Mittwoch, 27. Februar 2013

Les Misérables

„Les Misérables“ – Verfilmung des gleichnamigen Muiscals nach dem Roman von Victor Hugo; Vereinigtes Königreich 2012; 158 Minuten; Musik: Claude-Michel Schönberg; Regie: Tom Hooper; Drehbuch: William Nicholson/Alain Boublil/Claude-Michel Schönberg/Herbert Kretzmer; Kamera: Danny Cohen; Szenenbild: Eve Stewart; Schnitt: Chris Dickens/Melanie Ann Oliver; Kostüme: Paco Delgado; Orchestrierung: Anne Dudley/Stephen Metcalfe; Musikalische Leitung: Becky Bentham; Dirigent: Stephen Brooker. Darsteller: Hugh Jackman (Jean Valjean), Russell Crowe (Inspektor Javert), Anne Hathaway (Fantine), Isabelle Allen (Cosette, ihre Tochter, als Kind), Amanda Seyfried (Cosette als heranwachsendes Mädchen), Mike Jibson (Vorarbeiter), Colm Wilkinson (Monseigneur Bienvenu, Bischof von Digne), Sacha Baron Cohen (Thénardier), Helena Bonham Carter (Madame Thénardier), Samantha Barks (Éponine Thénardier, ihre Tochter), Marc Pickering (Montparnasse), Ian Pirie (Babet), Adam Pearce (Brujon), Julian Bleach (Claquesous, Räuberbande der Thénardiers), Eddie Redmayne (Marius Pontmercy, Student), Aaron Tveit (Enjolras, Anführer der Studenten), Killian Donnelly (Combeferre), Gabriel Vick (Feuilly), Fra Fee (Courfeyrac), Hugh Skinner (Joly), George Blagden (Grantaire), Stuart Neal (Lesgles), Alistair Brammer (Jean Prouvaire, Studenten), Daniel Huttlestone (Gavroche, ein Pariser Straßenjunge), Kerry Ellis (Fabrikarbeiterin), Frances Ruffelle (Prostituierte), Jacqueline Dankworth (Bettlerin), Nicola Sloane (Hair Crone), Bertie Carvel (Bamatabois), Stephen Tate (Fauchelevent) u. a.; FSK ab 12 Jahre



„Les Misérables“


Claude-Michel Schönbergs Musical auf der großen Leinwand


Nachdem die britische Verfilmung des gleichnamigen Musicals in der Regie von Tom Hooper bereits am 5. Dezember 2012 im Odeon Leicester Square in London seine Weltpremiere erlebte, am 25. Dezember 2012 in den USA und am 11. Januar 2013 in UK veröffentlicht wurde und schließlich die Vorführung bei der diesjährigen Berlinale am 9. Februar 2013 im Friedrichstadt-Palast von diversen Multiplex-Kinos übertragen wurde, dürften den Film wohl zwischenzeitlich alle Musical-Interessierten gesehen haben, selbst der offizielle Kinostart in Deutschland am 21. Februar 2012 fand bereits vergangene Woche statt. Derweil folgten auf die Auszeichnung am 13. Januar 2013 mit drei Golden Globe Awards (Bestes Filmmusical, Hugh Jackman als Bester Musical-Hauptdarsteller, Anne Hathaway als Beste Nebendarstellerin) bei den 66th British Academy Film Awards am 10. Februar 2013 vier Auszeichnungen (Anne Hathaway als Beste Nebendarstellerin, Simon Hayes (Production Sound Mixer), Andy Nelson, Mark Paterson (Re-Recording Mixers), Lee Walpole, John Warhurst (Supervising Sound Editors), Jonathan Allen (Music recorded and mixed by) für Bester Ton, Eve Stewart (Production Designer), Anna Lynch-Robinson (Set Decorator) für Bestes Szenenbild, Lisa Westcott (Hair and Make Up Designer) für Beste Maske) und bei den den 85th Academy Awards am 24. Februar 2013 drei Oscars (Anne Hathaway als Beste Nebendarstellerin, Simon Hayes (Production Sound Mixer), Andy Nelson, Mark Paterson (Re-Recording Mixers) für Bester Ton, Lisa Westcott (Hair Designer), Julie Dartnell (Make-Up & Hair Artist) für Bestes Make-Up und Frisuren)). „Les Misérables“ spielte bei einem Produktionsbudget von 61 Millionen US-Dollar lt. Box Office Mojo bis 26. Februar 2013 weltweit 395.086.315 US-Dollar ein.

Großer Saal der Lichtburg Essen

Da für mich von Anfang an feststand, dass ich mir diesen Film auf der mit 160 m² größten Rollbildwand Europas im mit 1.250 Plätzen größten Kinosaal Deutschlands am Kinotag ansehen möchte, war ein wenig Geduld gefragt. In der Zwischenzeit sind weltweit tausende von Kritiken zu diesem Film publiziert worden, da dürfte für jeden das Passende dabei sein, unabhängig davon, ob man nun nach einer Besprechung sucht, die den eigenen Eindrücken am nächsten kommt, oder lieber nach einer, über die man am besten lästern kann… Foren sind voll mit Diskussionen über Filmkritiken, dort wird mit Hohn und Spott nicht gespart. Und daher werde ich mir an dieser Stelle auch nicht mehr die Zeit für eine detaillierte Besprechung nehmen, wo doch eigentlich schon alles gesagt ist. Ich betrachte diesen Blogeintrag eher als meine persönlichen Gedanken und Notizen zu diesem Film – die Namensgebung für den gesamten Weblog sollte dies von Anfang an unterstreichen – wer darin stöbern möchte, kann das gern tun, wer anderer Meinung ist, kann die auch gern kundtun, aber eben nicht in unflätiger Art und Weise in meinem Notizblock. Überhaupt wäre es wohl mal an der Zeit, hier ein wenig „Tabula rasa zu machen“, doch hebe ich mir das lieber für Blogeinträge auf, in denen es dann auch gelesen wird…

Aus meiner Sicht hat sich der Kinobesuch in der Lichtburg Essen auf jeden Fall gelohnt. Für mein Empfinden kommt kein Multiplex-Kino an das Flair des historischen Filmtheaters heran, das in Bezug auf Projektionstechnik und Tonanlage hinter keinem Multiplex-Kinos zurückzustehen braucht. Ein klein wenig verwundert hat mich der geringe Zuschauer­zu­spruch am Dienstagabend. Wie bereits erwähnt ist der Dienstag in der Lichtburg Kinotag, an dem im Parkett mit 696 Plätzen für „Les Misérables“ 6,50 € Eintritt inkl. 1,00 € Überlängenzuschlag zu zahlen sind. Günstiger dürfte man einen „Musicalbesuch“ wohl nirgends bekommen. Dennoch hatten sich lediglich 16 Zuschauer ins Parkett „verlaufen“, was dann schon fast an eine geschlossene Vorstellung erinnert. Das mag zwar auch Vorteile haben, aber für die Kinobetreiberin dürften wohl die Nachteile überwiegen. Es ist zwar schon über 10 Jahre her, seit „Les Misérables“ im Theater am Marientor in Duisburg im Zuge des Konkurs­ver­fahrens der Stella AG im November 1999 eingestellt wurde, doch auch nach dieser Zeit scheint das Interesse an dem Stoff in der Metropole Ruhr nicht sonderlich groß zu sein. Ungeachtet dessen steht der Film aber auch noch vom 28. Februar bis 6. März 2013 in der Lichtburg mit täglich zwei Vorstellungen in der Englischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln (ohne Synchronisierung der gesprochenen Texte) auf dem Programm.

Tom Hoopers Film stellt eine bildgewaltige Leinwandumsetzung des Bühnenmusicals dar, dessen geschichtlichen Hintergrund die Pariser Barrikadenkämpfe während des Juniaufstandes von 1832 bilden. Erzählt wird die Geschichte des auf Bewährung freigelassenen Sträflings Jean Valjean, der auf der Flucht vor Inspektor Javert Fantines Tochter Cosette als Ziehvater bei sich aufnimmt. Während der Barrikadenkämpfe rettet Jean Valjean aus Liebe zu Cosette ihren Geliebten Marius Pontmercy ohne dessen Wissen. Als Marius schließlich bei der Hochzeit mit Cosette davon erfährt und Jean Valjean um Verzeihung bitten möchte, liegt dieser bereits im Sterben. Die Filmumsetzung gibt einen guten Eindruck von der Übermacht der Regierungstruppen gegenüber den Aufständischen und lässt dementsprechend nachvollziehen, warum der Juniaufstand keine unmittelbaren politischen Veränderungen zur Folge hatte. Für die Hauptrollen wurden größtenteils Hollywoodgrößen besetzt, nur wenige Hauptdarsteller haben tatsächlich eine Musical-Ausbildung durchlaufen. Auch Hugh Jackman, der 2004 für seine Interpretation des Peter Allen in „The Boy from Oz“ den Tony Award als Bester Hauptdarsteller gewonnen hat, hat ursprünglich eine Schauspielausbildung absolviert. Colm Wilkinson, der im Film den Bischof von Digne spielt, hat in der Uraufführung von „Les Misérables“ die Rolle des Jean Valjean kreiert. Samantha Barks hat ihre Filmrolle der Éponine Thénardier bereits am Londoner West End und in der konzertanten Aufführung zum 25-jährigen Jubiläum im The O2 in Greenwich gesungen. Vor diesem Hintergrund kann man natürlich nicht erwarten, dass alle Darsteller absolut perfekt singen können. Vielmehr ist anzunehmen, dass die Besetzung im Hinblick auf allgemeinen Publikumszuspruch und dementsprechenden finanziellen Erfolg ausgewählt wurde. Was hilft eine Besetzung mit „perfekten“ Musicaldarstellern, die einem breiten, nicht Musical-affinen Publikum unbekannt sind, wenn der Film dann vor leeren Kinosälen gespielt wird? Gemessen am o. g. Einspielergebnis wurde offensichtlich ein guter Kompromiss gefunden, mögen die Hardcore-Musicalfans auch noch so zetern… sie schauen sich den Film ja dennoch an.

