Freitag, 3. Juni 2011

Kokerei Hansa

Industriedenkmal in Dortmund-Huckarde

Fensterfront mit Spiegelbild des Löschturms

Am 2. Juni 2011 veranstaltete die Stiftung Industrie­denk­mal­pflege und Geschichtskultur auf Kokerei Hansa den 9. Montantrödelmarkt, ein beinahe schon zum Kult gewordener besonderer Flohmarkt, bei dem Raritäten rund um Kohle, Koks, Eisen und Stahl ihren Besitzer wechseln. Bei freiem Eintritt war natürlich auch die denkmalgeschützte Kokerei Hansa einen Besuch wert. Schauplatz des Trödelmarkts waren die ehemalige Waschkaue und die Maschinenhalle mit fünf ursprünglich dampfgetriebenen Gaskompressoren.

Montantrödelmarkt in der Waschkaue

Die Kokerei Hansa ist Ankerpunkt auf der Route der Industriekultur und gehört zu vier weiteren Themenrouten: Dreiklang Kohle, Stahl und Bier, Westfälische Bergbauroute, Chemie, Glas und Energie sowie Industrienatur. Die Kokerei entstand in den Jahren 1927/28 nach Plänen des Architekten Helmuth von Stegemann und Stein als Zentralkokerei, die ihre Steinkohle aus den beachbarten Zechen bezog und Koks an das Hüttenwerk Dortmunder Union lieferte, später auch an das Hochofenwerk Phoenix-West.

Montantrödelmarkt in der Waschkaue

Die Kokerei Hansa erstreckt sich – wie auch die 1957 bis 1961 von Industriearchitekt Fritz Schupp gestaltete Kokerei Zollverein – entlang zweier Achsen, der so genannten „Schwarzen Straße“, die von Koks- und Kohlenstaub beherrscht wurde, und der „Weißen Straße“, an der sich die Gebäude und Anlagen zur Gewinnung der so genannten Nebenprodukte – Ammoniumsulfat, Schwefelsäue, Rohbenzol und Teer – befinden. Das hochwertige Kokereigas wurde von den bereits erwähnten dampfgetriebenen Gaskompressoren auf 7 bis 10 bar verdichtet und in der Ferngasnetz eingespeist.

Montantrödelmarkt in der Kompressorenhalle

Die fünf Zweizylinder-Verbunddampfmaschinen mit Gas-Großkompressoren der Firma DEMAG, Baujahr 1928/1939, waren bis zur Stillegung des Werks im Dezember 1992 in Betrieb. Um sich ein Bild von den Dimensionen zu machen: Die Schwungräder haben einen Durchmesser von 6 bzw. 7 Metern, die Länge der Maschinen beträgt etwa 15 Meter. Die Maschinen wurden restauriert und ein Kompressor mittels Druckluft wieder vorführbar gemacht.

Kompressorenhalle


Kompressorenhalle


Kompressorenhalle


Offener Kurbeltrieb einer Dampfmaschine mit Pleuel und gebrochenem Kreuzkopf


Kokerei Hansa

In den Ofenkammern einer Kokerei wird Steinkohle unter Luftabschluss auf Temperaturen von über 1.000 °C erhitzt und dabei zu Koks umgewandelt, der vornehmlich für die industrielle Erzeugung von Roheisen in Hochöfen benötigt wird. Ist der Verkokunsprozess abgeschlossen, so wird der glühende Koks von einer Druckmaschine aus der Ofenkammer gedrückt und fällt auf der gegenüberliegenden Seite in einen Löschwagen.

Druckmaschinengleis

Das Druckmaschinengleis ist heute mit Wasser gefüllt, und Frösche und Libellen fühlen sich hier offensichtlich sehr wohl.

Frosch

Damit der glühende Koks an der Luft nicht verbrennt und zu Asche zerfällt, wird er im Löschwagen unter einen Löschturm gefahren und dort mit Wasser abgekühlt. Dabei entsteht die für Kokereien charakteristische Wasserdampfwolke, die man beispielsweise an der noch in Betrieb befindlichen Kokerei Prosper in Bottrop regelmäßig aufsteigen sieht.

Löschturm


Kokerei Hansa

Aus dem bei der Verkokung enstehenden Gasgemisch wurden die bereits erwähnten Nebenprodukte gewonnen, die viele Jahrzehnte als wichtige Grundstoffe für die chemische Industrie dienten. In den Waschern wurde aus dem Gasgemisch Rohbenzol und Naphthalin ausgewaschen.

Benzol- und Naphthalinwascher

Und auch für Straßenbahnfans gab es etwas zu sehen, der Westfälische Almetalbahn e. V. befuhr mit dem Gelenktriebwagen 431 aus dem Jahr 1957 die Strecke vom Betriebshof Obernette zum Hansa-Brückenzug mit Halt an der Kokerei Hansa. Die ehemaligen Hoesch- und Zechengleise sind nicht elektrifiziert, der Gelenktriebwagen 431 wurde jedoch Anfang der 1980er Jahre vom Westfälische Almetalbahn e. V. für den Betrieb auf Eisenbahnstrecken umgebaut und führt eine Generatorlore mit.

Gelenktriebwagen 431

Keine Kommentare: