Freitag, 28. Oktober 2011

62. Essener Lichtwochen

Europa in Essen – Gastland Slowenien

Kardinal-Hengsbach-Skulptur von Silke Rehberg

An der Kardinal-Hengsbach-Skulptur von Silke Rehberg auf dem Domhof an der Kettwiger Straße erregen sich noch immer die Gemüter, Kritiker möchten sie gar als „Schießbudenfigur“ auf die Kirmes verfrachten. Manchmal erfüllen sich Wünsche allerdings viel schneller als erwartet. Augenblicklich ist der Blick vom Domhof auf den Burgplatz zwar noch durch Blätter ein wenig verwehrt, aber schon bald werden die letzten Blätter von den Bäumen gefallen sein, und dann schaut die Kardinal-Hengsbach-Skulptur geradewegs auf das Riesenrad, dass augenblicklich auf dem Burgplatz aufgebaut wird und mit der Eröffnung der 62. Essener Lichtwochen am Sonntag, 30. Oktober 2011 seinen Betrieb aufnehmen wird. Es handelt sich zwar nicht – wie in der Vergangenheit – um das 55 Meter hohe „Bellevue“ mit 42 geschlossenen Gondeln von Oscar Bruch jr. aus Düsseldorf, sondern um ein 48 Meter hohes Riesenrad mit 36 offenen Gondeln des Schaustellerbetriebs Wilhelm und Söhne aus Hannover, aber „die paar Meter“ werden der Sache sicher auch keinen Abbruch tun. Da könnten die offenen Gondeln bei winterlichen Temperaturen – die könnte es im November und Dezember ab und an geben – schon eher ein Argument gegen die Fahrt mit dem Riesenrad sein. Und wo man 10 Wochen lang täglich 10 Stunden bis zu 216 Fahrgäste herbekommen möchte, ist mir ein wenig schleierhaft. Am Ende wird es dann wieder heißen, der Zuspruch sei zu schlecht.

Burgplatz mit dem Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I.

Auch wenn die Sonne die Temperaturen augenblicklich auf beinahe spätsommerliche Werte von 17 °C steigen lässt, jeder „Widerstand ist zwecklos“, das verkündet nicht nur das Plakat am Grillo-Theater, am kommenden Wochenende werden die Uhren wieder von Sommer- auf Winterzeit umgestellt, und dann steht uns die „dunkle Jahreszeit“ ins Haus, am Sonntag wird die Sonne in Essen bereits um 17.09 Uhr untergehen.

„Widerstand ist zwecklos“, Theaterplatz

Da kommen die 62. Essener Lichtwochen gerade recht, die am 30. Oktober 2011 eröffnet werden und dann bis 7. Januar 2012 die Essener Innenstadt erhellen werden. In diesem Jahr stehen die Lichtwochen wieder unter dem Motto „Europa in Essen“, Slowenien und der Großraum Maribor werden auf neun Themenbildern präsentiert.

„Europa in Essen – Gastland Slowenien“, Willy-Brandt-Platz


„Wintersport“, Lindenallee/Rathenaustraße


„Maribor – Kulturhauptstadt Europas 2012“, Kettwiger Straße/Kettwiger Tor


„Ljubljana“, Kettwiger Straße/Höhe Lichtburg


„Maribor“, Markt 1


„Bled“, Marktkirche/Flachsmarkt


„Piran“, Viehofer Straße/Fontänengasse


„Triglav“, Viehofer Straße/Pferdemarkt


„Kras/Notranjska“, Friedrich-Ebert-Straße

Auch das „ADVENIAT“-Motiv über dem Kerzenziehhaus auf dem Kardinal-Hengsbach-Platz ist in diesem Jahr als LED-Motiv neu gestaltet worden und ersetzt das alte auf Glühlampen basierende Motiv.

„ADVENIAT“, Kardinal-Hengsbach-Platz

Die beiden altbekannten Sonderbilder in der Lindenallee zwischen Kibbel- und Logenstraße verweisen auf die norwegische Stadt Stavanger, die 2008 neben Liverpool Kulturhauptstadt Europas gewesen ist, und die südungarische Stadt Pécs, neben Istanbul und RUHR.2010 Kulturhauptstadt Europas 2010.

„Stavanger – Kulturhauptstadt Europas 2008“ und „Pécs – Kulturhauptstadt Europas 2010“, Lindenallee zwischen Kibbel- und Logenstraße

In der Logenstraße gibt es ebenfalls zwei Sonderbilder. Eines erinnert an das Gastland Österreich, das 2008 bei den 59. Essener Lichtwochen zu Gast war, das zweite ist bereits zur Eröffnung der Lichtwochen komplett außer Betrieb … es soll eigentlich an das Gastland Polen erinnern, das 2004 bei den 55. Essener Lichwochen zu Gast war.

„Gastland Österreich“, Logenstraße


„Kosmische Wellen“, Kettwiger Straße

Die im vergangenen Jahr neu gestalteten dreidimensionalen Motive sind auch in diesem Jahr wieder auf der Kettwiger Straße und in der I. Delbrügge zu finden.

„Swing Glamour“, I. Delbrügge


„Sternenbälle“ und Laternenmuseum, 1. Hagen


„Bilderrahmen“ mit Sternen, Kettwiger Straße

Dass man nach dem Kulturhauptstadtjahr den Gürtel enger schnallt, mag man womöglich auch daran erkennen, dass sich die Rathaus Galerie in diesem Jahr überhaupt nicht an den Lichtwochen beteiligt. Auch an der Porschekanzel gibt es kein Themenbild mehr. Da die Lichtkrone auf dem Kennedyplatz bereits installiert ist, wird man in der kommenden Woche sicher auch mit dem Aufbau der Häuschen für den 39. Internationalen Weihnachtsmarkt beginnen, denn der wird in diesem Jahr am 17. November seine Pforten öffnen.


Sonntag, 30. Oktober 2011

Riesenrad auf dem Burgplatz


Feuerwerk


Montag, 31. Oktober 2011

Heute hat der Aufbau des Weihnachtsmarktes auf dem Kennedyplatz und in der Rathenaustraße begonnen, die ersten Häuschen stehen bereits komplett, beispielsweise das „babyblaue“ Häuschen der Käthe Wohlfahrt GmbH & Co. OHG auf dem Kennedyplatz.

Weihnachtsmarkthäuschen der Käthe Wohlfahrt GmbH & Co. OHG

Das Sonderbild „Gastland Polen“, das bei der offiziellen Eröffnung der Lichtwochen dunkel geblieben war, wurde inzwischen auch in Ordnung gebracht. Warum nicht gleich so?

„Gastland Polen“, Logenstraße


Kardinal-Hengsbach-Skulptur von Silke Rehberg

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Ankündigung: REBECCA

Deutschlandpremiere am 8. Dezember 2011 in Stuttgart

Nach der erfolgreichen Premiere des Musicals REBECCA in St. Gallen, Schweiz am 22. Oktober hat auch Stage Entertainment eine Woche nach Probenbeginn die aktuelle Besetzung für REBECCA in Stuttgart offiziell vorgestellt. Bei der Deutschlandpremiere der Originalproduktion der Vereinigten Bühnen Wien werden folgende Darsteller im Palladium Theater auf der Bühne stehen:
  • Lucy Scherer als „Ich“,
  • Thomas Borchert als Maxim de Winter,
  • Pia Douwes als Mrs. Danvers,
  • Hannes Staffler als Jack Favell,
  • Isabell Dörfler als Mrs. van Hopper,
  • Kerstin Ibald als Beatrice,
  • Jörg Neubauer als Frank Crawley und
  • Daniele Nonnis als Ben
Ensemble
  • Christoph Apfelbeck
  • Alexander Bellinkx
  • Lena Brandt
  • Erwin Bruhn
  • Petra Clawens
  • Raphael Dörr
  • Udo Eickelmann
  • Corinna Ellwanger
  • Fehmi Göklü
  • Matthias Graf
  • Mona Graw
  • Christian Kerkhoff
  • Valerie Link
  • Christina Patten
  • Hendrik Schall
  • Maike Switzer
  • Melanie Walter
  • Carl van Wegberg
  • Jakub Wocial
  • Wiebke Wötzel
Swings
  • Gerd Achilles
  • Frederik Anderson
  • Helena Blöcker
  • Christina Maria Brenner
  • Gemma West
In weiteren Besetzungen
  • Arvid Larson als Maxim de Winter,
  • Femke Sotenga als Mrs. Danvers und
  • Claudia Stangl

Die Hauptdarsteller Lucy Scherer („Ich“), Thomas Borchert (Maxime de Winter) und Pia Douwes (Mrs. Danvers) bei der Castpräsentation für Stuttgarts neues Musical REBECCA
© Stage Entertainment

REBECCA basiert auf dem 1938 erschienenen gleichnamigen Bestseller-Roman von Daphne du Maurier. Das Musical von Michael Kunze (Buch und Liedertexte) und Silvester Levay (Musik) erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens („Ich“), das den Adligen Maxim de Winter heiratet. Als die beiden auf dessen legendären Landsitz Manderley ankommen, regiert dort noch immer die Erinnerung an Rebecca, der ersten Frau von Maxim, die ein Jahr zuvor auf mysteriöse Weise ums Leben kam. Vor allem die Haushälterin des Anwesens, Mrs. Danvers, pflegt das Andenken in jedem Winkel des Hauses. Für das jung verheiratete Paar beginnt ein Kampf gegen die Schatten der Vergangenheit und für ihre Liebe. Die wohl bekannteste Filmadaption von Alfred Hitchcock aus dem Jahre 1940 mit Sir Lawrence Olivier (Maxim de Winter) und Joan Fontaine (zweite Mrs. de Winter) wurde 1941 mit zwei Oscars für die beste Bild-Regie an George Barnes und den besten Film an David O. Selznick ausgezeichnet. Die Originalproduktion der Vereinigten Bühnen Wien wurde am 28. September 2006 mit Wietske van Tongeren („Ich“), Uwe Kröger (Maxim de Winter) und Susan Rigvava-Dumas (Mrs. Danvers) im Wiener Raimund Theater uraufgeführt.

Samstag, 22. Oktober 2011

„let´s get over“

Skulpturen und Bilder von Jems Robert Koko Bi im Kunstraum Notkirche

„Mandela, 2700 pieces of life´s history“ von Jems Robert Koko Bi, gebranntes Fichtenholz

Die Nelson Mandela Skulptur von Jems Robert Koko Bi (* 1966 in Sinfra, Elfenbeinküste), die anlässlich der Ausstelung „Schmerz der Freiheit“ im Juni 2010 neben der Marktkiche in der Essener Innenstadt aufgestellt wurde und ursprünglich nur bis September 2010 dort verbleiben sollte, wurde am 17. Oktober 2011 abtransportiert. Sie kann man sich dort nicht mehr anschauen, aber einige seiner Skulpturen und Bilder sind augenblicklich im Kunstraum Notkirche in der ehemaligen „Apostelnotkirche“ ausgestellt.

„Focus of Life“ von Simone Elsing vor der Apostelkirche

Auf dem Kirchplatz vor der Apostelkirche befindet sich seit kurzem die Marmorskulptur „Focus of Life“ von Simone Elsing, ein sieben Tonnen schwerer und etwa 2,60 Meter hoher Marmorblock.

„let´s get over“ im Kunstraum Notkirche

Der afrikanische Bildhauer und Druckgraphiker Jems Robert Koko Bi hat zunächst in Abidjan studiert, bevor er 1997 durch ein DAAD Stipendium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Professor Klaus Rinke (* 29. April 1939 in Wattenscheid) studieren konnte und sein Meisterschüler wurde. Seine künstlerische Arbeit ist durch zwei Kuturkreise geprägt, die Motive für seine Skulpturen und Projekte findet er in der Geschichte und Kultur seiner Heimat.

„Pause“ von Jems Robert Koko Bi, Platanenholz

„let´s get over“ kann noch bis zum 30. Oktober 2011 dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, samstags von 10 bis 13 Uhr, und sonntags von 12 bis 13 Uhr im Kunstraum Notkirche (Mülheimer Straße 70, Essen-Frohnhausen) besichtigt werden.

„Last King´s Home“ von Jems Robert Koko Bi, Eichenholz

Freitag, 21. Oktober 2011

„Von A bis Z. Die Fotografische Sammlung des Ruhr Museums“

Ausstellung in der Galerie des Ruhr Museums

Mit 2,5 Millionen Negativen und einigen Zehntausend Abzügen und Diapositiven historischer und zeitgenössischer Fotografien der Region, ihrer Landschaften und Städte, der Menschen, der Arbeit und der Freizeit, des Alltags und der Feste besitzt das Ruhr Museum die größte und bedeutendste fotografische Sammlung deutscher Museen. Zu den Beständen zählen umfangreiche Fotografen-Nachlässe und Archive wie die von Ruth Hallensleben, Willy van Heekern, Josef Stoffels, Anton Tripp, Marga Kingler oder Peter Kleu. Außerdem sind wichtige Fotografen von Ludwig Windstosser und Albert Renger-Patzsch bis hin zu Bernd und Hilla Becher, Timm Rautert, Michael Wolf, Brigitte Kraemer, Manfred Vollmer oder Joachim Schumacher vertreten. Die Fotografische Sammlung des Ruhr Museums (früher Ruhrlandmuseum) existiert seit 1989, der in den Fotografien dokumentierte Zeitraum reicht vom Beginn der Fotografie im 19. Jahrhundert (Daguerreotypie) bis heute.

Eingang zur Galerie auf der 21 Meter Ebene der Kohlenwäsche

Das Fotoarchiv selbst ist nun das Thema der neuen Sonderausstellung „Von A bis Z. Die Fotografische Sammlung des Ruhr Museums“ in der Galerie auf der 21 Meter Ebene der ehemaligen Kohlenwäsche der Zeche Zollverein. Sie lässt die Besucher auf 300 m² hinter die Kulissen blicken und führt anhand konkreter Beispiele die fotografische Überlieferung vor. Die alphabetische Reihenfolge soll eine Einladung an den Besucher darstellen, die Sammlung aus ganz neuen Blickwinkeln kennenzulernen. Die Präsentation ist zweigeteilt, der erste Teil mit etwa 300 Motiven vom ältesten Stück aus dem Jahr 1844 bis zum jüngsten Bild von 2000 beschäftigt sich mit den Themen von A wie Anfänge bis I wie Inszenierung. Dieser Teil wird vom 24. Oktober 2011 bis zum 10. Juni 2012 gezeigt.

Galerie auf der 21 Meter Ebene der Kohlenwäsche

Am Beispiel des Zweiten Weltkriegs wird deutlich, dass Geschichtsbilder nicht die Realität wiedergeben, obwohl sie sich scheinbar ganz besonders zur Feststellung realer Gegebenheiten eignen, sondern Darstellungen von historischen Momenten sind, die bereits vor der Auzeichnung so arrangiert wurden, dass sie die Absichten des Fotografen bzw. Auftraggebers wiedergeben. Das Kapitel Inszenierungen verstärkt diese Einsicht, dass Fotografien stets hinterfragt werden sollten.

Dr. Sigrid Schneider, Leiterin des Fotoarchivs

Die Fortsetzung der Ausstellung im 2. Halbjahr 2012 wird unter anderem Pressefotografie, Werksfotografie, Fotografie im Dienste der Werbung ebenso wie der Wissenschaft thematisieren, vor allem aber auch die Klassiker: Motive, die sich seit vielen Jahren großer Beliebtheit beim Publikum erfreuen. Das letzte Kapitel Zerfall wird zeigen, wie sich die Bilder selbst trotz konservatorischer Bemühungen im Laufe der Zeit verändern. Zur Eröffnung des zweiten Teils der Ausstellung 2012 wird ein Katalog im Verlag Walther König erscheinen.

Prof. Dr. Ulrich Borsdorf, Direktor des Ruhr Museums, Heinrich Theodor Grütter, Leiter Öffentlichkeitsarbeit und Ausstellungen/Veranstaltungen, und Dr. Sigrid Schneider, Leiterin des Fotoarchivs

Bei den ausgestellten Arbeiten handelt es sich um Abzüge aus der Entstehungszeit, von den Fotografen selbst angefertigte oder von ihnen autorisierte Neuabzüge bzw. vom Museum beauftragte Abzüge von den Originalnegativen und Diapositiven. Die Ausstellung „Von A bis Z. Die Fotografische Sammlung des Ruhr Museums“ ist der Beginn einer Ausstellungsreihe, in der das Ruhr Museum in den kommenden Jahren die besten Exponate seiner geologischen, mineralogischen, archäologischen und historischen Sammlungen zeigen wird. Die Bestände sind in der Regel von überregionaler, häufig sogar von internationaler Bedeutung und teilweise noch nie gezeigt worden.

Ruhr Museum in der ehemaligen Kohlenwäsche der Zeche Zollverein

Die Ausstellung ist bis 31. März 2012 täglich von 10 bis 18 Uhr und ab 1. April 2012 täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 2 EUR, ermäßigt 1 EUR, für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren 0,50 EUR. Parallel ist noch bis zum 15. Januar 2012 die Sonderausstellung „Alles wieder anders. Fotografien aus der Zeit des Strukturwandels“ auf der 12 Meter Ebene der Kohlenwäsche zu sehen. Die ursprünglich ab 4. Dezember 2011 vorgesehene Sonderausstellung „200 Jahre Krupp. Ein Mythos wird besichtigt“ ist auf April 2012 verschoben worden.

Die Fotostrecke zeigt einen kleinen Einblick in den ersten Teil der Ausstellung „Von A bis Z. Die Fotografische Sammlung des Ruhr Museums“. Die restlichen 301 Fotografien sind im Ruhr Museum ausgestellt.


Donnerstag, 20. Oktober 2011

Dirty Dancing – Das Original live on Stage

„Dirty Dancing – Das Original live on Stage“ – nach dem gleichnamigen Film von Eleanor Bergstein; Musik und Texte: Diverse; Übersetzung: Anja Hauptmann; Regie: James Powel; Choreografie: Kate Champion; Bühne: Stephen Brimson Lewis; Kostüme: Jennifer Irvin; Musikalischer Leiter: Martin Gallery. Darsteller: Jenny Bach (Frances „Baby“ Houseman), Dániel Rákász (Johnny Castle), Alisa Nikolaus (Penny Johnson), Katja Hentschel (Marjorie Houseman), Steffen Laube (Jake Houseman), Johanna Spantzel (Lisa Houseman), Matthias Zeeb (Robbie Gould), Rune Høck Møller (Billy Kostecki), Fritz Hille (Max Kellerman), Matthias Bollwerk (Neil Kellerman), Raphaela J. Groß-Fengels (Vivian Pressman), Mike Ho Sam Sooi (Tito Suarez), Giso Weißbach (Mr. Schumacher), Johan Bech, Alessandro Cococcia, Adrianna Hicks, Romana Kisha Howard, Alessio Impedovo (Gesangssolisten). Uraufführung: 18. November 2004, Theatre Royal, Sidney. Europäische Erstaufführung: 26. März 2006, Neue Flora, Hamburg. Premiere: 19. Oktober 2011, Metronom Theater, Oberhausen.



„Dirty Dancing – Das Original live on Stage“


Die Metropole Ruhr im Mambo-Fieber


„Dirty Dancing“ von Drehbuchautorin Eleanor Bergstein (* 1938 in Brooklyn, New York) ist ein 1987 erschienener Tanzfilm mit Jennifer Grey als Frances „Baby“ Houseman und Patrick Swayze als Johnny Castle in den Hauptrollen. „Dirty Dancing“ hat autobiografische Züge, Eleanor Bergstein ist die jüngere Tochter eines jüdischen Mediziners, verbrachte die Sommer mit ihrer Familie in den Catskill Mountains, nahm an „Dirty Dancing“-Tanzwettbewerben teil und hatte als Mädchen den Kosenamen „Baby“. Der Film war mit geschätzten 6 Millionen US-$ eher ein Low-Budget-Film, der aber kommerziell ein riesiger Erfolg wurde und mit über 214 Millionen US-$ weltweit ein Vielfaches der Produktionskosten eingespielt hat. Weil´s so schön war, spielte man den Film ab November 2004 auf der Bühne nach, zunächst in Australien, später auch in Europa und den USA. Die Bühnenumsetzung ist aber kein Musical im klassischen Sinne, sondern eine Show mit Musik- und Tanzeinlagen, bei der die Darsteller von Gesangssolisten unterstützt werden.

Wer kennt den Überraschungserfolg der Kinosaison 1987/88 um leicht anrüchige Tanzszenen und eine Liebesromanze mit Happy-End nicht? Frances „Baby“ Houseman verbringt den Sommerurlaub mit ihren Eltern und ihrer älteren Schwester Lisa in Kellerman´s Ferienclub in den Catskill Mountains. „Baby“ langweilt sich bei Bingo-Nachmittagen und Hufeisen-Werfen, bis sie eines Abends die für Feriengäste verbotene und faszinierend andere Welt der Hotelangestellten entdeckt. Die erste Begegnung mit dem Tanzlehrer und Showtänzer des Ferienclubs Johnny Castle „vermasselt“ sie mit dem Satz „Ich habe eine Wassermelone getragen“ zunächst gehörig, doch schließlich kommen sich die beiden näher, indem Johnny „Baby“ das Tanzen beibringt. Johnny und seine Tanzpartnerin Penny Johnson treten jedes Jahr mit ihrer Tanzshow „Mambo Magic“ im Sheldrake Hotel auf. Doch Penny ist von Robbie Gould, der im Kellerman´s als Kellner arbeitet, ungewollt schwanger, und der Arzt, der die Abtreibung vornehmen soll, hat ausgerechnet einzig an dem Tag Zeit, an dem die Vorstellung im Sheldrake Hotel stattfinden soll. Daher springt „Baby“ als Johnnys Partnerin ein. Während der Zeit des Trainings für den Auftritt kommen sich „Baby“ und Johnny näher und sie verliebt sich in ihn. Bis zum Happy-End der „verbotenen Liebe“ mit dem letzten Tanz der Saison, vor dem Johnny verkündet „Mein Baby gehört zur mir“ (im Original „Nobody puts Baby in the corner“), müssen jedoch noch eine ganze Reihe von Vorurteilen und Missverständnissen aus dem Weg geräumt werden … Im Film orientierte sich Choreograph Kenny Ortega bei allen Tänzen am Originalstil der frühen 1960er Jahre mit Einflüssen von Mambo und kubanischen Rhythmen. Der betont effektvolle und sexy Tanzstil gab der Geschichte ihren Namen: Dirty Dancing.

„Dirty Dancing – Das Original live on Stage“ erzählt nun die Geschichte des Films auf der Bühne nach, dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf den „leicht anrüchigen“ Tanzszenen, die heutzutage nicht mehr im geringsten anrüchig sind. Und im Vergleich zu hochrangigen (Amateur-) Tanzturnieren sind sie auch nicht sonderlich spektakulär, Tanzsport findet nur in den Medien im Vergleich zu anderen Sportarten weniger Beachtung und ist daher weniger bekannt. Jenny Bach als Frances „Baby“ Houseman und Dániel Rákász als Johnny Castle haben ihre Rollen bereits in der Berliner Produktion am Potsdamer Platz gespielt, und Eleanor Bergstein war sehr daran gelegen, dass die beiden ihre Rollen in Oberhausen nochmals spielen können. Jenny Bach stellt den Wandel vom neugierigen, teilweise unbeholfenen Teenager in Jeansshorts zur perfekten Mambo-Tänzerin, die dabei vom Mädchen zur jungen Frau heranreift, glaubhaft und sympathisch dar. Dániel Rákász nähme man ohne weiteres die Darstellung eines kraftstrotzenden Bodybuilders ab, tänzerisch versiert fehlt ihm irgendwo das Charisma von Patrick Swayze, um bei dem Slogan „Das Original live on Stage“ zu bleiben. Über seinen Akzent – Dániel Rákász ist gebürtiger Ungar – mag man hinwegsehen, nachdem „Dirty Dancing – Das Original live on Stage“ aber bereits anderthalb Jahre in Berlin gezeigt wurde und er dort zur Premierencast gehörte, wundert man sich schon ein wenig. Weder Jenny Bach noch Dániel Rákász singen jemals in der Show einen Song, auch wenn die Situation geradezu danach „schreit“, Momente, in denen man sich einfach richtiges Musiktheater wünscht und kein Kino auf der Bühne. Die Songs werden – so sie nicht aus der Konserve kommen – vornehmlich von den Gesangssolisten interpretiert. Die Tonabstimmung war in der besuchten Vorstellung jedoch noch nicht optimal, so dass einige Songtexte überhaupt nicht zu verstehen waren. Alisa Nikolaus kann als Johnnys Tanzpartnerin Penny Johnson einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, das komödiantische Highlight – neben dem Sackhüpfen – kann Johanna Spantzel als Babys Schwester Lisa mit ihrem „Hula-Song“ bei der von Gästen des Ferienclubs einstudierten Abschluss-Show für sich verbuchen. Für Lacher kann auch Matthias Bollwerk als Junior-Chef Neil Kellerman sorgen, der mit ungelenken Tanzversuchen plumpe Annäherungsversuche bei „Baby“ startet.

Die gewölbte, verfahrbare LED-Wand und die Videoprojektionen auf den Projektionsflächen rund um die Bühne sind Stand der Technik, natürlich lassen sich damit Szenenwechsel in Sekundenschnelle realisieren, aber wenn man schon Landschaften projiziert, die an Originalschauplätzen in den USA aufgenommen wurden, und damit versucht, so nah wie möglich am Original zu arbeiten, so fragt sich der kritische Zuschauer irgendwann zwangsläufig, warum man nicht gleich das Original digital für 3D nachbearbeitet hat und auf der Großbildleinwand zeigt. Die entscheidenden Szenen und Sätze – wie Johnny „Baby“ das Tanzen beibringt, wie die beiden die berühmte Hebefigur im Wasser üben, „Ich habe eine Wassermelone getragen“ oder „Mein Baby gehört zur mir“ – bekommt der Zuschauer dabei „zwangsläufig“ geboten, und gemessen am Beifall sind es genau diese Szenen, die der Zuschauer erwartet und sehen möchte.

Dass der Mambo-Boom 24 Jahre nach dem Kinostart von „Dirty Dancing“ nochmals ausbrechen und in den Tanzschulen für klingende Münze sorgen könnte, dürfte wohl eher Wunschdenken einiger Tanzschulen in Oberhausen sein. Man darf vielmehr gespannt sein, wie lange eine Show mit Musik- und Tanzeinlagen in einem Musicaltheater für gefüllte Ränge sorgen kann.

Zahlreiche Prominente waren am 19. Oktober 2011 zur NRW-Premiere nach Oberhausen eingeladen. Auf dem Weg zum Theater war der obligatorische „rote Teppich“ ausgerollt, den man diesmal in der Farbgebung der Show angepasst hatte.

Magdalena Brzeska

Sogar Paris Hilton ließ sich auf ihrem Weg von Paris nach Amsterdam zu einem Zwischenstopp in Deutschland und dem Besuch der Show „überreden“.

Paris Hilton


Clara Dolny


Jo Weil

Passend zur „verbotenen“ Liebe zwischen „Baby“ und Johnny waren auch die Darsteller aus der seit 2. Januar 1995 montags bis freitags im Vorabendprogramm ausgestrahlten Seifenoper „Verbotene Liebe“ Christoph Mory alias Hagen Graf von Lahnstein, Jana Julie Kilka alias Jessica Stiehl, Melanie Kogler alias Marlene Wolf, Thore Schölermann alias Christian Mann und Jo Weil alias Oliver Sabel der Einladung zur Premiere gefolgt.

Thore Schölermann und Jana Julie Kilka


Christoph Mory, Melanie Kogler und Jo Weil

Ein Pink Cadillac (oder war er vielleicht doch zart rosa?) am Ende des „pinkfarbenen Teppichs“ fand an diesem Tag nicht so viele Liebhaber, stand er doch – nicht überdacht – im Freien, und wer wollte womöglich schon vor der Vorstellung bei dem ein oder anderen Schauer sein Outfit riskieren.

Haben Sie selbst „Dirty Dancing – Das Original live on Stage“ in Oberhausen gesehen? Wie hat Ihnen die Vorstellung gefallen?

Dienstag, 18. Oktober 2011

Stadttheater Bielefeld: Songs for a New World

„Songs for a New World (Lieder für eine neue Welt)“ – Buch, Musik und Gesangstexte: Jason Robert Brown; Deutsch von Wolfgang Adenberg; Inszenierung: Thomas Winter; Musikalischer Leiter: William Ward Murta. Darsteller: Thomas Klotz, Veit Schäfermeier, Karin Seyfried und Dominika Szymanska. Uraufführung: 11. Oktober 1995, WPA Theater, New York City. Premiere: 17. Oktober 2011, Stadttheater Bielefeld.



„Songs for a New World (Lieder für eine neue Welt)“


Jason Robert Browns Erstlingswerk am Stadttheater Bielefeld


Der amerikanische Musicalkomponist und -texter Jason Robert Brown (* 20. Juni 1970 in Ossining, New York) begann seine Karriere als Arrangeur, Dirigent und Pianist und spielte in diversen Nachtclubs und Pianobars in New York City. „Songs for a New World“ ist seine erste größere Produktion mit eigenen Songs. Nach einem Workshop in Toronto wurde das Stück Off-Broadway am WPA Theater in 28 Aufführungen gezeigt (Uraufführung: 11. Oktober 1995), Regie führte Daisy Prince, Tochter des amerikanischen Musical-Produzenten Harold Prince. Am 6. März 2010 präsentierten Absolventen des Studiengangs Musical/Show der Universität der Künste Berlin beim Kurt-Weill-Fest in Dessau erstmalig das gesamte Stück in einer deutschen Fassung von Wolfgang Adenberg. Weitere bekannte Werke von Jason Robert Brown sind „Parade“ (1999 mit dem Tony Award für die beste Originalmusik ausgezeichnet) und „The last five years“ (2002 mit dem Drama Desc Award for Outstanding Music und dem Drama Desc Award for Outstanding Lyrics ausgezeichnet).

Stadttheater Bielefeld

„Songs for a New World“ bewegt sich an der Grenze zwischen Musical und Songzyklus, es hat keine zusammenhängende Handlung, sondern jeder Song erzählt für sich eine kleine Geschichte. „Songs for a New World“ handelt von Momenten im Leben, an denen Menschen an einem Wendepunkt angekommen sind, an dem sie sich entscheiden müssen. Jason Robert Brown hat sein Stück folgendermaßen kommentiert: „Es geht um solche Momente, in denen man gezwungen ist, eine Mauer zu zertrümmern, Stellung zu beziehen oder sich umzudrehen und zurückzugehen.“ Einige wagen den Schritt in eine neue Welt, andere lassen den Moment verstreichen … eine Frau droht ihrem Ehemann, sich in den Abgrund zu stürzen, wenn sie keinen Nerzmantel bekommt („Just One Step“), ein junger Mann aus ärmlichen Verhältnissen möchte als berühmter Basketballspieler der Armut entkommen („The Steam Train“), die Ehefrau von Santa Claus will sich von ihrem Mann trennen, weil sie Weihnachten allein verbringen muss („Surabaya-Santa“ als Parodie auf „Surabaya Johnny“ aus „Happy End“ von Kurt Weill und Bert Brecht). Die Stilrichtung der 16 Songs von Jason Robert Brown erstreckt sich von Swing über Gospel und Funk bis zu Rhythm and Blues.

Das Ensemble um Veit Schäfermeier und Karin Seyfried, die auch in „Chess – Das Musical“ am Stadttheater Bielefeld zu sehen sind, wird von Thomas Klotz und Dominika Szymanska komplettiert. Thomas Klotz und Dominika Szymanska schlossen 2002 ihr Studium an der Folkwang Hochschule (heute Folkwang Universität der Künste) in Essen im Fach Musical ab, Thomas Klotz spielte seither in diversen Großproduktionen, u. a. „Tanz der Vampire“ in Stuttgart und Berlin, „Mamma Mia!“ und „Dirty Dancing – Das Original live on Stage“ in Hamburg und „Der Schuh des Manitu“ in Berlin. Dominika Szymanska war anschließend u. a. bei „Tanz der Vampire“ in Stuttgart und den Bad Hersfelder Festspielen in „Les Misérables“ und „Jekyll & Hyde“ engagiert. Daneben ist sie seit einiger Zeit als Schauspiel- und Musicaldozentin für Kinder und Jugendliche tätig.

„Songs for a New World (Lieder für eine neue Welt)“ wird am Stadttheater Bielefeld im intimen Rahmen des Lofts (ehem. Opern.Studio) aufgeführt, der jüngsten Spielstätte unter dem Dach des Stadttheaters. Das Loft bietet Platz für etwa 60 Zuschauer, und ist der ideale Ort für kleine, außergewöhnliche Produktionen. Hier gestalten Sänger und Schauspieler unter der künstlerischen Leitung von Thomas Winter ihre eigenen Programme. Nach der Eröffnung mit „Klassik ab 0“ ist „Songs for a New World (Lieder für eine neue Welt)“ die zweite Produktion im Loft, am 7. November 2011 wird „Zarah 47“ von Peter Lund mit Katharina Solzbacher zur Aufführung gebracht.

Dominika Szymanska, Karin Seyfried, Veit Schäfermeier und
Thomas Klotz, Foto: Thomas Winter


Die „Lieder für eine neue Welt“ in der deutschen Fassung von Wolfgang Adenberg werden in Bielefeld ohne Pause präsentiert und am Flügel von William Ward Murta begleitet. Wer von den ursprünglich 16 Songs zwei vermissen sollte, „The Steam Train“ und „Surabaya-Santa“ sind in der Inszenierung von Thomas Winter gestrichen worden.
  1. Thomas Klotz, Karin Seyfried, Veit Schäfermeier, Dominika Szymanska: „Die neue Welt“ („The New World“)
  2. Thomas Klotz, Alle: „Auf dem Deck eines spanischen Segelschiffs“ („On the Deck of a Spanish Sailing Ship, 1492“)
  3. Karin Seyfried: „Nur ein Schritt“ („Just One Step“)
  4. Dominika Szymanska: „Ich hab nie Angst“ („I´m Not Afraid of Anything“)
  5. Thomas Klotz, Veit Schäfermeier, Alle: „Es sprudelt kein Fluss“ („The River Won´t Flow“)
  6. Karin Seyfried: „Sterne und Mond“ („Stars and the Moon“)
  7. Veit Schäfermeier: „Sie weint“ („She Cries“)
  8. Thomas Klotz, Dominika Szymanska, Alle: „Die Welt tanzte“ („The World Was Dancing“)
  9. Karin Seyfried: „Wiegenlied zur Weihnacht“ („Christmas Lullaby“)
  10. Thomas Klotz: „König der Welt“ („King of the World“)
  11. Veit Schäfermeier, Karin Seyfried: „Das alles gäb´ ich her“ („I´d Give It All For You“)
  12. Dominika Szymanska: „Die Flaggenmacherin“ („The Flagmaker, 1775“)
  13. Veit Schäfermeier, Alle: „Ich fliege heim“ („Flying Home“)
  14. Dominika Szymanska, Alle: „Hör mein Lied“ („Hear My Song“)
Was sonst bei der größeren Entfernung zur Bühne nicht so auffällt, im Loft war den Darstellern die Anspannung während der Premiere anzumerken. Was jedoch wohl eher unfreiwillig zu einigen herrlich komischen Momenten geführt haben mag. Insbesondere Veit Schäfermeier wurde beinahe „vom Pech verfolgt“, erst bekam er bei „Es sprudelt kein Fluss“ eine Tüte Yoghurt-Gums nicht auf, und beim „Wiegenlied zur Weihnacht“ dauerte es eine ganze Weile, bis er den Stromanschluss für den kleinen Weihnachtsbaum gefunden hatte, was ihm schließlich Szenenapplaus einbrachte, als die Beleuchtung endlich brannte. Thomas Klotz verkörpert in „Auf dem Deck eines spanischen Segelschiffs“ den Kapitän des Schiffs, auf dem vermutlich Juden das Land verlassen, die durch das Alhambra-Edikt 1492 aus allen Territorien der spanischen Krone vertrieben wurden. In „Die Welt tanzte“ erzählt er von seinem Vater und seiner Verlobten Amy, die er am Ende verlässt, ohne sich von ihr zu verabschieden, da er kein Risiko eingehen möchte. Karin Seyfried kann bei „Nur ein Schritt“ beinahe komödiantisches Talent beweisen, wenngleich sie gegen Ende des Songs beteuert, es mit ihrer Drohung, sich in den Abgrund zu stürzen, ernst zu meinen. In „Sterne und Mond“ stellt sie zu spät fest, dass Geld im Leben nicht alles bedeutet. Veit Schäfermeier bringt in „Sie weint“ die Gefühlswelt der Frauen auf den Punkt: „Wenn Du eine Frau weinen siehst, sieh´ zu, dass Du Leine ziehst!“ Was ihm aber in letzter Konsequenz auch nicht gelingt. Dominika Szymanska portraitiert entschlossen die junge Frau, die beteuert, niemals Angst zu haben: „Ich hab nie Angst.“ Im Song „Die Flaggenmacherin“ kann sie zum Erfolg des Kriegs beitragen, indem sie Flaggen näht, und kann sich damit gleichzeitig davon ablenken, was ihr der Krieg genommen hat und dass sie nachts nicht schlafen kann. Die vier Darsteller harmonieren gesanglich sehr gut miteinander, was insbesondere bei „Die neue Welt“ und „Hör mein Lied“ zum Tragen kommt.

Das Bühnenbild besteht aus vier Stühlen und einer Holzkiste, aus der diverse kleinere Requisiten zum Vorschein kommen, mehr braucht es auch nicht. „Lieder für eine neue Welt“ sind in Bielefeld zu einer kleinen, feinen und sehenswerten Produktion geraten. Das Premierenpublikum war begeistert und spendete minutenlangen Applaus, wofür sich die Akteure mit „Es sprudelt kein Fluss“ als Zugabe bedankten. „Songs for a New World (Lieder für eine neue Welt)“ steht nochmals am 18. und 19. Oktober sowie am 21. November 2011 auf dem Spielplan.

Thomas Klotz, William Ward Murta, Dominika Szymanska,
Veit Schäfermeier und Karin Seyfried


Haben Sie „Songs for a New World (Lieder für eine neue Welt)“ am Stadttheater Bielefeld gesehen? Wie hat Ihnen die Aufführung gefallen?

Sonntag, 16. Oktober 2011

Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen

(Nicht nur) Dampflokomotiven im ehemaligen Bahnbetriebswerk Bochum-Dahlhausen

P 8 der Preußischen Staatseisenbahnen 38 2267, Baujahr 1918

Die Deutsche Gesellschaft für Eisenbahngeschichte e. V. hat 1977 das ehemalige Bahnbetriebswerk Bochum-Dahlhausen von der Deutschen Bundesbahn angemietet und auf dem Gelände das Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen eingerichtet. Mit einem Areal von etwa 46.000 m² gehört es heute zu den größten Museen seiner Art in Deutschland. Am 14. Juli 2011 wurde das Museum in die Stiftung EisenbahnMuseum Bochum überführt.

Lokschuppen

Ganz nostalgisch werden Eintrittskarten im Format von klassischen Edmondsonschen Kartonfahrkarten ausgegeben. Thomas Edmondson (* 30. Juni 1792 in Lancaster, † 22. Juni 1851 in Manchester) stellte um 1836 die ersten Fahrkarten aus Karton vor. Zentraler Bestandteil des Museums ist der 14-ständige Lokomotivschuppen mit einer 20-Meter-Drehscheibe. Um die Fahrzeugsammlung mit mehr als 150 Schienenfahrzeuge aus der Zeit von 1853 bis zur Gegenwart unterbringen zu können, befinden sich zwei weitere Fahrzeughallen mit Gleisen auf dem Museumsgelände. Der Wasserturm, das preußische Ständer-Stellwerk, sowie Bekohlungsanlage, Wasserkran und Sandturm bilden das eisenbahntypische Umfeld. Das gesamte ehemalige Bahnbetriebswerk Bochum-Dahlhausen steht unter Denkmalschutz, das Eisenbahnmuseum ist ein Ankerpunkt auf der Route der Industriekultur.

Lokschuppen mit Schienen-Straßen-Omnibus BS 300 und Personenzuglokomotive 66 002

Die Personenzugtenderlokomotive der Baureihe 66 ist in nur zwei Exemplaren von Henschel & Sohn in Kassel genaut worden. Sie besaß ein vollkommen geschlossenes Führerhaus. Die 66 002 wurde nach nur 12 Jahren außer Dienst gestellt, da die weitere Erhaltung im Vergleich zu modernen Dieselloks wirtschaftlich nicht mehr vertretbar war.

Personenzuglokomotive 66 002, Baujahr 1955

Die so genannten Schienen-Straßen-Omnibusse konnten wahlweise auf der Straße oder mit speziellen Schienenfahrgestellen auf Eisenbahnstrecken verkehren. Um die Schienenfahrgestelle unter den Bus zu schieben, wurde dieser mit einer Hydraulikanlage jeweils an einer Seite angehoben.

Schienen-Straßen-Omnibus BS 300, Baujahr 1953


Zahnradlokomotive 97 502, Baujahr 1922

Die in vier Exemplaren von der der Maschinenfabrik Esslingen gebaute württembergische Hz wurde auf der Zahnradbahn Honau-Lichtenstein mit einer Maximalsteigung von 1:10 eingesetzt und verrichtete dort bis 1961 ihren Dienst. Das Antriebszahnrad wurde nach Einfahrt in die Zahnstange über eine eigene Dampfmaschine angetrieben, die mit dem Abdampf des Reibungstriebwerks arbeitet.

Zahnradlokomotive 97 502, Baujahr 1922


LPD 3 Elektrische Lokomotive der Kaiserlichen Post Landespostdirektion Berlin № 3, Baujahr 1913


Petroleum-Lokomotive der Firma Möhl & Co., Baujahr 1912


Schnellzuglokomotive 01 008, Baujahr 1925

Die Dampflokomotiven der Baureihe 01 waren die ersten in Serie gebauten Einheitsdampflokomotiven. Durch Vereinheitlichung sollten wenige verschiedene Bauteile in großen Stückzahlen günstig hergestellt werden, was den Kapitalaufwand bei der Beschaffung von Lokomotiven senken sollte. Das von Borsig Berlin hergestellte Exemplar 01 008 ist die erste in Dienst gestellte 01, sie wurde nach 48 Dienstjahren am 9. Dezember 1973 ins Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen überführt.

Schnellzuglokomotive 01 008, Baujahr 1925


Schnellzuglokomotive 01 008, Baujahr 1925


Wasserturm


Güterzuglokomotive 044 377-0, Baujahr 1942

Die Güterzug-Einheitsdampflokomotiven der Baureihe 44 mit Dreizylinertriebwerk wurde in 1.989 Exemplaren gebaut. Das ausgestellte Exemplar 044 377-0 wurde 1942 als „Übergangs-Kriegslok“ in Dienst gestellt und diente nach Abstellung bis 1979 als selbstfahrende Heizlokomotive im Bahnbetriebswerk Gelsenkirchen-Bismarck, somit war sie die letzte bei der Deutschen Bahn unter Dampf stehende Dampflokomotive.

Güterzuglokomotive 044 377-0, Baujahr 1942


Güterzuglokomotive 044 377-0, Baujahr 1942


Postwagen Mainz 3912, Baujahr 1926


Rangierlokomotive 80 030 im grauen Fotografieranstrich, Baujahr 1929


Berliner S-Bahn-Triebwagen 475 003-0, Baujahr 1928

An Sonn- und Feiertagen verkehrt der Wismarer Schienenbus T2 zwischen dem Eisenbahnmuseum und dem S-Bahnhof Dahlhausen im Pendelverkehr. Der von der Triebwagen- und Waggonfabrik Wismar AG gebaute zweiachsige Triebwagen diente dem kostengünstigen Personenverkehr auf Kleinbahnen. Die beiden Motoren wurden vor dem eigentlichen Fahrzeugkasten angeordnet und verliehen ihm ein unverkennbares Äußeres, was ihm auch den Spitznamen „Schweineschäuzchen“ eingebracht hat.

Wismarer Schienenbus T2, Baujahr 1936


Wismarer Schienenbus T2 und P 8 der Preußischen Staatseisenbahnen 38 2267


Ständer-Stellwerk


Dampflokwasserkran


Kohlenkran und Kohlenlager


Handhebeldraisine


Blick in einen ausgemusterten Dampfkessel


Sandturm


Schmalspur-Dampflokomotive MEG 74, Baujahr 1888

Der 1861 gebaute Abteilwagen der Königlich Sächsischen Östlichen Staatseisenbahn vermittelt ein Eindruck vom „Komfort“ in der damaligen 3. Klasse. In dem sehr kurz und schmal gebauten Personenwagen waren 40 Sitzplätze in 4 Abteilen angeordnet, Fenster gab es nur in den Türen, die an der Innenseite keine Türgriffe besaßen und nur von außen zu öffnen waren. Eine Öllampe in der Wagenmitte musste zur Beleuchtung ausreichen, eine Heizung gab es überhaupt nicht. Provisorisch ist der Wagenkasten auf einem nicht dazu passenden Fahrgestell ausgestellt.

Abteilwagen der Königlich Sächsischen Östlichen Staatseisenbahn, Baujahr 1861


Güterzuglokomotive E94 080, Baujahr 1942


Steuerwagen für Akkumulatoren-Triebwagen 815 672-1, Baujahr 1959


Güterzuglokomotive 053 075-8, Baujahr 1943


Uerdinger Schienenbus VT98, Baujahr 1961 (Motorwagen), 1960 (Steuerwagen) & 1956 (Beiwagen)


Uerdinger Schienenbus VT98 und P 8 der Preußischen Staatseisenbahnen 38 2267


Wismarer Schienenbus T2 vor dem Lokschuppen