Donnerstag, 18. August 2011

Keine Kohle mehr da

… aber dem Himmel ein Stückchen näher

ehemalige Zeche Friedrich Heinrich, Schacht Norddeutschland

Im Ruhrgebiet wird nur noch an wenigen Stellen Kohle gefördert, beispielsweise vom Bergwerk West (früher „Verbundbergwerk Friedrich Heinrich/Rheinland“) am Niederrhein oder vom Verbundbergwerk Prosper-Haniel in Bottrop, dessen Tagesbetrieb Prosper II auch besichtigt werden kann. Die Schließung des Bergwerks West, das mit 2.782 Mitarbeitern rund 2,6 Millionen Tonnen Kohle im Jahr fördert (Stand 31.12.2010), ist für Ende 2012 geplant. Die Spuren des Bergbaus im Ruhrgebiet sind aber nicht zu übersehen, mehr als 100 künstliche Berge wurden in der Region mit Abraum zu so genannten Bergehalden aufgeschüttet, wobei als „Berge“ das mit dem Kohleabbau und der Förderung zwangsweise anfallende Gestein bezeichnet wird.

Halde Norddeutschland, „Himmelstreppe“

Von 1952 bis 2001 wurde die Halde Norddeutschland in Neukirchen-Vluyn mit Abraum des Steinkohlenbergwerks Niederberg und des Verbundbergwerks Friedrich Heinrich/Rheinland als Tafelberg aufgeschüttet, die Umgestaltung zum Landschaftbauwerk wurde mit Eröffnung eines umlaufenden Panoramaweges und einem bunten Fest auf der Halde am 24. April 2010 abgeschlossen. Der kürzeste Weg auf die 102 Meter über NN hohe Halde führt über die 359 Stufen der sogenannten „Himmelstreppe“, auf der die 52 Höhenmeter in vier Abschnitten überwunden werden. Eine Steganlage führt durch das vorhandene Feuchtbiotop.

Halde Norddeutschland, „Himmelstreppe“

Markantes Objekt auf dem höchsten Punkt der Halde ist das „Hallenhaus“, das 2006 von der Künstlergruppe Observatorium (Geert van de Camp, Andre Dekker und Ruud Reutelingsperger) aus Rotterdam in Kooperation mit Hinnerk Wehberg (* 13. November 1936 in Osnabrück), Planungsbüro WES & Partner, Hamburg realisiert wurde. Das „Hallenhaus“ verbindet Bautraditionen aus der Umgebung, Werkscheune und Fachwerkhaus mit der universellen Idee, Berggipfel mit einem Tempel den Göttern zu widmen; es besteht aus Modulen unterschiedlich geformter Stahlgerüste, welche auf einer Art Sockel ruhen, ähnlich der Akropolis in Athen.

Halde Norddeutschland, „Hallenhaus“ von der Gruppe „Observatorium“


Halde Norddeutschland, „Hallenhaus“ von der Gruppe „Observatorium“

Das „Hallenhaus“, der umlaufende Panoramaweg und die „Himmelstreppe“ sind in den Abendstunden mit drei Strahlern am Dachfirst, 205 LED-Leuchten am Weg und die im Handlauf der Treppe angebrachten LED-Leuchten illuminiert und laden so zu Abend- und Nachtspaziergängen ein.

Halde Norddeutschland, „Himmelstreppe“


Halde Norddeutschland, „Himmelstreppe“


Halde Pattberg, Gipfelkreuz

Die Halde Pattberg in Moers ist durch Aufschüttung des Bergematerials der Zeche Pattberg entstanden. Auf der höchsten der drei Kuppen steht das Gipfelkreuz, welches in Erinnerung an einen Gottesdienst auf der Halde im Jahr 1991 aufgestellt wurde. Bis 2007 fanden auf der Halde Pattberg regelmäßig Drachenfeste statt, die aber seit 2009 auf der Halde Rheinpreußen veranstaltet werden. Am kommenden Wochenende (20. & 21. August 2011) findet das 3. Moerser Drachenfest am „Geleucht“ statt.

Halde Rheinpreußen, „Geleucht“ von Otto Piene

Das „Geleucht“ des Künstlers Otto Piene (* 18. April 1928 in Laasphe) in Form einer historischen Grubenlampe ist mit 30 Metern Höhe das weltweit größte Montan-Kunstwerk, der höchste Punkt befindet sich in 122,6 m über NN.

Halde Rheinpreußen, „Geleucht“ von Otto Piene


Blick Richtung Osten mit der Beeckerwerther Brücke der A42 über den Rhein, den Industrieanlagen von ThyssenKrupp links der Autobahn und der Haus-Knipp-Eisenbahnbrücke

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