Donnerstag, 31. Mai 2012

Vorschau: „Die Hexen von Eastwick“

„Die Hexen von Eastwick“ – nach der Novelle „The Witches of Eastwick“ von John Updike; Musik: Dana P. Rowe; Gesangstexte, Buch: George Furth; Deutsche Bearbeitung: Roman Hinze; Inszenierung: Gil Mehmert; Choreografie: Kati Farkas; Musikalische Leitung: Jürgen Grimm; Ausstattung: Heike Meixner; Comiczeichnungen: FuFu Frauenwahl. Darsteller: Jeanette Claßen (Jane Smart, Musiklehrerin), Stefanie Dietrich (Alexandra Spofford, Bildhauerin), Anke Sieloff (Sukie Rougemont, Journalistin), Kristian Vetter (Darryl van Horne, Kunstsammler), Julian Culemann (Michael Spofford, Sohn von Alexandra), Gudrun Schade (Felicia Gabriel, Bürgermeisterin), Joachim G. Maaß (Clyde Gabriel), Anna Preckeler (Jennifer Gabriel, Tochter von Felicia), Christian Hante (Fidel, Diener van Hornes), Sandra Pangl (Kleines Mädchen), Yara Hassan/Kati Farkas (Gina Marino), Wolf-Rüdiger Klimm (Joe Marino), Wiltrud Maria Gödde (Gretta Neff), Oliver Aigner (Raymond Neff), Jane Reynolds/Marika Carena (Marge Persley), Stefan Preuth (Reverend Ed Parsley), Léony Thoms (Brenda Parsley), Daniela Günther (Rebecca Barnes), Sergey Fomenko (Toby Bergman), Sabina Detmer, Svetlana Fomenko, Angelo Canonico, Mathias Kumer, Jakub M. Spocinski und Lucas Theisen (Bürger von Eastwick). Uraufführung: 18. Juli 2000, Theatre Royal, Drury Lane, London. Deutschsprachige Erstaufführung: 9. Juni 2012, Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen.



„Die Hexen von Eastwick“


Die Musical Comedy als deutschsprachige Erstaufführung am Musiktheater im Revier


1987 verfilmte Regisseur George Miller die Novelle „The Witches of Eastwick“ von John Updike mit Jack Nicholson, Susan Sarandon, Cher und Michelle Pfeiffer in den Hauptrollen als Horrorkomödie, wodurch diese einen hohen Bekanntheitsgrad erlangte. John Dempsey (Lyrics und Buch) und Dana P. Rowe (Musik) adaptierten den Roman für die Bühne, wo das von Cameron Mackintosh produzierte Musical in einer Inszenierung von Eric Schaeffer am 18. Juli 2000 im Theatre Royal, Drury Lane in London seine erfolgreiche Uraufführung erlebte und bis 27. Oktober 2001 gezeigt wurde. Nachdem „The Witches of Eastwick“ am 5. Juni 2007 am Signature Theatre in Arlington, Virginia Premiere hatte, erlebte eine neue Tournee-Version am 23. August 2008 am Theatre Royal, Norwich seine Premiere und wurde anschließend in 26 Städten im Vereinigten Königreich gezeigt. Auf dieser Tournee-Version basiert nunmehr die deutschsprachige Erstaufführung der „Hexen von Eastwick“ am 9. Juni 2012 am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, mit der Regisseur Gil Mehmert – nach „Candide“ (Premiere: 12. Oktober 2008) – an das Musiktheater im Revier zurückkehrt. Neben Mezzosopranistin Anke Sieloff (Sukie Rougemont) als festem Ensemblemitglied werden Jeanette Claßen (Jane Smart), Stefanie Dietrich (Alexandra Spofford) und Kristian Vetter (Darryl van Horne) als Gäste am MiR spielen. Gut eine Woche später wird „Die Hexen von Eastwick“ auch am Theater am Bismarckplatz in Regensburg am 17. Juni 2012 seine Premiere erleben, und in der kommenden Spielzeit wird Matthias Davids am 13. April 2013 mit seiner Inszenierung von "Die Hexen von Eastwick" als österreichische Erstaufführung das neue Musiktheater am Volksgarten in Linz eröffnen.

Anke Sieloff, Jeanette Claßen und Stefanie Dietrich
Foto: Pedro Malinowski


Die Musiklehrerin Jane Smart, die Bildhauerin Alexandra Spofford und die gerade geschiedene Journalistin Sukie Rougemont – frustriert und gelangweilt vom Leben in der Provinz – sind als Hobby-Hexen auf der Suche nach ihrem Traumprinzen, da erscheint dieser in Person eines charismatischen Fremden, dem Kunstsammler Darryl van Horne. Als Teufel in Person verführt er jede der drei Frauen und zeigt ihnen, wie sie ihre geheimen Kräfte als Hexen noch ausbauen können. Doch ihre unorthodoxe Lebensweise kratzt an der Moral des miefigen Kleinstädtchens Eastwick, personifiziert in der sittenstrengen Bürgermeisterin Felicia Gabriel und ihrem Mann Clyde. Deren Tochter Jennifer liebt zudem ausgerechnet Alexandras Sohn Michael. Der mysteriöse Tod Felicias und neue erotische Eskapaden von Daryl gehen den Hexen dann doch zu weit. Den Teufel, da sind sie sich einig, muss man wieder loswerden, und so nutzen sie ihre neugewonnen Kräfte, um Daryl aus ihrem Leben zu verbannen …

Kristian Vetter, Heike Meixner (Ausstattung), Gil Mehmert (Regie) und Kati Farkas (Choreografie)

Regisseur Gil Mehmert arbeitet auch bei „Die Hexen von Eastwick“ – wie schon bei „Candide“ – mit Illustrator und Comiczeichner FuFu Frauenwahl zusammen und nutzt seine Trickfilme als Illustrationsebene, mit der die Darsteller auf der Bühne interagieren werden. Eine große Treppe, zwei Bäume und ein sechseckiges Gebilde, welches wahlweise als Bett, Brunnen oder Hexenkessel genutzt werden kann, werden in Verbindung mit der Videoprojektion ohne falsche Opulenz in schneller Folge insgesamt 25 Szenenbilder auf der Bühne entstehen lassen. Kati Farkas erarbeitet mit den Darstellern die Choreografien für das Rockmusical und verspricht schon jetzt einen teuflisch guten Abend – eben den „Tanz mit dem Teufel“. Cameron Mackintosh Ltd wacht in diesem Fall über eine strenge Einhaltung der Produktionsvorgaben, was auf der einen Seite einen bestimmten Qualitätsstandard halten soll, auf der anderen Seite aber beispielsweise auch Abweichungen von der vorgesehenen Orchester-Besetzung verhindert. „Die Hexen von Eastwick“ steht nach der Premiere am 9. Juni 2012 für vier weitere Vorstellungen bis 8. Juli 2012 auf dem Spielplan des Musiktheaters im Revier Gelsenkirchen und wird in der neuen Spielzeit 2012/2013 am 7. Oktober 2012 wiederaufgenommen. Bereits am 1. Juni 2012 um 18 Uhr lädt das MiR beim „Premierenfieber“ zu einem Blick hinter die Kulissen ein. In einem öffentlichen Gespräch mit anschließendem Probenbesuch erfahren die Besucher vom Kreativteam alles Wissenswerte zu Stück, Inszenierung und Musik.

Mittwoch, 30. Mai 2012

Licht an! zur ExtraSchicht 2012

Die Roaring Twenties in der Maschinenhalle Zweckel in Gladbeck

Maschinenhalle Zweckel

Bereits zum zwölften Mal veranstaltet die Ruhr Tourismus GmbH 2012 die ExtraSchicht, seit der Premiere am 26./27. Mai 2001 werden bei der „Nacht der Industriekultur“ ehemalige Industrieanlagen, aktuelle Produktionsstätten, Zechen und Halden als Spielorte der Industriekultur geschickt in Szene gesetzt, womit das Festival den Wandel von der Schwerindustrie zu einer modernen Wirtschafts- und Kulturregion verdeutlicht. 2011 haben nach Angaben des Veranstalters über 200.000 Besucher am 8./9. Juli die 47 Spielorte des Festivals besucht und haben damit für einen neuen Besucherrekord gesorgt. 2012 werden am 30. Juni/1. Juli zwischen 18 und 2 Uhr morgens diesmal insgesamt 53 Spielorte in 23 Städten zur Entdeckungsreise durch die Region einladen, die mit über 450 Events von mehr als 1.000 Künstlern bespielt werden. Neben den Orten der Industriekultur präsentiert die ExtraSchicht das künstlerische Potential der Region mit diversen Kooperationen regionaler Kulturinstitutionen und Kulturschaffenden.

In der Maschinenhalle Zweckel wird die ExtraSchicht mit Hochspannung erwartet

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Bergwerks-AG Recklinghausen gegründet, deren Aktienmehrheit im Besitz des preußischen Staates lag. 1908 begann man in Gladbeck-Zweckel mit dem Abteufen einer Doppelschachtanlage, die 1910 den Namen Zweckel bekam. 1909 wurden die Fördermaschinen für die Doppelschachtanlage von der Fa. Thyssen & Co. in Mülheim/Ruhr (Elektrik: AEG) in die fertiggestellte Maschinenhalle eingebaut. Die Maschinenhalle selbst wirkt nicht wie eine Industrieanlage, sondern verdeutlicht mit der herrschaftlichen Architektur den Machtanspruch des königlich-preußischen Staates. 1963 wurde die Steinkohlen-Förderung auf Zweckel eingestellt, 1988 wurden die Maschinenhalle sowie die beiden Fördergerüste unter Denkmalschutz gestellt. Seit 2002 zählt die Maschinenhalle zu den Hauptspielorten der Ruhrtriennale, bereits zum dritten Mal öffnet sie in diesem Jahr zur ExtraSchicht ihre Tore und verwandelt sich unter dem Motto „Zweckel swingt“ in einen Tanzsaal der 1920er Jahre.

Peter Bieniossek und Lucy Flournoy (LindyPott)

Stepptanz, Charleston, Shimmy oder Swing, die sich in der Blütezeit des Jazz entwickelten, lockten die Bevölkerung in die großen Ballsäle New Yorks, einer Anekdote zufolge soll der Name des Ende der 1920er-Jahre entstandenen Lindy Hops auf die Zeitungsschlagzeile „Lucky Lindy Hops the Atlantic“ anlässlich der ersten Alleinüberquerung des Atlantiks von Charles Lindbergh am 20./21. Mai 1927 zurückgehen. Etwa seit Beginn der 1980er Jahre gewinnt Lindy Hop auch in Europa wieder zunehmend Freunde, denn bei dem ursprünglichen Swing-Tanz steht der Spaß am Tanzen und an der Musik im Vordergrund.

Lucy Flournoy und Peter Bieniossek (LindyPott)

Peter Bieniossek und Marina Fischer bringen den „Pott“ seit 2006 als LindyPott zum Swingen, bei der ExtraSchicht in der Maschinenhalle Zweckel werden Tänzerinnen und Tänzer von LindyPott die Besucher ab 20 Uhr mit Tanzvorführungen aus des Welt des Swing mit Charlston, Lindy Hop, Shim Sham und anderen Variationen in die Roaring Twenties entführen und bei Mini-Tanzkursen zum Mitmachen animieren.

Lucy Flournoy und Peter Bieniossek (LindyPott)

Auch kulinarisch begibt man sich in der Maschinenhalle Zweckel auf eine Zeitreise in die Goldenen Zwanziger, u. a. soll eine Mulligatawny-Suppe („Dinner for One“) serviert werden. Bei Führungen durch die 1909 erbaute Maschinenhalle unter dem Motto „Als die Maschinen noch lärmten“ steht ab 18 Uhr das imposante Industriedenkmal mit den Ilgner-Umformern, den elektrisch angetriebenen Fördermaschinen und den Jugendstil-Malereien im Vordergrund. Eine kleine Fotoausstellung auf der Empore gibt Einblicke in die Geschichte des ehemaligen Steinkohlen-Bergwerks und das Arbeitsleben der Bergleute auf Zweckel.

Lucy Flournoy und Peter Bieniossek (LindyPott) auf der Treppe zur Empore

Ab 22 Uhr werden Lichtinstallationen und Klangkollagen am Außengelände die besondere Atmosphäre der Veranstaltung unterstreichen. Die Maschinenhalle Zweckel ist mit dem ExtraSchicht-Shuttlebus ES 7 zu erreichen, der zur ExtraSchicht zwischen Gelsenkirchen-Hauptbahnhof und dem Kunstpark Fürst Leopold in Dorsten im 15-Minuten-Takt verkehrt. Detaillierte Informationen zu allen Spielorten der ExtraSchicht, Mobilitätsplan, Tickets etc. pp. unter www.extraschicht.de

Maschinenhalle Zweckel, südliche Fördermaschine

Maschinenhalle Zweckel, Fenster mit Spiegelbild des Fördergerüstes

Dienstag, 29. Mai 2012

„200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“

Begleitende Filmreihe zur Sonderausstellung vom 31. Mai bis 26. Juli 2012

Das Ruhr Museum zeigt ab dem 31. Mai 2012 parallel zu seiner Sonderausstellung „200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“ das womöglich größte Filmprogramm, das bisher zum Thema Krupp prsäsentiert wurde. Gezeigt werden unbekannte oder selten vorgeführte frühe Filmdokumente aus der „Kinematographischen Abteilung der Fried. Krupp AG“, außergewöhnliche Fernsehdokumentationen und zwei gegensätzliche, fiktionale Auseinandersetzungen mit dem Mythos Krupp.

Krupp hatte neben der Fotografie die Vorzüge des Films als Bewegtbildmedium erkannt und nutzte sie für seine Zwecke. In der „Lithographischen Anstalt“ (ab 1915 „Graphische Anstalt“ Grapha, heute Westend Druckereibetriebe) wurde durch Anschaffung eines „kinematographischen Projektions- und Aufnahmeapparates“ die „Kinematographische Abteilung der Fried. Krupp AG“ eingerichtet, die bis heute – obwohl 1945 untergegangen – die größte Filmproduktionsgesellschaft im Ruhrgebiet geblieben ist.

„200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“, Krupp und die Kinematographie – Selbstdarstellung im Film, 35 mm-Filmprojektor, Krupp-Ernemann Kinoapparate AG, Dresden, 1920/26

Krupp produzierte hunderte Filme, zunächst für werkseigene Zwecke, später auch für externe Auftraggeber. Das Medium Film wurde zum einen zu Werbezwecken und zur Selbstinszenierung des Unternehmens genutzt, zum anderen zur Dokumentation von Arbeitsabläufen und zu Testzwecken. Um schnelle Vorgänge studieren zu können, beispielsweise bei Geschützen, musste man sie verlangsamen und visuell einfangen. Im Auftrag Krupps entwickelte die Firma Ernemann in Dresden dafür eine Spezialkamera mit hoher Bildfrequenz, womit die „Zeitlupe“ geboren war.

Im Rahmen der Filmreihe werden an sieben Terminen auf dem Welterbe Zollverein (Halle 2) und in der Lichtburg Essen einige Titel erstmals nach Jahrzenhnten wieder zu sehen sein. Eingeführt werden die Filme von Paul Hofmann, dem Kurator der Reihe und Leiter der Kinemathek im Ruhrgebiet, der zu den Veranstaltungen Autoren, Redakteure sowie Filmhistoriker begrüßen wird.

Das Filmprogramm im Detail:
  • 31. Mai 2012, 19 Uhr, Zollverein, Halle 2
    Produktionen der „Kinematographischen Abteilung der Fried. Krupp AG“, Essen

  • 7. Juni 2012, 19 Uhr, Zollverein, Halle 2
    Krupp im Film nach 1945

  • 10. Juni 2012, 11 Uhr, Lichtburg
    Krupp im Spielfilm
    Die Verdammten/La caduta degli dei (I/BRD 1969), Regie: Luchino Visconti

  • 28. Juni 2012, 19 Uhr, Zollverein, Halle 2
    Rheinhausen und die Friedrich-Alfred-Hütte

  • 5. Juli 2012, 19 Uhr, Zollverein, Halle 2
    Krupp im Fernsehen

  • 22. Juli 2012, 11 Uhr, Lichtburg
    Mit Blick auf Krupp – Der Unternehmer im deutschen Spielfilm
    Der Herrscher (D 1937), Regie: Veit Harlan („Jud Süß“)
    Literaturverfilmung in Anlehnung an Gerhard Hauptmanns Drama „Vor Sonnenuntergang“

  • 26. Juli 2012, 19 Uhr, Zollverein, Halle 2
    Krupp und die Krisen der deutschen Stahlindustrie

Der Eintritt zu den Veranstaltungen beträgt pro Veranstaltung und Person 5 €. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Vorschau: The Who´s „Tommy“

Probenbeginn am Theater Bielefeld

Rechtzeitig zum Probenbeginn für die erste Musical-Produktion der nächsten Spielzeit, The Who´s „Tommy“, hat das Theater Bielefeld mit Ausnahme der Kinderrollen auch die Besetzung zur „Rock-Oper“ von Pete Townshend (Musik und Gesangstexte), Des McAnuff (Libretto), John Entwistle und Keith Moon (ergänzende Musik) bekanntgegeben. Es spielen
  • Philipp Dietrich als Tommy/Erzähler,
  • Carina Sandhaus als Mrs. Walker,
  • Alexander Franzen als Captain Walker,
  • Brigitte Oelke als Acid Queen,
  • Rebecca Stahlhut als Sally Simpson,
  • Nicky Wuchinger als Cousin Kevin,
  • Carlos H. Rivas als Uncle Ernie,
  • David Jakobs als 1. Lad/Harmonica-Player/Specialist,
  • Nico Gaik als 2. Lad/Hawker sowie
  • Alina Arenz, Johannes Brüssau, Merle Große-Tebbe, Maik Heinze, Alica Hubiak, Robby Plücker und Franziska Vosseler im Ensemble
in einer Inszenierung von Götz Hellriegel, der auch die Choreografie erarbeiten wird. Premiere ist am Sonntag, 23. September 2012 um 19.30 Uhr im Stadttheater, Karten sind ab 1. Juni 2012 im Vorverkauf erhältlich.

Philipp Dietrich, © Philipp Dietrich

24 Jahre vergingen, bis das 1969 erschienene Konzeptalbum der britischen Rockgruppe The Who am 22. April 1993 am St. James Theatre seine Premiere erlebte. Das Theater Bielefeld wird die deutsche Barbeitung von Anthony Gebler zeigen, die nach einem kommerziellen Misserfolg der englischsprachigen Produktion in Offenbach entstanden ist.

„Tommy“ erzählt vom Schicksal des jungen Tommy, der in einem Spiegel mitansieht, wie sein unerwartet aus dem Zweiten Weltkrieg zurückgekehrter Vater, Captain Walker, den Liebhaber seiner Mutter erschießt, und infolge des traumatischen Erlebnisses taub, stumm und blind aufwächst. Mit seinem Gespür für Flipper-Automaten wird er als genialer Spieler zum Idol der Jugend. Als er bei einem Streit mit seiner Mutter in einen Spiegel stürzt und dabei sein Spiegelbild zerbricht, ist er plötzlich geheilt. Wegen der vermeintlich wundersamen Heilung wird er sogar zum Messias stilisiert. Verständlicherweise kann er diesen Erwartungen nicht standhalten …

FreilichtSpiele Tecklenburg: Musical meets Pop

„Musical meets Pop“ – Musikalische Leitung/Gitarre: Klaus Hillebrecht. Mitwirkende: Pia Douwes, Yngve Gasoy-Romdal, Sascha Th. G. Krebs, Mark Seibert, Patrick Stanke, Anna Thorén, Wietske van Tongeren und Sabrina Weckerlin. Background Vocals: Jan Altenbockum, Christina Hindersmann, Silja Schenk, Benjamin Witthoff. 28. Mai 2012, Freilichtbühne Tecklenburg.



„Musical meets Pop“


Die traditionelle Pfingstgala der FreilichtSpiele Tecklenburg


Am Pfingstmontag fand als Auftakt der Saison 2012 im mit 2.320 Plätzen beinahe größten Freilicht-Musiktheater Deutschlands die traditionelle Pfingstgala „Musical meets Pop“ statt. (Anmerkung: Mit einer Zuschauertribüne für bis zu 4.000 Personen ist die Freilichtbühne Ötigheim die größte Freilichtbühne Deutschlands.) In diesem Jahr stehen die beiden Produktionen „Marie Antoinette“ von Michael Kunze (Texte) und Sylvester Levay (Musik) mit 20 Aufführungen (Premiere am 23. Juni 2012) und „Hairspray“ von Marc Shaiman (Musik, Liedtexte) und Scott Whitman (Liedtexte) mit 18 Aufführungen (Premiere am 27. Juli 2012) auf dem Sommerspielplan. Dementsprechend waren die beiden Hauptdarstellerinnen aus „Marie Antoinette“ – Anna Thorén (Marie Antoinette) und Sabrina Weckerlin (Margrid Arnaud) – bei der Pfingstgala dabei, und mit Yngve Gasoy-Romdal (Cagliostro), Patrick Stanke (Graf Axel von Fersen) und Wietske van Tongeren (Agnés Duchamps) drei weitere Darsteller aus dieser Produktion. Die Hauptdarsteller aus „Hairspray“ waren in anderen Produktionen gebunden und konnten daher nicht zur Pfingstgala kommen. Bei den weiteren Solisten handelt es sich bis auf eine Ausnahme beinahe schon um „Stammkräfte“, Sascha Th. G. Krebs als „Altgedienter“ war bereits vor 16 Jahren in Tecklenburg als Margred Mead in „Hair“ zu sehen. Neben Anna Thorén gab Mark Seibert als Gesangssolist sein Tecklenburg-Debüt.

Pia Douwes, Mark Seibert und Anna Thorén


Wietske van Tongeren


Anna Thorén

Besonders nachdrücklich hat man bei der Pfingstgala nicht auf die beiden Produktionen in diesem Jahr aufmerksam gemacht, Sabrina Weckerlin präsentierte zwar mit „Ich weine nicht mehr“ ihren Showstopper aus dem ersten Akt von „Marie Antoinette“, und auch der Gute-Laune-Song „You can´t stop the beat“ aus „Hairspray“ war als Finale im ersten Teil von allen Gesangssolisten zu hören, doch andere Songs begeisterten an diesem Abend das Publikum einfach mehr.

Sabrina Weckerlin


Yngve Gasoy-Romdal

Setlist des ersten Teils der Pfingstgala:
  • Pia Douwes, Yngve Gasoy-Romdal, Sascha Th. G. Krebs, Mark Seibert, Patrick Stanke, Anna Thorén, Wietske van Tongeren und Sabrina Weckerlin: „(I’ve Had) The Time of My Life“ aus „Dirty Dancing“
  • Wietske van Tongeren: „Is someone out there“ aus „In The Beginning“ von Maury Yeston (Musik, Lyrics)
  • Anna Thorén: „Please don´t let me go“ von Scott Alan
  • Sabrina Weckerlin: „Ich weine nicht mehr“ aus „Marie Antoinette“
  • Yngve Gasoy-Romdal: „Anthem“ aus „Chess“
  • Mark Seibert: „I want to break free“ aus „We Will Rock You“
  • Sascha Th. G. Krebs: „The Eye of the Tiger“ aus „Rocky – Das Musical“
  • Patrick Stanke: „Ich bin Musik“ aus „Mozart!“
  • Pia Douwes und Wietske van Tongeren: „Rebecca“ aus „Rebecca“
  • Yngve Gasoy-Romdal und Sabrina Weckerlin: „Wenn das wirklich Liebe ist“ aus „Bonifatius – Das Musical“
  • Anna Thorén: „Das Einzige, was richtig ist“ aus „Marie Antoinette“
  • Pia Douwes und Sabrina Weckerlin: „You love who you love“ aus „Bonnie & Clyde“ von Frank Wildhorn (Musik) und Don Black (Lyrics)
  • Pia Douwes, Yngve Gasoy-Romdal, Sascha Th. G. Krebs, Mark Seibert, Patrick Stanke, Anna Thorén, Wietske van Tongeren und Sabrina Weckerlin: „You can´t stop the beat“ aus „Hairspray“

Wietske van Tongeren und Pia Douwes


Pia Douwes


Pia Douwes und Sabrina Weckerlin


Mark Seibert

Setlist des zweiten Teils der Pfingstgala:
  • Pia Douwes, Anna Thorén, Wietske van Tongeren und Sabrina Weckerlin: „Free your mind“ (En Vogue)
  • Patrick Stanke: „Use somebody“ (Kings of Leon)
  • Wietske van Tongeren: „Always“ (Bon Jovi)
  • Pia Douwes: „Taking Chances“ (Celine Dion)
  • Mark Seibert: „Happy Ending“ (Avril Lavigne)
  • Sascha Th. G. Krebs und Anna Thorén: „Rolling in the Deep“ (Adele)
  • Yngve Gasoy-Romdal: „That´s Life“ (Frank Sinatra)
  • Anna Thorén: „Chasing Cars“ (Snow Patrol)
  • Sabrina Weckerlin: „Yesterday“ (Eva Cassidy, ursprünglich von John Lennon und Paul McCartney)
  • Sascha Th. G. Krebs: „Ai Se Eu Te Pego (Nossa Nossa)“ (Michel Teló)
  • Mark Seibert und Wietske van Tongeren: „When you´re gone“ (Melanie C mit Bryan Adams)
  • Patrick Stanke: „Closer to the Edge“ (30 Seconds to Mars)
  • Sascha Th. G. Krebs: „For you“ (Bruce Springsteen, Manfred Mann´s Earth Band)
  • Pia Douwes, Yngve Gasoy-Romdal, Sascha Th. G. Krebs, Mark Seibert, Patrick Stanke, Anna Thorén, Wietske van Tongeren und Sabrina Weckerlin: „Any way you want it“ (Journey)
  • Alina Arenz: „Fühl mein Glück“ aus „In 80 Tagen um die Welt“
  • Pia Douwes, Yngve Gasoy-Romdal, Sascha Th. G. Krebs, Mark Seibert, Patrick Stanke, Anna Thorén, Wietske van Tongeren und Sabrina Weckerlin: „One“ (U2)

Anna Thorén


Sabrina Weckerlin


Patrick Stanke


Alina Arenz

Montag, 28. Mai 2012

19. Deutscher Mühlentag

Aktionstag der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung e. V.

Baumeister Mühle in Oberhausen

Der Deutsche Mühlentag ist ein seit 1994 am Pfingstmontag von der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung e. V. veranstalteter Aktionstag, um die Bevölkerung auf die Müllerei aufmerksam zu machen und die technischen Denkmale zu erhalten. Insgesamt sind bei der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung e. V. 1873 Mühlen registriert (Stand 26. April 2012).

Mühlstein

In allen Bundesländern laden wieder zahlreiche historische Mühlen (Windmühlen, Wassermühlen, Ross- bzw. Göpelmühlen, Motormühlen usw.) zu einem „Tag der offenen Tür“ ein, um der interessierten Öffentlichkeit die Bedeutung, Geschichte und Funktionen der „ältesten Kraftmaschine der Menschheit“ zu präsentieren.

Abnahme der Energie vom Stirnrad auf ein Korbrad beim obenangetriebenen Mahlgang

Die Baumeister Mühle in Oberhausen-Buschhausen wurde 1858 von Heinrich Baumeister erworben und zum Schroten des Getreides mit Windenergie genutzt, sein Sohn Hermann baute nach dem 1. Weltkrieg einen Elektromotor ein. 1993/95 wurden Gebäude, Antrieb und Mahlwerk restauriert und der jetzige Besitzer Hermann Baumeister betreibt die Müllerei in der 4. Generation.

Mahlgang


Zuführung der Körner zum Mahlgang


Mehlrutsche


Baumeister Mühle in Oberhausen


Letter Windmühle in Coesfeld

Die Letter Windmühle im Coesfelder Ortsteil Lette wurde 1812/13 errichtet, bei der holländischen Achtkant-Kappenwindmühle steht der gesamte Turm fest und nur die Kappe wird in den Wind gedreht.

Windmühle Eilers in Saerbeck-Sinningen

Müller Theodor Eilers ließ die 22 Meter hohe Wallholzholländerwindmühle 1866/67 in der Bauerschaft Sinningen errichten. Sie war als Kornmühle bis 1983 in Betrieb, wurde aber ab 1929 ausschließlich durch Motorkraft angetrieben. Die Mühle dient heute als Fahrzeug- und Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Saerbeck.

Historische Mühle von Sanssouci

Die Historische Mühle von Sanssouci ist ein Nachbau der ursprünglich 1787 bis 1791 erbauten Holländerwindmühle, die bei einem Brand am 27. April 1945 zerstört wurde. Bereits unter dem „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. entstand an dieser Stelle 1737 eine Bockwindmühle, die aber 1787 – 1791 durch eine größere Galeriewindmühle nach holländischem Muster ersetzt wurde.

Sonntag, 27. Mai 2012

6. Drachenfest auf dem kultur.gebiet CONSOL

Stadtteilkulturfest mit Himmelsstürmern und Nachtschwärmern

Drachenfest auf dem kultur.gebiet CONSOL

Am Pfingstwochenende findet beinahe schon traditionell das Drachenfest als Stadtteilkulturfest auf dem kultur.gebiet CONSOL in Gelsenkirchen-Bismarck statt, in diesem Jahr bereits in der 6. Auflage. Neben den Drachenschauen, Drachenkämpfen und Einzelflügen am Himmel bietet ein kulturelles Begleitprogramm und handgemachte Musik ein abwechslungsreiches Open-Air-Event.

Drachenfest auf dem kultur.gebiet CONSOL


Drachenfest auf dem kultur.gebiet CONSOL


Drachenfest auf dem kultur.gebiet CONSOL


Drachenfest auf dem kultur.gebiet CONSOL


Drachenfest auf dem kultur.gebiet CONSOL


Drachenfest auf dem kultur.gebiet CONSOL

„Arashi Daiko“ ist eine Gelsenkirchener Formation, die „Taiko“ als moderne Bühnenperformance aufführt. „Taiko“ ist zum einen die japanische Bezeichnung für „Trommel“, zum anderen aber auch für die Art und Weise, diese Trommeln zu spielen.

„Arashi Daiko“

Im südlichen Maschinenhaus steht die 1963 in Betrieb genommene 285 Tonnen schwere Zwillings­dampf­förder­maschine, die mit einer Leistung von 3.016 kW (entspricht 4.100 PS) Nutzlasten von 12 Tonnen mit einer Geschwindig­keit von 18 m/s ans Tageslicht befördern konnte und von Mitgliedern des Initiativkreis Bergwerk Consolidation e. V. vor dem Verfall bewahrt wird.

Zwillingsdampffördermaschine im südlichen Maschinenhaus

Im nördlichen Maschinenhaus wird die Sammlung Werner Thiel (* 3. Februar 1927 in Breslau, † 28. April 2003) mit faszinierenden Relikten aus dem Bergbau in Installationen und Collagen präsentiert. Werner Thiel war von 1961 bis 1992 Fördermaschinist auf der Zeche Consolidation, ab 1980 sammelte er „Fundstücke“ bergmännischer und industrieller Arbeit auf den stillgelegten Zechen des Ruhrgebiets.

Sammlung Werner Thiel im nördlichen Maschinenhaus

Der große Gatsby

„Der große Gatsby“ – nach dem gesellschaftskritischen Roman von Francis Scott Fitzgerald; Musik, Gesangstexte, Buch: Claus Martin; Inszenierung: Jonas Fischer; Choreografie: Victoria Wohlleber; Musikalische Leitung: Tilman Wohlleber; Bühne: Bernd Schwarzer; Kostüme: Verena Mohrig; Maske: Tanja Steffens. Darsteller: Adrian Ruda (Jay Gatsby), Jan-Hendrik Schmitz (Nick Carraway), Annika Böhm (Jordan Baker), Jenny Meis (Daisy Buchanan), Marcel Bücker (Tom Buchanan), Kathrin Strotmann (Myrtle Wilson), Thomas Renners (George B. Wilson), Ulrich Walters (Mr. Meyer Wolfsheim), Janita Mucha (Spy Girl Vanda), Sabrina Staudinger (Spy Girl Velma), Lisa Schmohl (Wirtin, Jill), Christoph Krappe (Chester McKee, Pfarrer), Anna Becking (Janice), Christina Becking (Jess), Barbara Schlichtmann (Catherine, Flappergirl), Kirsten Frank (Mrs. McKee), Fabian Rogall (Polizist, Broker, Stuntman Mike), Andrea Stog (Hobson, Broker), Johanna Frenk (Flappergirl, Flintengirl), Lena Meinhard (Flappergirl, Apfelgirl), Katharina Frenk (Flappergirl, Kneipengast). Uraufführung: 26. Mai 2012, Freilichtbühne Coesfeld.



„Der große Gatsby“


Die Roaring Twenties auf der Freilichtbühne Coesfeld


Jan-Hendrik Schmitz (Nick Carraway)

Die Freilichtbühne Coesfeld e. V. wurde bereits 1951 gegründet, und seit 1986 werden aufgrund des Publikumsinteresses nur noch Musicals gezeigt. Neben bekannten Stücken wie der „West Side Story“ von Leonard Bernstein (Musik) und Stephen Sondheim (Lyrics) oder „Der kleine Horrorladen“ von Alan Menken (Musik) und Howard Ashman (Lyrics, Buch) werden auch Uraufführungen wie „Studio 54“ oder „Vanity Fair“ vom Autor und Musicalkomponisten Claus Martin gezeigt, für „Vanity Fair“ wurde die Freilichtbühne Coesfeld 2010 mit dem Deutschen Amateurtheaterpreis „amarena“ als bestes Amateurtheater in der Kategorie „Freilichttheater“ ausgezeichnet. Dies ist sicherlich auch ein Verdienst der Profis, die für die Einstudierung der Stücke engagiert werden. Auf der Bühne stehen aber ausschließlich Amateure, der Verein hat mehr als 200 Mitglieder, die auf und hinter der Bühne für den reibungslosen Ablauf sorgen. Allein im letzten Jahr haben über 30.000 Zuschauer die beiden Inszenierungen der Freilichtbühne Coesfeld – „Der kleine Horrorladen“ als Abendmusical und „Simba, König der Löwen“ als Familienmusical – gesehen.

Annika Böhm (Jordan Baker), Jan-Hendrik Schmitz (Nick Carraway), Ensemble

Auch in diesem Jahr steht mit „Der große Gatsby“ aus der Feder von Claus Martin – basierend auf dem Roman von F. Scott Fitzgerald – wieder eine Uraufführung auf dem Spielplan der Freilichtbühne Coesfeld. Die Geschichte wurde bereits mehrfach verfilmt, Baz Luhrman hat sie 2011 mit Leonardo DiCaprio als Jay Gatsby, Tobey Maguire als Nick Carraway, Carey Mulligan als Daisy Buchanan und Joel Edgerton als Tom Buchanan in Sydney neu verfilmt, der Film soll Weihnachten 2012 in den amerikanischen Kinos anlaufen, in den deutschen Lichtspielhäusern soll er ab 10. Januar 2013 zu sehen sein.

Jenny Meis (Daisy Buchanan)

Francis Scott Fitzgerald veröffentlichte 1925 den gesellschaftskritischen Roman „The Great Gatsby“, dt. „Der große Gatsby“, in dem er sich mit Glanz und Illusion der zwanziger Jahre – den Roaring Twenties – auseinandersetzt und Geldgier und ausschweifenden Lebenswandel der reichen Oberschicht anprangert, in der es aufrichtige Liebe nicht zu geben scheint. Der wirtschaftliche Aufschwung der weltweiten Konjunktur in den 1920er Jahren fand mit dem Börsencrash am „Black Thursday“ (24. Oktober 1929) und der folgenden Weltwirtschaftskrise ein jähes Ende. Themen wie Finanz-, Vertrauens- und Wertekrise sind auch in unserer Zeit aktueller denn je. Während „Der große Gatsby“ ein spezifisches Bild der amerikanischen Gesellschaft in den Roaring Twenties zeichnet, so wurde die Geschichte des jungen Mannes auf dem Weg vom Tellerwäscher zum Millionär doch viele hundert Male erzählt.

Marcel Bücker (Tom Buchanan) und Jan-Hendrik Schmitz (Nick Carraway)

Nick Carraway, ein angehender Börsenmakler aus Pennsylvania, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird, zieht nach New York, um hier sein Glück im Wertpapiergeschäft zu versuchen. Er bleibt jedoch eher passiver Beobachter, bei seiner Ankunft in New York besucht er eine Party in Gatsbys Villa, auf der die wenigsten Gäste Jay Gatsby persönlich kennen, und noch weniger persönlich eingeladen wurden. Hier lernt Nick auch die Golfspielerin Jordan Baker kennen, eine schöne junge Frau mit kaltem, zynischen Wesen, mit der er im weiteren Verlauf der Handlung ein romantisches Verhältnis hat. Auf ihre Empfehlung besucht er am nächsten Tag Daisy Buchanan und ihren Mann Tom, der aus einer privilegierten Familie im Mittleren Westen stammt und als brutaler Tyrann auf die Wahrung der gesellschaftlichen Klassen bedacht ist. Während Tom einen Telefonanruf von seiner Geliebten entgegennimmt, erzählt Jordan, die als Daisys Freundin ebenfalls zu Besuch ist, Nick von Toms Affäre.

Ensemble

Auf ihrem Weg nach New York halten Tom und Nick im Tal der Asche an der Tankstelle von George B. Wilson, wo sich Tom mit seiner Geliebten Myrtle Wilson trifft. In einer Gaststätte feiern Tom und Nick mit Myrtle, Myrtles Schwester Catherine und den McKees eine grelle Party, in deren Verlauf Tom Myrtle wutentbrannt die Nase bricht, nachdem diese unter zunehmendem Alkoholeinfluss mehrfach Daisys Namen genannt hat.

Adrian Ruda (Jay Gatsby)

Jay Gatsby veranstaltet in seiner Villa rauschende Partys, in der Hoffnung, dass Daisy – die Liebe seines Lebens – oder jemand, der sie kennt, zu Besuch kommen könnte. Daisy zurückzuerobern ist Gatsbys sehnlichster Wunsch. Gatsby bittet Nick, ein Treffen mit Daisy zu arrangieren, bei dem sich die beiden erneut ineinander verlieben und eine Affäre beginnen.

Ulrich Walters (Mr. Meyer Wolfsheim), Adrian Ruda (Jay Gatsby) und Jan-Hendrik Schmitz (Nick Carraway)

Auf einer der nächsten Partys in Gatsbys Villa trifft Tom Buchanan auf Gatsby und entwickelt sofort eine Abneigung gegen ihn, für ihn gehört er zu den „Neureichen“, die eine Gefahr für die alte Gesellschaftsordnung darstellen. Bei einer Konfrontation in einer Suite im Plaza Hotel prangert Tom Gatsby für seine niedere Herkunft an, und offenbart, dass er durch dubiose Geschäfte und Schwindelei zu seinem Vermögen gelangt sei. Tom fordert Gatsby auf, seine Frau zurückzufahren, wodurch er seine Verachtung für ihn und seinen Glauben an die völlige Unterwerfung seiner Frau zum Ausdruck bringt.

Ulrich Walters (Mr. Meyer Wolfsheim) und Jan-Hendrik Schmitz (Nick Carraway)

Gatsby lässt Daisy ans Steuer, und in Höhe von Wilsons Tankstelle muss sie einem anderen Fahrzeug ausweichen und überfährt dabei Myrtle, die auf der Stelle tot ist. Nick rät Gatsby, die Stadt zu verlassen, bis sich die Situation beruhigt hat, doch er weigert sich und ist sogar bereit, aus Liebe die Verantwortung für den von Daisy verursachten Unfall zu übernehmen. Obwohl George Wilson zunächst Tom für den Mörder seiner Frau hält, kann ihn dieser überzeugen, dass Gatsby der Besitzer des Unfallwagens sei, woraufhin Wilson Gatsby als den mutmaßlichen Unfallfahrer und anschließend sich selbst erschießt. Zu Gatsbys Beerdigung erscheinen nur Nick Carraway und der Pfarrer. Angewidert von so viel Dekadenz verlässt Nick New York.

Annika Böhm (Jordan Baker) und Jan-Hendrik Schmitz (Nick Carraway)

Claus Martin bringt mit seiner Partitur die Roaring Twenties musikalisch auf die Bühne, wobei er zeitgemäße Musik der 1920er Jahre mit modernen Elementen der Popmusik verbindet und ihm dabei eingängige Melodien mit Wiedererkennungswert gelungen sind. Während der Vorstellung wird die Instrumentalmusik zugespielt, gesungen wird aber ausschließlich live. Für die Einstudierung von „Der große Gatsby“ hat die Freilichtbühne Coesfeld e. V. Jonas Fischer (Regie), Victoria Wohlleber (Choreografie), Tilman Wohlleber (Musikalische Leitung), Bernd Schwarzer (Bühnenbild), Verena Mohrig (Kostüme) und Tanja (Kiwi) Steffens (Maske) verpflichtet.

Janita Mucha (Spy Girl Vanda), Marcel Bücker (Tom Buchanan) und Sabrina Staudinger (Spy Girl Velma)

In seiner Inszenierung setzt Jonas Fischer, der zuletzt für die Schauspielhäuser Dortmund und Bochum gearbeitet hat und mit „Der große Gatsby“ sein Debüt in Coesfeld gibt, im ersten Teil eher auf eine klassische Musicalinszenierung mit konkretem Szenenbild, im zweiten Teil, in dem sämtliche 21 Darsteller, die die Zuschauer in das von Börsenboom und schillernden Partys geprägte New York in den Roaring Twenties entführen, über weite Teile auf der Bühne präsent sind, fokussiert er stärker auf die Emotionen der einzelnen Charaktere, die in fiktiven Räumen agieren. Die gesamte Bühne wird dabei durch herabhängende Papierstreifen dominiert, Lochstreifen dienten seit Mitte des 19. Jahrhunderts als Datenträger.

Adrian Ruda (Jay Gatsby) und Jenny Meis (Daisy Buchanan)

Wie bereits in der Vorlage von F. Scott Fitzgerald sind es natürlich die rauschende Feste und die schönen Kleider, die auch in der Musicalinszenierung mit viel Liebe zum Detail opulent umgesetzt werden. Stepptanz, Charleston, Shimmy oder Swing, die sich in der Blütezeit des Jazz entwickelten, bieten die passende Grundlage für die von Victoria Wohlleber erarbeiteten mitreißenden Choreografien, für die der Holzboden der Freilichtbühne natürliche ideale Bedingungen bietet.

Thomas Renners (George B. Wilson) und Kathrin Strotmann (Myrtle Wilson)

Adrian Ruda (Jay Gatsby), Jan-Hendrik Schmitz (Nick Carraway), Annika Böhm (Jordan Baker), Jenny Meis (Daisy Buchanan), Marcel Bücker (Tom Buchanan), Kathrin Strotmann (Myrtle Wilson), Thomas Renners (George B. Wilson) und Ulrich Walters (Mr. Meyer Wolfsheim) konnten in diesem Jahr die Hauptrollen „ergattern“, die meisten von ihnen bringen bereits Theatererfahrung mit und haben schon in früheren Musical-Produktionen der Freilichtbühne Coesfeld mitgespielt. Alle Darsteller – auch die hier nicht namentlich genannten Ensemblemitglieder – legen große Spielfreude an den Tag und können mit glaubhafter Charakterisierung der dargestellten Figuren überzeugen.

Annika Böhm (Jordan Baker) und Jan-Hendrik Schmitz (Nick Carraway)

Angesichts fehlender Gesangs-, Schauspiel- und Tanzausbildung sind die dargebotenen Leistungen beachtlich. „Der große Gatsby“ kann ohne weiteres mit professionellem Freilichttheater mithalten, als Amateurtheater bietet die Freilichtbühne Coesfeld ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis. Mit 14 Euro in der teuersten Preiskategorie kosten die Karten nur einen Bruchteil der im professionellen Bereich üblichen Eintrittspreise. Langanhaltender Beifall am Premierenabend war der verdiente Lohn für Darsteller, Kreative und das komplette Team der Freilichtbühne Coesfeld.

Jenny Meis (Daisy Buchanan), Marcel Bücker (Tom Buchanan), Annika Böhm (Jordan Baker), Ulrich Walters (Mr. Meyer Wolfsheim) und Kathrin Strotmann (Myrtle Wilson)

„Der große Gatsby“ steht bis Samstag, 1. September 2012 jeweils freitags und samstags um 20.30 Uhr für insgesamt 22 Vorstellungen auf dem Spielplan. Wer jetzt noch zögert, der Sommer könnte sich ja von seiner launischen Seite zeigen, der kann beruhigt sein, der Zuschauerraum ist komplett überdacht und seitlich geschlossen.

Ensemble und komplettes Team

Zusätzlich zeigt die Freilichtbühne Coesfeld vom 9. Juni bis 29. August 2012 das Familienmusical „Alice im Wunderland“ von Martin Spoerel und Suitbert Hoffmann, welches unter gleichen Bedingungen wie „Der große Gatsby“ inszeniert wird. Neben den Vorstellungen am Nachmittag gibt es am 12. und 19. August auch Abendvorstellungen, weiterhin sind drei Vormittagsvorstellungen geplant. Detaillierte Informationen und Karten unter www.freilichtbuehne-coesfeld.de.

„Alice im Wunderland“: Alice (Rebecca Wehling) und die Grinsekatze

Haben Sie selbst „Der große Gatsby“ auf der Freilichtbühne Coesfeld schon gesehen? Wie hat Ihnen die Vorstellung gefallen?