Donnerstag, 29. März 2012

„200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“

Sonderausstellung im Ruhr Museum

Treppenhaus im Ruhr Museum, Gestaltung Rem Koolhaas

Am 20. November 1811 gründete Friedrich Krupp (* 17. Juli 1787 in Essen, † 8. Oktober 1826 in Essen) mit den Brüdern Georg Karl Gottfried und Wilhelm Georg Ludwig von Kechel die „Firma Friedrich Krupp zur Verfertigung des Englischen Gussstahls und aller daraus resultierenden Fabrikationen“. Dieses Datum jährte sich 2011 zum 200. Mal. Aus diesem Grund präsentierte die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung von 18. Juni bis 11. Dezember 2011 in der Villa Hügel die Sonderausstellung „Krupp. Fotografien aus zwei Jahrhunderten“ mit bedeutenden Fotografien der Krupp-Geschichte. Neben der ältesten Portraitaufnahme von Alfred Krupp wurde auch ein acht Meter langes Werkspanorama aus dem Jahr 1864 gezeigt. Vor 200 Jahren wurde auch Alfred Krupp (* 26. April 1812 in Essen, † 14. Juli 1887 in Essen) geboren, der Sohn von Friedrich Krupp und und dessen Frau Therese Wilhelmi, der die Firma zu ihrer späteren Größe und Bedeutung geführt hat. Als Friedrich Krupp seinem Sohn Alfred, den er als Vierzehnjährigen vom Gymnasium genommen und in die praktische Arbeit eingeführt hatte, seinen Betrieb hinterließ, hatte er auch 10.000 Reichstaler Schulden aufgehäuft, das entspricht etwa 200.000 EUR.

Heinrich Theodor Grütter präsentiert als Direktor des Ruhr Museums seine erste Sonderausstellung

Das Ruhr Museum nahm die Firmengründung und den 200. Geburtstag des eigentlichen Firmengründers zum Anlass, um vom 31. März 2012 bis zum 4. November 2012 etwa 1.500 Originalexponate zum Thema „Mythos Krupp“ in der Sonderausstellung „200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“ zu präsentieren. Davon hat die Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung zusammen mit dem Historischen Archiv Krupp, ohne deren Kooperation die Sonderausstellung gar nicht möglich gewesen wäre, mit fast 800 Leihgaben die Hälfte der Exponate zur Verfügung gestellt. Nebenbei bemerkt, die Sonderausstellung wird auch den 100. Jahrestag der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen der Essener Krupp-Werke einschließen. Die Hundertjahrfeier fand im August 1912 in der Villa Hügel statt, am 8. und 9. August war Kaiser Wilhelm II. in Begleitung sämtlicher Generäle und Admiräle des Deutschen Reiches persönlich zugegen.

„200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“, Krupp´sche Geschichtspolitik – Denkmäler und Jubiläen

Die Geschichte der Firma Krupp mit ihrer Erfindung des Stahls als Grundstoff des Industriezeitalters und die Geschichte der Familie Krupp sind zwei der großen Komplexe, die den „Mythos Krupp“ begründet haben, aber auch die Werksgemeinschaft der „Kruppianer“, die – mit Sozialleistungen und Privilegien ausgestattet – eine tiefe Firmenzugehörigkeit entwickelt haben, tragen zum „Mythos Krupp“ bei.

„200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“, Blick in den Ausstellungsraum, im Vordergrund Bramme aus Siemens-Martin-Stahl, Dortmunder Phoenix-Werk der Hoesch AG, 1950er Jahre

Die Ausstellung „200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“ möchte diesen Mythos weder interpretieren noch bewerten, sondern sie zeigt eine nüchterne Bestandsaufnahme der Männer und Frauen der Familie Krupp von ihren Anfängen als Essener Kaufleute und Patrizier bis hin zu den mächtigsten Stahlmagnaten und reichsten Privatpersonen Deutschlands. Sie erzählt auch die wechselhafte Geschichte der Firma und ihrer Produkte, angefangen beim Stahl, über die berühmten Krupp´schen Ringe – den nahtlosen Eisenbahn-Radreifen, mit deren Erfindung Alfred Krupp 1852/1853 der endgültige Durchbruch gelang und die er sich dementsprechend 1853 patentieren ließ – bis hin den Waffen, die der „Kanonenkönig“ produziert hat.

„200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“, Blick in den Ausstellungsraum, im Vordergrund Radsatz einer Dampflokomotive der Baureihe 41, Fried. Krupp AG, Essen, 1938/40

Bereits auf dem Weg zur Sonderausstellungsfläche durch das von Rem Koolhaas gestaltete Treppenhaus wird der Besucher von projizierten Schlagworten mit den gängigen Klischees zu Krupp (Dicke Bertha, Drei Ringe, Gussstahl, Hart wie Kruppstahl, Kanonenkönig, Waffenschmiede, Widia, Zwangsarbeiter u. a.) konfrontiert. Im zentralen Ausstellungsraum wird der „Mythos Krupp“ anhand von Symbolen wie einer Bramme aus Siemens-Martin-Stahl, dem Radsatz einer Dampflokomotive der Baureihe 41, der Schraube des U-Boots „U 51“, einer Krupp´schen Feldkanone mit Lafette und einem Stahlcoil deutlich gemacht.

„200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“, Schraube des U-Boots „U 51“, Germaniawerft, Kiel, Dezember 1915

Damit die Bandstahlrolle nicht durch die Decke der ehemaligen Kohlenwäsche bricht, zu Coils zusammengerollte Stahlbänder wiegen bis zu 25 Tonnen, wurde für die Ausstellung ein für Messen entwickelter, leichterer Coil produziert. Bei der Pariser Weltausstellung 1855 sorgte ein Unfall mit einem Stahlblock für unfreiwillige Publicity, nachdem dieser durch den Boden der Ausstellungshalle gebrochen war und die Zeitungen darüber berichteten.

„200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“, Stahlcoil, Messeobjekt, Standhaft Messebau GmbH, Neuss, 2011

In 18 zeitlich sortierten Kapiteln spürt die Sonderausstellung dem „Mythos Krupp“ nach, hier treffen die Leitmotive „Die Krupps – Anatomie einer Industriellendynastie“ und „Die Frauen der Krupps – Die andere Geschichte“ direkt auf die Themen „Die Firma – Von der Gussstahlfabrik zum ThyssenKrupp Konzern“ und „Die Leute um Krupp – Techniker, Manager und Finanziers“. Gestaltet hat die Ausstellung in bewährter Weise Hannes Bierkämper zusammen mit dem Stuttgarter Büro hg merz architekten museumsgestalter, das bereits die Gestaltung der Dauerausstellung des Ruhr Museums übernommen hatte.

„200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“, Krupp´sche Feldkanone mit Lafette, Fried. Krupp, Essen, 1874

„200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“, Krupp´sche Feldkanone mit Lafette, Fried. Krupp, Essen, 1874

Die Familie Krupp ist aus der niederländischen Gemeinde Gendringen in der Grafschaft Berg-´sHerrenberg nach Essen eingewandert, der Name Arndt Krupp († 1624) erscheint 1587 im Verzeichnis der Großen Kaufmannsgilde in Essen. Er handelte mit Wein, Lebensmitteln, Vieh und Eisenwaren; sein Wohn- und Geschäftshaus befand sich am Salzmarkt gegenüber dem Rathaus. Die folgenden Generationen setzten die Kaufmannstradition fort, investierten in Häuser und Grundstücke und vermehrten beständig ihr Vermögen. Starb der Ehemann, führten die verwitweten Frauen der Krupps die Geschäfte fort. Dabei nutzten und unterstützten sie geschickt die verwandtschaftlichen Netzwerke.

„200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“, Die Krupps vor den Krupps – Eine bedeutende Essener Familie


Die Eisen- und Stahlindustrie war eine der wichtigen treibenden Kräfte der Industrialisierung Deutschlands im 19. Jahrhundert. Zahlreiche, meist aus England stammende Erfindungen lieferten die Basis für eine bis dahin unvorstellbare Steigerung der Produktivität. Stahl war das Material der neuen Zeit. Seine Produktionszahlen wurden zum Gradmesser für den Entwicklungsstand eines Landes. Die Stahlerzeugung war die Grundlage und Stahl das Symbol für Deutschlands Aufstieg zu einer führenden Industrienation.

„200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“, Vom Tiegel- zum Flussstahl – Das Geheimnis der Gussstahlerzeugung, „Die Krupp´schen Teufel“, Gemälde von Heinrich Kley, 1914 (links) und „Tiegelstahlguss im alten Schmelzbau bei Krupp“, Gemälde von Friedrich Ferdinand Otto Bollhagen, 1912

Die Entwicklung und Produktion von Kriegsgerät nahm bei Krupp nahezu ein Jahrhundert lang eine wichtige Rolle ein. Damit ging eine ausgeprägte Nähe der Firmeninhaber mit den jeweilgen staatlichen Machthabern einher. Beide Faktoren trugen wesentlich zum „Mythos Krupp“ bei, die Überlegenheit der Krupp´schen Stahlkanonen gegenüber den herkömmlichen Bronzegeschützen führten zu einem internationalen Durchbruch der Firma im Waffengeschäft.

„200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“, Die Waffenschmiede – Kriegs- und Rüstungsproduktion

Schon früh erkannte Alfred Krupp die Bedeutung der Beteiligung an Gewerbe- und Weltausstellungen, um internationale Kunden zu gewinnen. Um die Güte seines Stahls zu demonstrieren, wurden Werkstücke ausgestellt, die ohne zu brechen verbogen worden waren. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs endete die Ära der Weltausstellungen, doch längst wurden die früheren Teilnahmen der Firma und Alfred Krupp als Marketinggenie glorifiziert.

„200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“, Zu Gast in der Welt – Welt- und Gewerbeausstellungen, Stahlguss-Speichenrad, geprobt, Fried. Krupp AG, um 1905

Kruppianer hatten einen relativ sicheren Arbeitsplatz und sie verdienten im Durchschnitt mehr als Arbeiter in anderen Betrieben der Stahlindustrie. Kruppianer konnten eine Werkswohnung, Kranken- und Altersversorgung sowie ein breites Spektrum betrieblicher Wohlfahrtseinrichtungen in Anspruch nehmen. Nicht erst in Zeiten von Lohndumping und „hire & fire“ erscheinen solche Zustände geradezu paradiesisch.

„200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“, Kruppianer von der Wiege bis zur Bahre – Firmenzugehörigkeit und Firmentreue, Jubiläumsnadel zum 25-jährigen Dienstjubiläum seit 1930

Stiftungen und die Förderung von Wissenschaftlern und Künstlern bilden die Ursprünge der Krupp´schen Sammlungen. Insbesondere Friedrich Alfred Krupp (* 17. Februar 1854 in Essen, † 22. November 1902 in Essen) trug auf der Villa Hügel eine bedeutende naturkundliche Sammlung und eine Kunstsammlung zusammen, die von seinen Nachkommen fortgeführt wurde. Friedrich Alfred war auch der Begründer einer wissenschaftlichen Bibliothek auf Hügel, während der letzte Firmeninhaber Alfried Krupp von Bohlen und Halbach (* 13. August 1907 in Essen, † 30. Juli 1967 in Essen) eine bedeutende Schallplattensammlung anlegte. Sie umfasst mehrere tausend klassische, aber vor allem Jazzplatten, die aus der Zeit von 1954 bis 1967 stammen, also dem Zeitraum seiner Haftentlassung bis zu seinem Tod. Sie ist heute im Besitz der Folkwang Universität der Künste.

„200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“, Die Krupp´schen Sammlungen – Natur, Kunst und Kultur

„200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“, Die Krupp´schen Sammlungen – Natur, Kunst und Kultur, Beispiele der Schallplattensammlung von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach

Die Verbundenheit mit den Wurzeln der Firma und ihrer Geschichte hat bei Krupp Tradition und ist ein wesentlicher Bestandteil des Mythos. Bei den großen Firmenjubiläen wurde sie zu einer regelrechten Geschichtspolitik ausgebaut. In Essen entstanden zahlreiche persönliche Denkmäler, die für eine Unternehmerfamilie ohne Beispiel sind. Sie wurden in der Regel nicht von der Familie Krupp initiiert, dienten aber der öffentlichen Erinnerung und historischen Repräsentation der Firma und ihrer Inhaber.

„200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“, Krupp´sche Geschichtspolitik – Denkmäler und Jubiläen, v. l. n. r. Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, Bronzekopf von Jean Sprenger, Essen, um 1960/65, Alfred Krupp, Bronzekopf, 1920er Jahre und Bertha Krupp von Bohlen und Halbach, Bronzekopf von Jean Sprenger, Essen, um 1960

„200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“, Krupp´sche Geschichtspolitik – Denkmäler und Jubiläen, Eisenkunstguss-Plakette zum 150-jährigen Jubiläum der Firma Krupp am 20. November 1961, Entwurf von Jean Sprenger, Essen, Anfertigung durch die Friedrichshütte in Laaspe, Westfalen

An den Wohnhäusern der Krupps lassen sich der Aufstieg der Familie sowie Krisen und Erfolge der Firma ablesen. Zunächst an zentralen innerstädtischen Plätzen gelegen, dokumentieren sie schon früh die gesellschaftlichen Ambitionen der Familie. Der Umzug in das „Stammhaus“ auf dem Fabrikgelände wurde durch finanzielle Not veranlasst; die zunehmende Bedeutung der Firma führte jedoch bald zu Erweiterungsbauten. Der Neubau der herrschaftlichen Villa Hügel im Grünen bildete schließlich den Höhepunkt der Firmenrepräsentation. Verglichen mit den Wohnsitzen der deutschen Wirtschaftselite ihrer Zeit, stellen die Villa Hügel und das Gästehaus eine Besonderheit dar. Die Kombination von Monumentalität, historistischen Architekturformen, Anleihen aus dem Industriebau und moderner technischer Ausstattung sind ohne Vorbild.

„200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“, Die Wohnhäuser der Familie Krupp – Vom Stammhaus zur Villa Hügel, Wandspiegel aus dem Hausinventar der Villa Hügel, Essen, 1890/1930

In einem eigens eingerichten Kinoraum werden historische Filmdokumente gezeigt, die sich der Selbstdarstellung von Krupp widmen. Krupp hatte neben der Fotografie die Vorzüge des Films als Bewegtbildmedium erkannt und nutzte sie für seine Zwecke. In der „Lithographischen Anstalt“ (ab 1915 „Graphische Anstalt“ Grapha, heute Westend Druckereibetriebe) wurde durch Anschaffung eines „kinematographischen Projektions- und Aufnahmeapparates“ die „Kinematographische Abteilung der Fried. Krupp AG“ eingerichtet, die bis heute – obwohl 1945 untergegangen – die größte Filmproduktionsgesellschaft im Ruhrgebiet geblieben ist. Daneben stehen den Ausstellungsbesuchern in weiteren elf Stationen verschiedene Film- und Tonexponate zur Verfügung.

„200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“, Krupp und die Kinematographie – Selbstdarstellung im Film, 35 mm-Filmprojektor, Krupp-Ernemann Kinoapparate AG, Dresden, 1920/26

Ein umfangreiches und vielfältiges Begleitprogramm rundet die Sonderausstellung ab. Neben den Themen- und Kuratorenführungen wird auch ein besonderes Programm für Schulklassen angeboten, für das jüngere Publikum wird der Kinder-Ausstellungsführer „3 Ringe aus Stahl. Entdeckertour durch 200 Jahre Krupp“ für Familien mit Kindern ab 6 Jahren angeboten. Damit können Kinder auf eigene Faust die Sonderausstellung erkunden und spannende Aufgaben lösen. Von Mai bis September finden zwei Vortragsreihen mit Beiträgen zu den großen Themenkomplexen „200 Jahre Krupp – Geschichte eines Industrieunternehmens“ und „Die Krupps – Anatomie einer Industriellenfamilie“ im Kokskohlenbunker statt. Dort finden auch die Podiumsdiskussion „Krupp – die mediale Konstruktion eines Mythos“ am 15. Mai und das Zeitzeugengespräch „Kruppianer – von der Wiege bis zur Bahre“ am 21. August statt.

Im Essener Klartext Verlag ist ein umfangreicher Ausstellungskatalog mit 456 Seiten und etwa 500 Abbildungen zum Preis von 24,80 EUR erschienen, als Exponatkatalog stellt dieser ein konkurrenzloses Nachschlagewerk zur Austellung „200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“ und zu einem der faszinierendsten Kapitel der Industriegeschichte dar.

Die Ausstellung ist am 31. März sowie ab 1. Oktober bis 4. November 2012 täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, vom 1. April bis 30. September 2012 täglich von 10 bis 20 Uhr, der Eintritt beträgt für Erwachsene 6 EUR, ermäßigt 4 EUR, Kinder ab 6 Jahren und Jugendliche unter 18 Jahren zahlen 2 EUR. Familien- und Gruppenkarten sowie Kombitickets sind beim Besucherzentrum auf der 24 m Ebene sowie jederzeit im Online-Ticketshop erhältlich.

Samstag, 31. März 2012

Heinrich Theodor Grütter führt die geladenen Gäste durch die Sonderausstellung „200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“, Essens Oberbürgermeister Reinhard Paß mit Gattin Susanne Glunz-Paß, Angelica Schwall-Düren, Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Gerhard Cromme, Vorsitzender des Aufsichtsrats der ThyssenKrupp AG

Nach Eröffnung der Sonderausstellung „200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“ im Beisein von Prof. Dr. h. c. mult. Berthold Beitz, Vorsitzender des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, Dr. Gerhard Cromme, Vorsitzender des Aufsichtsrats der ThyssenKrupp AG, Angelica Schwall-Düren, Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen, Prof. Dr. Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Landschaftsversammlung Rheinland, Reinhard Paß, Oberbürgermeister der Stadt Essen u. a. ist diese heute ab 10 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich.

Dienstag, 27. März 2012

Trainingsbeginn für „URBANATIX – Die Show“

Trainingsstätte im neuen Gewand

Seit gestern geht es in der Bochumer St. Marienkirche an der Viktoriastraße wieder ‚hoch her’: Ein Großteil der jungen Street-Artisten eröffnete hier, beim ersten offiziellen Training für die kommende Produktion im November, die lang ersehnte URBANATIX-Saison.

URBANATIX-Cast in Bochum, l. v. Bild Christian Eggert (Projektinitiator & Regisseur), r. v. Bild Marc Westermann (Bildender Künstler aus Essen)
Foto: Urbanatix/Jens Schilling


Zwei Jahre schon dient die profanisierte Kirche den talentierten Akteuren aus der ganzen Region als Trainingsstätte für die spektakuläre Show. Ob Biker, Tricker, Tänzer oder Traceure, hier bereitet sich die URBANATIX-Cast vor, um die einzigartige Veranstaltung zu dem zu machen, was sie ist: Ein wahres Kunstwerk der Street-Artistik kombiniert mit Weltklasse-Akrobatik, aufwendigen Videoperformances und mitreißenden Beats.

URBANATIX-Cast vor der St. Marienkirche in Bochum
Foto: Urbanatix/Jens Schilling


Aus diesem Anlass wurde die Kirche jetzt in ein besonderes Gewand gehüllt und so selbst zum Kunstwerk gemacht. An den Außenwänden des ehemaligen Gotteshauses wurden drei große Banner angebracht, die einen inszenierten Blick in sein Inneres ermöglichen. Der Bildende Künstler Marc Westermann aus Essen hat die Backsteinmauern malerisch äußerst imposant „durchbrochen“ und zeigt so die beeindruckenden Aktivitäten der Street-Artisten innerhalb des Kirchenschiffs.

Banner an der Marienkirche von Marc Westermann

URBANATIX-Fans werden sicher die außergewöhnlichen Elemente der Inszenierung wiedererkennen und sich einmal mehr auf das eigentliche Ereignis freuen: „URBANATIX – Die Show“ wird erneut vom 9. bis 18. November 2012 in der Jahrhunderthalle Bochum stattfinden. Der Ticketverkauf für die dreizehn Veranstaltungstermine im November hat bereits begonnen.

Banner an der Marienkirche von Marc Westermann

Der Abendhimmel über Essen

Dienstag, 27. März 2012

Der Mond, 21% beleuchtet, 19.55 Uhr

In den letzten beiden Tagen ist der Mond am Abendhimmel an Jupiter und Venus vorbeigewandet. Stand er am 25. März noch auf Höhe von Jupiter, so war er am 26. März schon fast bis zur Venus gewandert. Die nächste Annäherung fand um 22 Uhr statt, der Abstand betrug zu dem Zeitpunkt rund 2,2°. Am 27. März erreicht Venus mit 46° die größte östliche Elongation.

Abendhimmel über Essen, 20.19 Uhr

Venus fällt unmittelbar bei Sonnenuntergang auf und dominiert den Abendhimmel als „Abendstern“. Jupiter ist mit zunehmender Dämmerung unterhalb der Venus zu sehen. Auf dem letzten Foto sind von links oben nach rechts unten Mond, Venus und Jupiter zu erkennen.

Abendhimmel über Essen, 20.31 Uhr

Montag, 26. März 2012

500 Jahre GERHARD MERCATOR und der blaue Planet

Die „Schatzkammer“ im Kultur- und Stadthistorischen Museum Duisburg

Künstlerischer Globus im Innenhafen

Am 5. März 2012 wäre Gerhard Mercator (* 5. März 1512 in Rupelmonde, Grafschaft Flandern, † 2. Dezember 1594 in Duisburg), der 1552 mit seiner Familie nach Duisburg übersiedelte und hier 42 Jahre verbrachte, 500 Jahre alt geworden, aus diesem Anlass begeht Duisburg das Mercator-Jahr. Jeder kennt Gerhard Mercators Werk, womöglich nur nicht namentlich, das Global Positioning System (GPS) basiert auf seinen Ideen zur Navigation, und See- und Landkarten benutzen auch heute noch die von ihm erdachte Karten-Projektion, nach seinem Erfinder Mercator-Projektion genannt. Rechtzeitig zu diesem Jahrestag erstrahlt auch die „Schatzkammer“ im Kultur- und Stadthistorischen Museum Duisburg mit einem großen Nachlass an Globen und Originalkarten im neuen Glanz. Und dies ist durchaus wörtlich gemeint, denn dank moderner LED-Technik können die Exponate bei der Neupräsentation der Duisburger Sammlung nun sehr viel heller und trotzdem „materialverträglicher“ beleuchtet werden, als dies früher mit herkömmlichen Lichtquellen möglich war.

„Der blaue Planet“

Das Leitmotiv der neuen Ausstellung „500 Jahre GERHARD MERCATOR und der blaue Planet“, die sich auf die kostbaren eigenen Bestände konzentriert, ist unsere Erde aus dem All betrachtet. Eine entsprechend großformatige Aufnahme der National Aeronautics and Space Administration (NASA) versinnbildlicht die globale Perspektive des Kosmografen Gerhard Mercator und stellt seine Weltkarte „Nova et aucta orbis terrae descriptio ad usum navigantium“ von 1569 in einen aktuellen Kontext. In Löwen, einer belgischen Stadt in der Region Flandern, fertigte Gerhard Mercator seine ersten kartografischen Werke sowie den Erd- und den Himmelsglobus und führte die Verwendung der Kursivschrift auf Landkarten ein. Das „Herzstück“ der Ausstellung in der „Schatzkammer“ bilden ein Erd- und der komplementäre Himmelsglobus, beides Originale, die Theodor Böninger 1905 in Italien für 20.000 Goldmark erworben hat. Heute dürfte ihr Wert unermesslich sein.

Gerhard Mercator, Globus terrestris, Löwen 1541 und Globus coelestis, Löwen 1551

Bei einer Führung durch die „Schatzkammer“ erfährt man anschaulich das ein oder andere Detail über die Globusse, beispielsweise wie im 16. Jahrhundert die Karten auf den Globus kamen. Diese wurden nämlich nicht, wie man vielleicht annehmen könnte, von Hand auf jedes einzelne Exemplar gemalt, sondern es wurden insgesamt 14 schwarz-weiß gedruckte Kartensegmente auf eine aus Holz gefertigte Kugel geklebt und anschließend handkoloriert, was immer noch genügend Arbeit gewesen sein dürfte.

Führung durch die „Schatzkammer“ im Kultur- und Stadthistorischen Museum Duisburg

Auf dem Himmelsglobus von Gerhard Mercator sind die Fixsterne durch rote Punkte dargestellt, wobei die exakte Position am Firmament für ihn oberste Priorität hatte. Die grafische Darstellung der Sternbilder hatte sich dementsprechend unterzuordnen. Bermerkenswert für die damalige Zeit ist die Tatsache, dass bei der Darstellung der Fixsterne bereits nach sechs Leuchtklassen unterschieden wurde. Das abgebildete Detail zeigt das Sternbild Widder, wofür Aries die lateinische Bezeichnung ist.

Gerhard Mercator, Globus coelestis, Löwen 1551

Daneben werden in der „Schatzkammer“ diverse Karten und Atlanten gezeigt, der Begriff Atlas für eine Sammlung von Landkarten wurde durch Gerhard Mercator im 16. Jahrhundert eingeführt. Er nannte sein kartografisches Werk Atlas sive Cosmographicae Meditationes de Fabrica Mundi et Fabricati Figura. Die Herausgabe des ersten Weltatlasses erlebte Gerhard Mercator selbst jedoch nicht mehr, sein Sohn Rumold veröffentlichte diesen nach seinem Tod im Jahr 1595.

Karten und Atlanten in der „Schatzkammer“ im Kultur- und Stadthistorischen Museum Duisburg

Die Kupferplatten für den Druck dieses Weltatlasses wurden an den Kartograph und Verleger Jodocus Hondius (* 14. Oktober 1563 in Wakken, Flandern, † 12. Februar 1612 in Amsterdam) in Amsterdam verkauft, der das Kartenwerk 1606 um 36 Karten erweiterte und weltweit verbreitete. Die Ausstellung zeigt daraus auch die Nordpolkarte in der bereits revidierten Fassung, die das Nordpolargebiet als eine Ansammlung von Inseln zeigt, die um einen als „Polus Arcticus“ bezeichneten Felsen gruppiert sind.

„Septentrionalium Terrarum descriptio“, Nordpolkarte, erschienen im Mercator-Hondius-Atlas, Amsterdam 1606

Anhand einer interaktiven Projektion der 1596 erschienenen Weltkarte „Nova et aucta orbis terrae descriptio ad usum navigantium“ – Mercators nachhaltigstes Werk – wird das Prinzip der Mercator-Projektion erläutert. Dabei wird die Erdoberfläche in der Zylinderprojektion der wachsenden Breiten winkeltreu abgebildet, so dass so genannte Loxodrome, die Meridiane im Geographischen Koordinatensystem immer unter dem gleichen Winkel schneiden, als gerade Linien auf der Karte dargestellt werden. Die Karte ist besonders für die Navigation mit dem Kompass in der Seefahrt geeignet, da auf einer Loxodrome immer entlang einer Peilung (Kompassrichtung) navigiert werden kann. (Anmerkung: Die Strecke der Loxodrome ist zwar nicht unbedingt die kürzeste Entfernung, aber dafür muss nicht ständig ein neuer Kurswinkel berechnet werden.) Gerhard Mercator hat mit der nach ihm benannten Projektion – wenn man so will – die „Navigation für Dummies“ erfunden. Man benötigt lediglich seine Karte, einen Kompass und ein Lineal – einfacher geht es wirklich nicht. Auch hier bietet eine Führung interessante Zusatzinformationen, u. a. dass es manchmal doch sinnvoll sein kann, die „Gebrauchsanleitung“ vor der Benutzung zu lesen. Von „verstaubter Geschichte“ kann da wirklich nicht die Rede sein.

Führung durch die „Schatzkammer“ im Kultur- und Stadthistorischen Museum Duisburg

Aber die Ausstellung vermittelt nicht nur einen Eindruck von der „großen, weiten Welt“, auch das mittelalterliche Duisburg ist auf einem Stadtplan aus dem Jahr 1566 von Johannes Corputius (* 1542 in Breda, † 1611 in Groningen), einem Schüler von Gerhard Mercator, zu sehen. Dieser erste Stadtplan von Duisburg, der einzige noch existierende in Kupfer gestochene Plan von ihm, zeigt die Stadt detailgenau aus der Vogelperspektive und auch das Haus von Gerhard Mercator, wo Corputius von 1562 bis 1566 lebte.

Johannes Corputius, Stadtplan von Duisburg, Duisburg 1566

Ein umfangreiches Begleitprogramm ergänzt die Ausstellung, bis November 2012 finden im Kultur- und Stadthistorischen Museum Duisburg die Mercator-Matinéen statt. Die Veranstaltungreihe möchte in einer Folge von Vorträgen, Lesungen und Konzerten einige Aspekte eines spannenden Jahrhunderts beleuchten, in dem Gerhard Mercator sein bedeutendes Werk geschaffen hat, das bis heute aktuell ist. Der nächste Vortrag von Bernd Eissfeller wird sich am 22. April 2012 unter dem Thema „GPS und Galileo – Gemeinsamkeiten und Unterschiede“ der Naviagtion mit Satelliten widmen.

Sonntag, 25. März 2012

Kunst.WERK 2012 im Landschaftspark Duisburg-Nord

„FLAUNA – eine Besiedelung“ in den ehemaligen Möllerbunkern 2 bis 5

Ehemaliger Materialbunker am Sinterplatz

Im Sommer 1994 wurde der von Landschaftsarchitekt Peter Latz als Ort der Vermittlung zwischen industrieller Vergangenheit und neuer Bestimmung entworfene Landschaftspark Duisburg-Nord zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt und zugänglich gemacht. Im Laufe der Zeit hat sich das 1985 geschlossene Meidericher Hüttenwerk zum Besuchermagnet und zur Touristenattraktion entwickelt, das 2011 erst­mals über 1 Mil­lio­nen Besu­cher ver­zeich­nete. Doch die Entwicklung ist noch immer nicht abgeschlossen, und so wurden am 25. März 2012 die bisher verschlossenen Tagesbunker 2 bis 5 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Tunnel zwischen den Möllerbunkern

Mit den Jahren hat sich die Natur die ehemaligen Möllerbunker zurückerobert, und nach Erz, Kohle und Zuschlagsstoffen zur Eisengewinnung hat eine vielfältige Flora und Fauna diese besiedelt. Auf Pflanzen und Tiere folgt nun auch die Kunst, die sich die bisher verschlossenen Bunker erobert. Bildhauerin Regina Bartholme (* 1961 in Duisburg) nutzt den Raum für Ihre künstlerische Intervention „FLAUNA – eine Besiedelung“. Die Künstlerin versteht die soliden Betonmauern der Tagesbunker als Aufforderung: „Die Architektur dieses Raums ist für mich eine künstlerische Herausforderung. Mit meiner Arbeit möchte ich diese Dimensionen mit Zartheit besiedeln. Die Idee erscheint fast paradox, doch genau deshalb wollte ich diese Ausstellung unbedingt machen.“

Kunst.WERK 2012

Regina Bartholme hat ihre künstlerische Intervention der Architektur der Möllerbunker und der Natur, die von diesen bereits Besitz ergriffen hat, untergeordnet, und mit „FLAUNA – eine Besiedelung“ – dem Titel ihrer Intervention – knüpft sie an die Besiedelung durch Fauna und Flora an. In den vier großen Räumen, die durch einen neu errichteten Steg miteinander verbunden sind, setzt sie farbige und formale Akzente. Im ehemailgen Möllerbunker 5 sind ihre „Fingerblüher“ zu sehen, die an Ketten von den Stahlträgern über dem Bunker harabhängen.

„Fingerblüher“, 2012


„Fingerblüher“, 2012


„Fingerblüher“, 2012


„Fingerblüher“, 2012

Im zweiten Raum zeigt Regina Bartholme ihre 2005 geschaffene Videoinstallation „Die Kraft des Mondes“, die Musik stammt von Kari Bremnes und der Text von Edvard Munch.

„Die Kraft des Mondes“, 2005


„Verpuppte“, 2010


„Verpuppte“, 2010

Im letzten Raum ist schließlich die Arbeit „Blumengöttin“ unter Verwendung des „Lobgesangs der Blumengöttin“ von Daniel Caspar von Lohenstein zu sehen, dessen Zeile „sie lassen sich in Erz und Muscheln zeugen“ für Regina Bartholme die ideale Verbindung zur Besiedelung der Möllerbunker darstellt.

„Blumengöttin“, 2012


„Blumengöttin“, 2012

Die Ausstellung ist bis zum 30. September 2012 täglich rund um die Uhr frei zugänglich.

Tunnel zwischen den Möllerbunkern