Donnerstag, 27. Juni 2013

EMSCHERKUNST.2013: Oberhausen-Holten

„PLAY_LAND“ von Apolonija Šušteršič

Jugendtreff Holten

Die Slowenin Apolonija Šušteršič (* 1965 in Ljubljana) hat in Zusammenarbeit mit banz+riecks Architekten und wbp Landschaftsarchitekten „PLAY_LAND“ geplant, ein neues Jugendzentrum mit angebundenem Spielplatz am Holtener Feld in Oberhausen, wo ein Jugendtreff mit Spielplatz abgerissen werden muss, um den Bau des Abwasserkanals Emscher zu ermöglichen. In Workshops bezieht sie Kinder, Jugendliche und deren Eltern aus dem Einzugsgebiet mit in die Gestaltung des Areals ein und plant gemeinsam mit ihnen das Spiel­platz­gelände und einen neuen Skaterpark. Der partizipatorische Ansatz ist ein wichtiger Bestandteil ihrer künstlerischen Arbeit.

„PLAY_LAND“ von der slowenischen Künstlerin Apolonija Šušteršič

„PLAY_LAND“ von der slowenischen Künstlerin Apolonija Šušteršič

„PLAY_LAND“ von der slowenischen Künstlerin Apolonija Šušteršič

„PLAY_LAND“ von der slowenischen Künstlerin Apolonija Šušteršič

„PLAY_LAND“ von der slowenischen Künstlerin Apolonija Šušteršič


„Warten auf den Fluss“ von Observatorium

„Warten auf den Fluss“ von Observatorium

Die „schlafende“ Brücke „Warten auf den Fluss“ wurde von der Künstlergruppe Observatorium (Geert van de Camp, Andre Dekker und Ruud Reutelingsperger) aus Rotterdam realisiert. Hintergrund ist die Renaturierung der Emscher. Die 38 Meter lange, überdachte Brücke, die in einer Wiese inmitten der zukünftigen Auenlandschaft der Emscher errichtet wurde, wartet darauf, dass die versprochene Blaue Emscher unter ihr hindurch gegraben wird. Die Architekturskulptur wurde 2010 erstmals in Essen-Altenessen realisiert und dient dem „produktiven Warten“ auf die renaturierte Emscher. Sie wurde nun am neuen Standort am Holtener Feld mit neuem Holz nach dem bereits von der EMSCHERKUNST.2010 bekannten Konzept wieder errichtet. Es handelt sich nicht, wie man durch direkten Vergleich der Fotografien aus 2010 und 2013 unschwer erkennen kann, um das 2010 verwendete Holz.

„Warten auf den Fluss“ von Observatorium

„Warten auf den Fluss“ von Observatorium

„Warten auf den Fluss“ von Observatorium

Brahmsche Mühle, Siegesstraße 149

Kastell Holten

Vom Kastell Holten, einer ehemaligen Wasserburg und Keimzelle der Stadt Holten, ist heute nur noch der wiedererrichtete Ostflügel der ehemaligen Hauptburg erhalten, der von der Bürger-Schützen-Gilde Holten 1308 e. V. als Gildenhaus genutzt wird.

Kastell Holten

Richard O´Brien´s „The Rocky Horror Show“

Richard O´Brien´s „The Rocky Horror Show“; Musik, Gesangstexte und Buch: Richard O´Brien; Inszenierung: Reinhardt Friese; Choreografie: Barbara Manegold; Steppchoreografie: Bernd Paffrath; Ausstattung: Annette Mahlendorf; Dramaturgie: Christian Scholze; Musikalische Leitung: Tankred Schleinschock. Darsteller: Guido Thurk (Erzähler), Daniel Printz (Brad Majors), Michèle Fichtner (Janet Weiss), Léon van Leeuwenberg (Frank´n´Furter), Chris Murray (Riff Raff), Sophie Schmidt (Magenta/Platzanweiserin), Julia Panzilius (Columbia), Stefan Reil (Rocky Horror), Steffen Weixler (Eddie/Dr. Everett Scott), Vesna Buljevic, Nils Daub, Julia Gutjahr, Milena Hölter, Marina Odehnal, Bülent Özdil und Nele Swanton (Phantome). Lippe-Saiten-Orchester: Tankred Schleinschock (Klavier), Jürgen Knauz (Bass), Rudi Marhold (Schlagzeug), Claus Michael Siodmok (Gitarre), Klaus Dapper (Saxophon). Uraufführung: 19. Juni 1973, The Royal Court Theatre Upstairs, London. Deutschsprachige Erstaufführung: 20. Januar 1980, Grillo-Theater, Essen. Premiere: 14. Juni 2013, Marktplatz Castrop-Rauxel.



Richard O´Brien´s „The Rocky Horror Show“


Außerirdische vom Planet Transsexual bringen die BergArena auf der Halde Haniel zum Brodeln


Schachtanlage Franz Haniel

„Totems“ vom baskischen Maler und Bildhauer Agustín Ibarrola

BergArena auf der Halde Haniel

Sechs Jahre nach „Hair“ (Uraufführung 17. Oktober 1967, Anspacher Theatre, New York) entstand in London die makaber-unkonventionelle Show „The Rocky Horror Show“ – eine irrwitzige Parodie auf Horror- und Science-Fiction-Filme, Transvestiten, kleinbürgerliches Spießbürgertum und Rock´n´Roll-Musik der 1950er und 1960er Jahre. Und obwohl diese stellenweise die Grenzen des guten Geschmacks überschritt, wurde sie nach der Premiere auf der Studiobühne des Royal Court Theatres in London und mehrfachem Theaterwechsel allein in England 2.960 Mal aufgeführt. Am Broadway (Premiere 10. März 1975, Belasco Theatre) geriet das Werk mit nur 45 Vorstellung zu einem veritablen Flop, obwohl es zuvor am Roxy Theatre in Los Angeles (Premiere 24. März 1974) neun Monate erfolgreich gezeigt wurde, entwickelte sich aber seit der Verfilmung als „The Rocky Horror Picture Show“ (1975) zu einem international erfolgreichen Kult-Musical, das Dank seiner unverholenen Botschaft und der exzessiv-voyeuristischen Präsentation eine vorwiegend jüngere Fangemeinde gefunden hat. Seine Faszination und Wirkung auf das Publikum sind unvergleichlich.

Den Wissenschaftler Dr. Frank N. Furter als exzentrisch zu bezeichnen, wäre noch untertrieben. Die Wirkung seiner hemmungslosen Gier nach seelischer und körperlicher Erfüllung erleben die frisch und vorerst glücklich verlobten Brad Majors und Janet Weiss nach einer schicksalhaften Reifenpanne an einem verregneten Herbstabend. In dem Schloss, in dem sie nach Hilfe suchen, erleben sie statt des erhofften Telefongesprächs die Nacht ihres Lebens. Kaum haben sie sich mit der verstörenden Tatsache arrangiert, von Außerirdischen des Planeten Transsexual aus der Galaxie Transylvania umgeben zu sein, müssen sie die Geburt des unwiderstehlichen Retortenwesens Rocky miterleben. Im Laufe der folgenden Feierlichkeiten erlebt das Paar Verführungen, die jede Vorstellung sprengen, die ihr Bewusstsein in ungeahnte Galaxien schicken, sie zu neuen Menschen machen. Als der an den Rollstuhl gefesselte Wissenschaftler Dr. Everett Scott auf der Suche nach seinem vermissten Neffen Eddie im Schloss auftaucht, wittert Frank ein Komplott gegen ihn, fesselt die drei Besucher elektronisch an den Boden und inszeniert ein groteskes Bühnen-Happening. Das makabere Geschehen kommt zu einem abrupten Ende, als Riff Raff als Oberhaupt der Außerirdischen und Magenta in Raumanzügen auftauchen und Frank wegen seiner übermäßigen Dekadenz töten. Während die Außerirdischen bereits ins galaktische Transylvanien abheben, können Brad und Janet soeben noch entkommen.

Im Rahmen von „Bühne raus…!“ des Westfälischen Landestheaters Castrop-Rauxel erlebte das erfolgreiche Musical aus der Feder von Richard O´Brien in der Inszenierung von Reinhardt Friese mit dem Lippe-Saiten-Orchester unter der Musikalischen Leitung von Tankred Schleinschock am 14. Juni 2013 auf dem Altstadt-Marktplatz in Castrop-Rauxel seine Premiere. Als Gäste verstärken Michèle Fichtner (Janet Weiss), Léon van Leeuwenberg (Frank´n´Furter), Chris Murray (Riff Raff), Stefan Reil (Rocky Horror) und die beiden Jazz und Modern Dance Tänzerinnen Milena Hölter und Marina Odenahl vom TSC Blau-Gold Castrop-Rauxel die beiden Ensembles (Kinder- und Jugendtheater und Abendtheater) des Westfälischen Landestheaters Castrop-Rauxel. Vom 26. bis 30. Juni 2013 gastiert das Westfälische Landestheater mit seiner Produktion in der BergArena auf der Halde Haniel in Bottrop.

BergArena auf der Halde Haniel

Die BergArena auf der Halde Haniel in Bottrop – eine Bergehalde der aktiven Steinkohlezeche Prosper-Haniel – wurde 1999 für rund 800 Zuschauer errichtet. Von der 184,9 Meter über NN hohen Halde reicht der Blick bei gutem Wetter über Bottrop, Oberhausen, das westliche Ruhrgebiet und sogar bis zu den Ausläufern des Münsterlandes. 2002 hat der baskische Maler und Bildhauer Agustín Ibarrola aus über einhundert bunt gestalteten Eisenbahnschwellen die Installation „Totems“ geschaffen. Veranstaltungen in der BergArena sind längst Kult, im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 fand hier eine Neuinszenierung von Giuseppe Verdis Oper „Aida“ unter der künstlerischen Leitung des Bottroper Regisseurs Thomas Grandoch statt. Die BergArena ist dieses Jahr ebenfalls Spielstätte der Ruhrtriennale, und auch die vom Kulturamt der Stadt Bottrop veranstalteten Aufführungen von Richard O´Brien´s „The Rocky Horror Show“ des Westfälischen Landestheaters waren bereits frühzeitig ausverkauft.

BergArena auf der Halde Haniel

Mit modernen Stadtlinienbus wurden die Besucher vom Parkplatz an der Schachtanlage Franz Haniel auf der Panorama-Straße zur BergArena auf der Halde gefahren. Maja Brüggemeier und Werner Bartelt-Brüggemeier vom Bottroper Figurentheater „Sonstwo“ verkürzten den Zuschauern mit ihren Walk Acts die Wartezeit bis zum Vorstellungsbeginn. Das Wetter konnte man am 26. Juni 2013 mit Temperaturen um die 14 °C eher als herbstlich bezeichnen, glücklicherweise blieb es während der gesamten Vorstellung trocken, wenn man von dem üblichen „Regen“ aus den Wasserpistolen absieht, der bei „The Rocky Horror Show“ einfach Kult und wie das Werfen von Reis und Klopapierrollen in den entsprechenden Szenen fester Bestandteil einer jeden Aufführung der unkonventionellen Show ist.

Ensemble

Regisseur Reinhardt Friese, seit der Spielzeit 2012/2013 Intendant des Städtebundtheaters Hof, hat „The Rocky Horror Show“ bereits am Hessischen Staatstheater Wiesbaden (Premiere 29. August 1999) inszeniert und orientiert sich an der Kinofassung „The Rocky Horror Picture Show“, dabei wird er von Bühnen- und Kostümbildnerin Annette Mahlendorf unterstützt, die das abstrakte Bühnenbild in Form eines Filmstreifens gestaltet hat, der die Spielfläche mit den Perforationsrändern quasi einrahmt. Die aufklappbare, weiße Rückwand kann auch als Projektionsfläche genutzt werden, wenn es dann dunkel wäre wie beispielsweise bei Indoor-Vorstellungen, der Band hat sie ihren Platz auf einem Podest oberhalb der Spielfläche zugedacht. In der BergArena wurde auf die Montage dieses Podestes verzichtet, um der Gefahr durch Windböen auf der zugigen Halde vorzubeugen. Stattdessen spielt die Band hier auf der Ladefläche eines seitlich hinter der Bühne abgestellten Lastkraftwagens. Größere Requisiten wie das Bücherregal des Erzählers werden jeweils von der Seite auf die Spielfläche geschoben. Auch ihre bizarr schrillen Kostüme mit Ausnahme von Magenta und Riff Raff als Aliens hat Annette Mahlendorf an den Film angelehnt, ohne jedoch eine bloße Kopie abzuliefern.

