Freitag, 26. August 2011

Kunst mit dem Regenschirm entdecken

Künstlerisches Vermittlungsprogramm am westlichen Ende der Emscherinsel

Dr. Martina Oldengott (Emschergenossenschaft) und Literat Florian Neuner

Auch 2011 werden an einigen Orten der EMSCHERKUNST.2010 im Rahmen eines künstlerischen Vermittlungsprogrammes Veranstaltungen angeboten, so auch am 26. August 2011 ein Rundgang über die Emscherinsel an ihrem westlichen „Ende“, der natürlich auch die am 25. Juni 2011 eröffnete Fußgängerbrücke „Slinky springs to fame“ beinhaltete. Offiziell gehörte die Veranstaltung zur Reihe „Kunst im Licht der Taschenlampe entdecken“, aber bei den Wetterverhälnissen lag die leichte Abänderung des Wortlauts auf der Hand.

Teilnehmergruppe am Schloss Oberhausen

Treffpunkt war das Schloss Oberhausen, wo sich gegen 20 Uhr trotz kräftiger Unwetter und schlechter Wettervorhersage gut 80 Interessenten eingefunden hatten, um sich bei dem von Literat Florian Neuner und Frau Dr. Martina Oldengott von der Emschergenossenschaft geführten Rundgang über die Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft der Emscher in Oberhausen zu informieren. Florian Neuner hat sich in zahlreichen Fahrradtouren und Wanderungen intensiv mit der Emscherinsel auseinandergesetzt. Auf Grundlage seiner Eindrücke und historischer Hintergründe hatte er die Texte zu den „Zwischenräumen“ im begleitenden Ausstellungskatalog zur EMSCHERKUNST.2010 verfasst. Außerdem hat er die Ruhrtext-Collage „Ruhrtext – Eine Revierlektüre“ mit einer Fotoserie von Jörg Gruneberg veröffentlicht, erschienen im Klever Verlag.

Alter Emscherarm im Kaisergarten

Vom Schloss Oberhausen führte der Weg zunächst vorbei an dem revitalisierten alten Emscherarm im Kaisergarten zur Fußgängerbrücke „Slinky springs to fame“, und über diese über den Rhein-Herne-Kanal. Die von Tobias Rehberger entworfene Brückenskulptur ist bereits in diversen früheren Blogeinträgen beschrieben, weshalb ich an dieser Stelle nicht mehr näher darauf eingehe. Bei der doch überraschend großen Teilnehmerzahl konnte man sehr schön erleben, wie stark die Spannbandbrücke in Schwingungen versetzt werden kann.

Fußgängerbrücke „Slinky springs to fame“


Ausstellungsschiff MS Wissenschaft unter der Fußgängerbrücke „Slinky springs to fame“


Fußgängerbrücke „Slinky springs to fame“, Rampe am Nordufer des Rhein-Herne-Kanals


Fußgängerbrücke „Slinky springs to fame“, Rampe am Südufer des Rhein-Herne-Kanals

Die Brücke ist neuerdings bereits ab 20 Uhr beleuchtet, allerdings kommt der Effekt erst bei Einbruch der Dämmerung richtig zur Geltung. Am 6. September wird die Sonne in Oberhausen rechnersich um 20 Uhr untergehen, schon bald wird es also um 20 Uhr bereits richtig dunkel sein. Entlang des Nordufers des Rhein-Herne-Kanals ging es weiter bis zum Stadion Niederrhein, das von den beiden Kölner Architekten Nußbaum und Wilkens geplant, als „große Notstandsarbeit“ gebaut und am 28. Februar 1926 eingeweiht wurde.

Am Stadion Niederrhein: „Maloche lohnt!“


Die Emscherinsel an ihrem westlichen „Ende“

Nach einem Abstecher zum Emscherdeich, von wo aus man das „Abknicken“ der Emscher Richtung Nordwesten sehen kann und damit das westliche „Ende“ der Emscherinsel erreicht ist, Florian Neuner beschreibt seinen Eindruck mit den Worten „Es gibt keinen klar benennbaren Punkt, an dem die Emscher-Insel enden würde, aber ihr Bild verliert sich“, ging es entlang der Lindnerstraße und über die Konrad-Adenauer-Allee zur Siedlung Grafenbusch, eine nach Plänen des Architekten Bruno Möhring (* 11. Dezember 1863 in Königsberg, † 25. März 1929 in Berlin) für leitende Angestellte der Gutehoffnungshütte Aktienverein für Bergbau und Hüttenbetrieb (GHH) erbaute „Beamten-Kolonie“.

Dr. Martina Oldengott, Edda Gerusel (beide Emschergenossenschaft) und Literat Florian Neuner

Anhand einer freistehenden Villa und den am Bahndamm gelegenen Mehrfamilienhäusern zeigte Literat Florian Neuner die frühere Struktur der Siedlung auf, von der leitende Angestellte die GHH in kurzer Zeit erreichen konnten. Die Siedlung steht unter Denkmalschutz und ist Bestandteil der Themenroute „Oberhausen – Industrie macht Stadt“ der Route der Industriekultur.

Siedlung Grafenbusch


Firmenlogo der GHH


Siedlung Grafenbusch

Kurioserweise sollen es lt. Veranstalter am Ende 97 Teilnehmer gewesen sein. Ich selbst habe am Emscherdeich 88 Teilnehmer gezählt, und einige Teilnehmer mit Kindern sind an der Konrad-Adenauer-Allee womöglich in Anbetracht des Dauerregens auf direktem Wege zum Ausgangspunkt des Rundgangs zurückgekehrt. Aber vielleicht haben sich ja in der Siedlung Grafenbusch einige Bewohner dem Tross angeschlossen, in der Hoffnung, dass es am Ende Getränke gibt?

Keine Kommentare: