Samstag, 25. Juni 2011

„Slinky springs to fame“, Teil VII

Tobias Rehbergers Brückenskulptur über den Rhein-Herne-Kanal am Schloss Oberhausen

Hinweisschild am Nordufer des Rhein-Herne-Kanals

Als eines der letzten Kulturhaupstadtprojekte – neben „Tiger & Turtle – Magic Mountain“ auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe im Duisburger Angerpark, der Erweiterung des MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst am Duisburger Innenhafen oder dem Landesarchiv im ehemaligen Getreidespeicher der Rheinisch-Westfälischen Speditions-Gesellschaft (RWSG) – wurde am Samstag, 25. Juni 2011 die Fußgänger- und Fahrradbrücke „Slinky springs to fame“ in Oberhausen offiziell eröffnet, die den Kaiserpark mit dem Volkspark auf der Emscher-Insel verbindet. Professor Tobias Rehberger (* 2. Juni 1966 in Esslingen) hatte in enger Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Schlaich, Bergermann und Partner aus Stuttgart die Planung für diese Brücke übernommen. Der Name ist an die 1943 von Richard Thompson James und seiner Frau Betty als Spielzeug erfundene Metallschraubenfeder Slinky® angelehnt, die 1945 in Gimbel´s Department Store in Philadelphia, Pennsylvania erstmals verkauft wurde. Das Spielzeug wurde am 21. August 1946 von Richard T. James unter dem Namen „Toy and process of use“ zum Patent angemeldet.

Schloss Oberhausen

Ein Spielzeug ist die begehbare Brückenskulptur ganz und gar nicht, „15 Monate reiner Bauzeit“ waren notwenig, sie zu errichten. So die offizielle Verlautbarung der Emschergenossenschaft als Bauherrin. Am 29. Mai 2010 wurde die EMSCHERKUNST.2010 eröffnet, folglich hätte man gut 13 Monate eher mit dem Bau der Brücke beginnen müssen, um sie rechtzeitig zum größten Kunstprojekt der Kulturhauptstadt fertigzustellen … oder zumindest 9 Monate, um sie bis zur Finissage der EMSCHERKUNST.2010 am 18. September 2010 fertigzustellen …

Dr. Jochen Stemplewski, Vorstandsvorsitzender der Wasserwirtschaftsverbände Emschergenossenschaft und Lippeverband

Bei so vielen Beteiligten war es gar nicht so einfach, einen gemeinsamen Termin für die Eröffnung zu finden, schließlich sollte auch ein Vertreter der Landesregierung daran teilnehmen, war das Projekt doch zu 80% gefördert worden. So hatte man sich auf den 25. Juni „geeinigt“, nicht ahnend, dass die Bundesdelegiertenkonferenz von „Bündnis 90/Die Grünen“ zum Atomausstieg die Anwesenheit von Johannes Remmel, Minister für Klimaschutz, Umweltschutz, Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, doch vereiteln würde.

Oberhausens Oberbürgermeister Klaus Wehling

Dort dürfte er zumindest im Trockenen gesessen haben, in Oberhausen war es den ganzen Tag kühl und regnerisch, was die Besucherzahlen bei der Eröffnung maßgeblich beeinflusst haben wird. Doch davon liess man sich die gute Laune nicht verderben.

Professor Tobias Rehberger und Dr. Jochen Stemplewski


Professor Tobias Rehberger, Mathias Nier vom Ingenieurbüro schlaich bergermann und partner und Dr. Jochen Stemplewski


Brückenrampe an der Nordseite des Rhein-Herne-Kanals


Dr. Jochen Stemplewski, Professor Tobias Rehberger und Klaus Wehling nach erfolgreicher Überquerung des Rhein-Herne-Kanals


„Auch ein schöner Rücken kann entzücken“: Prof. Dr. Florian Matzner, Dr. Jochen Stemplewski, Professor Tobias Rehberger, Dr. Martina Oldengott, Klaus Wehling und Udo Peters


Professor Tobias Rehberger und Dr. Jochen Stemplewski

Bei einer Führung über die Brücke erläuterten Prof. Dr. Florian Matzner, Kurator der EMSCHERKUNST, Professor Tobias Rehberger, Mathias Nier vom Ingenieurbüro schlaich bergermann und partner und Frau Dr. Martina Oldengott von der Emschergenossenschaft den interessierten Besuchern Details zur begehbaren Brückenskupltur.

Prof. Dr. Florian Matzner, Professor Tobias Rehberger und Dr. Martina Oldengott

Im Vorfeld hat sich sicherlich jeder gefragt, wie stark die Spannbandkonstruktion über dem Rhein-Herne-Kanal denn wohl schwingt. Die Frage lässt sich nach der Begehung auch nicht so einfach beantworten. Sie schwingt immerhin so stark, dass es kleinen Kindern teilweise Angst macht, großen „Kindern“ schwingt sie gar nicht stark genug, durch Hüpfen oder Wippen wid versucht, die Kosinus Hyperbolicus-förmige Katenoide aufzuschaukeln, was nicht ganz einfach ist, da man hierfür die Resonanzfrequenz treffen müsste. Gefühlsmäßig schwingt die so genannte Erzbahnschwinge an der Jahrhunderhalle in Bochum stärker, die ebenfalls vom Ingenieurbüro schlaich bergermann und partner konstruiert wurde.

Spannbandkonstruktion über dem Rhein-Herne-Kanal


Spannbandkonstruktion über dem Rhein-Herne-Kanal


Brückenrampe an der Nordseite des Rhein-Herne-Kanals

Die Ingenieurkammer-Bau Nordrhein-Westfalen bot für geschickte Brückenbaumeister einen Brückenbauwettbewerb an, bei dem nach einem Entwurf von Leonardo da Vinci (* 15. April 1452 in Anchiano bei Vinci, † 2. Mai 1519 in Amboise) aus Holzleisten ohne Verbindungsmittel eine Brücke errichtet werden musste. Leonardo da Vinci hatte die Brücke vor über 500 Jahren konstruiert, eine Zeichnung davon befindet sich im „Codex Atlanticus“. Er hat für die Konstruktion das Prinzip des Flechtens auf starre Hölzer übertragen.

Brückenbauwettbewerb „Leonardo-Brücke“

Für musikalische Unterhaltung sorgte auf der Nordseite des Rhein-Herne-Kanals die Marching Band „Volle Kanne“, auf der Südseite spielte das „Duo Tangondo“ (Thomas Hanz, Gitarre, und Jörg Siebenhaar, Akkordeon).

Marching Band „Volle Kanne“

Um 22.30 Uhr wurde die Beleuchtung der Brücke eingeschaltet, was jedoch für die so genannte Available Light-Fotografie viel zu spät war. Dabei gelingen die interessantesten Aufnahmen in der „blauen Stunde“, in der der tiefblaue Himmel in etwa dieselbe Helligkeit besitzt wie das künstliche Licht von Gebäude- und Straßenbeleuchtungen. Gegen 22.30 Uhr herrschte jedoch eher „rabenschwarze Nacht“.

Brückenrampe an der Nordseite des Rhein-Herne-Kanals


Brückenrampe an der Nordseite des Rhein-Herne-Kanals


Brückenrampe an der Südseite des Rhein-Herne-Kanals


Detail der Brückenbeleuchtung


Brückenrampe an der Südseite des Rhein-Herne-Kanals


Brückenrampe an der Südseite des Rhein-Herne-Kanals


Sonntag, 26. Juni 2011

Wann wird´s mal wieder richtig Sommer

Nachdem die Eröffnung der begehbaren Brückenskulptur buchstäblich ins Wasser gefallen war, ließ bereits einen Tag später die Sonne wieder blicken. Da konnte man aus 117 Metern Höhe vom Dach des Gasometers Oberhausen schön sehen, wie klein und unscheinbar die Brücke doch aus größerer Entfernung wirkt.

Blick vom Dach des Gasometers Oberhausen


„Slinky springs to fame“ über dem Rhein-Herne-Kanal

Die ersten Bewohner haben sich auch schon an der Brücke niedergelassen und bauen dort ihr Nest.

Im Kaiserpark

Fußgänger und Fahrradfahrer nutzen die neue Brücke bereits ausgiebig.

Brückenrampe an der Nordseite des Rhein-Herne-Kanals


Spannbandkonstruktion über dem Rhein-Herne-Kanal

Die abendliche Beleuchtung der Brücke geschieht über in die Spirale und einen Handlauf der Brücke eingelassene LEDs. Diese haben einen geringen Stromverbrauch und obendrein eine lange Lebensdauer. Bei einer mittleren Betriebsdauer von 10 Stunden am Tag sollten diese viele Jahre überdauern, bevor sie ausgetauscht werden müssen.

Beleuchtung in der Spirale


Beleuchtung im Handlauf

Am Abend hatte sich eine ganze Reihe von Fotografen eingefunden, die die beleuchtete Brücke erstmals bei klarem Himmel ablichten wollten. Und nun mag jeder selbst entscheiden, welche Lichtstimmung besser gefällt, „rabenschwarze Nacht“ oder „blaue Stunde“.

Sterkrader-Straße-Brücke und Gasometer Oberhausen


Spannbandkonstruktion über dem Rhein-Herne-Kanal


Brückenrampe an der Südseite des Rhein-Herne-Kanals


„Slinky springs to fame“ über dem Rhein-Herne-Kanal und Brückenrampe an der Südseite des Kanals

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