Mir persönlich hat die Umsetzung des Musicals im Film gut gefallen, das Medium bietet natürlich im Vergleich zur Ausstattung auf der Bühne auch weitaus mehr Möglichkeiten, auch wenn einige Details dann doch wieder künstlich wie auf einer Bühne wirken. Witzigerweise hat mich „On My Own“ von Samantha Barks an eine Vorstellung des Musicals bei den Bad Hersfelder Festspielen erinnert, in der Janina Goy die Rolle der Éponine verkörperte, und bei ihrem Song „Nur für mich“ mit der Textzeile „Regen fällt, die Straße fließt wie Silber“ fing es tatsächlich an zu regnen. Die Szene schreit im Film doch geradezu nach einsetzendem Regen, wer wundert sich da noch, dass sie tatsächlich so inszeniert ist? Im Film stehen jederzeit die Darsteller im Vordergrund, das kommt zum einen durch die Nahaufnahmen bei den Songs zum Ausdruck, bei deren Aufnahme die Darsteller live gesungen haben, und zum anderen tritt auch das nachträglich hinzugemischte Orchester gegenüber dem Gesang in den Hintergrund. Wer vom Orchester „weggeblasen“ werden möchte, der wird von diesem Film mit der beschriebenen Tonabmischung sicher enttäuscht sein. Nun fragt sich der geneigte Leser sicher, ob er sich den Film anschauen soll… ich denke, das hängt wirklich von den persönlichen Vorlieben ab, und da diese ganz individuell sind, ist diese Frage sicher nicht global zu beantworten.

Montag, 25. Februar 2013

Lotte Lenya Competition 2013

Auszeichnung der Kurt Weill Foundation for Music für talentierte junge SängerInnen/SchauspielerInnen

Im Gedenken an Lotte Lenya (* 18. Oktober 1898 in Wien, † 27. November 1981 in New York), eine außergewöhnliche Sängerin/Schauspielerin und eine der führenden Interpreten der Musik ihres Mannes Kurt Weill (* 2. März 1900 in Dessau, † 3. April 1950 in New York), etablierte die Kurt Weill Foundation for Music 1998 zu ihrem 100. Geburtstag den jährlich stattfindenden Lotte Lenya Wettbewerb.

Der renomierte Wettbewerb zeichnet talentierte junge SängerInnen/SchauspielerInnen aus, die sowohl musikalisch als auch darstellerisch mit einem Repertoire von Oper/Operette über Musical bis zu Kurt-Weill-Songs überzeugen können, wobei der Schwerpunkt auf den Werken von Kurt Weill liegt. Damit ist der Lotte Lenya Wettbewerb nicht nur ein Gesangswettbewerb, sondern betont ein breit gefächertes Repertoire in Verbindung mit dem Schauspiel im darstellerischen Kontext.

Preisträger vergangener Jahre sind u. a. David Arnsperger (2010, zweiter Preis), Alen Hodzovic (2009, erster Preis), Rebecca Jo Loeb (2008, erster Preis), Tora Augestad (2008, Lys Symonette Award für Outstanding Performance of Individual Numbers), Annette Postel (2000, erster Preis), Kaja Plessing, Kathrin Unger, Cordula Wirkner (2000, zweiter Preis), Dirk Weiler (1999, zweiter Preis) und Heidi Bieber (1998, erster Preis).

Der Wettbewerb ist 2013 mit einem Preisgeld von 15.000 US-$ (erster Preis), 10.000 US-$ (zweiter Preis) bzw. 7.500 US-$ (dritter Preis) dotiert, die Teilnehmer im Alter zwischen 19 und 32 Jahren mussten sich bis 1. Februar 2013 mit einer Auswahl von vier Stücken auf DVD bewerben, die bestimmten Richtlinien unterliegen und die o. g. Kriterien erfüllen. Nach Beurteilung aller eingegangenen Bewerbungen wurden 25 ausgewählte Teilnehmer zu einer Audition mit den Juroren Rebecca Luker und Jeanine Tesori im Halbfinale am 15./16. März 2013 nach New York City eingeladen:
  • Alison Arnopp, Sopran (County Cork, Republik Irland)
  • Daniel Berryman, Tenor (New York)
  • John Brancy, Bariton (New York)
  • Douglas Carpenter, Bariton (Woodbridge, Connecticut)
  • Cree Carrico, Sopran (New York)
  • Ginger Costa-Jackson, Mezzosopran (Sandy, Utah)
  • Carolina Gómez, Sopran (Argentinien)
  • Amy Maude Helfer, Mezzosopran (US)
  • Christian Ketter, Tenor (Chicago)
  • Mingjie Lei, Tenor (Hengyang, China)
  • Erin Mackey, Sopran (Astoria, New York)
  • Conor McDonald, Bariton (Cincinnati)
  • Charles Z. Owen, Bass-Bariton (Cincinnati)
  • Rachel Kara Cordeiro-Pérez, Sopran (Brooklyn, New York)
  • Heather Phillips, Sopran (Philadelphia)
  • Meghan Picerno, Sopran (US)
  • Lauren Roesner, Sopran (Cincinnati)
  • Emma Rosenthal, Sopran (US)
  • Daniel Schwait, US
  • Christian Sineath, Sopran (New York)
  • Christy Sullivan, Mezzosopran (Sydney, Australien)
  • Anna Veit, Mezzosopran (Deutschland)
  • Brian Vu, Bariton (New Haven, Connecticut)
  • Allan Washington, Bariton (Winston-Salem, North Carolina)
  • Maren Weinberger, Sopran (New York)
Anna Veit, Foto: Michael Clemens, Berlin

Anna Veit hat an der Konservatorium Wien Privatuniversität Musikalisches Unterhaltungstheater (Musical, Operette, Chanson) studiert und wurde noch während ihres Studiums von den Vereinigten Bühnen Wien für „Rebecca“ engagiert. Josef Ernst Köpplinger engagierte sie für „Sweeney Todd“ am Stadttheater Klagenfurt und als Ermengarde/Mrs. Rose in „Hello Dolly“ an der Volksoper Wien. Zuletzt stand sie als Portia in der Uraufführung von „Shylock!“ am Tiroler Landestheater Innsbruck auf der Bühne. Anna Veit hat im 36. Bundeswettbewerb Gesang Berlin 2007 im Schwerpunkt Chanson den 1. Preis des Regierenden Bürgermeisters von Berlin gewonnnen. Im Sommer 2013 wird sie in der Naturkulisse der Clingenburg als Sonya in „Z – The Musical of Zorro“ von Robert W. Cabell zu sehen sein.

Das Finale wird am 13. April 2013 an der Eastman School of Music in Rochester, NY stattfinden, bei der die Finalteilnehmer erneut ihr Repertoire in einer Nachmittags- und Abend­veranstaltung präsentieren dürfen. Die Gewinner werden im Anschluss an die Abendveranstaltung bekanntgegeben.


Dienstag, 19. März 2013

Inzwischen hat die Kurt Weill Foundation for Music die 12 Finalteilnehmer am diesjährigen Lotte Lenya Wettbewerb bekanntgegeben:
  • Alison Arnopp, Sopran (County Cork, Ireland)
  • Daniel Berryman, Tenor (New York)
  • Douglas Carpenter, Bariton (Woodbridge, Connecticut)
  • Ginger Costa-Jackson, Mezzosopran (Sandy, Utah)
  • Christian Ketter, Tenor (Chicago)
  • Mingjie Lei, Tenor (Hengyang, China)
  • Erin Mackey, Sopran (Astoria, New York)
  • Rachel Kara Cordeiro-Pérez, Sopran (Brooklyn, New York)
  • Heather Phillips, Sopran (Philadelphia)
  • Lauren Roesner, Sopran (Cincinnati)
  • Christy Sullivan, Mezzosopran (Sydney, Australia)
  • Maren Weinberger, Sopran (New York)
Die Teilnehmer erhalten ein Stipendium, um die Reisekosten zu decken. Patricia Racette, James Holmes und Theodore S. Chapin werden als Juroren über die Preisvergabe entscheiden.

Die Finalisten werden ihr Repertoire am 13. April 2013 zwischen 11 und 15 Uhr vor den Juroren vortragen. Am Abend findet um 20 Uhr ein Konzert mit allen Finalisten statt, gefolgt von der Bekanntgabe der Gewinner. Sowohl der Vortrag vor den Juroren als auch das Abendkonzert können bei freiem Eintritt besucht werden und finden in der Kilbourn Hall der Eastman School of Music, 26 Gibbs Street, Rochester, New York statt.

Die Kurt Weill Foundation for Music wird zusätzlich zu den drei ersten Preisen Sonderpreise vergeben. Emerging Talent Awards gingen bereits an
  • Cree Carrico, Sopran (New York)
  • Conor McDonald, Bariton (Cincinnati)
  • Sofia Selowsky, Mezzosopran (Cincinnati)
  • Brian Vu, Bariton (New Haven, Connecticut)
  • Allan Washington, Bariton (Winston-Salem, North Carolina) und
  • Katie Wesler, Alt (Cincinnati).
Der Grace Keagy Award for Outstanding Vocal Promise ging an Charles Z. Owen, Bass-Bariton (Cincinnati).


Montag, 15. April 2013

Im Finale des diesjährigen Lotte Lenya Wettbewerbs am 13. April 2013 in der Eastman School of Music in Rochester, New York, hat Bariton Douglas Carpenter (New York) den mit 15.000 US-$ dotierten ersten Preis gewonnen, Sopranistin Maren Weinberger (New York) erhielt den mit 10.000 US-$ dotierten zweiten Preis, und zwei mit jeweils 7.500 US-$ dotierte dritte Preise gingen an Sopranistin Alison Arnopp (County Cork, Ireland) und Sopranistin Lauren Roesner (Cincinnati).

Douglas Carpenter beeindruckte die Juroren Patricia Racette, James Holmes und Theodore S. Chapin mit dem
  • „Tanzlied des Pierrot“ aus „Die tote Stadt“ (Erich Wolfgang Korngold/Paul Schott),
  • „This is New“ aus „Lady in the Dark“ (Kurt Weill/Ira Gershwin),
  • „C´est Moi“ aus „Camelot“ (Frederick Loewe/Alan Jay Lerner) und
  • „Molasses to Rum“ aus dem Musical „1776“ (Sherman Edwards/Peter Stone).
Das Repertoire der übrigen Preisträger:

Maren Weinberger
  • „Toll" (Jeff Blumenkrantz)
  • „Chacun le sait“ aus „La fille du régiment“ (Gaetano Donizetti/Jean-François Bayard, Jules-Henri Vernoy de Saint-Georges)
  • „Warm All Over“ aus „The Most Happy Fella“ (Frank Loesser)
  • „Pirate Jenny“ aus „The Threepenny Opera“ (Kurt Weill/Bertolt Brecht, Übersetzung Marc Blitzstein)
Alison Arnopp
  • „Adelaide´s Aria“ aus „The Enchanted Pig“ (Jonathan Dove/Alasdair Middleton)
  • „Je ne t´aime pas“ (Kurt Weill/Maurice Magre)
  • „A Little Bit in Love“ aus „Wonderful Town“ (Leonard Bernstein/Betty Comden, Adolph Green)
  • „Astonishing“ aus „Little Women“ (Jason Howland/Mindi Dickstein)
Lauren Roesner
  • „Barbara Song“ aus „The Threepenny Opera“ (Kurt Weill/Bertolt Brecht, Übersetzung Marc Blitzstein)
  • „My White Knight“ aus „The Music Man“ (Meredith Wilson)
  • „Tom“ aus „Hello Again“ (Michael John LaChiusa)
  • „Poor Wand´ring One“ aus „The Pirates of Penzance“ (Arthur Sullivan/William Schwenck Gilbert)

2013 Lotte Lenya Competition winners (left to right): Lauren Roesner, Alison Arnopp, Douglas Carpenter, and Maren Weinberger. Photo: Kurt Weill Foundation for Music.

Die Kurt Weill Foundation for Music, die den Wettbewerb fördert, hat in diesem Jahr insgesamt 61.500 US-$ an Preisgeldern vergeben. Zusätzlich zu den Hauptpreisen verliehen die Juroren zwei Lys Symonette Awards, benannt zu Ehren von Lys Symonette (Geburtsname Bertlies Weinschenk, * 21. Dezember 1914 in Mainz, † 27. November 2005 in Windsor, NY), die von 1945 bis 1950 die musikalische Assistentin von Kurt Weill am Broadway war und von 1950 bis 1981 Lotte Lenya begleitete und ihre musikalische Beraterin war. Die mit einem Preisgeld in Höhe von 3.000 US-$ dotierten Auszeichnungen für Outstanding Performance of an Individual Number gingen an Sopranistin Rachel Kara Cordeiro-Pérez (Brooklyn, New York) für ihre Präsentation von „Breathe“ aus „In the Heights“ (Lin-Manuel Miranda) und an Mezzosopranistin Ginger Costa-Jackson (Sandy, Utah) für ihre Präsentation von „The Alto´s Lament“ von Marcy Heisler und Zina Goldrich.

2013 Lotte Lenya Competition winners (left to right): Ginger Costa-Jackson, Rachel Kara Cordeiro-Pérez, Alison Arnopp, Douglas Carpenter, Lauren Roesner, and Maren Weinberger. Photo: Kurt Weill Foundation for Music.

Die übrigen sechs Finalisten
  • Daniel Berryman, Tenor (New York)
  • Christian Ketter, Tenor (Chicago)
  • Mingjie Lei, Tenor (Hengyang, China)
  • Erin Mackey, Sopran (Astoria, New York)
  • Heather Phillips, Sopran (Philadelphia)
  • Christy Sullivan, Mezzosopran (Sydney, Australia)
erhielten jeweils ein Preisgeld in Höhe von 1.000 US-$.

Sonntag, 24. Februar 2013

Anatevka

„Anatevka“ – nach dem jiddischen Roman „Tewje, der Milchmann“ von Scholem Alejchem; Musik: Jerry Bock; Liedtexte: Sheldon Harnick; Buch: Joseph Stein; Deutsche Bearbeitung: Rolf Merz, Gerhard Hagen; Regie: Peter Hailer; Choreografie: Kati Farkas; Bühne: Etienne Pluss; Kostüme: Uta Meenen; Musikalische Leitung: Bernhard Stengel. Darsteller: Joachim Gabriel Maaß (Tevje, ein Milchmann), Lena Stolze (Golde, seine Frau), Judith Jakob (Zeitel), Filipina Henoch (Hodel), Dorin Rahardja (Chava), Luisa Poose/Laetitia Stengel (Shprintze), Marina Akcay/Ela Nur Özdemir (Bielke), Christa Platzer (Jente, eine Heiratsvermittlerin), E. Mark Murphy (Mottel Kamzoil, ein Schneider), Patricia Pallmer (Schandel, seine Mutter), Navíd Akhavan (Perchik, ein Student), Thomas Weber-Schallauer (Lazar Wolf, ein Metzger), Sabina Detmer (Lazar Wolfs Haushälterin), Wolf-Rüdiger Klimm (Motschach, ein Gastwirt), Dieter Salje (Rabbi), Vasilios Manis (Mendel, sein Sohn), Oliver Aigner (Awram, ein Buchhändler), Norbert Labatzki (Nachum, ein Bettler / Klezmer-Klarinette), Judith Jakob (Oma Zeitel, Goldes verstorbene Großmutter), Birgit Brusselmanns (Fruma-Sara, Lazar Wolfs erste Frau), Norman Warmuth (Wachtmeister), Andreas Schneider (Fedja, ein junger Russe), Alexander Poetsch (Sasha, sein Freund), Jan Ciesielski (Russischer Vorsänger), Takashi Bernhöft (Solo-Violine), Wiltrud Maria Gödde (Rifka), Ricardo Feldmann, Matthias Günzel (Heiratskandidaten). Broadway-Premiere: 22. September 1964, Imperial Theatre, New York City. Deutsche Erstaufführung: 1. Februar 1968, Operettenhaus, Hamburg. Premiere: 17. Dezember 2010, Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen.



„Anatevka“


Wiederaufnahme am Musiktheater im Revier


Ensemble, Foto: Pedro Malinowski

Tradition ist das Zauberwort in Anatevka, einem kleinen jüdischen Dorf in der Ukraine. Der gutherzige Milchmann Tevje ist stolzer wie geplagter Vater von fünf Töchtern, die unter die Haube zu bekommen sind. Doch die eigenwilligen Heiratspläne seiner erwachsenen Töchter bringen sein festgefügtes Weltbild voller traditioneller Familienwerte, nach der der Vater den heiratsvermittelten Männern den Zuschlag gibt, mächtig ins Wanken. Seine älteste Tochter Zeitel hat sich mit dem armen Schneider Mottel Kamzoil verlobt, Hodel, die zweitälteste Tochter, verliebt sich in den Studenten Perchik, und Chava, die drittälteste Tochter, möchte gar den nicht-jüdischen jungen Russen Fedja heiraten. Das sorgt für rege familiäre und dörfliche Turbulenzen. Doch dann kommt der Befehl des Zaren, dass die Juden Anatevka innerhalb von drei Tagen verlassen müssen…

Christa Platzer (Jente) und Lena Stolze (Golde), Foto: Pedro Malinowski

Im Gewand jüdischer und russischer Volksklänge, Klezmermusik und einem unverwechselbaren Broadway-Sound – die typische Broadway-Nummer „Now I have everything“/„Nun hab´ ich, was ich will“ wurde allerdings erst später zur Partitur hinzugefügt – erzählen Jerry Bock und Joseph Stein in „Anatevka“ (Originaltitel „Fiddler on the Roof“) eine große jiddische Familiensaga in unsteter Zeit am Ende des Zarenreichs und kurz vor der Revolution 1905. Die Uraufführung von „Fiddler on the Roof“ fand am 22. September 1964 am Imperial Theatre in New York statt, Zero Mostel spielte die Rolle des Milchmanns Tevje. 1965 wurde das Stück für 10 Tony Awards nominiert, wovon es 9 Auszeichnungen tatsächlich gewonnen hat. Es wurde bis 2. Juli 1972 in 3.242 Aufführungen gezeigt, und erreichte damit als erstes Broadway-Musical mehr als 3.000 Vorstellungen, wofür Harold Prince als Produzent 1972 mit einem Special Tony Award für die bis dahin längste Laufzeit in der Broadway Geschichte ausgezeichnet wurde. Bis heute wurde es allein am Broadway viermal wiederaufgenommen. Am Musiktheater im Revier feierte die Inszenierung von Peter Hailer am 17. Dezember 2010 ihre Premiere und wurde dort bis 18. Juni 2011 in 20 Vorstellungen gezeigt. Am 23. Februar 2013 wurde die Inszenierung wiederaufgenommen und steht nochmals an insgesamt 6 Terminen bis 21. April 2013 auf dem Spielplan.

Mottel Kamzoil, Tevjes Familie und Perchik beim Sabbat-Gebet,
Foto: Pedro Malinowski

„Never change a winning team.“ Diesen berühmten Ausspruch von Sir Alf Ramsey, englischer Fußballspieler und Trainer, hat auch das Musiktheater im Revier beherzigt und „Anatevka“ mit nur einer klitzekleinen Änderung in den Hauptrollen wieder­auf­genommen: Sopranistin Dorin Rahardja, die bei der Premiere im Dezember 2010 noch zum Jungen Ensemble am MiR gehörte und sich die Rolle der Chava mit Jana Stelley geteilt hat, wurde mit dieser Spielzeit als feste Solistin in das Ensemble des MiR aufgenommen und spielt bei der Wiederaufnahme alle Vorstellungen. Auch das neue Ballett im Revier unter der Leitung der neuen Ballettdirektorin Bridget Breiner wurde problemlos in das stimmige Ensemble von „Anatevka“ aus Opern­sängern, Opernchor des MiR und Gästen integriert. Hier wirkt nichts künstlich aufgesetzt, auch die Choreografien von Kati Farkas fügen sich mit traditionellen Elementen homogen in den Handlungsablauf. Bassist Joachim Gabriel Maaß ist und bleibt der Sympathie­träger des Publikums in dieser Produktion, glaubhaft und mit der nötigen Prise Humor versehen verkörpert er den Vater mit traditionellen Familienwerten, der sich von den Heiratsplänen seinen beiden ältesten Töchtern zwar noch überzeugen lässt, dem die Heirat seiner drittältesten Tochter mit einem nicht-jüdischen jungen Russen bei aller Liebe dann aber doch zu weit geht. Als seine seit mehr als 25 Jahren treusorgende Ehefrau Golde ist Lena Stolze zu sehen, die dem ein oder anderen in der Rolle der Sophie Scholl in den beiden Filmen „Die weiße Rose“ (1982, Regie Michael Verhoeven, Tipp: 25. Februar 2013, 0.35 Uhr, ARD) und „Fünf letzte Tage“ (1982, Regie Percy Adlon) sowie Sonja in „Das schreckliche Mädchen“ (1990, Regie Michael Verhoeven) etwas sagen dürfte, für die sie jeweils mit dem Bundes­film­preis ausgezeichnet wurde. Die Ehe von Tevje und Golde wurde traditionell von einer Heiratsvermittlerin gestiftet, und Lena Stolze verleiht der in Traditionen verhafteten Ehefrau überzeugend Gestalt, erst nach Jahrzehnten fragen sich die Eheleute zum ersten Mal „Ist es Liebe?“ Die Töchter Zeitel, Hodel und Chava sind bei den beiden Musical-Darstellerinnen Judith Jakob und Filipina Henoch sowie Dorin Rahardja – mit klassischer Musiktheater-Ausbildung an der Folkwang Universität der Künste – sowohl gesanglich als auch darstellerisch in guten Händen, alle drei harmonieren in dem Song „Jente, o Jente“ sehr gut miteinander.

Filipina Henoch (Hodel) und Navid Akhavan (Perchik),
Foto: Pedro Malinowski

Daneben sind der kanadische Tenor E. Mark Murphy als armer Schneider Mottel Kamzoil, der deutsch-iranische Schauspieler Navíd Akhavan als Student Perchik mit revolutionären Ideen, der aus Oberösterreich stammende Schauspieler Thomas Weber-Schallauer als Metzger Lazar Wolf und Christa Platzer als Heiratsvermittlerin Jente zu erwähnen, Musical-Darsteller Andreas Schneider ist mit der Rolle des jungen Russen Fedja gänzlich unterfordert. Herausragend Klezmer-Klarinettist Norbert Labatzki (Klezmerensemble „Badeken di Kallah“), der als Bettler Nachum auf der Bühne steht und bei der Hochzeit von Zeitel und Mottel Kamzoil zur Hora – einem traditionellen Reigen – das Klarinetten-Solo spielt, beeindruckend vom Ballett im Revier mit dem „Flaschentanz“ umgesetzt, einem alten Brauch der jemenitischen Juden, der als Wettbewerb bei festlichen Anlässen aufgeführt wird.

Judith Jakob (Zeitel) und E. Mark Murphy (Mottel Kamzoil), Ensemble
Foto: Pedro Malinowski

Regisseur Peter Hailer erzählt die Geschichte von Tevje, dem einfachen Milchmann, seiner Frau Golde und den fünf Töchtern als Familiengeschichte, in der die erwachsenen Töchter das Haus verlassen und nur glücklich werden können, wenn ihnen der Vater entgegen alter Traditionen den Weg in die Unabhängigkeit erlaubt. Die Vertreibung der Juden aufgrund des von Zar Alexander III. (von 1881 bis 1894 Kaiser von Russland) in den so genannten Maigesetzen (im Mai 1882 offiziell als „zeitlich begrenzte Verordnungen“ als Reaktion auf die Pogrome in Kraft gesetzt) festgelegten Aufenthaltsverbots in Ortschaften mit weniger als 10.000 Einwohnern erscheint hier eher wie ein Abschied von liebgewonnenen jüdischen Traditionen als ein Aufbruch in eine neue Welt. Trotz dieser eher bedrückenden Sichtweise bleibt die Familie am Ende erhalten, auch seiner Tochter Chava, die er nach der Hochzeit mit dem nicht-jüdischen jungen Russen Fedja verstoßen hat, gibt Tevje schließlich leise seinen Segen. Das Bühnenbild von Etienne Pluss wird dominiert von einer elektrischen Straßenlaterne, die es in einem Schtetl in der Ukraine zu Beginn des 20. Jahrhunderts wohl nicht gegeben hat, (Der GOELRO-Plan der Staatlichen Kommission zur Elektrifizierung Russlands wurde am 21. November 1920 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Wladimir Iljitsch Lenin trieb die Elektrifizierung voran, daher rührt der Begriff „Iljitschs Lämpchen“ für die Glühlampe.) die aber den Schauplatz der Handlung sehr schön verdeutlicht, wozu auf Rollen fahrbare Holzhütten kommen, die den bescheidenen Lebensstil der jüdischen Bevölkerung unterstreichen. Ein mit Wolken bemaltes, farbig beleuchtetes Rollo als Hintergrundprospekt sorgt für stimmungsvolle Szenarien.

Joachim Gabriel Maaß (Tevje) und Lena Stolze (Golde),
Foto: Pedro Malinowski

Mit „Anatevka“ ist dem Musiktheater im Revier überzeugende Unterhaltung an der Grenze zwischen Schauspiel und Musical gelungen, die auch bei gut dreistündiger Aufführungsdauer nie langatmig wirkt. Wer die Produktion noch nicht gesehen hat oder womöglich nochmals anschauen möchte, sollte die Gelegenheit nutzen. Weitere Aufführungen am 2., 10., 16., 30. März und 21. April 2013 (zum letzten Mal).

Ensemble, Foto: Pedro Malinowski

Haben Sie „Anatevka“ am Musiktheater im Revier selbst schon gesehen? Wie hat Ihnen die Vorstellung gefallen?

Freitag, 22. Februar 2013

Ankündigung: „Don´t stop me now“

Konzert mit Brigitte Oelke am 13. April 2013 im Stadttheater Bielefeld

Noch bevor Brigitte Oelke ab dem 18. Mai 2013 auch in „City of Angels“, der zweiten Musicalproduktion des Stadttheaters Bielefeld in der Spielzeit 2012/2013, in der Doppelrolle der Carla Haywood/Alaura Kingsley daselbst auf der Bühne stehen wird, ist die Acid Queen aus dem Musical „The Who´s Tommy“ zwei Tage nach der „We Will Rock You“-Premiere am 11. April 2013 im Colosseum Theater in Essen am 13. April 2013 (19.30 Uhr) mit ihrem Programm „Don´t stop me now“ im Stadttheater Bielefeld von einer ganz anderen Seite zu erleben. Zusammen mit ihrer vierköpfigen Band präsentiert sie ein vielseitiges Rock-Pop-Programm von Queen-Songs bis zu romantischen Balladen von Barry Manilow. Und einen Überraschungsgast hat sie auch schon angekündigt.

Brigitte Oelke, © Brigitte Oelke

Die in St. Gallen geborene Künstlerin ist ab Dezember 2004 bisher in allen deutschsprachigen Produktionen von „We Will Rock You“ in Köln, Zürich, Wien, Stuttgart, Berlin und Basel als Killer Queen aufgetreten und konnte so mit ihren Jugend­idolen Brian May und Roger Taylor zusammenarbeiten. Zuvor war sie bereits u. a. in der Uraufführung von „Tanz der Vampire“ im Ensemble mit Cover Rebecca und Cover Magda, als Nellie in der deutschsprachigen Erstaufführung von „Jekyll & Hyde“ und Lilli in der Uraufführung von „Das Mädchen Rosemarie“ zu sehen. 2011 veröffentlichte sie ihr Debüt-Album „The Private Session“, ein Akustik-Album, das sie gemeinsam mit Gitarrist Frank Rohles produziert hat. Am 31. Januar 2013 feierte Brigitte Oelke in ihrer Heimatstadt mit dem dazugehörigen Bühnenprogramm erfolgreich Premiere.

Galapremiere „Natürlich Blond – Das Musical“

Nicht nur Blondinen kamen zur umjubelten Deutschsprachigen Erstaufführung

„Natürlich Blond – Das Musical“ – nach dem gleichnamigen Roman von Amanda Brown und der Hollywood Komödie „LEGALLY blonde“ (2001) mit Reese Witherspoon; Musik, Gesangstexte: Laurence O´Keefe und Nell Benjamin; Buch: Heather Hach; Deutsche Bearbeitung: Ruth Deny (Buch), Heiko Wohlgemuth und Kevin Schroeder (Songtexte). Regie und Choreografie: Jerry Mitchell; Bühne: David Rockwell; Kostüme: Gregg Barnes; Musikalischer Leiter: Koen Schoots. Darsteller: Barbara Obermeier (Elle Woods), Jörg Neubauer (Emmett Forrest), Ana Milva Gomes (Paulette Buonufonté), Alexander Goebel (Professor Callahan), Hendrik Schall (Warner Huntington III), Sanne Mieloo (Vivienne Kensington), Dániel Rákász (Großmeister Chad/Dewey/Kyle), Linda Geider (Brooke Wyndham), Anouk Roolker (Enid Hoopes), Birgit Wanka (Serena), Anja Haeseli (Margot), Sidonie Smith (Pilar), Jennifer Siemann (Kate/Chutney, Cover Margot), Anna Carina Buchegger (Gabby/Gerichtsschreiberin, Cover Margot), Peter Kratochvil (Pforzheimer), Benjamin Sommerfeld (Lowell, Cover Emmett Forrest), Katja Berg (Courtney/Mum/Whitney, Cover Paulette Buonufonté, Cover Vivienne Kensington), Maximilian Mann (Carlo, Cover Großmeister Chad/Dewey/Kyle), Paul Knights (Kiki), Adrianna Hicks (Richterin/Verkäuferin, Cover Pilar), Armin Kahl (Dad/Winthrop, Cover Professor Callahan), Björn Klein (Aaron, Cover Emmett Forrest), Jurriaan Bles (Padamadan/Niko), Myrthes Monteiro (Cece/Staatsanwältin, Cover Serena), Marie Lumpp (Leilani, Cover Elle Woods), Amélie Dobler (Kristine, Cover Elle Woods), Breezie oder Brutus (Brutus), Lola oder Monty (Rufus), Jörn-Felix Alt (Walk-In Cover Warner Huntington III), André Bauer (Walk-In Cover Dad/Winthrop/Professor Callahan), Janine Buck (Cover Brooke Wyndham), Maria Graciano (Dance Captain, Cover Pilar), Anne-Mette Riis (Cover Brooke Wyndham), Gabriela Ryffel (Cover Paulette Buonufonté, Cover Vivienne Kensington), Jerôme Knols, Jan-Eike Majert, Georg Prohazka (Swings). Broadway Premiere: 29. April 2007, Palace Theatre, New York City. Europäische Erstaufführung: 13. Januar 2010, Savoy Theatre, London. Deutschsprachige Erstaufführung: 21. Februar 2013, Ronacher, Wien.

Ronacher

Am 21. Februar 2013 feierte das Musical „Natürlich Blond – Das Musical“ nach dem gleichnamigen Roman von Amanda Brown und der Hollywood Komödie „LEGALLY blonde“ im Wiener Ronacher seine umjubelte Deutschsprachige Erstaufführung. Neben dem international gefragten Topmodel Keira Chaplin, Enkelin von Charles Chaplin, die von den beiden Style-Experten und „STYLE UP YOUR LIFE!“ Herausgebern Adi Weiss und Michael Lameraner nach Wien eingeladen wurde, ließen sich weitere aus Rundfunk, Fernsehen und Theater bekannte Persönlichkeiten die Galapremiere im Ronacher nicht entgehen.

Ann Mandrella

Sopranistin Birgit Sarata

Moderatorin Claudia Hölzl

Monika und Sylvester Levay mit Tochter Alice und Sohn Sylvester Jr.

Lisa Antoni und Christian Alexander Müller

Lisa Antoni und Christian Alexander Müller

Generaldirektor Thomas Drozda, Nell Benjamin, Laurence O´Keefe, Heather Hach und Christian Struppeck

Thomas Drozda, Christian Struppeck, Mirjam Weichselbraun und Alfons Haider

Felix Martin

Julian Loomann und Annemieke van Dam

Michael Lameraner, Keira Chaplin und Adi Weiss

Im Anschluss an die Vorstellung wurde die erfolgreiche Premiere im großen Festsaal im Rathaus gefeiert, der an diesem Abend in Pink erleuchtet war.

Feststiege im Wiener Rathaus

Festsaal im Wiener Rathaus

Das Ensemble von „Natürlich Blond – Das Musical“, vorne Alexander Goebel, Barbara Obermeier und Jörg Neubauer

Das Ensemble von „Natürlich Blond – Das Musical“

Das Ensemble von „Natürlich Blond – Das Musical“

Das Ensemble von „Natürlich Blond – Das Musical“

Ana Milva Gomes, Barbara Obermeier und Alexander Goebel

Mirjam Weichselbraun, Barbara Obermeier und Kiera Chaplin

Mirjam Weichselbraun, Barbara Obermeier, Kiera Chaplin und Alexander Goebel

Mirjam Weichselbraun, Barbara Obermeier, Kiera Chaplin und Alexander Goebel

Keira Chaplin

Donnerstag, 21. Februar 2013

Ankündigung: Opel-Solidaritätsfest am 3. März 2013

Nach der Absage der Jubiläumsveranstaltung wird jetzt rund um den Bochumer Rathausplatz gefeiert

1960 kaufte die Stadt Bochum das Gelände der Zeche Dannenbaum in Bochum-Laer und der Zeche Bruchstraße in Bochum-Langendreer von der Gelsenkirchener Bergwerks-AG, um hier ein neues Karosserie- und Motorenwerk der Adam Opel AG anzusiedeln. In einer Rekordzeit von zwei Jahren entstand das neue Opel-Werk, das NRW-Ministerpräsident Franz Meyers am 10. Oktober 1962 eröffnete. Bereits bei der Eröffnungsfeier rollten die ersten Opel Kadett A vom Band. Der blaue Opel Kadett A in der Sonderausstellung „Schicht­wechsel – Von der Kohlekrise zum Strukturwandel“ im Maschinenhaus der Zeche Hannover sollte als Symbol für den erfolgreichen Strukturwandel an die Eröffnung des Opel-Werks im Jahr 1962 erinnern.

Opel Kadett A im Maschinenhaus der Zeche Hannover

In den 1970er Jahren waren in den Opel-Werken I, II und III in Bochum etwa 20.000 Menschen beschäftigt, am 10. Oktober 2012 waren davon nur noch 4.300 übrig geblieben (Quelle: WDR 2 „Stichtag“). Im Werk I in Bochum-Laer werden täglich rund 1.000 Einheiten der Modelle Zafira, Astra Caravan und der 5-türigen Limousine im Drei-Schicht-Betrieb gefertigt, im Werk II in Bochum-Langendreer werden Achsen und Getriebe produziert. Am 10. Dezember 2012 gab der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Thomas Sedran auf einer Betriebsversammlung bekannt, dass die Produktion von kompletten Fahrzeugen in Bochum im Jahr 2016 eingestellt wird. Das Auslaufen der Getriebefertigung ist bereits für Ende 2013 geplant. Eigentlich sollte am 15. Dezember 2012 im Werk I „50 Jahre erfolgreicher Automobilbau in Bochum“ mit einem Familienfest gefeiert werden, doch das war der Geschäfts­leitung dann wohl doch zu heikel, kurzfristig wurde das Familienfest abgesagt, denn es bestand die Gefahr, dass dieses zu Protestaktionen genutzt werden könnte, nachdem zwei Wochen vor Weihnachten die Werksschließung publik gemacht wurde.

Nachdem Bochum durch die Schließung des Nokia-Werkes zum 30. Juni 2008 bereits tausende von Arbeitsplätzen verloren hat, sollen nun durch den Wegfall der Fahrzeugfertigung nochmals etwa 3.000 Stellen allein bei Opel gestrichen werden. Die Folgen für Bochum und die Region lassen sich in letzter Konsequenz wohl noch gar nicht absehen. Daher laden Betriebsrat von Opel-Bochum und die IG Metall Bochum-Herne mit Unterstützung der Stadt Bochum zum Opel-Solidaritäts­fest am 3. März 2013 rund um den Bochumer Rathausplatz und auf dem Massenberg-Boulevard ein, das um 11 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst beginnen soll, anschließend eröffnen die Bochumer Symphoniker und Steven Sloane das umfangreiche Bühnenprogramm mit Mitgliedern aus dem Ensemble des Schauspielhauses Bochum und weitere Künstler wie Hennes Bender, Frank Goosen, Melissa Heiduk u. v. a. Zum Oldtimer-Treff werden etwa 100 Opel-Oldtimer erwartet, ab 13 Uhr gibt es ein Fotoshooting, Autogramme und Gespräche mit Spielern, Trainer und Vorstand des Bochumer Traditionsvereins VfL Bochum 1848. Daneben gibt es ein Kinderfest, reichhaltiges kulinarisches Angebot, einen Sonderstempel der Bundespost zum Solidaritätsfest und vieles mehr. Save the date: 3. März 2013, 11 bis 16 Uhr.

Ankündigung: „HIS MASTER’S VOICE: Von Stimme und Sprache“ im Dortmunder U

Neues Ausstellungsprogramm des Hartware MedienKunstVereins ab 23. März 2013

Wie handeln wir durch Sprache – und wie handelt Sprache durch uns? Die Ausstellung „HIS MASTER’S VOICE: Von Stimme und Sprache“ widmet sich den unheimlichen, irritierenden und auch komischen Momenten, die die menschliche Stimme und Sprache hervorbringen. In Performances, Videomontagen und Webprojekten wird das emotionale, soziale und politische Potential der Stimme erfahrbar: Wie hängt die Stimme mit dem Körper und der Identität eines Menschen zusammen? Was passiert, wenn sich das Gesprochene vom Sprecher löst, der Text vom Sinn oder der Ton vom Bild? Was, wenn eine Stimme gar nicht zu dem Körper gehört, der sie hervorbringt? Die KünstlerInnen lassen Bauchredner und Synchronsprecher, aber auch Propagandisten und Prediger zu Wort kommen. Sie untersuchen und reinszenieren historische und aktuelle Sprechakte, erforschen die emotionale und spirituelle Wirkung von Stimmgewalt und Wortakrobatik, spielen mit Sinn- und Identitätsverschiebungen. Und sie experimentieren dabei immer auch mit den Medien, die Stimmen aufzeichnen, zum Klingen oder zum Verstummen bringen.

HIS MASTERʼS VOICE: Von Stimme und Sprache, © HMKV

„HIS MASTER’S VOICE: Von Stimme und Sprache“ präsentiert Arbeiten u. a. von Christophe Bruno (FR), Erik Bünger (SE), William S. Burroughs & Anthony Balch (US), Aslı Çavuşoğlu (TR), YOUNG-HAE CHANG HEAVY INDUSTRIES (KR), Dortmunder Sprechchor (DE), Jakup Ferri (KOS), Jochen Gerz (DE), Richard Grayson (UK), Asta Gröting (DE), Daniel Hofer (DE), Anette Hoffmann / Andrea Bellu / Matei Bellu / Regina Sarreiter (DE), International Institute of Political Murder (CH), Ignas Krunglevicius (LT/NO), Bruce Nauman (US), Stefan Panhans (DE), Julius Popp (DE), Laure Prouvost (FR/UK), Kathrin Resetarits (AT), Peter Rose (US), Manuel Saiz (ES), Anri Sala (AL), Richard Serra mit Nancy Holt (US), Katarina Zdjelar (SR/NL) und Artur Żmijewski (PL).

Die Ausstellung „HIS MASTER’S VOICE: Von Stimme und Sprache“ wird von Dr. Inke Arns, Künstlerische Leiterin des HMKV, kuratiert. Während der Laufzeit der Ausstellung vom 23. März bis 7. Juli 2013 ist diese dienstags, mittwochs, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr sowie donnerstags und freitags von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 €, ermäßigt 2,50 €, jeden ersten Mittwoch im Monat besteht freier Eintritt.

Kunstgespräch EMSCHERKUNST.2013 im Museum Folkwang in Essen

Kurator und Künstler stellen Ausstellungskonzept für den Kunstsommer an der Emscher vor

Kurator Prof. Florian Matzner, Tue Greenfort, Ausstellungsleiterin Dr. Simone Timmerhaus (EMSCHERGENOSSENSCHAFT), Rainer Maria Matysik, Katja Aßmann (Urbane Künste Ruhr), Thomas Schmidt („Inges Idee“) und Kulturjournalist Dr. Michael Köhler

Am 20. Februar 2013 fand im Museum Folkwang in Essen im Vorfeld zur EMSCHERKUNST.2013 ein Kunstgespräch statt, bei dem Kurator Prof. Florian Matzner und Ausstellungsleiterin Dr. Simone Timmerhaus mit den Künstlern Tue Greenfort, Rainer Maria Matysik und Thomas Schmidt von „Inges Idee“ einem breiten kunstaffinen Publikum Konzept und Intention der kommenden Ausstellung und ausgewählte künstlerische Entwürfe vorgestellt haben. Der Ausstellungsraum wird die Emscher-Insel zwischen Gelsenkirchen und Oberhausen sowie das Emscherdelta bei Dinslaken/Duisburg mit der Mündung des Flusses in den Rhein sein. Das „Monument for a forgotten future“ auf der „Wilden Insel“ in Gelsenkirchen, das zur Finissage der EMSCHERKUNST.2010 eröffnet wurde, wird den östlichsten Punkt des rund 47 km² großen Kunstareals der EMSCHERKUNST.2013 markieren.

Das Ausstellungsareal der EMSCHERKUNST.2013
© EMSCHERKUNST/diesseits

„Monument for a forgotten future“ von Olaf Nicolai und Douglas Gordon mit Mogwai

Neben 11 verbliebenen Kunstwerken und sechs angekauften temporären Arbeiten der EMSCHERKUNST.2010 (u. a. „Gesellschaft der Amateur-Ornithologen“ von Mark Dion, „Warten auf den Fluss“ von der niederländischen Gruppe Observatorium, „Between the Waters – The Emscher Community Garden“ von Marjetica Potrč und Ooze Architects, „Schlagende Wetter“ des Künstlerduos M+M (Marc Weis und Martin De Mattia), „Schutzhelme“ von Sujin Do), die an anderer Stelle wieder aufgebaut werden, kommen neue Kunstwerke wie
  • „Graham Bell´s Ring Kite“ von Tomás Saraceno (* 1973 in Tucuman, Argentinien) in Gelsenkirchen,
  • „Zauberlehrling“ vom Künstlerkollektiv „Inges Idee“ (1992 in Berlin gegründet von Hans Hemmert (* 1960 in Hollstadt), Axel Lieber (* 1960 in Düsseldorf), Thomas A. Schmidt (* 1960 in Nürnberg) und Georg Zey (* 1962 in Limburg an der Lahn)) am Haus Ripshorst in Oberhausen-Borbeck,
  • die Videoskulptur „Vertigo“ von Haubitz+Zoche (Sabine Haubitz (* 1959 in Nördlingen) und Stefanie Zoche (* 1965 in München)) unter der Autobahnbrücke des so genannten Emscherschnellwegs neben dem Pumpwerk „Alte Emscher“ in Duisburg-Beeck,
  • „Breaking New“ von Anna Witt (* 1981 in Wasserburg am Inn) und Uglycute (1999 in Stockholm von dem Innenarchitekten Andreas Nobel, dem Architekten Fredrik Stenberg sowie den Künstlern Markus Degerman und Jonas Nobel gegründet) in Duisburg-Marxloh, bei dem Sperrmüll zu Designermöbeln „aufgearbeitet“ werden soll – Mitnehmen ausdrücklich erlaubt,
  • „Globales Wassergedächtnis“ (Arbeitstitel) von Tue Greenfort (* 1973 in Holbæk, Dänemark) in den Räumlichkeiten der ehemaligen Kläranlage „Kleine Emscher“ in Duisburg,
  • „If these sentences wash away“ von Paula Hayes (* 1958 in Concord, Massachusetts, USA) und Teo Camporeale (* 1965 in New York, USA) in der ehemaligen Kläranlage „Kleine Emscher“ in Duisburg,
  • „Antiherbst“ von Michael Sailstorfer (* 1979 in Velden, Deutschland) in der Walsumer Rheinaue zwischen Duisburg und Dinslaken,
  • „The little stilt House Village“ von Hans op de Beeck (* 1969 in Turnhout, Belgien) an der Emschermündung in Dinslaken,
  • „Fluss wird Wolke“ von Rainer Maria Matysik (* 1967 in Duisburg) an der Emschermündung in Dinslaken und
  • Aus der Aufklärung“ von Ai Weiwei (* 28. August 1957 in Peking) an mehreren Standorten
hinzu, die Slowenin Apolonija Šušteršič (* 1965 in Ljubljana) plant in Zusammenarbeit mit banz+riecks Architekten und wbp Landschaftsarchitekten „Playland“, ein neues Jugendzentrum mit angebundenem Spielplatz am Holtener Feld in Oberhausen, wo ein Jugendtreff mit Spielplatz abgerissen werden müssen, um den Bau des Abwasserkanals zu ermöglichen. Alle Beiträge sollen in Kürze auf der Homepage der EMSCHERKUNST unter www.emscherkunst.de vorgestellt werden.

„Carbon Obelisk“ von Rita McBride

„Between the Waters – The Emscher Community Garden“ von Marjetica Potrč und Ooze Architects

Brückenskulptur „Slinky springs to fame“ von Tobias Rehberger

Das Künstlerkollektiv „Inges Idee“ aus Berlin bringt mit dem Entwurf „Zauberlehrling“ einem Strommast das Tanzen bei
Foto: Inges Idee/EMSCHERKUNST


Thomas Schmidt („Inges Idee“) mit einem Modell des „Zauberlehrlings“

Die internationale Ausstellung EMSCHERKUNST im nördlichen Ruhrgebiet begleitet als Triennale bis 2020 eines der größten Renaturierungsprojekte Europas – den Umbau des Abwasserkanals Emscher hin zu einer natürlichen Flusslandschaft. Dabei soll die Emscherregion durch Projekte weit über den Gewässerlauf hinaus entscheidend aufgewertet werden. Während der Kultur­haupt­stadt Europas RUHR.2010 war die EMSCHERKUNST.2010 das größte Kunstprojekt im öffentlichen Raum und begeisterte 200.000 nationale und internationale Besucher. Die EMSCHERKUNST.2013 findet vom 22. Juni bis 6. Oktober 2013 statt und soll am 22. Juni um 14 Uhr an der Brückenskulptur „Slinky springs to fame“ in Oberhausen eröffnet werden.

Karola Geiß-Netthöfel (Regionalverband Ruhr), Lukas Crepaz (Urbane Künste Ruhr), Daniela Berglehn (RWE-Stiftung), Reinhard Krämer (Ministerium für Familie, Kinder, Jugend , Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen), Dr. Jochen Stemplewski (EMSCHERGENOSSENSCHAFT) und Kulturjournalist Dr. Michael Köhler

Dienstag, 19. Februar 2013

Andrew Lloyd Webbers „Das Phantom der Oper“ kehrt nach Hamburg zurück

Das weltweit erfolgreichste Musical ab Dezember 2013 wieder in der Neuen Flora

„Das Phantom der Oper“ nach dem Roman „Le Fantôme de l´Opéra“ von Gaston Leroux; Musik: Andrew Lloyd Webber; Gesangstexte: Charles Hart, Richard Stilgoe; Buch: Richard Stilgoe, Andrew Lloyd Webber. Uraufführung: 9. Oktober 1986, Her Majesty´s Theatre, London. Broadway Premiere: 26. Januar 1988, Majestic Theatre, New York City. Deutschsprachige Erstaufführung: 20. Dezember 1988, Theater an der Wien, Wien. Deutsche Erstaufführung: 29. Juni 1990, Neue Flora, Hamburg.

Andrew Lloyd Webbers „Das Phantom der Oper“ kehrt ab Dezember 2013 nach Hamburg in das Theater Neue Flora zurück, das extra für diese Show gebaut wurde. Mehr als 130 Millionen Zuschauer hat „The Phantom of the Opera“ (Premiere 9. Oktober 1986, Her Majesty´s Theatre, London) seit seiner Premiere weltweit in seinen Bann gezogen. Jetzt wird der Mann mit der Maske noch einmal das deutsche Publikum erobern. Das Stück, das auf der literarischen Vorlage „Le Fantôme de l´Opéra“ von Gaston Leroux basiert, wird seit seiner Uraufführung ununterbrochen vor ausverkauftem Haus am Londoner West End (10.000. Vorstellung am 23. Oktober 2010) und am New Yorker Broadway (bis 10. Februar 2013 10.415 Vorstellungen) gespielt. Dort gewann „The Phantom of the Opera“ 1988 sieben der begehrten Tony Awards. Darüber hinaus wurde dieses Musicalphänomen mit mehr als 50 der wichtigsten internationalen Theaterpreise ausgezeichnet. Die musikalische Einspielung der britischen Premierenbesetzung mit Sarah Brightman (Christine Daaé), Michael Crawford (The Phantom of the Opera) und Steve Barton (Raoul, Vicomte de Chagny) ist bis heute mit über 40 Millionen verkauften Exemplaren das erfolgreichste Cast-Album aller Zeiten.

Das Phantom und Christine Daaé, © Stage Entertainment

Die Deutschlandpremiere von „Das Phantom der Oper“ am 29. Juni 1990 wurde zu einem Stück Hamburger Zeitgeschichte. Mit dem Argument der drohenden Kommerzialisierung gingen die Bewohner des Schanzenviertels seinerzeit gegen den Neubau des Theaters Neue Flora auf die Barrikaden. Die Eröffnungs-Premiere fand unter massivem Polizeischutz statt, vermummte Demonstranten bewarfen die Premierengäste mit Farbbeuteln, Eiern und verfaultem Gemüse. Dies alles tat dem Erfolg von „Das Phantom der Oper“ in Deutschland keinen Abbruch. Gut acht Millionen Gäste besuchten das Musical in Hamburg, bis im Juni 2001 der Vorhang zum vorerst letzten Mal fiel.

Raoul und Christine Daaé beim „Maskenball“, © Stage Entertainment

Ab Dezember 2013 wird „Das Phantom der Oper“ erneut für eine begrenzte Spielzeit von 10 Monaten am Ort der Deutschlandpremiere zu sehen sein, wo bis zum Spätsommer noch Disneys Musical „Tarzan“ auf der Bühne steht.

Montag, 18. Februar 2013

Das Geheimnis des Edwin Drood

„Das Geheimnis des Edwin Drood“ – nach dem Roman „The Mystery of Edwin Drood“ von Charles Dickens; Musik, Buch und Gesangstexte: Rupert Holmes; Deutsche Bearbeitung: Markus Weber; Regie: Karl Absenger; Choreografie: Teresa Rotemberg; Ausstattung: Karin Fritz; Musikalische Leitung: Thorsten Schmid-Kapfenburg. Darsteller: Gerhard Mohr (Bürgermeister Thomas Sapsea/Prinzipal William Cartwright), Axel Herrig (Kantor John Jasper), Peter Jahreis (Hochwürden Crisparkle), Roberta Valentini (Edwin Drood/Dick Datchery), Julia Lißel (Rosa Budd), Johanna Marx (Helena Landless), Dennis Laubenthal (Neville Landless), Aurel Bereuter (Steinmetz Durdles), Tom Ohnerast (Gehilfe), Suzanne McLeod (Prinzessin Puffer), Ilja Harjes (Bazzard), Lars Hübel (Horace), Tomasz Zwozniak (Inspizient). Broadway-Premiere: 2. Dezember 1985, Imperial Theatre, New York City. Deutschsprachige Erstaufführung: 31. Dezember 1991, Theater Pforzheim. Premiere: 9. Februar 2013, Städtische Bühnen Münster.



„Das Geheimnis des Edwin Drood“


Das Publikum darf sich im Theater Münster auf Mördersuche begeben


Theater Münster, Großes Haus

Wer kennt nicht Charles Dickens´ berühmte Romane „Oliver Twist“, „A Christmas Carol“, „David Copperfield“, „A Tale of Two Cities“ oder „Great Expectations“? Sein letzter Roman, „The Mystery of Edwin Drood“ blieb wegen seines plötzlichen Todes allerdings unvollendet, und es gibt zahlreiche Versuche, das Werk zu komplettieren. Rupert Holmes (* 24. Februar 1947 in Northwich, Cheshire, United Kingdom) hatte den Roman als 11-Jähriger erstmals gelesen, und als er von Joseph Papp und seiner Frau Gail Merrifield gebeten wurde, ein Musical zu schreiben, ließ er sich von Kindheits­erinnerungen an Besuche im Pantomimentheater und dem unvollendeten Roman inspirieren. Holmes´ Musical „The Mystery of Edwin Drood“ wurde erstmals im August 1985 beim New York Shakespeare Festival aufgeführt, und feierte am 2. Dezember 1985 im Imperial Theatre seine Broadway-Premiere. Das Musical hat 1986 fünf Tony Awards gewonnen (Bestes Musical, Rupert Holmes für Bestes Musicallibretto und Beste Originalmusik, George Rose (Mayor Thomas Sapsea/Chairman William Cartwright) als Bester Hauptdarsteller in der Kategorie Musical, Wilford Leach für die Beste Musicalregie) und insgesamt neun Drama Desk Awards. Am 13. November 2012 wurde es mit Chita Rivera als The Princess Puffer/Miss Angela Prysock am Broadway im Studio 54 wieder­auf­ge­nommen und ist dort noch bis 10. März 2013 zu sehen.

Rupert Holmes hat den Kriminalfall des mysteriösen Verschwindens des jungen Edwin Drood als „Stück im Stück“ – vergleichbar mit „Kiss Me, Kate“ – in sein Musical eingebaut, das von einer Wandertruppe in der Tradition der britischen Musical Hall aufgeführt wird und in der fiktiven südenglischen Stadt Cloisterham spielt. Die beiden Waisenkinder Edwin Drood und Rosa Bud sind zwar seit Kindertagen miteinander verlobt, aber einander nur freundschaftlich verbunden. Die beiden entschließen sich, ihre Verlobung zu lösen, aber davon erst nach den Weihnachtsfeiertagen zu erzählen. Edwins Onkel John Jasper gibt Rosa Bud Musikunterricht und ist heimlich in sie verliebt, doch sie will nichts von ihm wissen. Daneben sind noch eine ganze Reihe weiterer Personen in den Kriminalfall verstrickt: Die beiden Waisen Helena und Neville Landless aus Ceylon, Prinzessin Puffer, Besitzerin einer Opiumhöhle, in der John Jasper selbst Kunde ist, Hochwürden Crisparkle, der John Jasper für die Inkarnation des Satans hält, der Steinmetz Durdles und seine Gehilfe sowie der Schauspieler Bazzard. Zum Weihnachtsessen kommen Helena und Neville Landless, Edwin Drood und Hochwürden Crisparkle bei John Jasper zusammen, wobei diverse Rivalitäten aufgedeckt werden. Am nächsten Tag ist Edwin Drood verschwunden, und nur ein zerrissener, blutiger Mantel wird gefunden. Sechs Monate später ist Edwin Drood immer noch verschwunden, und Prinzipal William Cartwright, der als Erzähler fungiert, macht sich an die Untersuchung des vermeintlichen Mordfalls und fordert das Publikum auf, sich an der Aufklärung zu beteiligen und über die offenen Fragen abstimmen.

Dabei ist eine leichte Komödie herausgekommen, in der das Publikum bei jeder Aufführung aufs Neue entscheiden darf, wie der Kriminalfall zu beenden ist. Als bekannte Gäste sind Axel Herrig (u. a. Falco in „Falco meets Amadeus“, Sky Masterson in „Guys and Dolls“) als John Jasper und Roberta Valentini als Edwin Drood/Dick Datchery in Münster zu sehen.

Dass es in einigen Theatern Plätze mit Sichteinschränkungen gibt, ist hinlänglich bekannt, und zumeist wird auch beim Ticketkauf bei diesen Plätzen darauf hingewiesen. Dass es aber auch Plätze in Theatern gibt, auf denen die Ohren der Zuschauer den gesamten Abend mit einem Netzbrummen malträtriert werden, welches nur vom Orchester überdeckt wird, war mir komplett neu. Solche Plätze sind im Großen Haus des Theaters Münster vorzufinden, und ich wurde beim Ticketkauf leider nicht auf diesem Umstand hingewiesen. Da „Das Geheimnis des Edwin Drood“ aber über weite Strecken vom Schauspiel dominiert wird und das Netzbrummen auf die Dauer einfach nur nervend ist, konnte von einem Musical-Genuss leider überhaupt nicht die Rede sein. Ich erspare mir an dieser Stelle weitere Details und hoffe, dass sich mit der Zeit der „Schleier des Vergessens“ über diesen Abend breiten wird. Dies soll keinerlei Kritik an Stück, Darstellern oder Kreativteam darstellen, haben diese doch keinerlei Einfluss auf die unangenehmen Nebenbedingungen.

Zur Vorstellung nur so viel: An diesem Abend (17. Februar 2013) wählte das Publikum Johanna Marx (Helena Landless) zur Mörderin; die Variante, dass Edwin Drood gar nicht ermordert wurde, sondern nur untergetaucht ist, wird von vornherein von den Darstellern auf der Bühne ausgeschlossen. Um ein Happy End für das Bühnenstück zu kreieren, bestimmte das Publikum Suzanne McLeod (Prinzessin Puffer) und Ilja Harjes (Bazzard) zu Liebenden.

Sonntag, 17. Februar 2013

Vorschau: „Spring Awakening (Frühlings Erwachen)“

„Spring Awakening (Frühlings Erwachen)“ – nach dem Drama von Frank Wedekind; Musik: Duncan Sheik; Buch/Songtexte: Steven Sater; Deutsche Bearbeitung: Nina Schneider; Regie: Wolfgang Türks; Choreografie: Kati Farkas; Ausstattung: Beata Kornatowska; Dramaturgie: Ulla Theißen; Musikalische Leitung: Patricia M. Martin, Michael David Mills. Darsteller: Julian Culemann (Melchior Gabor), Sandra Pangl (Wendla Bergmann), Angelo Canonico (Moritz Stiefel), Anna Preckeler (Ilse), Matthias Kumer (Hänschen Rilow), Léonie Thoms (Martha Bessel), Jan Nicolas Bastel (Ernst Röbel), Christa Platzer/Martina Mann (Erwachsene Frauen), Daniel Berger (Erwachsene Männer), Tim Al-Windawe (Georg Zirschnitz), Inga Krischke (Thea), Yvonne Natalie Forster (Anna), Vera Anna Marie Weichel (Christa) und Richard Wolff (Otto). Band: Aleksandra Stanoeva (Violine), Botan Ozsan (Violoncello), Tim Bücher/Alexander Wünsche (Gitarre), Niklas Tikwe (Bass), Marvin Blamberg/Stefan Turton (Schlagzeug), Patricia M. Martin/Michael David Mills (Keyboards). Off-Broadway Premiere: 19. Mai 2006, Atlantic Theatre Company, New York City. Broadway-Premiere: 10. Dezember 2006, Eugene O´Neill Theatre, New York City. Deutschsprachige Erstaufführung: 21. März 2009, Ronacher, Wien. Premiere: 15. März 2013, Musiktheater im Revier, Kleines Haus, Gelsenkirchen.



„Spring Awakening (Frühlings Erwachen)“


Das Abschlussprojekt der Studierenden im Studiengang Musical der Folkwang Universität der Künste in Kooperation mit dem Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen


Brunch im Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen

Als Frank Wedekind (* 24. Juli 1864 in Hannover, † 9. März 1918 in München) sein gesellschaftskritisch-satirisches Drama „Frühlings Erwachen – Eine Kindertragödie“ im Oktober 1891 auf eigene Kosten beim Verlag Jean Groß in Zürich veröffentlichte, kümmerte sich der Autor nicht um Aufführbarkeit oder Publikumserfolg, erst 15 Jahre später wurde es am 20. November 1906 an den Berliner Kammerspielen von Max Reinhardt (* 9. September 1873 in Baden bei Wien, † 31. Oktober 1943 in New York) uraufgeführt und sorgte mit seinem brisanten Inhalt in der Öffentlichkeit für Furore. Wedekinds Kritik an der Sexualmoral führte dazu, dass „Frühlings Erwachen“ wegen seiner angeblichen Obszönität verboten oder zensiert wurde. 1999 wandte sich der amerikanische Dramatiker Steven Sater an den Regisseur Michael Mayer (* 27. Juni 1960 in Washington, D.C.), um mit ihm und Songwriter Duncan Sheik (* 18. November 1969 in Montclair, New Jersey) an dem Stoff zu arbeiten. Nach diversen Workshops und Überarbeitungen erlebte das Rock-Musical „Spring Awakening“ am 19. Mai 2006 bei der Atlantic Theatre Company seine Off-Broadway Premiere, keine 7 Monate später folgte am 10. Dezember 2006 im Eugene O´Neill Theatre die Broadway Premiere. Nach nahezu einhellig positiven Kritiken wurde es 2007 für 11 Tony Awards nominiert, wovon es acht tatsächlich gewonnen hat, darunter Bestes Musical, Beste Musicalregie, Beste Choreographie, Bestes Musicallibretto, Beste Originalmusik und Bester Nebendarsteller. Katrin Zechner war von der darstellerischen und musikalischen Intensität dieses Musicals überzeugt und holte es nach Wien, wo es am 21. März 2009 im Ronacher seine Deutschsprachige Erstaufführung erlebte, aber nur bis zum 30. Mai 2009 zu sehen war. Die deutsche Erstaufführung der neuen Bearbeitung der Österreicherin Nina Schneider (* 1973 in Salzburg) fand als Zusammenarbeit mit der Bayerischen Theaterakademie August Everding am 29. Juni 2011 am Deutschen Theater München statt, Regie führte Matthias Davids. Das Musiktheater im Revier zeigt in Kooperation mit der Folkwang Universität der Künste Essen „Spring Awakening (Frühlings Erwachen)“ von Duncan Sheik (Musik) und Steven Sater (Buch und Lyrics) in einer Inszenierung von Wolfgang Türks, der in der Wiener Inszenierung Moritz Stiefel verkörpert hat, ab dem 15. März 2013 im Kleinen Haus.

Richard Wolff, Anna Preckeler, Tim Al-Windawe, Léonie Thoms, Matthias Kumer, Yvonne Natalie Forster, Jan Nicolas Bastel, Vera Anna Marie Weichel (Anklicken zum Vergrößern des Bildes)

Frank Wedekinds Drama „Frühlings Erwachen – Eine Kindertragödie“ erzählt vom Erwachsenwerden in einer deutschen Provinzstadt im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Mittelpunkt stehen drei Schulkinder auf der Suche nach ihrer Sexualität: der aufgeklärte Gymnasiast Melchior Gabor, die vierzehnjährige Wendla Bergmann, die von ihrer konservativen Mutter nie aufgeklärt wurde, und der fünfzehnjährige Moritz Stiefel, der seinem besten Freund Melchior neben seinen schlechten Schulleistungen auch seine erwachende Sexualität anvertraut. Alle drei werden letzten Endes Opfer der elterlichen Moral. Wendla, deren Schwester Ina ein Kind bekommen hat, drängt ihre Mutter um Aufklärung, erfährt aber nur, dass zur Fortpflanzung große Liebe erforderlich sei. Moritz hat Probleme mit seinen erotischen Träumen, weshalb er Melchior bittet, eine schriftliche Ausarbeitung mit Illustrationen über die Fortpflanzung anzufertigen, damit er diese in Ruhe studieren kann. Wendla vollzieht mit Melchior den Beischlaf, ohne sich der möglichen Konsequenzen bewusst zu sein, und wird schwanger. Wendlas Mutter will die Schande, die aufgrund der Schwangerschaft auf die Familie fallen würde, vermeiden und schleppt ihre Tochter zu einem „Engelmacher“, stellt dies aber als eine Therapie gegen Bleichsucht (Eisenmangelanämie) dar. Bei der Abtreibung kommt Wendla zu Tode. Moritz muss in der Schule eine Klasse wiederholen, da nur 60 Schüler in die nächste Klasse versetzt werden können, bringt aber nicht den Mut auf, seine Eltern damit zu konfrontieren, sondern wählt als Ausweg anstelle des Ärgers und der Entrüstung der Eltern den Freitod. Nachdem Melchiors illustrierte Erläuterungen zum Beischlaf bei Moritz gefunden wurden, machen ihn seine Lehrer für den Freitod seines Freundes verantwortlich. Auch seine liberale Mutter kann ihn in dieser Situation nicht mehr schützen und gibt dem Bestreben seines Vaters nach, Melchior in eine Besserungsanstalt zu bringen. Als er schließlich auf dem Friedhof von Wendlas Tod erfährt, will er seinem Leben ebenfalls ein Ende setzen, doch die Seelen von Wendla und Moritz sprechen ihm Mut zu, so dass er von seinem Vorhaben ablässt. Steven Sater kam zu der Überzeugung, dass die Musik und der Song „Those you´ve known“ die Funktion übernommen hatten, Melchior neuen Mut zum Leben zu geben, weshalb er die Gestalt des „Vermummten Herrn“, dem Melchior in Wedekinds Vorlage am Ende auf dem Friedhof begegnet, schließlich gestrichen hat.

Anna Preckeler, Sandra Pangl, Vera Anna Marie Weichel,
Yvonne Natalie Forster, Léonie Thoms

Frank Wedekind kritisiert in seinem Drama die im Wilhelminischen Kaiserreich vorherrschende bürgerliche Sexualmoral, wobei er häufig grotesk überzogene Charaktere gebraucht, die dem Werk humoristische Züge verleihen. Seit der Entstehung des Dramas hat sich das äußere Umfeld zwar grundlegend gewandelt, doch „Spring Awakening (Frühlings Erwachen)“ zeigt, wie authentisch sich Literaturklassiker auf der Musicalbühne umsetzen lassen. Der Musikstil mit einer Mischung aus Rock-, Rockpop- und Folkrock-Songs ist nicht musicaltypisch, die Songs sind auch nicht handlungstragend, fügen sich aber dennoch als Monologe und Kommentare der Schulkinder hervorragend in die Handlung ein. Um das Heraustreten der Charaktere aus der Handlung im ausgehenden 19. Jahrhundert während der Songs zu unterstreichen, ließ Michael Mayer in seinen Inszenierungen in New York und Wien die Darsteller zum Singen Handmikrofone benutzen.

3. Jahrgang: Richard Wolff, Vera Anna Marie Weichel, Jan Nicolas Bastel, Yvonne Natalie Forster, Tim Al-Windawe (es fehlt Inga Krischke)

Im Studiengang Musical an der Folkwang Universität der Künste werden jährlich zum Sommersemester 6 StudentInnen aufgenommen. Die Studienplätze an den staatlichen Hochschulen sind sehr begehrt, allein an der Folkwang Universität gab es im letzten Jahr 180 Bewerber für die 6 Studienplätze im Studiengang Musical. In acht Semestern erfolgt eine grundlegende und breit gefächerte Ausbildung in den Bereichen Schauspiel, Tanz und Gesang. Des weiteren gehören zum Studium die Fächer Musiktheorie, Bewegungslehre, Musical- und Theatergeschichte, die im späteren Verlauf des Studiums durch Liedinterpretation, Combo-Auftritte und verschiedenartigste Theaterprojekte ergänzt werden. Viele dieser Projekte finden in den Aufführungsräumen der Hochschule statt und erfreuen sich beim Publikum größter Beliebtheit. Seit einigen Jahren wird zunehmend auf Koproduktionen mit externen Veranstaltern Wert gelegt, damit die Studierenden so früh wie möglich Erfahrungen im professionellen Theaterbetrieb sammeln können.

Kooperationen:
  • 2000: „The Apple Tree“, Choreographisches Zentrum NRW, PACT Zollverein
  • 2003: „Merrily we roll along“, Kooperation mit dem Musicalensemble NRW e. V., Tor 2, Essen
  • 2005: „The Wild Party“, Kooperation mit „Stars in Concert“, Weststadthalle Essen
  • 2006: „Bat Boy“, Kooperation mit dem Stadttheater Minden
  • 2007: „Pinkelstadt“, Kooperation mit dem Theater am Kirchplatz, Schaan (Liechtenstein)
  • 2009: „Into the Woods“, Kooperation mit dem Theater Hagen
  • 2010: „High Fidelity“, Kooperation mit dem Theater im Rathaus, Essen
  • 2011: „One Touch of Venus“, Kooperation mit dem Erholungshaus der Bayer AG, Leverkusen
  • 2012: „Ein Mann geht durch die Wand“, Kooperation mit dem Theater im Rathaus, Essen
  • 2013: „Spring Awakening (Frühlings Erwachen)“, Kooperation mit dem Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen, und der Konzertdirektion Landgraf
Die Bandbreite der als Abschlussproduktionen aufgeführten Musicals reicht von den 1930er Jahren bis in die neueste Musicalgeschichte. In den Abschlussprojekten präsentiert jeweils der dritte und vierte Jahrgang des Studiengangs Musical eine große Ensembleproduktion, in diesem Jahr sind an „Spring Awakening (Frühlings Erwachen)“ Angelo Canonico (Moritz Stiefel), Julian Culemann (Melchior Gabor), Matthias Kumer (Hänschen Rilow), Sandra Pangl (Wendla Bergmann), Anna Preckeler (Ilse) und Léonie Thoms (Martha Bessel) (4. Jahrgang) sowie Jan Nicolas Bastel (Ernst Röbel), Yvonne Natalie Forster (Anna), Inga Krischke (Thea), Vera Anna Marie Weichel (Christa), Tim Al-Windawe (Georg Zirschnitz) und Richard Wolff (Otto) (3. Jahrgang) beteiligt. Auch für die 6-köpfige Band konnte Patricia M. Martin kompetente Musiker aus den Jazz- und Klassikabteilungen der Folkwang Universität „rekrutieren“, mit denen der Studiengang Musical kooperiert. Die Rollen der Erwachsenen Frauen und Männer werden von Christa Platzer aus dem Ensemble des MiR (bei den Vorstellungen im MiR) und Daniel Berger verkörpert. Daniel Berger war bereits in der Wiener Inszenierung in diesen Rollen zu sehen. Auch über die Abschlussproduktionen hinaus besteht eine Zusammenarbeit mit zahlreichen nordrhein-westfälischen Bühnen, unter anderem in Essen, Düsseldorf, Dortmund, Gelsenkirchen und Oberhausen. Begehrt ist der Studiengang Musical mit seinem Programm zudem als Gast bei Sonderveranstaltungen und Galas für Unternehmen sowie politisch und kulturell hochrangigen Veranstaltungen, beispielsweise der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010.

4. Jahrgang: Matthias Kumer, Sandra Pangl, Angelo Canonico,
Anna Preckeler, Julian Culemann, Léonie Thoms

Nachdem der 4. Jahrgang am vergangenen Donnerstag ein letztes Mal seine Eigenarbeit „Arschkarte“ im Pina Bausch Theater gezeigt hat, stand der Musikbrunch im Musiktheater im Revier am 17. Februar 2013 bereits ganz im Zeichen von „Spring Awakening (Frühlings Erwachen)“. Das Kreativteam um Studien­gangs­beauftragte und Musikalische Leiterin Patricia M. Martin und Regisseur Wolfgang Türks informierte im Vorfeld der Premiere bei Buffet und Kaffee – moderiert von Dramaturgin Ulla Theißen – zu Hintergründen des ungewöhnlichen Musicals, in dem die erwachsenen Figuren bezeichnender­weise nichts zu singen haben, und die Studierenden präsentierten erste Highlights aus dem Rock-Musical unter den monumentalen Wandarbeiten des französischn Künstlers Yves Klein im Westfoyer, begleitet von Patricia M. Martin am Flügel. Der emotional heftigste Song „Totally Fucked“, der dem Broadway-Castalbum neben zwei weiteren Songs den Vermerk „Parental Advisory – Explicit Content“ eingebracht hat und bei dem in den Inszenierungen von Michael Mayer Fräulein Knüppeldick schließlich sogar mit dem Rohrstock auf Direktor Knochenbruch einschlägt, wurde beim Musikbrunch noch nicht präsentiert, womöglich mit Rücksicht auf die Besucher, die sich auf Beiträge aus „Lady Macbeth von Mzensk“ (Premiere am MiR 9. Februar 2013, Regie Generalintendant Michael Schulz) eingestellt hatten, die aus dispositionellen Gründen entfallen sind.

Sandra Pangl, Anna Preckeler, Léonie Thoms
Angelo Canonico, Julian Culemann, Matthias Kummer

Dementspechend gab es für die Studierenden mehr Gelegenheit, die Bandbreite ihres Könnens zu zeigen. Neben vier Songs aus „Spring Awakening (Frühlings Erwachen)“ gab es sechs weitere Songs zu hören. Im einzelnen waren dies
  • Alle: „Ich vertrau´“ („I believe“) aus „Spring Awakening“
  • Girls: „Mama“ („Mama who bore me“) aus „Spring Awakening“
  • Boys: „Verficktes Leben“ („The Bitch of living“) aus „Spring Awakening“
  • Léonie Thoms: „I´m a stranger here myself“ aus „One Touch of Venus“ von Kurt Weill (Musik) und Ogden Nash (Lyrics)
  • Matthias Kumer: „It only takes a moment“ aus „Hello Dolly“ von Jerry Herman
  • 3. Jahrgang: „A new world“ aus „Songs for a new world“ von Jason Robert Brown
  • Anna Preckeler, Sandra Pangl, Angelo Canonico: „Can´t I just be“ von Michael Kooman und Christopher Dimond
  • Julian Culemann: „What am I doing“ aus „Closer than ever“ von David Shire (Musik) und Richard Maltby, Jr. (Lyrics)
  • 4. Jahrgang: „Defying gravity“ aus „Wicked: The Untold Story of the Witches of Oz“ von Stephen Schwartz in einem Arrangement der Broadway Boys
  • Alle: „Spür mich“ („Touch me“) aus „Spring Awakening“
„Spring Awakening (Frühlings Erwachen)“ wird nicht nur am Musiktheater im Revier im Kleinen Haus zu sehen sein, sondern auch als Tournee der Konzertdirektion Landgraf im deutschsprachigen Raum. Aufführungstermine und -orte sind hier zu finden.