Sonntag, 28. Oktober 2012

63. Essener Lichtwochen

Europa in Essen – Gastland Frankreich

Riesenrad auf dem Burgplatz

Nun ist sie also unweigerlich angebrochen, die „dunkle Jahreszeit“. In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurden die Uhren wieder von Sommer- auf Winterzeit umgestellt, so dass am Sonntag die Sonne in Essen bereits um 17.11 Uhr unterging. Da kommen die 63. Essener Lichtwochen gerade recht, die am 28. Oktober 2012 eröffnet wurden und bis 5. Januar 2013 die Essener Innenstadt erhellen werden. In diesem Jahr stehen die Lichtwochen unter dem Motto „Europa in Essen – Gastland Frankreich“, Frankreich wird auf neun Themenbildern präsentiert.

Riesenrad auf dem Burgplatz

Auch das 48 Meter hohe Riesenrad mit 36 offenen Gondeln des Schaustellerbetriebs Wilhelm und Söhne aus Hannover ist wieder auf dem Burgplatz aufgebaut, doch die winterlichen Temperaturen sind ein gewichtiges Argument gegen die Fahrt in den offenen Gondeln. Mit der LED-Beleuchtung sieht es aber auch von unten interessant aus.

„Europa in Essen – Gastland Frankreich“, Willy-Brandt-Platz

„Europa in Essen – Gastland Frankreich“, Willy-Brandt-Platz

Eine ausführliche Beschreibung der Themenbilder findet man in der von der EMG – Essen Marketing GmbH herausgegebenen Broschüre, ich werde mich daher auf kurze Erläuterungen beschränken. Das Titelbild am Willy-Brandt-Platz zeigt die geografischen Umrisse des Gastlandes auf der französischen Nationalflagge. In unmittelbarer Nachbarschaft sind auf dem Themenbild „Sport“ Rugby und die Tour de France dargestellt, ob bei der Gestaltung des Radrennfahrers im Gelben Trikot ein konkreter Sportler Pate gestanden hat, entzieht sich meiner Kenntnis.

„Sport“, Lindenallee/Rathenaustraße

„Marseille – Kulturhauptstadt Europas 2013“, Kettwiger Straße/Kettwiger Tor

Geht man auf der Kettwiger Straße Richtung Norden, so trifft man zunächst auf das Leuchtmotiv zum Thema „Marseille – Kulturhauptstadt Europas 2013“, das auf die Bedeutung Marseilles als Hafenstadt Bezug nimmt, rechts im Bild „La Bonne Mère“, die Notre-Dame de la Garde als Wahrzeichen der Stadt. In Höhe der Lichtburg sind auf dem Themenbild zur Hauptstadt Frankreichs der Louvre und der Eiffelturm dargestellt.

Hauptstadt „Paris“, Kettwiger Straße/Höhe Lichtburg

Partnerstadt „Grenoble“, Markt 1

In Höhe der Marktkirche finden sich die beiden Motive „Grenoble“ und „50 Jahre Elysée-Vertrag“. Grenoble ist seit 1974 Partnerstadt Essens, das Themenbild zeigt die Skyline der Stadt vor der Belledonne, davor die Seilbahn zur Bastille von Grenoble. Am 22. Januar 1963 unterzeichneten Bundes­kanzler Konrad Adenauer und der französische Staats­prä­si­dent Charles de Gaulle im Pariser Élysée-Palast den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag, der 50. Jahres­tag wird mit einem Deutsch-Französischen Jahr vom 22. September 2012 bis zum 5. Juli 2013 gefeiert.

„50 Jahre Elysée-Vertrag“, Marktkirche/Flachsmarkt

„Geschichte“, Viehofer Straße/Fontänengasse

Der Fußgängerzone Richtung Norden folgend sind an der Viehofer Straße „Geschichte“ und „Comic/Literatur“ thematisiert. Marianne als Symbolgestalt der Freiheit in der von Eugène Delacroix in seinem Gemälde „Die Freiheit führt das Volk“ dargestellten Form sind „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. und Napoleon Bonaparte zur Seite gestellt. Am Pferdemarkt trifft „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry auf Asterix, Obelix und Idefix von René Goscinny und Albert Uderzo.

„Comic/Literatur“, Viehofer Straße/Pferdemarkt

Das Themenbild „Brücken“ in der Friedrich-Ebert-Straße am Einkaufszentrum Limbecker Platz zeigt das römischer Aquädukt „Pont du Gard“ über den Gardon im Süden Frankreichs und das Viadukt von Millau über das Tal der Tarn, die längste Schrägseilbrücke der Welt.

„Brücken“, Friedrich-Ebert-Straße

„ADVENIAT“, Kardinal-Hengsbach-Platz

Neben den neuen Themenbildern hat MK Illumination, Ausstattungspartner der Essener Lichtwochen, neue, silber-goldene Sternenbögen für die Limbecker Straße erstellt, womit auch hier die stromsparende LED-Technik Einzug hält.

„Sternenbögen“, Limbecker Straße

Auch das musiksynchrone Feuerwerk auf dem Kennedyplatz als Höhepunkt der Eröffnung der 63. Essener Lichtwochen orientierte sich nicht nur akustisch, sondern auch optisch am Gastland Frankreich, u. a. mit den Farben der französischen Nationalflagge.

Feuerwerk

Der Schriftzug „Essen – die Einkaufsstadt“ auf dem Hotel Handelshof, der die Gäste am Beginn der Fußgängerzone an der Kettwiger Straße willkommen heißt, konnte nicht mehr zur Eröffnung der 63. Essener Lichtwochen gerichtet werden, und so ist am Dach nur „Essen – die E sstadt“ zu lesen.

„Essen – die E sstadt“ auf dem Hotel Handelshof

Samstag, 27. Oktober 2012

Auftritt der Vereinigten Bühnen Wien beim Sicherheitsfest

Showact auf der Hauptbühne am Wiener Rathausplatz

Mischa Mang

Zum Nationalfeiertag stand der Wiener Rathausplatz am 25. und 26. Oktober 2012 ganz im Zeichen der Sicherheit. Höhepunkt des musikalischen Rahmenprogramms war der von Alexander Goebel moderierte Auftritt der Musical-Stars der Vereinigten Bühnen Wien am Freitagnachmittag. Aus dem Musical „Sister Act“ haben
  • Mischa Mang „Ich mach sie kalt“ und
  • Ana Milva Gomes „Fabelhaft Baby“
präsentiert.

