die Aerodynamik in gut 100 Jahren nicht grundlegend geändert. Was Spiegel Online womöglich dazu inspiriert hat, in einer Fotostrecke zur EMSCHERKUNST zu behaupten: Monumentaler Flugdrachen: „Graham Bells Ring Kite“ von Tomás Saraceno kreist über einem ehemaligen Kohlebunker im Gelsenkirchener Nordstern-Park. Das ist natürlich ausgemachter Humbug, über dem Kohlebunker kreist gar nichts, dagegen hätte womöglich das Luftfahrt-Bundesamt etwas einzuwenden. Tatsache ist dagegen, dass Tomás Saraceno für die EMSCHERKUNST.2013 einen flugfähigen Drachen aus Kohlefaserröhren mit Tetraeder Fachwerk aus laminierter Solarfolie entwickelt hat, der auf dem Kohlebunker an Stahlseilen befestigt ist und mit Hilfe zweier Kettenzüge etwa zwei bis drei Meter über das Dach angehoben werden kann. Und damit niemand bei dem ursprünglichen Titel „Graham Bell´s Ring Kite“ auf die Idee kommt, es handele sich lediglich um einen Nachbau von Graham Bells Ring-Drachen, trägt das Projekt nunmehr den Namen „Ring Bell – the solar orchestra and the wind structures“. In der „Kunst- und Radkarte“ ist es dagegen noch als „Graham Bell´s Ring Kite“ bezeichnet. Was natürlich auch nur meine persönliche Sicht auf die Dinge ist.

Detail aus „Ring Bell – the solar orchestra and the wind structures“ von Tomás Saraceno

Tomás Saraceno stellt parallel zur EMSCHERKUNST auch in einem Museum in NRW aus, da man mir dort jedoch die Akkreditierung verweigert hat, kann ich an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen!

Keine Kommentare: