Donnerstag, 16. Juni 2011

Krupp. Fotografien aus zwei Jahrhunderten

Ein Einblick in die fotografische Sammlung des Historischen Archivs Krupp

Krupp. Fotografien aus zwei Jahrhunderten

Am 20. November 1811 gründete Friedrich Krupp (* 17. Juli 1787 in Essen, † 8. Oktober 1826 in Essen) mit den Brüdern Georg Karl Gottfried und Wilhelm Georg Ludwig von Kechel die „Firma Friedrich Krupp zur Verfertigung des Englischen Gussstahls und aller daraus resultierenden Fabrikationen“. Dieses Datum jährt sich 2011 zum 200. Mal. Aus diesem Grund präsentiert die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung von 18. Juni bis 11. Dezember 2011 in der Villa Hügel in Essen die Sonderausstellung „Krupp. Fotografien aus zwei Jahrhunderten“ mit bedeutenden Fotografien der Krupp-Geschichte. Die Ausstellung wurde von Privatdozent Dr. Ralf Stremmel, Mag. Manuela Fellner-Feldhaus und Dr. Ute Kleinmann kuratiert, die Ausstellungsgestaltung hat Dr. Ulrich Hermanns Ausstellung Medien Transfer aus Münster übernommen. Die Ausstellung ist thematisch gegliedert und bietet einen Überblick über die Anfänge der Fotografie bis zur zeitgenössischen Fotokunst.

Krupp. Fotografien aus zwei Jahrhunderten

Alfred Krupp (* 26. April 1812 in Essen, † 12. Juli 1887 in Essen), den Friedrich als Vierzehnjährigen vom Gymnasium genommen und in die praktische Arbeit eingeführt hatte, übernahm 1826 die väterliche Fabrik. Zu den ältesten Exponaten der Ausstellung in der Abteilung „Schatzkammer – Anfänge der Fotografie“ gehören zwei um 1849 aufgenommene Daguerreotypien von Alfred Krupp von den Fotografen Johann Jacob Burbach aus Köln und Wilhelm Severin aus Düsseldorf. Sie gehören weltweit zu den ersten fotografischen Zeugnissen aus der Stahlindustrie. Louis Jacques Mandé Daguerre (* 18. November 1787 in Cormeilles-en-Parisis, † 10. Juli 1851 in Bry-sur-Marne) war der Erfinder des ersten vermarktbaren fotografischen Verfahrens, der Daguerreotypie.

Wilhelm Severin: Alfred Krupp, um 1849 (Daguerreotypie)

Alfred Krupp war nicht nur ein erfolgreicher Unternehmer, er baute die Gussstahlfabrik zum damals größten Industrieunternehmen Europas aus, sondern er war auch ein Pionier in Sachen Fotografie. Bereits 1861 gründete er eine „Photographische Anstalt“ und ließ den technischen Zeichner Hugo van Werden (1836 – 1911) zum Fotografen ausbilden. Als einer der ersten erkannte Alfred Krupp den Wert und Nutzen der Fotografie und setzte sie konsequent zur Dokumentation, zur Öffentlichkeitsarbeit und zur wissenschaftlichen Forschung ein.

Plaubel Peco 18/18, Großformatkamera mit Stativ, frühe 1970er Jahre, vor Kontaktbögen, Werksfotografie 1950 – 1970, Reproduktionen

Bereits 1905 wurde das erste Unternehmensarchiv in Deutschland gegründet, zur Vorbereitung des 100-jährigen Jubiläums der Firma Fried. Krupp rief das Unternehmen eine „Geschichtliche Abteilung“ ins Leben, aus der später gemeinsam mit dem von Margarethe Krupp initiierten Familienarchiv das heutige Historische Archiv Krupp hervorging. Es befindet sich im Eigentum der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung und bewahrt mehr als zwei Millionen Fotografien auf. Von keinem Unternehmen und keiner Industriellenfamilie sind wohl so viele Bilder erhalten. Insofern kann die Ausstellung „Krupp. Fotografien aus zwei Jahrhunderten“ in der Villa Hügel in Essen nur einen winzig kleinen Bruchteil dieses besonderen historischen Schatzes vorstellen.

Privatdozent Dr. Ralf Stremmel, Leiter Historisches Archiv Krupp, und Prof. Dr. h.c. mult. Berthold Beitz, Kuratoriumsvorsitzender der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung

Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählt ein elfteiliges, acht Meter langes und weltweit einzigartiges 360° Panorama der Essener Gussstahlfabrik aus dem Jahr 1867. Mehrere Zentner Fotoausrüstung waren für die Aufnahme auf den Turm der Kanonenfabrik I geschafft worden, der Wert der Gerätschaften lag bei etwa 1.400 Talern, das entspricht auch heute dem Wert einer professionellen Geräteausstattung eines Berufsfotografen. Die von der „Photographische Anstalt“ aufgenommenen Panoramen sollten die Leistungsfähigleit und ihre riesige Ausdehnung illustrieren.

Hugo van Werden (zugeschr.): Elfteilige Panoramafotografie der Gussstahlfabrik Fried. Krupp, Essen, 1867, Albuminpapier, 104 × 780 cm

Auch außerhalb von Essen besaß Krupp große Produktionsstätten, und ebenso wie das Stammwerk in Essen standen auch diese früh im Fokus der Fotografen. Die Fotografien dienten neben der internen Dokumentation auch zu Repräsentationszwecken, insbesondere als Material für Imagebroschüren, Firmenzeitschriften und Geschäftsberichte.

Einblicke. Orte der Produktion

Lange Zeit waren Fotografien eine der wenigen Möglichkeiten, sich ein Bild von der Welt zu machen. Die Familie Krupp bekam von Geschäftspartnern und Besuchern Fotoalben aus vielen Ländern geschenkt oder erwarb sie selbst auf Auslandsreisen. In extra für die Sonderausstellung geschaffenen Projektionen werden die Besucher nach Japan und China, Ägypten oder auch Kanada entführt.

Weltbilder. Faszination des Fremden

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach (* 13. August 1907 in Essen, † 30. Juli 1967 in Essen) ließ sich im Juli 1963 vom einflussreichsten, gefragtesten (und bestbezahlten) Porträtfotografen Arnold Newman (* 3. März 1918 in New York City, † 5. Juni 2006 in New York City) in der Lokomotivwerkstatt in Essen fotografieren, das Resultat entsprach allerdings überhaupt nicht seinen Erwartungen. Newman rückte ihn nämlich als wegen NS-Verbrechen verurteilten Industriemagnaten recht unvorteilhaft ins Licht. Dabei handelt es sich nicht um die in der Ausstellung gezeigte Aufnahme.

Arnold Newman: Alfried Krupp von Bohlen und Halbach in der Lokomotivwerkstatt, Essen, 1963, Abzug vom Repronegativ

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach war auch selbst begeisterter Fotoamateur. Zwischen 1956 und 1966 veröffentlichte er acht Privatdrucke mit Fotografien von seinen Reisen nach Südamerika, Asien, Australien, Neuseeland, Marokko und in die Türkei. Als vermögender Unternehmer konnte er Orte besuchen, die den meisten Touristen und Fotografen noch nicht zugänglich waren.

Hanns Hubmann: Alfried Krupp von Bohlen und Halbach mit seiner Leica M3, Essen, 1964

Die Ausstellung „Krupp. Fotografien aus zwei Jahrhunderten“ bietet neben einer Zeitreise in die Geschichte der Fotografie eine Entdeckungsreise in die Geschichte der Familie Krupp. Sie ist von 18. Juni bis 11. Dezember 2011 Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintrittpreis für die Villa Hügel beträgt 3 Euro, Kinder bis zum 14. Lebensjahr und Schulklassen in Lehrerbegleitung haben freien Eintritt. Im Eintrittspreis ist der Besuch der Fotografieausstellung, der „Historischen Ausstellung Krupp“ im so genannten Kleinen Haus und des Hügelparks enthalten. Zur Ausstellung „Krupp. Fotografien aus zwei Jahrhunderten“ ist ein Begleitbuch im Deutschen Kunstverlag erschienen, das einen Querschnitt der Sammlung vorstellt, der sowohl die Familie Krupp als auch das Unternehmen Fried. Krupp einbezieht.

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