Ana Milva Gomes

Kurosch Abbasi

Aus dem Musical „Elisabeth“ brachten
  • Kurosch Abbasi „Kitsch“,
  • Anton Zetterholm und Oliver Arno „Die Schatten werden länger“,
  • Annemieke van Dam und Oliver Arno „Wenn ich tanzen will“ und
  • Annemieke van Dam „Ich gehör nur mir“
zu Gehör.

Kurosch Abbasi

Oliver Arno und Anton Zetterholm

Anton Zetterholm

Annemieke van Dam

Als Zugabe gab es von
  • Alexander Goebel „Rote Lippen“
aus seiner neuen gleichnamigen Show zu hören.

Theater Oberhausen: „Cabaret“

„Cabaret“ – nach dem Schauspiel „I am a Camera“ von John van Druten auf der Grundlage der Berliner Episoden-Romane „Mr. Norris Changes Trains“ (1935), „Goodbye to Berlin“ (1939) von Christopher Isherwood; Musik: John Kander; Gesangstexte: Fred Ebb; Buch: John Masteroff; Deutsche Bearbeitung: Robert Gilbert; Inszenierung: Roland Spohr; Choreografie: Andrea Heil; Bühne: Manuela Freigang; Kostüme: Esther Bialas; Dramaturgie: Rüdiger Bering; Musikalische Leitung: Otto Beatus. Darsteller: Jürgen Sarkiss (Conférencier), Vera Bolten (Sally Bowles), Sergej Lubic (Clifford Bradshaw), Susanne Burkhard (Fräulein Schneider), Klaus Zwick (Herr Schultz), Peter Waros (Ernst Ludwig), Anja Schweitzer (Fräulein Kost), Julia Breier, Ann-Marie Lone Gindner, Maria-Lena Hecking („Kit-Kat-Club“-Girls), Pascal Nölder (Frenchy/Matrose Horst/Gorilla), Marek Jera (Max, Boss des „Kit-Kat-Clubs“/Matrose Fritz/SA-Mann), Eike Weinreich (Zollbeamter/Matrose Rudi/SA-Mann). „Kit-Kat-Club“-Band: Otto Beatus (Klavier, Akordeon), Volker Kamp (Kontrabass, Tuba), Stefan Lammert (Schlagzeug), Axel Lindner (Violine), Jörn Wegmann (Posaune), Melanie Werner (Klarinette, Altsaxophon). Uraufführung: 20. November 1966, Broadhurst Theatre, New York City. Deutschsprachige Erstaufführung: 14. November 1970, Theater an der Wien, Wien. Premiere: 26. Oktober 2012, Theater Oberhausen.



„Cabaret“


„Willkommen, Bienvenue, Welcome“ im Theater Oberhausen


„Cabaret“ ist nach „Flora, the Red Menace“ (Premiere: 11. Mai 1965, Regie: George Abbott) – in der Liza Minnelli als Flora ihr Broadway Debüt gab – das zweite gemeinsame Werk des kongenialen Duos John Kander und Fred Ebb, und es sollte ihr größter Erfolg werden. Harold Prince hatte die Rechte an „I am a Camera“ von John van Druten auf der Grundlage der Berliner Episoden-Romane „Mr. Norris Changes Trains“ (1935) und „Goodbye to Berlin“ (1939) von Christopher William Bradshaw Isherwood erworben und adaptierte das bereits 1951 erfolgreich am Broadway aufgeführte und 1959 verfilmte Drama zum Musical. Er beauftragte John Masteroff mit der Bearbeitung des Stoffes, John Kander verfasste die Musik und Fred Ebb schrieb die Songtexte. „Cabaret“ feierte am 20. November 1966 seine Uraufführung am Broadhurst Theatre, wurde 1967 mit acht Tony Awards ausgezeichnet und in 1.165 regulären Vorstellungen bis 6. Oktober 1969 aufgeführt. Allein am Broadway gab es zwei Revival-Produktionen (22. Oktober 1987 bis 4. Juli 1988 und 19. März 1998 bis 4. Januar 2004), am 9. Oktober diesen Jahres feierte in London die vierte West End Revival Produktion am Savoy Theatre ihre Premiere. Als Rolf Kutschera „Cabaret“ am 14. November 1970 im Theater an der Wien als Deutschsprachige Erstaufführung auf die Bühne brachte, reagierten Presse und Publikum mit Ablehnung darauf, nationalsozialistische Verbrechen im Rahmen des unterhaltenden Musiktheaters darzustellen. Hilfreich dürfte sich die Verfilmung des Musicals in der Regie von Bob Fosse mit Liza Minnelli in der Rolle der Sally Bowles erwiesen haben, die 1972 in die Kinos kam und mit insgesamt acht Oscars ausgezeichnet wurde.

Theater Oberhausen

Christopher Isherwood schildert in seinen Erzählungen seine Bekanntschaften und Erlebnisse während seines Aufenthalts in Berlin in den Jahren 1929 bis 1933. Eine seiner Episoden handelt von seiner Begegnung mit einer Nachtclubsängerin, der er den Namen Sally Bowles gab. Bereits im Schauspiel „I am a Camera“ lag der Fokus auf dieser Episode, das Musical übernimmt diesen und stellt ihm die erfundene Liebes­ge­schichte der Pensionswirtin Fräulein Schneider mit dem jüdischen Obsthändler Herr Schultz gegenüber. Für die Musicalfassung wurde der „Kit-Kat-Club“, ein anrüchiger Nachtclub, hinzugefügt, dessen Conférencier die Episoden zwischen Alltag und Nachtleben durch seine Kommentare zusammenführt. Das Musical reduziert den aufkommenden Nationalsozialismus zwar auf den Antisemitismus, dennoch schildert es eindringlich das Scheitern der Protagonisten an den gesellschaftlichen Umständen der damaligen Zeit.

Julia Breier, Jürgen Sarkiss (Conférencier) und Pascal Nöldner;
Foto Klaus Fröhlich

Der amerikanische Schriftsteller Clifford „Cliff“ Bradshaw fährt für Recherchen Ende 1929 nach Berlin und lernt im Zug den politisch engagierten Ernst Ludwig kennen. Auf dessen Empfehlung wendet er sich bei der Suche nach einer Bleibe an die Pensionswirtin Fräulein Schneider, die ihm schließlich mit der Miete entgegenkommt. Am Silvesterabend besucht Cliff den „Kit-Kat-Club“, wo die britische Nachtclubsängerin Sally Bowles auftritt. Sally bittet Cliff später zu sich an den Tisch und lässt sich seine Adresse geben. Am nächsten Tag erscheint Sally unerwartet bei Cliff, der Ernst Ludwig Englisch-Unterricht erteilt. Noch bevor Cliff Einwände erheben kann, hat sich Sally mitsamt Gepäck bei ihm einquartiert und ihn überzeugt, wie wundervoll alles sein wird. Im „Kit-Kat-Club“ kommentiert der Conférencier mit seiner großen Nummer „Two Ladies“ die ungewöhnlichen Lebens­umstände von Cliff und Sally. Herr Schultz, ein älterer, jüdischer Obst- und Gemüsehändler, der ebenfalls in der Pension am Nollen­dorf­platz wohnt, hofiert Fräulein Schneider. Derweil deuten sich im „Kit-Kat-Club“ erste Tendenzen des Nationalsozialismus an. Monate später wohnt Sally immer noch mit Cliff zusammen, und sie eröffnet ihm, dass sie ein Kind erwartet. Um Geld zu verdienen, nimmt Cliff das von Ernst Ludwig unterbreitete Angebot an, Devisen von Paris nach Berlin zu schmuggeln. Als Fräulein Kost, Cliffs freizügige Nachbarin, die zuvor wegen häufiger Männerbesuche von Fräulein Schneider gerügt wurde, Herrn Schultz beim Verlassen des Zimmers der Pensionswirtin ertappt, versucht dieser die Ehre von Fräulein Schneider zu retten, indem er ankündigt, sie in drei Wochen heiraten zu wollen. Bei der Verlobungsfeier taucht Ernst Ludwig mit einer Hakenkreuz-Armbinde auf, woraufhin sich Cliff weigert, den Lohn für den geleisteten Schmuggel anzunehmen. Der angeheiterte Herr Schultz versucht, mit einem Lied die Stimmung aufzuheitern, das ihn als Juden zu erkennen gibt, woraufhin Ernst Ludwig augenblicklich die Feier verlässt, nicht ohne Fräulein Schneider zuvor vor den Konsequenzen der Hochzeit mit einem Juden gewarnt zu haben.

Maria-Lena Hecking, Julia Breier, Vera Bolten, Ann-Marie Lone Gindner und Pascal Nöldner; Foto Klaus Fröhlich

Die nationalsozialistischen Tendenzen werden immer deut­licher. Der erste Stein fliegt in das Fenster von Herrn Schultz´ Obst- und Gemüseladen, und Fräulein Schneider löst aus Angst ihre Verlobung mit Herrn Schultz. Der Conférencier stellt im „Kit-Kat-Club“ sein „Mädchen“ vor, einen Gorilla, sein Song endet mit den Worten „if you could see her through my eyes … she wouldn´t look Jewish at all.“/„säht ihr sie mit meinen Augen, dann würde sie gar nicht so jüdisch aus­se­hen.“ Cliff möchte mit der schwangeren Sally nach Amerika zurückkehren, doch sie träumt weiter von ihrer Karriere als Showgirl beim Cabaret. Als Cliff ihr in den „Kit-Kat-Club“ folgt, wird er von Ernst Ludwigs Nazi-Freunden zusammen­ge­schla­gen. Am nächsten Morgen packt Cliff seine Koffer, als Sally ohne ihren Pelzmantel zurückkehrt und erklärt, dass sie ihre Schwangerschaft abbrechen lassen hat. Cliff gibt ihr wut­ent­brannt eine Ohrfeige, hinterlässt ihr aber eine Zugfahrkarte, für den Fall, dass sie sich doch noch entschließen sollte, mit ihm gemeinsam nach Amerika zu fahren. Er verlässt Berlin und hört im Abteil seines Zuges noch einmal die Stimmen von Sally, Fräulein Schneider, Herrn Schultz und den anderen, die im Dunkeln verschwinden.

Sergej Lubic, Ann-Marie Lone Gindner, Maria-Lena Hecking, Vera Bolten, Julia Breier und Pascal Nöldner; Foto Klaus Fröhlich

Peter Carp ist seit der Spielzeit 2008/09 Intendant am Theater Oberhausen und möchte neue Formen des musikalischen Theaters zeigen. „Cabaret“ ist das erste „klassische“ Musical unter seiner Intendanz, doch das Stück hat sich längst zum Musical-Klassiker entwickelt, das jeder an musikalischem Unterhaltungstheater Interessierte bestimmt schon einmal auf der Bühne gesehen hat. Beinahe zwangsläufig kommen einem Assoziationen in den Sinn, was einen auf der Bühne erwartet. Das fängt bei Sallys smaragdgrünen Fingernägeln aus der Episode „Sally Bowles“ von Christopher Isherwood und dem Song „Perfectly Marvelous“/„Einmalig himmlisch“ an und hört mit dem weiß angemalten Gesicht der mephistophelischen Figur des Conférenciers noch lange nicht auf. Um es gleich vorweg zu nehmen, beide soeben angesprochenen Details bekommt man in Oberhausen nicht zu sehen, und ich tue mich ein wenig schwer damit, ohne jeglichen Vergleich mit anderen Aufführungen an die Inszenierung von Roland Spohr heranzugehen, der für seine Inszenierung von Robert Musils „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ in der Spielzeit 2009/10 am Theater Oberhausen den Oberhausener Theaterpreis 2010 erhalten hat. Roland Spohr möchte in seiner „Cabaret“-Inszenierung die beiden Liebesgeschichten des Schriftstellers Clifford Bradshaw mit der Nacht­club­sängerin Sally Bowles sowie der Pensionswirtin Fräulein Schneider mit dem jüdischen Obsthändler Herr Schultz vor dem politischen Hintergrund des aufkommenden National­sozialismus in den 1930er Jahren zeigen. Doch ausgerechnet der politische Hintergrund gerät dabei aus meiner Sicht ein wenig ins Hintertreffen, was verschiedene Gründe haben mag. Ernst Ludwig taucht zwar mit einer Hakenkreuz-Armbinde bei der Verlobungsfeier auf, doch entsteht dadurch keine bedrohliche Situation. Bei dem von Fräulein Kost gesungenen Heimatlied „Der morgige Tag ist mein“ stehen zwar einige Mitglieder des „Clubs der Optimisten“ am Theater Oberhausen im Zuschauerraum auf und bilden den Chor, aber es entsteht keine Beklommenheit, zumindest bei mir nicht. Ein Geräusch, welches sich als zerbrechende Fensterscheibe ausmachen lässt, erzeugt weitaus weniger Aufmerksamkeit als ein komplett demolierter Gemüseladen, der in Oberhausen eben nicht zu sehen ist. Die Inszenierung beschränkt sich eher auf Andeutungen, in denen durchaus zusätzliche Hinweise auf den Nationalsozialismus zu finden sind, beispielhaft sei die Parole „Arbeit macht frei“ genannt, die durch ihre Verwendung als Toraufschrift an den nationalsozialistischen Konzentrations­lagern bekannt wurde und als letzte Neon-Leuchtschrift zum Ende des zweiten Aktes über der Bühne zu sehen ist, wobei diverse Leuchtschriften das dominierende Gestaltungselement für den „Kit-Kat-Club“ darstellen (Bühnenbild: Manuela Freigang). Die humorvollen Elemente im Libretto werden insbesondere im ersten Akt in den Vordergrund gestellt, wodurch eine unbeschönigende Darstellung des schleichenden Übergangs zu einer intoleranten Gewalt­herr­schaft des Dritten Reiches an Gewicht verliert. Das möge jeder für sich selbst ent­schei­den, wie deutlich er als Zuschauer die Gefahren des auf­kom­men­den National­so­zi­alis­mus auf der Bühne dargestellt sehen möchte. Sally Bowles bringt die Ignoranz mit ihrem Satz genau auf den Punkt, „Politik? Was hat denn das mit uns zu tun?“ Die Verlobungs­feier von Fräulein Schneider und Herrn Schultz findet in Roland Spohrs Inszenierung „über den Dächern Berlins“ statt, angedeutet durch den von hinten zu sehenden Reklame-Schriftzug „CENTRUM VERSI HERUNG“ am Hausdach, der auch schon bessere Zeiten erlebt hat, es fehlt bereits ein Buchstabe. Neben den oben erwähnten, den „Kit-Kat-Club“ dominierenden Neon-Leucht­schriften beschränkt sich das weitere Bühnenbild ebenfalls auf Andeutungen, die eine zweifelsfreie Verortung der Szenen zulassen, Fräulein Schneiders Pension wird durch zwei rote Sofas ver­sinn­bild­licht, die sechsköpfige „Kit-Kat-Club“-Band unter der Musikalischen Leitung von Otto Beatus spielt hinten auf der Bühne, wobei Jalousien in den nicht im „Kit-Kat-Club“ spielenden Szenen den Blick auf die hintere Bühne verwehren. Ester Bialas ist erstmals für das Theater Oberhausen als Kostümbildnerin tätig, ihre Kostüme sind an die alte Zeit angelehnt, lassen aber bei den Szenen im „Kit-Kat-Club“ keine verruchte Atmosphäre aufkommen, stattdessen erinnern sie mich mitunter an ein braves Mädchen­pensionat.

Peter Waros (Ernst Ludwig), Susanne Burkhard (Fräulein Schneider), Vera Bolten (Sally Bowles) und Sergej Lubic (Clifford Bradshaw);
Foto Klaus Fröhlich

Alle Rollen mit Ausnahme von Sally Bowles und den „Kit-Kat-Club“-Girls sind am Theater Oberhausen von den fest am Haus engagierten Schauspielern übernommen worden. Allein dieser Umstand erfordert ein gewisses Maß an Mut und verdient entsprechenden Respekt, gibt es doch gerade bei „Cabaret“ berühmte Darsteller als Vorbild, beispielsweise Joel Grey in der Rolle des Conférenciers in der Broadway Uraufführung und dem Broadway-Revival im Jahr 1987, Liza Minnelli als Sally Bowles in der Oscar-prämierten Verfilmung oder Opernsängerin und Metropolitan Opera Star Regina Resnik, die in der Wiederaufnahme am Imperial Theatre (Premiere 22. Oktober 1987, Regie Harold Prince) die Rolle von Fräulein Schneider verkörperte. Vera Bolten wurde erst gut eine Woche vor der Premiere als Sally Bowles engagiert, hat die Figur aber bereits in der Inszenierung von Pavel Fieber am Opernhaus Bonn (Premiere: 17. November 2002) gespielt. Sie ist in der Rolle des Möchtegern-Starlets bestens aufgehoben, mit ihrer eigenen Interpretation der kecken, aber nicht übermäßig talentierten Nachtklub-Sängerin ist sie weit davon entfernt, Liza Minnelli in irgendeiner Art imitieren zu wollen. Glaubhaft gelingt es ihr, Sallys eigene Verletzlichkeit hinter der kessen Fassade zu verbergen. Sergej Lubic kann als sympathischer, bislang erfolgloser Schriftsteller Clifford Bradshaw Sally Bowles unmittelbar bei ihrem ersten Zusammentreffen beeindrucken, indem er das Gedicht „Dover Beach“ von Matthew Arnold rezitiert. Nachdrücklich tritt er gegen die Unterstützung der Nationalsozialisten ein. Jürgen Sarkiss´ Conférencier geht ein wenig in die Richtung Tom Waits, outfitmäßig eine Mischung aus Chorus Line mit goldenem Glitzeranzug und Tintin mit blonder Haartolle, präsentiert Jürgen Sarkiss nicht nur die „Kit-Kat-Club“-Girls, sondern führt auch die Episoden zwischen Alltag und Nachtleben zusammen, indem er das Geschehen teilweise zynisch kommentiert. Susanne Burkhard (Fräulein Schneider) und Klaus Zwick (Herr Schultz) haben als älteres Liebespaar bewegende Momente, Klaus Zwick ist als Obsthändler aber noch nicht genug damit bestraft, dass Fräulein Schneider aufgrund seiner ethnischen Herkunft die Verlobung löst, zuvor muss er sich auf teilweise Slapstick-artige Weise seiner Angebeteten nähern, was prompt die entsprechenden Lacher im Publikum hervorruft. Peter Waros stellt als Ernst Ludwig eher den netten Herrn von nebenan dar, da ist es nur zu verständlich, warum sich kein Widerstand gegen ihn oder seine politische Gesinnung regt. Im „Kit-Kat-Club“ wird natürlich auch getanzt, wofür das Theater Oberhausen Julia Breier, Ann-Marie Lone Gindner, Maria-Lena Hecking und Pascal Nölder engagiert hat. Ann-Marie Lone Gindner und Maria-Lena Hecking, die ihre Ausbildung zur Musicaldarstellerin an der German Musical Academy in Osnabrück absolviert haben, waren bereits in der Hagener „Cabaret“-Inszenierung im September diesen Jahres als „Kit-Kat-Club“-Girls zu erleben und konnten dort unter Beweis stellen, dass sie auch mit Choreografien im Stil von Bob Fosse keine Schwierigkeiten haben. Andrea Heil hat als Choreografin in Oberhausen weitestgehend auf diese Anleihen verzichtet, wem oder was Anleihen beim Schuhplattler geschuldet sind, wollte sich mir im Song „Two Ladies“ allerdings nicht erschließen.

Ausgelassene Stimmung bei der Vorstellung von Kreativteam und Ensemble bei der Premierenfeier

Roland Spohr liefert in Oberhausen eine eigenständige Interpretation des Musicals ab, und auch die Darsteller können mit ihrer Leistung überzeugen. Nicht „vorbelastete“ Zuschauer dürften mit der Aufführung sicher zufrieden sein, das Premierenpublikum war es durchaus. Und bei der Vorstellung von Kreativen und Akteuren bei der Premierenfeier stellte sich dann auch die ausgelassene Stimmung ein, die der Schlussapplaus noch ein wenig vermissen ließ. Weitere Vorstellungen stehen am 8., 16., 17. und 28. November, 21. Dezember 2012, 23. Januar und 9. und 16. März 2013 jeweils um 19.30 Uhr sowie am 6. Januar, 10. Februar, 24. März und 14. und 21. April 2013 jeweils um 18.00 Uhr auf dem Spielplan.

Haben Sie „Cabaret“ am Theater Oberhausen selbst schon gesehen? Wie hat Ihnen die Vorstellung gefallen?

Dienstag, 23. Oktober 2012

Halde Rungenberg

Bergehalde im Gelsenkirchener Stadtteil Buer

Halde Rungenberg

Der südöstliche Teil der Halde Rungenberg (60 m Höhe über Niveau, 51°33’41,15” N, 7°2’29,50” E) in Gelsenkirchen-Buer wurde nach Plänen des Schweizer Architekturbüros Rolf Keller (* 28. Dezember 1930 in Zürich, † 7. Oktober 1993 Seldwyla-Zumikon) in Form zweier Dreieckspyramiden über quad­ra­tischem Grundriss aufgeschüttet. Die Halde ist durch Abbau in der Zeche Hugo/Ewald entstanden.

Halde Rungenberg

Auf den beiden Dreieckspyramiden aus schwarzem Berge­material wurde 1999 jeweils ein vier Meter hoher Spiegel­schein­werfer aufgestellt, die die Lichtinstallation „Nacht­zeichen“ von Hermann EsRichter (* 1939 in Oberhausen) und Klaus Noculak (*1937 in Recklinghausen) bilden. Die Künstler­ge­mein­schaft hatte 1992 den vom Kunstverein Gelsenkirchen angeregten Wettbewerb „Kunst auf der Halde Rungenberg“ gewonnen, wobei sie die Gestaltung der Haldenspitze als eine in der Dunkelheit weithin sichtbare Landmarke vorgeschlagen haben.

Halde Rungenberg, Scheinwerfer-Skulptur auf der Pyramide

Halde Rungenberg, Scheinwerfer-Skulpturen auf der Pyramide

Die beiden Spiegelscheinwerfer auf den Dreieckspyramiden sind unter einem Winkel von 20 Grad so ausgerichtet, dass sich die beiden Strahlen bei Dunkelheit über der Haldenspitze kreuzen und so eine künstliche Spitze der Pyramide formen.

„Nachtzeichen“ von Hermann EsRichter und Klaus Noculak

„Schienenplateau“ von Herrmann EsRichter und Klaus Noculak

Ebenfalls von der Künstlergemeinschaft Hermann EsRichter und Klaus Noculak stammt das Bodenrelief „Schienenplateau“, das mit 5.500 Meter Schienen aus Zechenbahngleisen auf das Transportsystem verweist, das die industrielle Entwicklung des Reviers prägt. Von dem 1997 entstandenen Kunstwerk auf der oberen Haldenterrasse (51°33’45,69” N, 7°2’11,11” E) mit einer elliptischen Fläche von 33 × 41 Metern ist allerdings nicht mehr viel zu erkennen, die Schienen sind zum größten Teil von Sträuchern überwuchert.

„Schienenplateau“ von Herrmann EsRichter und Klaus Noculak

Siedlung Schüngelberg

Am Fuß der Halde Rungenberg befindet sich die Berg­werks­siedlung Schüngelberg, von hier führen auch 300 Stufen unmittelbar zu den beiden Dreieckspyramiden. Die Siedlung wurde 1897 in der Nähe des Schachtes Hugo II an der Holthauser Straße begonnen, und in den Jahren 1903/04 nach dem Gartenstadtmodell um Einzel-, Doppel- und Reihenhäuser in der Gertrudstraße erweitert. Ab 1916 entstand in der Albrechtstraße eine geschlossene Bebauung nach Entwürfen des Architekten Wilhelm Johow (* 25. Januar 1874 in Minden, † 27. Oktober 1960 in Hameln), Leiter der Bauabteilung der Zeche. Die Bautätigleit kam aber nach dem Ersten Weltkrieg zum Erliegen, erst im Rahmen der Internationalen Bau­aus­stellung Emscher Park wurden die älteren Siedlungsteile durch Neubauten nach einem Entwurf des Schweizer Architekten Rolf Keller ergänzt.

Siedlung Schüngelberg, Torhaus

Siedlung Schüngelberg, Gertrudstraße

Siedlung Schüngelberg, Albrechtstraße

Siedlung Schüngelberg, „Torhaus“, Holthauser Straße

Freitag, 19. Oktober 2012

West Side Story

„West Side Story“ – nach einer Idee von Jerome Robbins und nach Shakespeares „Romeo and Julia“; Musik: Leonard Bernstein; Liedtexte: Stephen Sondheim; Buch: Arthur Laurents; Inszenierung und Choreografie: Joey McKneely; Bühne: Paul Gallis; Kostüme: Renate Schmitzer; Lichtdesign: Peter Halbsgut; Tondesign: Rick Clarke; Musikalische Leitung: Donald Chan. Darsteller: Chris Behmke/Liam Tobin (Tony), Elena Sancho Pereg/Jasmina Sakr (Maria), Yanira Marin (Anita), Andy Jones (Riff), Rhett Aren Guter (Action), Brandon Hudson (A-Rab), Michael Bullard (Baby John), Fred P. Odgaard (Snow Boy), Ryan Fitzgerald (Big Deal), Drew Nellessen (Diesel), Nicholas Sipes (Gee-Tar), Tenealle Farragher (Graziella), Addie Tomlinson (Velma), Courtney Ortiz (Minnie), Sarah Blodgett (Clarice), Melanie A. Wildman (Pauline), Christie Partelow (Anybodys), Pepe Muñoz (Bernardo), Nikko Kimzin (Chino), Charles South (Pepe), Christian Elan Ortiz (Indio), Caleb Teicher (Luis), Michael Juan Bishop (Anxious), Jerimy Luis Rivera (Nibbles), Armando Reinaldo Yearwood Jr. (Moose), Maria Victoria Failla (Rosalia und „Somewhere“-Song), NaTonia Monét (Consuela), Natalie Williams (Teresita), Kara Anne Duncan (Francisca), Emma Sofia Pfaeffle (Estella), Naomi C. Walley (Margarita), Joe Gioco (Doc), John Wojda (Lt. Schrank), Mel Shrawder (Officer Krupke), James Michael Reilly (Glad Hand), Ryan Ghysels (Swing Jet Boys und Shark Boys). Broadway-Premiere: 26. September 1957, Winter Garden Theatre, New York. Tournee-Premiere: 26. Juni 2012, Deutsche Oper, Berlin.



„West Side Story“


Der Broadway-Klassiker mit der Original­choreografie von Jerome Robbins im Colosseum Theater Essen


Die „West Side Story“, nicht nur die bekannteste Vertonung von William Shakespeares „Romeo und Julia“, sondern auch eines der größten Werke des amerikanischen Musiktheaters, behandelt am Beispiel zweier rivalisierender Jugendbanden die Schwierigkeiten und Gegensätze zwischen den ein­ge­wan­derten Puertoricanern (‚Sharks’) und den Einheimischen der New Yorker West Side (‚Jets’) um 1955. Aus diesen rivalisierenden Banden verlieben sich Tony und Maria ineinander, doch angesichts der Feindseligkeiten ist ihre Liebe zum Scheitern verurteilt. Die Produktion erlebte am 26. September 1957 ihre Broadway Premiere am Winter Garden Theatre und wurde mit zwei Tony Awards ausgezeichnet, Jerome Robbins erhielt die Auszeichnung für seine Choreografie, und Oliver Smith für das Bühnenbild. Nach 732 Vorstellungen und einer daran anschließenden Tournee kehrte das Stück am 27. April 1960 für weitere 249 Aufführungen an den Broadway zurück. Es gab bisher zwei weitere Broadway Revivals, 1980 wurde die „West Side Story“ vom 14. Februar bis 30. November am Minskoff Theatre gezeigt, und die Neuinszenierung von Arthur Laurents am Palace Theatre wurde in 748 Vorstellungen vom 19. März 2009 bis 2. Januar 2011 gespielt. Das Stück wurde 1961 verfilmt; der Film wurde für elf Oscars nominiert, wovon er immerhin zehn tatsächlich erhalten hat. Bei der „West Side Story“ verschmelzen Musik, Schauspiel und Tanz in nahezu unübertrefflicher Form, und die in der von Robert E. Griffith und Harold S. Prince produzierten Uraufführung von Jerome Robbins choreographierten Tanzsequenzen gerieten zum beinahe wichtigsten Stilmittel. Robbins erarbeitete mit jedem Tänzer ein individuelles Repertoire an Gesten und schuf damit ein stilisiertes Tanztheater, das die bedrohlichen Auseinandersetzungen der Jugendlichen überzeugender auf die Bühne brachte als jede realistische Darstellung.

Ensemble; Foto: Nilz Böhme

2012 ist der Broadway-Klassiker mit der Originalchoreografie von Jerome Robbins wieder an den großen Bühnen Deutschlands zu erleben, die Neuinszenierung vereint die unvergleichlich vitale Musik, die mitreißende Dramatik und die brennende Aktualität des Meisterwerks in einer aufwändigen Produktion mit 36 Darstellern und insgesamt über 80 Beteiligten. Joey McKneely, der als Tänzer in die Original Broadway Inszenierung involviert war, zeichnete für die choreografische Reproduktion der jüngsten Neuinszenierung der „West Side Story“ am Broadway unter der Regie von Arthur Laurents verantwortlich und hat die Tournee-Produktion inszeniert und choreografiert.

Die ‚Sharks’ mit ihren Mädchen; Foto: Nilz Böhme

Nachdem Stage Entertainment mit der Derniere von „BUDDY – Das Buddy Holly Musical“ den En-suite-Spielbetrieb im Colosseum Theater, der ehemaligen „VIII. Mechanischen Werkstatt“ der Essener Krupp-Gussstahlfabriken eingestellt hat, wird die denkmalgeschützte Industriehalle heute für verschiedene Veranstaltungen vermietet, u. a. auch für Musical-Aufführungen. Die Verbindung von außergewöhnlicher Architektur und modernem Theater-Ambiente gibt es in dieser Form kein zweites Mal. Nachdem die aktuelle Tournee-Produktion der „West Side Story“ von BB Promotion in diesem Jahr bereits in Berlin, Leipzig, Köln und Hamburg gastierte, ist der Broadway-Klassiker nun bis 20. Oktober 2012 im Colosseum Theater Essen zu sehen.

Die ‚Jets’; Foto: Nilz Böhme

BB Promotion hat für die aktuelle Tournee in New York eine extrem junge Darstellerriege gecastet, die den dar­zu­stellen­den Charakteren eine natürliche Authentizität verleiht. Die jungen Darsteller überzeugen vom getanzten Prolog bis zum Finale, von Beginn an wird klar, dass hier besonderer Wert auf die Tanzsequenzen gelegt wird, die mit beeindruckender Synchronität und Leichtigkeit umgesetzt werden. Die Original­choreografien von Jerome Robbins mögen zwar schon über 50 Jahre alt sein, aber in der hier dargebotenen Perfektion lassen sie so manche neuere Inszenierung der „West Side Story“ ziemlich alt aussehen. Mit wenigen Ausnahmen stammen die Darsteller aus den USA, und da in englischer Sprache mit deutschen Übertiteln gespielt wird, gibt es natürlich keine „Sprachbarriere“. Chris Behmke und Jasmina Sakr spielten in der besuchten Vorstellung am 18. September 2012 die Rollen des doppelt besetzten jungen Liebespaares, Jasmina Sakr hat neben ihrem Studium für Musikalisches Unterhaltungstheater am Konservatorium Wien auch klassischen Gesang studiert und interpretiert die Rolle der Maria mit glasklarem Sopran, wobei sie sehr gut mit Chris Behmke harmoniert, der seit kurzem ebenfalls klassischen Gesang studiert. Das gesamte Ensemble ist sehr gut aufeinander eingespielt, man merkt deutlich, dass die Darsteller mit Ausnahme von Jasmina Sakr, die erst aufgrund anderweitiger Verpflichtungen in Essen dazugestoßen ist, bereits seit Juni 2012 gemeinsam auf der Bühne stehen. Angesichts der gezeigten Leistungen wäre es nicht angemessen, einzelne Darsteller hervorzuheben, daher seien stellvertretend für alle Mitwirkenden neben den beiden bereits genannten Hauptdarstellern Yanira Marin als Bernardos Freundin Anita, Andy Jones als Anführer der ‚Jets’ und Pepe Muñoz in der Rolle des aggressiven Anführers der ‚Sharks’ genannt.

Jasmina Sakr (Maria) und Chris Behmke (Tony)
Foto: Nilz Böhme

Das Bühnenbild von Paul Gallis ist tourneetauglich und kommt mit zwei Häuserfronten aus Profilstahl aus, die sich in die Bühnenmitte schwenken und aufklappen lassen, in Verbindung mit den Hintergrundprojektionen und der stimmungsvollen Beleuchtung von Peter Halbsgut ergeben sich stimmige Szenenbilder. Die Kostüme von Renate Schmitzer erinnern mich ein wenig an die Verfilmung des Stoffes von Robert Wise und Jerome Robbins aus dem Jahr 1961, die Zugehörigkeit der Darsteller zu den ‚Sharks’ und ‚Jets’ ist jederzeit anhand der Farbgebung leicht zu erkennen. Leonhard Bernsteins facettenreiche Partitur mit den unvergesslichen Melodien „Maria“, „America“, „Somewhere“, „Tonight“ u. a. ist bei dem 23-köpfigen Orchester unter der Musikalischen Leitung von Donald Chan bestens aufgehoben.

Jasmina Sakr (Maria) und Chris Behmke (Tony)
Foto: Nilz Böhme

Die Auflösung einer Massenschlägerei von 25 bis 30 Menschen mit türkischem und libanesischem Migrationshintergrund durch die Polizei auf dem Bahnhofsvorplatz in Gelsenkirchen am vergangenen Mittwoch mag verdeutlichen, dass die Thematik der „West Side Story“ nichts von ihrer Aktualität verloren hat. Die aktuelle Tourneeproduktion der BB Promotion begeisterte bei der ersten Vorstellung in Essen auch das Publikum im Colosseum Theater, das gesamte Ensemble wurde im Anschluss mit Stehapplaus gefeiert.

Haben Sie die aktuelle Tourneeproduktion der „West Side Story“ mit der Original­choreografie von Jerome Robbins selbst schon gesehen? Wie hat Ihnen die Vorstellung gefallen?

„Magische Orte“ schließt am kommenden Sonntag

Etwa 800.000 Besucher haben sich auf die Reise zu den Natur- und Kulturmonumenten der Welt begeben

Gasometer Oberhausen

Nach 18 Monaten endet am kommenden Sonntag, 21. Oktober 2012 die erfolgreiche Ausstellung „Magische Orte – Natur- und Kultur­mo­nu­mente der Welt“ im Gasometer Oberhausen. Rund 800.000 Besucher haben sich auf den Weg zu den großen Natur- und Naturmonumenten der Welt gemacht, darunter zahlreiche Welterbestätten der UNESCO. Gezeigt wurden insgesamt rund 180 Bilder aus den Archiven international renommierter Natur- und Architekturfotografen, u. a. vom Grand Canyon und dem Yellowstone-Nationalpark in den USA oder dem Great Barrier Reef in Australien. Hinzu kommen 28 naturgeschichtliche Objekte (u. a. eine rund 750 Jahre alte, 2,40 Meter hohe, 2,70 Meter breite und sieben Tonnen schwere Scheibe eines Mammutbaums aus dem „Six Rivers National Forest“ in Kalifornien), Leihgaben bedeutender naturwissenschaftlicher Museen und Sammlungen sowie 24 Repliken von Meisterwerken der Kunstgeschichte, die von der Gipsformerei, der ältesten Einrichtung der Staatlichen Museen zu Berlin, für diese Ausstellung geschaffen wurden. Höhepunkt der Ausstellung war die 43 Meter hohe Skulptur eines Regenwaldbaumes von Wolfgang Volz, der in Zusammenarbeit mit dem Lichtdesigner Herbert Cybulska die „Kathedrale der Natur“ für den Raum über der so genannten Manege geschaffen hat.

„Regenwaldbaum“ vor dem Gasometerdach,
Skulptur: Wolfgang Volz


Magische Orte – Natur- und Kultur­mo­nu­mente der Welt“ ist nach „Sternstunden – Wunder des Sonnensystems“ mit 950.000 Besuchern die bisher zweiterfolgreichste Schau im Gasometer Oberhausen. Die Ausstellung ist gleichzeitig die erfolgreichste Ausstellung im Ruhrgebiet seit der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010.

2013 wird Christo mit seinem außergewöhnlichen Projekt „Big Air Package“ in den Gasometer Oberhausen zurückkehren. Bereits 1999 haben Christo und Jeanne-Claude im Gasometer mit ihrer Installation „The Wall“ für Aufsehen gesorgt, aus 13.000 Ölfässern hatten sie eine 26 Meter hohe Mauer errichtet, die den Scheibengasbehälter in seinem gesamten Durchmesser durchzog. Nun wird im Inneren des 117,5 Meter hohen Gasometers mit einem Durchmesser von 67,6 Metern die größte jemals geschaffene aufblasbare Hülle errichtet, die ohne ein Skelett auskommt. Unterhalb der ehemaligen Gasdruckscheibe wird das „Big Air Package“ von einer Ausstellung begleitet, die eine Auswahl der bedeutensten Projekte zeigen wird, die Christo und Jeanne-Claude in den vergangen fünf Jahrzehnten realisiert haben. Das „Big Air Package“ wird vom 16. März bis 30. Dezember 2013 dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr zu sehen sein, während der Schulferien in Nordrhein-Westfalen auch montags.

Vorschau: Vera Bolten in „Cabaret“

„Cabaret“ – nach dem Schauspiel „I am a Camera“ von John van Druten auf der Grundlage der Berliner Episoden-Romane „Mr. Norris Changes Trains“ (1935), „Goodbye to Berlin“ (1939) von Christopher Isherwood; Musik: John Kander; Gesangstexte: Fred Ebb; Buch: John Masteroff; Deutsche Bearbeitung: Robert Gilbert; Inszenierung: Roland Spohr; Choreografie: Andrea Heil; Bühne: Manuela Freigang; Kostüme: Esther Bialas; Dramaturgie: Rüdiger Bering; Musikalische Leitung: Otto Beatus. Darsteller: Jürgen Sarkiss (Conférencier), Vera Bolten (Sally Bowles), Sergej Lubic (Clifford Bradshaw), Susanne Burkhard (Fräulein Schneider), Klaus Zwick (Herr Schultz), Peter Waros (Ernst Ludwig), Anja Schweitzer (Fräulein Kost), Julia Breier, Ann-Marie Lone Gindner, Maria-Lena Hecking („Kit-Kat-Club“-Girls), Pascal Nölder (Frenchy/Matrose Horst/Gorilla), Marek Jera (Max, Boss des „Kit-Kat-Clubs“/Matrose Fritz/SA-Mann), Eike Weinreich (Zollbeamter/Matrose Rudi/SA-Mann). Uraufführung: 20. November 1966, Broadhurst Theatre, New York City. Deutschsprachige Erstaufführung: 14. November 1970, Theater an der Wien, Wien. Premiere: 26. Oktober 2012, Theater Oberhausen.



„Cabaret“


„Willkommen, Bienvenue, Welcome“ im Theater Oberhausen


Theater Oberhausen

Wem im Zusammenhang mit Musical-Aufführungen in Oberhausen lediglich das Metronom Theater am CentrO Oberhausen in den Sinn kommt, der wird womöglich schon bald erstaunt sein, denn es gibt in Oberhausen auch ein Stadttheater, das seit 1970 den Namen Theater Oberhausen trägt. Und genau in diesem Theater erlebt im vierten Jahr der Intendanz von Peter Carp das Musical „Cabaret“ am 26. Oktober 2012 seine Premiere. Erst vor wenigen Tagen wurde Vera Bolten als Sally Bowles engagiert. Sie hat diese Rolle bereits in der Inszenierung von Pavel Fieber am Opernhaus Bonn (Premiere: 17. November 2002) gespielt, was ihr letzten Endes das doch sehr kurzfristige Engagement beschert haben dürfte. Mit Ausnahme der „Kit-Kat-Club“-Girls werden die übrigen Rollen von den fest am Haus engagierten Schauspielern verkörpert.

Julia Breier, Maria-Lena Hecking, Vera Bolten und Ann-Marie Lone Gindner; Foto Klaus Fröhlich

Christopher Isherwood schildert in seinen Erzählungen seine Bekanntschaften und Erlebnisse während seines Aufenthalts in Berlin in den Jahren 1929 bis 1933. Eine seiner Episoden handelt von seiner Begegnung mit einer Nachtclubsängerin, der er den Namen Sally Bowles gab. Bereits im Schauspiel „I am a Camera“ lag der Fokus auf dieser Episode, das Musical übernimmt diesen und stellt ihm die erfundene Liebes­ge­schichte der Pensionswirtin Fräulein Schneider mit dem jüdischen Obsthändler Herr Schultz gegenüber. Für die Musicalfassung wurde der Kit-Kat-Club, ein anrüchiger Nachtclub, hinzugefügt, dessen Conférencier die Episoden zwischen Alltag und Nachtleben durch seine Kommentare zusammenführt. Das Musical reduziert den aufkommenden Nationalsozialismus zwar auf den Antisemitismus, dennoch schildert es eindringlich das Scheitern der Protagonisten an den gesellschaftlichen Umständen der damaligen Zeit.

Sergej Lubic, Ann-Marie Lone Gindner, Vera Bolten, Maria-Lena Hecking und Julia Breier; Foto Klaus Fröhlich

Die Premiere ist bereits am kommenden Freitag, 26. Oktober 2012 um 19.30 Uhr, weitere Vorstellungen stehen am 27. Oktober, 8., 16., 17. und 28. November, 21. Dezember 2012 und 23. Januar 2013 jeweils um 19.30 Uhr sowie am 6. Januar 2013 um 18.00 Uhr auf dem Spielplan.

Hier gibt es die Premierenbesprechung.