Donnerstag, 7. Juli 2011

„Proto Anime Cut – Räume und Visionen im japanischen Animationsfilm“

In den Straßen von Tokio – Anime-Welten im Dortmunder U

Japanische Animationsfilme (Anime) wie „Akira“ (1988, Regie: Katsuhiro Otomo), „Ghost in the Shell“ (1995, Regie: Mamoru Oshii), „Pokémon“, „Biene Maja“ (Regie: Hiroshi Saitô), „Wickie und die starken Männer“ (Regie: Hiroshi Saitô), „Captain Future“ (Regie: Tomoharu Katsumata) oder „Heidi“ (Regie: Hayao Miyazaki) haben seit den 1970er Jahren einen festen Platz in der deutschen und europäischen Medienlandschaft. Sehgewohnheiten und Vorbehalte gegenüber den Ausdrucksmöglichkeiten von Zeichentrickfilmen haben sich durch ihren Einfluss grundlegend verändert. Die Ausstellung „Proto Anime Cut – Räume und Visionen im japanischen Animationsfilm“ des Hartware MedienKunstVerein (HMKV) präsentiert ab dem 9. Juli bis 9. Oktober 2011 Originalzeichnungen der wichtigsten Regisseure und Illustratoren japanischer Animationsfilme in der dritten Etage des Dortmunder U. Die Ausstellung wird am 8. Juli 2011 um 18.00 Uhr im Beisein von Dr. Andreas Broeckmann (Gründungsdirektor des Dortmunder U), Marc Jan Eumann (Staatssekretär für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes NRW), Konsul Yasuyuki Soma (Stellvertreter des Japanischen Generalkonsulats Düsseldorf), Dr. Inke Arns (Künstlerische Leiterin des HMKV) und Stefan Riekeles (Les Jardins des Pilotes, Berlin) eröffnet.

Koji Morimoto: Layout für „EXTRA“
© Beyond C, Tokyo / R&S Records, London / Sony Music Ent., Tokyo, 1995
Mit freundlicher Genehmigung von Les Jardins des Pilotes


„Proto Anime Cut – Räume und Visionen im japanischen Animationsfilm“ zeigt Arbeiten von Hideaki Anno (Regisseur, „Neon Genesis Evangelion“), Haruhiko Higami (Fotograf), Koji Morimoto (Regisseur, „Dimension Bomb“), Hiromasa Ogura (Art-Direktor), Mamoru Oshii (Regisseur, „Patlabor: The Movie“, „Ghost in the Shell“) und Takashi Watabe (Layout). Die vorgestellten Künstler sind Schlüsselfiguren in der Entwicklung der Anime-Kultur. Durch ihre enge Zusammenarbeit in verschiedenen Produktionsstudios in Tokio haben sie einer Vielzahl von Filmen ihre persönliche Handschrift verliehen und den für Anime prototypischen Stil entwickelt. Zahlreiche Hintergrundmalereien, Storyboards, Skizzen und Inspirationsquellen geben Einblick in die Arbeitsweise der erfolgreichsten japanischen Animationskünstler der letzten zwei Jahrzehnte. Ergänzt werden die Exponate durch entsprechende Filmausschnitte. Zwei Jahre gundlegender Recherche haben die Kuratoren darauf verwendet, sich schließlich auf die sechs präsentierten Künstler festzulegen, die den typischen Anime-Stil maßgeblich geprägt haben. Der Großteil der in der Ausstellung gezeigten Werke war nicht für eine Ausstellung konzipiert und deshalb bisher auch nicht in der Öffentlichkeit zu sehen. „Proto Anime Cut – Räume und Visionen im japanischen Animationsfilm“ war bereits vom 21. Januar bis 6. März 2011 im Künstlerhaus Bethanien, Berlin zu sehen, 2012 macht die von Obra Social Caja Madrid (Spanien) koproduzierte Ausstellung Station in Barcelona (25. Januar bis 25. März 2012: Espai Cultural Caja Madrid) und Madrid (15. April bis 6. Juni 2012: La Casa Encendida).

„Proto Anime Cut – Räume und Visionen im japanischen Animationsfilm“ ist ein Projekt von Les Jardins des Pilotes (Berlin) in Kooperation mit 2dk (Tokio) und wird von Stefan Riekeles und David d´Heilly kuratiert. Die Ausstellung markiert den Auftakt des Japan-Themenschwerpunkts des HMKV im Dortmunder U, der mit dem international renommierten „Japan Media Arts Festival“ vom 10. September bis 2. Oktober 2011 fortgesetzt wird. Weiterhin werden im Rahmen der ExtraSchicht am 9. Juli 2011 Anime-Filme des derzeit kreativsten japanischen Animationsstudios Studio 4°C im RWE Forum/Kino im Dortmunder U zu sehen sein.

Takashi Watabe: Layout für „Evangelion: 2.0 You Can (Not) Advance“
© Studio Khara, Tokyo, 2009
Mit freundlicher Genehmigung von Les Jardins des Pilotes


Aus dem zylindrischen Tank im Zentrum der Zeichnung wird Ayanami Rei, eine der drei Hauptfiguren des Films „Evangelion: 2.0 You Can (Not) Advance“, ,geboren‘. Takashi Watabe entwarf den gesamten Raum zunächst als dreidimensionales Computermodell, um die Kameraperspektive genau festzulegen. Anschließend druckte er das Drahtgittermodell in roter Farbe aus, um dem Ausdruck per Bleistift weitere Details und Hervorhebungen hinzuzufügen. Die Zeichnung wurde dann wiederum gescannt, die roten Linien durch schwarze Linien ersetzt, und das Layout als Ganzes in die digitale Bildbearbeitung gegeben.

Ayanami Rei, ein der drei Hauptfiguren des Films „Evangelion: 2.0 You Can (Not) Advance“ (2009), PVC, Modellierer: Tsukuru Shirahige, Hersteller: Kotobukiya

Bei „Patlabor: The Movie“ trat die Hintergrundmalerei in einer Anime-Produktion erstmals in den Vordergrund und avancierte zum eigentlichen Erzähler der Geschichte. Die Kamera folgt zwar den beiden Protagonisten, legt den Fokus jedoch auf den umgebenden Raum, der vom Gegensatz zwischen verlassenen, zum Abriss bereiten Holzhäusern und modernen Hochhaus-Neubauten geprägt ist.

Hiromasa Ogura, Hintergrundbilder für „Patlabor: The Movie“ (1989)

Die Hintergrundgemälde von Hiromasa Ogura für den Film „Ghost in the Shell“ sind besonders detailreich und genau gearbeitet, da sie in einigen Szenen die Hauptakteure sind. Im Hintergrund erheben sich die Hochhäuser der neuen Stadt. Die Kameraperspektive der Einstellungen basiert überwiegend auf den Fotografien von Haruhiko Higami. Die Farbskala ist von Hiromasa Oguras eigenen Fotografien aus Hongkong inspiriert.

Hiromasa Ogura, Hintergrundbilder für „Ghost in the Shell“ (1995)

„Proto Anime Cut – Räume und Visionen im japanischen Animationsfilm“ zeigt überwiegend Exponate aus dem Gestaltungsprozess der japanischen Animationsfilme, die gezeigten Filmausschnitte haben nur illustrierenden Charakter. In dem Zusammenhang sollte vielleicht auch die Ausstellung „Anime! High Art – Pop Culture“ erwähnt werden, die dem Thema vom 29. Juli 2011 bis zum 8. Januar 2012 in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn gewidmet ist. „Proto Anime Cut – Räume und Visionen im japanischen Animationsfilm“ ist Dienstag und Mittwoch von 10 bis 18 Uhr geöffnet, Donnerstag und Freitag von 10 bis 20 Uhr und Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr, der Eintrittspreis beträgt 5 Euro bzw. 3 Euro reduziert.

Zu guter Letzt seit längerem einmal wieder ein kleines „Schmankerl“, welches außer dem Veranstaltungsort nicht viel mit dem eigentlichen Thema dieses Blogeintrages zu tun hat.

„110 Jahre – Kabarett! Was sonst?“

Spiegelzelt vor dem Dortmunder U

Nach dem Erfolg im Kulturhauptstadtjahr findet von Juli bis Oktober 2011 wieder das Festival „RuhrHOCHdeutsch“ mit Kabarett und Comedy, Musik und Tanz, Kunst und Literatur im Spiegelzelt am Dortmunder U statt. Parallel dazu wird in der zweiten Etage des Dortmunder U im „Zentrum für Kulturelle Bildung“ bei freiem Eintritt vom 1. Juli bis 30. August 2011 die Ausstellung „110 Jahre – Kabarett! Was sonst?“ gezeigt, eine Ausstellung zur Geschichte des Kabaretts in Deutschland.

Veranstaltungsplakat „110 Jahre – Kabarett! Was sonst?“

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