Freitag, 2. September 2011

FilmSchauPlätze NRW 2011: Herne

„Soul Kitchen“ an der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3

Zu den letzten Veranstaltungen in diesem Jahr sind die FilmSchauPlätze NRW an den Rhein-Herne-Kanal zurückgekehrt, wo schon im vergangenen Jahr in Zusammenarbeit mit dem KulturKanal an besonderen Orten Open-Air Kino zu erleben war. Im letzten Jahr hat die Filmstiftung NRW am 22. Juli „Bang Boom Bang“ an der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 in Herne gezeigt, in diesem Jahr stand dort am 1. September „Soul Kitchen“ mit Adam Bousdoukos, Moritz Bleibtreu, Birol Ünel, Anna Bederke, Pheline Roggan u. a. auf dem Programm.

Petra Weifenbach und Axel Siefer,
„Bilder am Kanal – Ein künstlerisches Leitsystem“, 9/15


Mut brauchte man an diesem sonnigen Tag überhaupt nicht, um das Open-Air-Kino in Herne zu besuchen, nur warme Kleidung. Aber dazu später mehr. Die Tafel im Format 5,95 m × 3,4 m, die zum Projekt „Bilder am Kanal – Ein künstlerisches Leitsystem“ im Rahmen von „KulturKanal“, ein Projekt der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 gehört, steht übrigens ein ganzes Stück weiter westlich, am nördlichen Ufer des Rhein-Herne-Kanals im Bereich des Hafenbeckens des ehemaligen Gelsenkirchener Kraftwerkes „Graf Bismarck“, also dem zukünftigen „Stadtquartier Graf Bismarck“.

Grimberger Sichel

Ebenfalls im Gelesenkirchener Stadtteil Bismarck überquert die am 20. Juni 2009 eröffnete Grimmberger Sichel, eine Fußgänger- und Fahrradbrücke, den Rhein-Herne Kanal. Die außergewöhnliche, vom Regionalverband Ruhr in Auftrag gegebene Brücke verbindet die Erholungsgebiete nördlich und südlich des Rhein-Herne-Kanals und schafft als Verlängerung der Erzbahntrasse Anschluss an den Emscher Park Radweg. Für die Realisierung des preiswürdigen Bauwerks am Grimberger Hafen zeichnen das Ingenieurbüro Schlaich Bergermann & Partner und das Konsortium IHT Ingenieur-, Hoch- und Tiefbau GmbH, Bochum/Stahlbau Raulf GmbH, Duisburg verantwortlich. 2010 erhielt die kurvige Fußgängerbrücke den europäischen Stahlbaupreis und in diesem Jahr die Footbrigde Awards für Technik und Ästhetik, die weltweit alle drei Jahre verliehen werden.


Grimberger Sichel


Grimberger Sichel


Grimberger Sichel


Markus Hanakam, „Bilder am Kanal – Ein künstlerisches Leitsystem“, 10/15

Der blaue Jogginganzug mit weißen Streifen, der auf der zum Projekt „Bilder am Kanal – Ein künstlerisches Leitsystem“ gehörigen Tafel propagiert wird, wäre am späten Nachmittag viel zu warm gewesen, aber am späten Abend wäre er womöglich nützlich gewesen.

Alleestraßenbrücke Nr. 350 bei Kanalkilometer 29,494

Über die Alleestraßenbrücke kann man in Herne-Wanne – früher Wanne-Eickel – den Rhein-Herne-Kanal überqueren und gelangt so zum Gelände der ehemaligen Zeche Unser Fritz 1/4. Dort findet man einen von dreizehn Malakowtürmen, die im Ruhrgebiet erhalten werden konnten. Es ist das einzige verbliebene Bauwerk auf dem ehemaligen Betriebsgelände von Unser Fritz 1/4.

Ehemalige Zeche Unser Fritz 1/4, Malakow-Turm Schacht 1

Am 18. September 1871 gründeten der Kaufmann Friedrich Grillo (* 20. Dezember 1825 in Essen, † 16. April 1888 in Düsseldorf), der Bankier Ludwig von Born und der Bergwerksfachmann Wilhelm Hagedorn die Zeche „Unser Fritz“, Namensgeber war der damalige Kronprinz Friedrich Wilhelm (* 18. Oktober 1831 in Potsdam, † 15. Juni 1888 in Potsdam). 1873 wurde der Malakow-Turm über Schacht 1 errichtet. Am 2. Oktober 1993 fand die letzte Seilfahrt auf Unser Fritz 1/4 statt.

Ehemalige Zeche Unser Fritz 1/4, Malakow-Turm Schacht 1


Ehemalige Zeche Unser Fritz 1/4, Malakow-Turm Schacht 1


Künstlerzeche Unser Fritz 2/3

1881 wurde etwa 700 m nordöstlich von Schacht 1 ein weiterer Schacht abgeteuft, der 1885 nach knapp vier Jahren Bauzeit als Schacht 2 die Förderung aufnahm. Im November 1897 wurde gleich neben dem Schacht 2 mit dem Abteufen des dritten Schachtes begonnen, der 1903 in Betrieb genommen wurde. Bereits im Dezember 1925 wurde die Kohleförderung auf Unser Fritz 2/3 im Zuge von Rationalisierungsmaßnahmen wieder eingestellt.

Ehemalige Zeche Unser Fritz 2/3, Fördermaschinenhaus Schacht 3

Ab 1964 besetzte Helmut Bettenhausen (* 1935 in Wanne-Eickel) die Gebäude der ehemalige Zeche Unser Fritz 2/3 und nutzte sie als Atelier, ab 1972 schlossen sich ihm weitere Künstler an. Heute finden in der „Weißkaue“ regelmäßig Kunstausstellungen statt, die „Schwarzkaue“ mit der Empore wird als Veranstaltungshalle genutzt. Das Förder­ma­schi­nen­haus von Schacht 3 wird nach der Sanierung ebenfalls als Ausstellungs- und Veranstaltungshalle genutzt.

Ehemalige Zeche Unser Fritz 2/3, Fördermaschinenhaus Schacht 3


Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 mit der Skulptur „Implosion“ von Ewerdt Hilgemann

Am nördlichen Eingang des Kulturparks Unser Fritz 2/3 befindet sich der von Helmut Bettenhausen geschaffene „Triumphbogen der Kohle“, der in markanter Form an den das Gelände und die Region prägenden Rohstoff erinnert.

„Triumphbogen der Kohle“ von Helmut Bettenhausen

Der Kulturpark Unser Fritz 2/3 war erst am 15. Mai 2010 im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres eröffnet worden, neben der Spiellandschaft gehört ein Anleger für Fahrgastschiffe am Rhein-Herne-Kanal sowie die von der UFO-Unser Fritz Outdoor Gastronomie GmbH betriebene Außengastronomie (Biergarten und Strandcafé) zum Gesamtensemble.

FilmSchauPlatz Künstlerzeche Unser Fritz 2/3

Ab 19 Uhr sorgte die Soul-Cover-Band „Soul United“ (Andreas Düllberg, Oliver Stark, Thomas Schneider, Lothar Simon, Susanne Meyer und Maxim Begun) im Biergarten für die musikalische Einstimmung auf das Open-Air-Kinoereignis.

„Soul United“

Währenddessen ging – für die meisten Besucher sicherlich unbemerkt – die Sonne am Rhein-Herne-Kanal unter, womit dann auch die Filmvorführung beginnen konnte.

Sonnenuntergang

Als Vorfilm wurde der Animationsfilm „Marie“ von Jutta Schünemann gezeigt, der von der kleinen Marie erzählt, die mit einem Herzfehler zur Welt kommt und nur drei Jahre alt wird. Anhand eines Fotoalbums erinnert sich die große Schwester an die kleine Marie, die zu ihrem dritten Geburtstag einen roten Kinderschirm geschenkt bekommt. Beim Spiel mit den Gänsen verausgabt sie sich derartig, dass sie schließlich an Erschöpfung stirbt.

Künstlerzeche Unser Fritz 2/3

„Soul Kitchen“ von Regisseur Fatih Akin handelt von Menschen im Umfeld eines von der Schließung bedrohten Restaurants in einer alten Fabrikhalle in Hamburg-Wilhelmsburg, dem Soul Kitchen. Zinos Kazantsakis (Adam Bousdoukos) hat es als Betreiber des Soul Kitchen nicht leicht: Seine Freundin Nadine Krüger (Pheline Roggan) möchte ihre beruflichen Träume als Auslandskorrespondentin in Shanghai verwirklichen, er selbst zieht sich bei der Arbeit einen Bandscheibenvorfall zu, und sein Bruder Illias (Moritz Bleibtreu) möchte als Freigänger eine Anstellung bei ihm, allerdings nur, um seine Freigangzeiten auszudehnen. Zinos engagiert den soeben von einem Nobelrestaurant gefeuerten Exzentriker Shayn Weiss (Birol Ünel) als Koch, um sein Restaurant vor dem Ruin zu retten. Der stellt die Speisekarte prompt auf Spitzenküche um, und vergrault damit die Stammkundschaft. Und dann gibt es noch Zinos´ ehemaligen Schulkameraden Thomas Neumann (Wotan Wilke Möhring), der Interesse an dem Soul Kitchen hat, allerdings mit dem Hintergedanken, das Gebäude abzureißen und das Grundstück teuer zu verkaufen …

FilmSchauPlatz Künstlerzeche Unser Fritz 2/3

War es tagsüber angenehm warm, so wurde es am Abend doch recht frisch. Einigen Zuschauern offensichtlich zu frisch, denn sie verließen zum Filmspulenwechsel das Gelände. Bei 14 °C war man allerdings von frostigen Temperaturen – wie anderweitig behauptet – noch ein gutes Stück entfernt. Bis bei 14 °C das Wasser gefriert, kann man warten, bis dass die Leinwand schwarz wird …

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