Donnerstag, 2. Juni 2011

Zukunftsstandort PHOENIX in Dortmund

Der ehemalige Hörder Bergwerks- und Hütten-Verein

Die Hörder Burg

Was macht man(n) an Vatertag? Eine so genannte Herrenpartie, also meist eine Wanderung, bei der dem Alkohol über die Maßen zugesprochen wird. Um die Getränke besser transportieren zu können, werden diese häufig in einem Bollerwagen mitgeführt. So weit, so gut. Wenn man nun aber ein entfernteres Ziel mit dem Auto ansteuert, lässt man tunlichst die Finger von alkoholischen Getränken, und in dem Fall ist ein Bollerwagen nur unnötiger Ballast.

PHOENIX See

Daher habe ich mich auf einen Ausflug zum und eine Wanderung um den neu geschaffenen PHOENIX See beschränkt – ohne Bollerwagen. Auf dem Gelände des seit Oktober 2010 aufgestauten PHOENIX Sees befand sich früher das Stahl- und Eisenwerk Hermannshütte. Diese wiederum wurde 1852 zum zentralen Bestandteil des Hörder Bergwerks- und Hütten-Vereins. Ein Thomas-Konverter mit einer Höhe von 7 Metern und einem Gewicht von 64 Tonnen erinnert noch heute an das ehemalige Stahlwerksareal Phoenix-Ost.

Thomas-Konverter

Der See mit einer Fläche von 24 Hektar und einem Fassungsvermögen von 600.000 m³ und das umliegende Gelände soll ein Wohn- und Naherholungsgebiet werden, geplant ist eine Wohnbebauung mit etwa 1.000 Einheiten, wobei ein individueller Wohnstil umgesetzt werden darf, aber Gestaltleitlinien sollen für ein abgestimmtes Gesamtbild sorgen. Mit der Fertigstellung der gesamten Wohnbebauung soll jedoch nicht vor 2015 zu rechnen sein. Bisher sind erst einige Baukräne zu sehen. Dafür war es selbst bei strahlendem Sonnenschein nicht zu überlaufen, Fußgänger, Jogger und paar vereinzelte Fahrradfahrer kommen sich bisher überhaupt nicht in die Quere.

PHOENIX See


Die Hörder Burg

Wo es ein Stahlwerksareal Phoenix-Ost gibt, wird es wohl auch Phoenix-West geben. Richtig, hier erhielt der Hörder Bergwerks- und Hütten-Verein 1853 die Genehmigung zur Errichtung einer Hochofenanlage, 1854 fand der erste Hochofenabstich statt. Die Anlage bestand zunächst aus vier Kokshochöfen, und wurde später auf sechs Hochöfen erweitert.

Industrieruine Hochofenanlage Phoenix-West

Der ehemalige Hörder Bergwerks- und Hütten-Verein fiel 1992 an den Krupp-Konzern, und mit der Fusion von Thyssen und Krupp zur ThyssenKrupp AG entschied man sich, den Stahlstandort Dortmund zugunsten Duisburg aufzugeben. Die Hochofenanlage Phoenix-West wurde 1998 stillgelegt, die Hermannshütte folgte 2001.

Kühltürme und Hoesch-Gasometer

Heute wird das Gelände von dem sanierten Hochofen 5, dem komplett entkernten Hochofen 6 und dem Hoesch-Gasometer für Gichtgas dominiert. Daneben sind eine Reihe von Gebäuden wie die Gießhalle, die Gasgebläsehallen I und II und das ehemalige Schalthaus 101 erhalten. Die Anlagen und Gebäude stehen teilweise unter Denkmalschutz. Der von der Dortmunder Künstlerin Friedel Dornberg (1910 – 1989) im Jahr 1953 geschaffene „Hüttenmann“ mit seinem hochgeklappten Hitzeschutzschild am Helm und langer Lederschürze wurde im Mai 2009 am Phoenixplatz aufgestellt.

„Hüttenmann“ von Friedel Dornberg vor der Industrieruine Hochofenanlage Phoenix-West

Seit der Schließung der Hochofenanlage kamen Tausende von Besuchern insbesondere bei besonderen Veranstaltungen wie der ExtraSchicht oder dem DEW Open Air Kino in die einst „verbotene Stadt“. Die frühere Gasgebläsehalle I – heute Phoenix-Halle – hat sich als Veranstaltungs- und Kunstausstellungsraum etabliert.

Industrieruine Hochofenanalge Phoenix-West

Phoenix-West soll als Standort der Mikro-/Nanotechnologie, der Produktionstechnologie und der Informationstechnologie und zugleich als Dienstleistungsstandort entwickelt werden. Als zukunftsweisend wird vom Projektträger die MST.factory dortmund als regionales Kompetenzzentrum für Mikro- und Nanotechnologie ins Feld geführt.

Ehemaliges Schalthaus 101

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