Michèle Fichtner (Janet Weiss), Julia Panzilius (Columbia), Léon van Leeuwenberg (Frank´n´Furter), Chris Murray (Riff Raff) und Sophie Schmidt (Magenta)

Das gesamte Ensemble lieferte trotz herbstlicher Temperaturen und teilweise spärlicher Bekleidung eine grandiose Performance und konnte das Publikum bereits mit der Ouvertüre für sich gewinnen. Man könnte auch ohne Übertreibung von einem Happening sprechen, das in der BergArena zelebriert wurde. Ohne damit die Leistung der übrigen Darsteller schmälern zu wollen, seien an dieser Stelle Chris Murray als buckliger Butler Riff Raff, Léon van Leeuwenberg als dekadenter Transvestit Frank´n´Furter, Daniel Printz und Michèle Fichtner als Brad Majors und Janet Weiss, Stefan Reil als Rocky Horror, Steffen Weixler in der Doppelrolle Eddie/Dr. Everett Scott) sowie Sophie Schmidt als Magenta/Platzanweiserin und Julia Panzilius als Columbia genannt. Léon van Leeuwenberg kennt man eher in Rollen wie Kaiser Franz Joseph in „Elisabeth“, Amos Hart in „Chicago“ oder Bap in „We Will Rock You“, hier beweist er als Frank´n´Furter Wandlungsfähigkeit, wobei er die Figur weniger schrill anlegt als beispielsweise Tim Curry und ihr so seine persönliche Note verleiht. Chris Murray mag zwar die kleinere Rolle und weniger zu singen haben, aber darstellerisch stellt er seinen „Meister“ mit der Interpretation des Butlers beinahe in den Schatten. Michèle Fichtner vollführt glaubhaft die Wandlung vom schüchternen Mauerblümchen zum sexbesessenen Vamp, und auch Daniel Printz lässt die Wandlung vom Spießer zum Lüstling nachvollziehen, wenn beide schließlich lustvoll bei Franks inszeniertem Bühnen-Happening in High-Heels und Strapsen mittanzen. Stefan Reil sieht nicht nur gut aus, sondern kann – anders als Peter Hinwood, der Darsteller des Rocky in der „Rocky Horror Picture Show“, dessen Part vom australischen Sänger Trevor White synchronisiert wurde – auch gesanglich in seiner Rolle überzeugen. Barbara Manegold hat in Anlehnung an die Kinofassung „The Rocky Horror Picture Show“ ebenfalls Rock´n´Roll-Sequenzen mit Hebungen und eben jene Stepptanz-Nummer (Steppchoreografie Bernd Paffrath) im „Time Warp“ in ihre Choreografie aufgenommen, in der Columbia solistisch im Vordergrund steht. Schauspielerin Julia Panzilius meistert diesen Part mit Bravour, obwohl sie erst wenige Wochen vor Probenbeginn begonnen hat, zu steppen. Respekt!

BergArena auf der Halde Haniel

Zum Schluss hielt es wirklich niemanden mehr auf seinem Platz, und bei den beiden Zugaben „Hot Patootie – Bless My Soul“ und „The Time Warp“ wurde noch einmal richtig Stimmung gemacht. Eigentlich schade, dass die ersten Zuschauer schon währenddessen die BergArena verlassen haben, um auch ja den ersten Shuttlebus zurück zum Parkplatz an der Schachtanlage Franz Haniel zu erwischen. Das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel zeigt Richard O´Brien´s „The Rocky Horror Show“ in der Spielzeit 2013/2014 noch etliche Male an unterschiedlichen Stellen, bisher sind Vorstellungen bis Ende Mai 2014 disponiert.

BergArena auf der Halde Haniel nach der Vorstellung

Schachtanlage Franz Haniel

Szenenfotos zu der Aufführung kann man sich hier anschauen. Haben Sie die Aufführung von Richard O´Brien´s „The Rocky Horror Show“ des Westfälischen Landestheaters in Bottrop oder Castrop-Rauxel selbst schon gesehen? Wie hat Ihnen die Vorstellung gefallen?

EMSCHERKUNST.2013: Tour Emschermündung

Kontrast zwischen Industrie und Natur

Hof Emschermündung

Am 5. April 2013 wurde in Dinslaken der Grundstein für den Umbau des Emscher-Mündungshofs gelegt. Von der Emschergenossenschaft betrieben, bietet der Hof Informationen rund um den Emscherumbau und beherbergt eines der Besucherzentren der EMSCHERKUNST.2013. Weiterhin wird der Hof neuer Lern- und Bildungsort der Netzwerkinitiative „sevengardens“, die dort Färbergärten anlegen und Workshops anbieten möchte.

Detail aus „Aus der Aufklärung“, 1000 Zelte, 110 × 250 × 210 cm von Ai Weiwei, im Hintergrund das Kraftwerk Voerde

Unter dem Titel „Aus der Aufklärung“ entwickelte der chinesische Künstler und Architekt Ai Weiwei für die EMSCHERKUNST.2013 ein ganz besonderes Projekt: 1.000 Zelte für je zwei Personen laden Besucher und Anwohner an 10 ausgewählten Zeltplätzen entlang der Emscher in Dinslaken (Am Emscherdeich, Emschermündungshof, Wiesendreieck), Oberhausen (Emscherdorf, Haus Ripshorst, Klärpark Läppkes Mühlenbach), Bottrop (BernePark) und Gelsenkirchen (Blaues Pumpwerk, Hafen Nordstern, Wilde Insel) zum Campen ein. Ausgestattet sind die Zeltplätze mit einfachen sanitären Anlagen. Zu buchen sind die Zelte gegen eine geringe Leihgebühr von 12 Euro je Zelt (für zwei Personen, max. drei Personen, z. B. mit Kind) unter www.emscherkunst.de. Die Zelte werden an den drei Besucherzentren der EMSCHERKUNST.2013 in Dinslaken (Emschermündungshof), Oberhausen (Emscherdorf) und Gelsenkirchen (Blaues Pumpwerk Gelsenkirchen-Horst im Nordsternpark) bereitgehalten und können an den zehn genannten Standorten aufgeschlagen werden. Mit der Übernachtung erhalten Besucher außerdem die Möglichkeit, an der Verlosung der 1.000 Zelte im Anschluss an die Ausstellung teilzunehmen.


„Fluss wird Wolke“ von Rainer Maria Matysik

„Fluss wird Wolke“ von Rainer Maria Matysik

Rainer Maria Matysik (* 1967 in Duisburg) verwandelt für die EMSCHERKUNST.2013 die Emscher an der Emschermündung in Dinslaken. Mit Hilfe einer Maschine wird das Wasser der Emscher in wolkenbildenden Dampf umgewandelt. Die hierfür notwendige Energie wird regenerativ aus dem Fluss selbst gewonnen. Die Emscher endet so nicht einfach, indem sie im Rhein aufgeht, sondern ein Teil von ihr steigt als Wasserdampf in den Himmel auf. Darüber hinaus hat Rainer Maria Matysik eine begehbare, seifenblasenähnliche Skulptur installiert, die verschiedene Arbeiten zum Thema Wolken zeigt. Während der Öffnungszeiten der Ausstellung kann diese besucht werden und bietet für bis zu zwei Gäste eine Schlafgelegenheit für eine Nacht, die unter www.emscherkunst.de gebucht werden kann.

„Fluss wird Wolke“ von Rainer Maria Matysik

Am kommenden Sonntag, 30. Juni 2013 wird Rainer Maria Matysik von 15 bis 16.30 Uhr sein Werk an der Emschermündung vorstellen und gemeinsam mit dem Kurator Florian Matzner, der Ausstellungsleiterin Simone Timmerhaus und allen interessierten Besuchern die Hintergründen und den Kontext seines Projektes diskutieren. Die Diskussionsrunde bildet den Auftakt zur diesjährigen Veranstaltungsreihe „Künstler vor Ort“.

Schlafgelegenheit in „Fluss wird Wolke“ von Rainer Maria Matysik

Emschermündung

Emschermündung


„The Settlement“ von Hans Op de Beeck

„The Settlement“ von Hans Op de Beeck
Maßstabsgerechte, um 60% verkleinerte Ansammlung von Hütten auf Stelzen, Stegen, Booten; Hintergrundwand 13 × 4 m; Holz- und Stahlkonstruktion; Wasserbassin Länge 13 m × Breite 10 m

Hans Op de Beeck (* 1969 in Turnhout, Belgien) hat für die EMSCHERKUNST.2013 den Archetyp einer Siedlung entworfen: „The Settlement“. Die Skulptur besteht aus 20 kleinen Häusern, die durch ein Holzgerüst miteinander verbunden und in einem flachen Wasserbassin platziert sind. In ihrer Bauweise erinnert die Modellsiedlung an Pfahlbauten und Stelzendörfer, wie sie in der Karibik, auf den Philippinen oder in Vietnam üblich sind. Daneben wird die Szenerie durch Miniaturboote und Figuren belebt. Jedes Detail der Arbeit wurde dabei von Hand gefertigt. In seinen Arbeiten beschäftigt sich Hans Op de Beeck häufig mit Parallelwelten und ruft fiktive Umgebungen hervor. Dieses seltsame, stille kleine Dorf wirkt als sei es bewohnt. Es bietet einer kleinen imaginären Gemeinschat ein Zuhause, so Hans Op de Beeck, und lädt den Besucher ein, sich Gschichten um das Dorf herum auszudenken. Gleichzeitig erhält die Skulptur durch den einfarbigen Anstrich einen fremdartigen, sterilen Anklang.

„The Settlement“ von Hans Op de Beeck

„The Settlement“ von Hans Op de Beeck

„The Settlement“ von Hans Op de Beeck

„The Settlement“ von Hans Op de Beeck


„Luftsenkel“ von West 8

Brücke über die Emscher an der Schloßstraße

Adriaan Geuze und Karsten Buchholz vom Planungsbüro West 8 mit Hauptsitz in Rotterdam – 1987 von Adriaan Geuze (* 1960 in Rotterdam) gegründet – werden für die EMSCHERKUNST.2013 das Brückengeländer an der Brücke über die Emscher an der Schloßstraße durch eine weiche, pendelnde und sich selbst umschlingende Geländerskulptur ersetzen. Aus der Projektbeschreibung auf der Homepage der EMSCHERKUNST ist zu erfahren, dass das Brückengeländer voraussichtlich im August 2013 fertiggestellt werden soll.

Nachtrag: Inzwischen ist auf der Homepage der EMSCHERKUNST folgender Hinweis zu finden: „Aufgrund von technischen Schwierigkeiten ist die Umsetzung des künstlerischen Entwurfes „Luftsenkel“ derzeit nicht möglich. Hierdurch wird der Bau des technisch aufwändigen Brückengeländers nicht mehr im Rahmen der EMSCHERKUNST.2013 erfolgen.“ Da fragt man sich doch, welcher Art diese technischen Schwierigkeiten sind, und warum diese nicht früher bekannt waren. Immerhin hat man konsequneterweise die Veranstaltung „Künstler vor Ort“ am 21. September 2013 aus dem Veranstaltungsverzeichnis gestrichen. So erspart man den Künstlern wenigstens die peinlichen Fragen vor Ort.


„Land für 5 finale Handlungen“ der Galerie für Landschaftkunst

Erläuterungen zum „Land für 5 finale Handlungen“ der Galerie für Landschaftkunst

Das „Land für 5 finale Handlungen“ ist aus meiner Sicht ein Projekt mit deutlichem Erklärungs- und Diskussionsbedarf: Warum wird am Wehofer Feld in Dinslaken-Averhof ein Stück Land allen Nutzungen und Zwecken entzogen, und warum soll es von nun an und für alle Zeiten das Land für 5 finale Handlungen sein? Auf der ehemaligen Eisenbahnbrücke über die Emscher ist lediglich ein recht spärlich ausgefallener Erläuterungstext angebracht, ein Kunstvermittler stehr an dieser Stelle nicht zur Verfügung und ist, wie mir ein Kunstvermittler versicherte, auch nicht vorgesehen.

Erläuterungen zum „Land für 5 finale Handlungen“ der Galerie für Landschaftkunst

Erläuterungen zum „Land für 5 finale Handlungen“ der Galerie für Landschaftkunst

Im Rahmen der EMSCHERKUNST sollen die ersten drei der 5 finalen Handlungen auf dem von Till Krause, Galerie für Landschaftskunst konzipierten, etwa 40 m² große Areal vollzogen werden:
  • August 2013: Das letzte Rennen, Klara Hobza
  • Sonntag, 29. September 2013, 19.00 Uhr: Große Emscher-Teufelsaustreibung, Performance von Stephan Dillemuth
Die dritte der 5 finalen Handlung ist bisher noch nicht publiziert bzw. ist mir nicht bekannt. Es gibt eine Website zum Land für 5 finale Handlungen, die ab Mitte Juli 2013 kontinuierlich um weitere Informationen ergänzt werden soll.

Das „Land für 5 finale Handlungen“ der Galerie für Landschaftskunst auf dem Wehofener Feld in Duisburg. Foto: Till Krause für EMSCHERKUNST


„Gesellschaft der Amateur-Ornithologen“ von Mark Dion

Kraftwerk Walsum, davor die „Gesellschaft der Amateur-Ornithologen“ von Mark Dion

„Gesellschaft der Amateur-Ornithologen“ von Mark Dion

„Gesellschaft der Amateur-Ornithologen“ von Mark Dion

Wacholderbrennerei Claus in Alt-Walsum, Kaiserstraße 57

Wacholderbrennerei Claus, dahinter der Kirchturm von St. Dionysius


„Antiherbst“ von Michael Sailstorfer

„Antiherbst“ von Michael Sailstorfer

In einer Videoinstallation hat Michael Sailstorfer (* 1979 in Velden, Deutschland) an einem einzeln stehenden Baum auf dem Rheindeich zwischen Duisburg und Dinslaken eine Langzeit-Performance aus dem letzten Herbst dokumentiert, in der die herabgefallenen Blätter des Baumes wieder an die Äste geheftet wurden, wodurch der Eindruck entsteht, dass sich die Blätter lediglich verändern, aber nicht abfallen.

„Antiherbst“ von Michael Sailstorfer

Ein wenig nachdenklich stimmt mich bei dieser Installation, dass für den Betrieb natürlich Strom erforderlich ist, der mit einem Generator erzeugt wird. Keine 20 Meter von dem Bauwagen entfernt, in dem „Antiherbst“ gezeigt wird, befindet sich ein Vereinsheim/Baukeller des 1. FMC Walsum e. V., dessen Dach mit Solarmodulen bedeckt ist. Da fragt man sich doch, wie das unter ökologischen Gesichtspunkten vereinbar ist.

„Antiherbst“ von Michael Sailstorfer

Dienstag, 25. Juni 2013

EMSCHERKUNST.2013: Gelsenkirchen

„Monument for a forgotten future“

Anlagen der Ruhr Oel Raffinerie

Das „Monument for a forgotten future“ auf der „Wilden Insel“ (51°31’50,81” N, 7°3’7,86” E) in der Nähe der Schleuse Gelsenkirchen RHK km 23,323 ist im Rahmen der EMSCHERKUNST.2010 in Zusammenarbeit des deutschen Bildhauers und Konzeptkünstlers Olaf Nicolai (* 1962 in Halle an der Saale) mit der schottischen Rockband Mogwai (Dominic Aitchison, Stuart Braithwaite, Martin Bulloch, Barry Burns und John Cummings) unter der künstlerischen Leitung von Douglas Gordon als maßstabsgerechte Kopie einer Bergformation aus dem Joshua Tree Nationalpark im Süden Kaliforniens entstanden, im Inneren des Felsens erklingt das etwa 23-minütige Stück „Music for a forgotten future (The singing mountain)“ von Mogwai, welches auch auf deren Doppel-CD „Hardcore will never die, but you will“ erschienen ist.

„Monument for a forgotten future“


„Ring Bell – the solar orchestra and the wind structures“

Kohlebunker im Nordsternpark Gelsenkirchen

Ab 1928 wurde auf der Emscher-Insel zwischen Emscher und Rhein-Herne-Kanal nach Entwürfen des Industriearchitekten Fritz Schupp (* 22. Dezember 1896 in Uerdingen, † 1. August 1974 in Essen) eine Zentralkokerei mit zwei parallelen Koksofenbatterien und insgesamt 200 Koksöfen errichtet. 1970 wurde diese einzigartige Industrieanlage abgerissen. Eine Zeichnung im ehemaligen Kohlebunker (51°31’19,11” N, 7°1’51,98” E) der Kohlenmischanlage, der zur Bundesgartenschau 1997 im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Emscher Park schon einmal bespielt wurde, vermittelt einen ungefähren Eindruck vom Aussehen der Zentralkokerei. Darüber eine Erläuterung von Fritz Schupp: „Der Begriff der funktionellen Architektur: Man möchte damit sagen, dass im Rhythmus der Baukörper und Baumassen der Rhythmus der Funktionen zum Ausdruck kommen soll, der sich in ihnen vollzieht.“ (Fritz Schupp, 1929)

„Ring Bell – the solar orchestra and the wind structures“ von Tomás Saraceno

Jeder wird bei Alexander Graham Bell (* 3. März 1847 in Edinburgh, Schottland, † 1. August 1922 in Baddeck, Nova Scotia, Kanada) als erstes an die Erfindung des Telefons denken, obwohl diese eigentlich Antonio Meucci (* 13. April 1808 in San Frediano bei Florenz, † 18. Oktober 1889 in New York) zu verdanken ist. Doch ihm fehlten die finanziellen Mittel, um seine Erfindung endgültig zum Patent anzumelden, und so lief ein vorläufiges Patent 1873 aus. 1876 meldete Alexander Graham Bell sein Telefon zum Patent an. Neben der Kommunikation ging er auch wissenschaftlichen Experimenten mit Drachen, Flugzeugen und tetraedrischen Strukturen nach. Er entdeckte, dass ein aus dreidimensionalen Dreiecken hergestelltes Tetraeder-Fachwerk ein erhebliches Gewicht tragen kann, selbst wenn es aus leichten Materialien gebaut ist. Alexander Graham Bell machte umfangreiche aerodynamische Studien mit diesen Drachen, bevor er versuchte, Flugzeuge zu bauen. Der argentinische Performance- und Installationskünstler Tomás Saraceno (* 1973 in San Miguel de Tucumán, Argentinien), bekannt für seine dreidimensionalen, raumfüllenden Installationen, greift Bells Ideen in seinem Werk „Ring Bell – the solar orchestra and the wind structures“ auf. Sein Modell sieht einem Ring-Drachen auf einer Fotografie von Gilbert H. Grosvenor vom 7. Juli 1908 sehr ähnlich, schließlich hat sich die Aerodynamik in gut 100 Jahren nicht grundlegend geändert. Was Spiegel Online womöglich dazu inspiriert hat, in einer Fotostrecke zur EMSCHERKUNST zu behaupten: Monumentaler Flugdrachen: „Graham Bells Ring Kite“ von Tomás Saraceno kreist über einem ehemaligen Kohlebunker im Gelsenkirchener Nordstern-Park. Das ist natürlich ausgemachter Humbug, über dem Kohlebunker kreist gar nichts, dagegen hätte womöglich das Luftfahrt-Bundesamt etwas einzuwenden. Tatsache ist dagegen, dass Tomás Saraceno für die EMSCHERKUNST.2013 einen flugfähigen Drachen aus Kohlefaserröhren mit Tetraeder Fachwerk aus laminierter Solarfolie entwickelt hat, der auf dem Kohlebunker an Stahlseilen befestigt ist und mit Hilfe zweier Kettenzüge etwa zwei bis drei Meter über das Dach angehoben werden kann. Und damit niemand bei dem ursprünglichen Titel „Graham Bell´s Ring Kite“ auf die Idee kommt, es handele sich lediglich um einen Nachbau von Graham Bells Ring-Drachen, trägt das Projekt nunmehr den Namen „Ring Bell – the solar orchestra and the wind structures“. In der „Kunst- und Radkarte“ ist es dagegen noch als „Graham Bell´s Ring Kite“ bezeichnet. Was natürlich auch nur meine persönliche Sicht auf die Dinge ist.

Detail aus „Ring Bell – the solar orchestra and the wind structures“ von Tomás Saraceno

Tomás Saraceno stellt parallel zur EMSCHERKUNST auch in einem Museum in NRW aus, da man mir dort jedoch die Akkreditierung verweigert hat, kann ich an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen!