Sonntag, 31. Juli 2011

FreilichtSpiele Tecklenburg: Jesus Christ Superstar

„Jesus Christ Superstar“ – nach dem Neuen Testament; Musik: Andrew Lloyd Webber, Gesangstexte: Tim Rice, Deutsche Adaption: Anja Hauptmann, Regie: Marc Clear, Choreografie: Doris Marlis, Bühne: Susanna Buller, Kostüme: Karin Alberti, Musikalische Leitung: Klaus Hillebrecht. Darsteller: u. a. Mischa Mang (Judas Iskariot), Patrick Stanke (Jesus von Nazareth), Femke Soetenga (Maria Magdalena), Tom Tucker (Kaiphas), Stefan Poslovski (Annas), Thomas Hohler (Simon Zelotes), Sebastian Sohn, Matthias Meffert, Marius Hatt (3 Priester), Marc Clear (Pontius Pilatus), Frank Winkels (Petrus), Michaela Schober (Mädchen am Feuer), Adrian Becker (Herodes). Uraufführung: 12. Oktober 1971, Mark Hellinger Theatre, New York City. Deutschsprachige Erstaufführung: 18. Februar 1972, Halle Münsterland, Münster. Premiere: 29. Juli 2011, Freilichtbühne Tecklenburg.



Jesus Christ Superstar


Open-Air-Produktion der FreilichtSpiele Tecklenburg


Noch bevor „Jesus Christ Superstar“ als Rock-Oper auf die Bühne kam, prodzierten Andrew Lloyd Webber und Tim Rice ein Musikalbum, das im Oktober 1970 als Doppel LP erschien und die Nummer 1 in den Billboard Charts erreichte. Darauf interpretierten Murray Head und Ian Gillan die Rollen des Judas Iskariot bzw. Jesus von Nazareth. Tom O´Horgan inszenierte 1971 die erfolgreiche Bühnenproduktion am Broadway, für die Andrew Lloyd Webber seinen ersten Drama Desk Award als „Most Promising Composer“ erhielt.

Patrick Stanke (Jesus von Nazareth)


Mischa Mang (Judas Iskariot)

„Jesus Christ Superstar“ zeichnet die letzten sieben Tage im Leben von Jesus von Nazareth aus der Perspektive von Judas Iskariot nach und gipfelt in seiner Kreuzigung. Daher dürfte die Handlung wohl jedem Theaterbesucher – zumindest in Ansätzen – bekannt sein. Man darf jedoch keinesfalls eine wahrheitsgemäße Wiedergabe der Passionsgeschichte erwarten. Bereits bei der Veröffentlichung als Konzeptalbum im Jahr 1970 sorgte die Rock-Oper „Jesus Christ Superstar“ wegen ihrer Thematik für Aufsehen. Im Mittelpunkt steht die konflikt- und spannungsreiche Beziehung zwischen Jesus und seinem ursprünglich treuen Freund und Jünger Judas, der zum Verräter werden muss.

Patrick Stanke (Jesus von Nazareth), Femke Soetenga (Maria Magdalena)


Patrick Stanke (Jesus von Nazareth), Mischa Mang (Judas Iskariot)

Die katholische Kirche hat die Gleichsetzung von Maria Magdalena mit der namenlosen Sünderin, die Jesus die Füße salbte, und mit Maria von Bethanien 1969 offiziell für irrig erklärt. Die orthodoxen Kirchenväter und die protestantische Tradition haben in Maria von Magdala, Maria von Bethanien und der Sünderin, die Jesus die Füße wäscht, immer drei verschiedene Personen gesehen. Dennoch stellt das Musical Maria Magdalena als Prostituierte dar, und trägt damit wesentlich dazu bei, dass dieses „Gerücht“ erhalten bleibt.

Patrick Stanke (Jesus von Nazareth), Femke Soetenga (Maria Magdalena), Ensemble


Tom Tucker (Kaiphas)

Vor nicht einmal 10 Jahren stand „Jesus Christ Superstar“ auf dem Spielplan der FreilichtSpiele Tecklenburg, Alex Melcher (2001) bzw. Kristian Vetter (2002) verkörperten die Figur des Judas Iskariot, Sascha Th. G. Krebs spielte in beiden Jahren Jesus von Nazareth. Bei der Pfingstgala „Musical meets Pop“ hatte Intendant Radulf Beuleke für die aktuelle Spielzeit eine moderne, zeitgemäße Fassung des Klassikers angekündigt. „Jesus Christ Superstar“ geht immer, kommt auch immer beim Publikum an, und gemessen an den Zuschauerzahlen und -reaktionen ist dies auch in diesem Jahr in Tecklenburg der Fall. Allerdings war man in einem Punkt nicht konsequent genug. Es gibt nämlich 20 Aufführungen von „Crazy for you“, und nur an 18 Terminen steht „Jesus Christ Superstar“ auf dem Spielplan. Doch was ist eine „moderne Fassung“ von „Jesus Christ Superstar“? Gemessen an „Modernem Regietheater“ ist die Aufführung in Tecklenburg erfreulich konventionell, spielt tatsächlich in der Antike, das ein oder andere Detail kommt einem aus anderen Inszenierungen bekannt vor, beispielsweise die Dämonen beim Tod des Judas. Schon Bestseller-Autor Dan Brown hat in seinem Roman „The Da Vinci Code“ behauptet, Leonardo da Vinci habe auf seinem Gemälde „Das Abendmahl“ Maria Magdalena als Jesu Frau an seiner Seite gemalt. Aber Regisseur Marc Clear hat durchaus neue Ideen in die Inszenierung eingebracht, beispielsweise einen kleinen Jungen, der als erstes die Bühne betritt, im Laufe der Geschichte immer wieder auftaucht, und nach zwei Stunden Aufführungsdauer (inkl. 20 Minuten Pause) am Ende als Einziger im Scheinwerferlicht zu sehen ist. Die Bedeutung dieser Figur ist aber nicht zwingend vorgegeben, das Publikum soll zum Nachdenken angeregt werden.

Marc Clear (Pontius Pilatus)


Patrick Stanke (Jesus von Nazareth), Ensemble

Bei der Besetzung setzen die FreilichtSpiele teilweise auf „bewärtes“ Tecklenburg-Personal: Patrick Stanke verkörpert die Figur des Jesus von Nazareth, er ist mit dieser Rolle durch die Aufführungen am Staatstheater Kassel und an der Oper Magdeburg bereits vertraut und verleiht der von menschlichen Schwächen gezeichneten Figur das nötige Charisma, sein Gebet im Garten Getsemani überzeugt voll und ganz. Ihm zur Seite – auch im übertragenen Sinn – steht Femke Soetenga, die im vergangenen Jahr als Milady de Winter in Marc Clears Inszenierung der „3 Musketiere“ zu sehen war und der Prostituierten Maria Magdalena ein warmherziges, ausdrucksstarkes Rollenportrait verleiht. Mischa Mang als Gegenspieler Jesu Judas Iskariot … hat mich im Vergleich zu anderen bekannten Darstellern, die ich in dieser Rolle bereits erlebt habe, nicht restlos überzeugt. Wobei ich keine konkreten gravierenden Schwächen benennen kann, möglicherweise also ein Problem meiner Erwartungshaltung. Tom Tucker ist die Rolle des Hohepriesters Kajaphas aus zahlreichen seiner Engagements bekannt, u. a. der US National Tour, den Bad Hersfelder Festspielen und dem Musical Sommer Amstetten, durch seinen Bass-Bariton bekommt die Figur etwas bedrohliches. Regisseur Marc Clear steht als Präfekt Pontius Pilatus auch selbst auf der Bühne, gibt sich gegenüber Jesus zunächst sebstbewusst, droht aber an der ihm von der aufgebrachten Menge abverlangten Entscheidung, Jesus zum Tod am Kreuz zu verurteilen, beinahe zu scheitern. Wer wäre in Tecklenburg für die Rolle des König Herodes besser geeignet als Adrian Becker, der als „Tunte“ in seiner revueähnlichen Selbstinszenierung mit seinem Hofstaat einen flotten Charleston aufs Parkett legt (Choreografie: Doris Marlis). Das Volk … hier können die FreilichtSpiele wie immer aus dem Vollen schöpfen. Das macht Massenszenen wie die Vertreibung der Händler aus dem Tempel oder die Heilung der Aussätzigen zu einem besonderen Erlebnis. Problematisch wird die Sache erst, wenn die Massen in einer Choreografie wie angewurzelt auf der Bühne stehen und den Tänzern lediglich zuschauen.

Femke Soetenga (Maria Magdalena)


Femke Soetenga (Maria Magdalena), Patrick Stanke (Jesus von Nazareth)

Die Gewänder (Kostüme: Karin Alberti) sind der heutigen Vorstellung vom Leben in der Antike angepasst, das Bühnenbild (Susanna Buller) ist zweckdienlich ausgefallen. Auf der musikalischen Seite kann das 25-köpfige Orchester unter der Musikalischen Leitung von Klaus Hillebrecht punkten, die Arrangements hätten aber durchaus rockiger ausfallen dürfen. Die Gesangsstimmen sind im Vergleich zum Orchester teilweise zu leise abgemischt, so dass die deutschen Texte mitunter nicht vollständig zu verstehen sind.

Frank Winkels (Petrus)


Adrian Becker (Herodes)

Trotz usseligem (bezeichnet im Ruhrgebiet und Rheinland nasskaltes, unangenehmes Wetter) Wetter war die besuchte Vorstellung gut verkauft, lediglich die nicht überdachten Randbereiche der Tribüne waren leer geblieben. Damit kann „Jesus Christ Superstar“ durchaus an die erfolgreichen Aufführungen der vergangenen Jahre anknüpfen, das Stück hat es auf jeden Fall verdient.

Thomas Hohler (Simon Zelotes)


Mischa Mang (Judas Iskariot)


Patrick Stanke (Jesus von Nazareth)


Der kleine Junge

Haben Sie selbst „Jesus Christ Superstar“ in Tecklenburg gesehen? Wie hat Ihnen die Vorstellung gefallen?

Samstag, 30. Juli 2011

Historisches Wochenende auf der Hespertalbahn

Nostalgie auf der ganzen Linie

P 8 der Preußischen Staatseisenbahnen 38 2267

An diesem Wochenende veranstaltet der Verein Hespertalbahn e. V. erstmals das „Historische Wochenende“ auf der Hespertalbahn. Zwischen den Bahnhöfen Kupferdreh, Zementfabrik und Haus Scheppen verkehren zwei Museumszüge im 40 Minuten Takt, dafür kommen vier Lokomotiven zum Einsatz. Dies sind zum einen die 1961 von der Fried. Krupp AG gebaute Nassdampf-Tenderlokomotive, Typ „Knapsack“, Fabriknummer 3435, sowie die von den Henschel-Werken 1961 gebaute standardisierte Werksbahn-Diesellokomotive DH 360 Ca, Fabriknummer 30321. Außerdem ist vom Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen eine Diesellomotive der DB-Baureihe V 100, 212 007-9 zur Verfügung gestellt worden, und als besonderes Highlight die 1918 von den Henschel-Werken gebaute Personenzug-Dampflokomotive der Gattung P 8 der Preußischen Staatseisenbahnen, 38 2267.

P 8 der Preußischen Staatseisenbahnen 38 2267

P 8 der Preußischen Staatseisenbahnen 38 2267

P 8 der Preußischen Staatseisenbahnen 38 2267

Zusätzlich ist ein kostenloser Pendelverkehr zwischen den Bahnhöfen Kupferdreh und Zementfabrik eingerichtet worden. In Kuperdreh und Haus Scheppen können sich die Besucher mit Speisen und Getränken versorgen, an der Zementfabrik informiert der Verein Hespertalbahn e. V. über den Bau des neuen Lokschuppens, der im Frühjahr 2012 in Sichtweite des Alten Bahnhfos Kupferdreh beginnen soll und zukünftig dafür sorgen wird, dass die historischen Fahrzeuge nicht mehr ungeschützt der Witterung ausgesetzt werden und auch Restaurierungs- und Instandhaltungsarbeiten an den Fahrzeugen unabhängig vom Wetter möglich sind.

Krupp Nassdampf-Tenderlokomotive, Typ „Knapsack“

Krupp Nassdampf-Tenderlokomotive, Typ „Knapsack“

Henschel Werksbahn-Diesellokomotive, Typ DH 360 Ca, Fabriknummer 30321

DB-Baureihe V 100, 212 007-9

Hansa-Lloyd Elektro-Lastwagen CL5, Baujahr 1923

Am Alten Bahnhof Kupferdreh sind einige wenige historische Straßen- und Arbeitsfahrzeuge des Mobilen Fahrzeugmuseums Sittensen zu sehen, u. a. ein im Oktober 1968 von Krupp gefertigter KF 980 (KF: „Kipper, Frontlenker“), ein 1930 von Büssing gebauter FD 6 mit Möbelwagenaufbau und ein 1923 von der Hansa-Lloyd Werke AG Bremen gefertigter Elektro-Lastwagen CL5.

Hansa-Lloyd Elektro-Lastwagen CL5, Baujahr 1923

Krupp KF 980, Baujahr 10/1968

Mercedes-Benz W 120 (180 D), Baujahr 1957

Sportlich kann man sich auf dem Parklatz am Alten Bahnhof Kuperdreh betätigen, Bungee-Trampolin und Kletterwand werden von kleinen und großen Sportlern genutzt, Zielgruppe für Kicker und Torwandschießen sind jedoch eher Kinder.

Bungee-Trampolin

„Karlo“ an der Kletterwand

Auch am Sonntag fahren die Museumszüge von 10 bis 18 Uhr zwischen Altem Bahnhof Kuperdreh und Haus Scheppen. Die Dampflokomotive P 8 ist allerdings am Samstagnachmittag bereits mit einem Defekt ausgefallen und wird daher womöglich am Sonntag nicht auf der Strecke Kupferdreh – Haus Scheppen zum Einsatz kommen. Das ist aber nur meine Vermutung, vielleicht wird sie ja auch über Nacht bereits wieder instandgesetzt.


Sonntag, 31. Juli 2011

P 8 der Preußischen Staatseisenbahnen 38 2267

Inzwischen hatte sich herausgestellt, dass die Preußische P 8 zwar nicht schwer beschädigt wurde, aber einfach nicht für die engen Kurven auf der Hespertalbahn geeignet ist, weshalb diese am Sonntag auch nur am Bahnhof „Zementfabrik“ auf dem Ausweichgleis jeweils gefühlte 10 Meter vor und wieder zurück bewegt wurde. Ursprünglich sollte die P 8 die Attraktion des ersten Historischen Wochenendes auf der Hespertalbahn sein, von daher hätte man diesen Punkt aus meiner Sicht vorab klären sollen.

P 8 der Preußischen Staatseisenbahnen 38 2267 und Henschel Werksbahn-Diesellokomotive, Typ DH 240 B, Fabriknummer 29201

P 8 der Preußischen Staatseisenbahnen 38 2267

Krupp Nassdampf-Tenderlokomotive, Typ „Knapsack“ und P 8 der Preußischen Staatseisenbahnen 38 2267

Krupp Nassdampf-Tenderlokomotive, Typ „Knapsack“

DB-Baureihe V 100, 212 007-9

Henschel Werksbahn-Diesellokomotive, Typ DH 360 Ca, Fabriknummer 30321

Henschel Dampflok „Pörtingsiepen VII“, Typ „Bismarck“, Fabriknummer 20143, abgestellt, Aufarbeitung nicht mehr geplant

„Karlo“ übt kickern

Erkens Büssing, Typ FD 6, Baujahr 1930

Am Sonntag hatte sich auch der Besitzer eines Mercedes-Benz 1113 LAF 322 mit seinem Fahrzeug am Alten Bahnhof Kupferdreh eingefunden. Bei dem 1963 gebauten Fahrzeug mit Allradantrieb handelt es sich ursprünglich um einen Feuerwehrwagen, der aber für die Aktion „Der gute Nachbar“ als „Nachbarschaftsmobil“ umgerüstet wurde und nun komplett im weißen Look zum Einsatz kommt.

Mercedes-Benz 1113 LAF 322, Baujahr 1963

Opel Blitz

Hansa-Lloyd Elektro-Lastwagen CL5, Baujahr 1923

Krupp KF 980, Baujahr 10/1968

O&K Rangierlokomotive, Typ MV9, Fabriknummer 25710

P 8 der Preußischen Staatseisenbahnen 38 2267

Museumszug auf dem „Heimweg“ nach Bochum-Dahlhausen

Museumszug auf dem „Heimweg“ nach Bochum-Dahlhausen

Freitag, 29. Juli 2011

Schlossparkfest Borbeck

Feuerwerk über Schloss Borbeck

Schloss Borbeck

Im vergangenen Jahr hatte man im Hinblick auf die Tragödie bei der Loveparade in Duisburg auf das Feuerwerk beim Schlossparkfest in Essen-Borbeck verzichtet. Aber bei der 28. Auflage des Schlossparkfests in diesem Jahr ist wieder Normalität eingekehrt, und daher gab es am Eröffnungsabend auch wieder das gewohnte Fuerwerk, welches vom Schlosspark aus zu bewundern war.

Feuerwerk über Schloss Borbeck


Feuerwerk über Schloss Borbeck


Feuerwerk über Schloss Borbeck