Sonntag, 19. Juni 2011

Jahrhunderthalle Bochum

„Tag der offenen Tür“ und Start in den „Fahrradsommer der Industriekultur“

Wasserhochbehälter an der Jahrhunderthalle

Am Sonntag, 19. Juni 2011 war es wieder soweit: Der Regionalverband Ruhr eröffnete den „Fahrradsommer der Industriekultur“ an der Jahrhunderthalle Bochum, und gleichzeitig bot die Bochumer Veranstaltungs-GmbH einen „Tag der offenen Tür“ an der Jahrhunderthalle an. Auf dem Programm standen
  • Fahrradmarkt und Radtouristik
  • Freestyle Mountainbike-Show
  • Versteigerung von Rädern
  • Aktionen rund ums Rad
  • Infostände Route Industriekultur
  • Führungen durch die Unterwelt der Jahrhunderthalle, den Westpark und den Kraftanlagenverbund
  • Kinderprogramm mit Clown Zimbo
  • Spielstraße mit Hüpfburg
  • Bühnenprogramm mit Live Musik („Friends of Dixieland“) und Talk
  • Essen und Trinken
  • und vieles mehr
So war es zumindest auf dem Veranstaltungsflyer zu lesen, den die Bochumer Veranstaltungs-GmbH (als Managerin der Jahrhunderthalle Bochum) und der Regionalverband Ruhr herausgegeben hatten. Wer konnte auch schon vorher ahnen, dass das Wetter so schlecht sein würde, dass man das Bühnenprogramm gleich komplett in das Foyer und die Halle selbst verlegt hat. Die Außenbühne und die Biertischgarnituren im Freien blieben jedenfalls leer, und viele Besucher waren wohl angesichts der Wetterverhältnisse gleich daheimgeblieben.

Da Führungen im Zusammenhang mit der Jahrhunderthalle nur im Rahmen des „Tages der offenen Tür“ problemlos zu bekommen sind, gehörten die angebotenen Führungen durch die Unterwelt der Jahrhunderthalle und den Kraftanlagenverbund natürlich zum Pflichtprogramm.

Führung durch die Unterwelt der Jahrhunderthalle

Untergeschoss der Jahrhunderthalle Bochum

War im vergangenen Jahr noch von Führungen durch die Katakomben die Rede, wollte man die Kellergewölbe dieses Jahr offensichtlich nicht mit unterirdischen Gewölbekomplexen in Verbindung bringen, die der Bestattung von Toten dienen. Und so hat man als neue Bezeichnung Unterwelt gewählt. Die Unterwelt der griechischen Mythologie – der Hades – darf aber von keinem Lebenden betreten und von keinem Toten verlassen werden.

Untergeschoss der Jahrhunderthalle Bochum

Übrigens war das Gelände des Bochumer Vereins 1903 schon komplett bebaut, so dass die Jahrhunderthalle über die bestehenden und für den Produktionsbetrieb notwendigen Gebäude errichtet wurde. Vom ehemaligen Geländeniveau aufsteigend gemauerte Ziegelpyramiden als Fundamente der Hallenträger können bei der Führung in Augenschein genommen werden.

Untergeschoss der Jahrhunderthalle Bochum

Die bei der Führung gezeigten Kellergänge und -gewölbe sind größtenteils mit farbigem Licht akzentuiert, so sieht es nur an einer Stelle aus wie auf einer „Schutthalde“.

Untergeschoss der Jahrhunderthalle Bochum


Untergeschoss der Jahrhunderthalle Bochum


Untergeschoss der Jahrhunderthalle Bochum

Ein weit verzweigtes unterirdisches System von Ver­sorgungs­schächten verband im Zuge der Unter­tage­ver­lagerung die verschiedenen Produktionsstätten. Im Untergrund des Bochumer Vereins soll bereits 1880 eine der unterirdischen Anlagen bestanden haben, die Förderstollen der Zeche Präsident verliefen in etwa 35 bis 45 m Tiefe direkt unter dem Bochumer Verein hindurch.

Untergeschoss der Jahrhunderthalle Bochum


Untergeschoss der Jahrhunderthalle Bochum

Die Jahrhunderthalle war 1902 als Ausstellungshalle des Bochumer Vereins auf der Industrie- und Gewerbeausstellung in Düsseldorf errichtet worden, die Außenfassade war in Form einer gotischen Kirche gestaltet und mit viel Stuck verkleidet. Beim Wiederaufbau der Halle in Bochum wurde auf die Verzierungen verzichtet, Reste davon sind jedoch erhalten.

ehemalige Stuck-Verzierung

Der Vollständigkeit halber sei hier ein Foto der Jahrhunderthalle in „Reinkultur“ gezeigt, schließlich bekommt man die Halle so fast nie zu sehen. Beim „Tag der offenen Tür“ waren in Vorbereitung zur Ruhrtriennale bereits die Zuschauertribünen im Innenraum aufgebaut.

Jahrhunderthalle Bochum


Führung durch den Kraftanlagenverbund

Dampfgebläsehalle neben aufgeständerten, unvermittelt endenden Resten von Rohrleitungsbündeln

In dem schmalen, knapp 20 Meter hoch aufragenden Backsteinbau der Dampfgebläsehalle von 1873 (erweitert 1882 und 1890) standen früher die vier aufrecht stehenden Dampfgebläsemaschinen zur Winderzeugung für die Hochöfen, heute ist davon nichts mehr zu sehen. Lediglich eine Kranbahn auf im Mauerwerk verankerten Holzbalken und der einzigartige, handbetriebene Brückenkran aus Holz ist noch erhalten.

Dampfgebläsehalle


Brückenkran in der Dampfgebläsehalle

Neben der Dampfgebläsehalle entstand 1895 eine Halle für liegende Dampfdynamomaschinen. Sie wurde bis 1922 mehrfach erweitert, später wurde hier auch Starkstrom zur Energieversorgung des Stahlwerks erzeugt. Die Halle beherbergt heute noch zwei historische Turbinen: eine Dampfturbine mit Drehstromgenerator der Firma Siemens aus dem Jahr 1938 mit einer Leistung von 20 MW, die andere Dampfturbine mit Drehstromgenerator der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG (M. A. N.) aus dem Jahre 1964 mit einer Leistung von 24 MW ist die jüngste der insgesamt sieben Turbinen, die in der Halle installiert waren.

Turbinenhalle


Turbinenhalle


Turbinenhalle

Die Jahrhunderthalle hat neben der Ruhrtriennale und anderen hochkaräten Veranstaltungen noch sehr viel mehr zu bieten. Warum der Gebäudekomplex außerhalb des „Tages der offenen Tür“ derartig unter Verschluss gehalten wird ist mir ein Rätsel. Früher war das Gelände des Bochumer Vereins eine „verbotene Stadt“, heute findet man die Gebäude noch immer zumeist verschlossen vor.

Und sonst

Das Bühnenprogramm mit Live Musik („Friends of Dixieland“) und Talk war – wie bereits erwähnt – in das Foyer und die Jahrhunderthalle verlegt worden, „Friends of Dixieland“ waren an unterschiedlichen Orten im Gebäude anzutreffen.

„Friends of Dixieland“


Clown Zimbo

Lediglich die Freestyle Mountainbike-Show konnte wegen der Aufbauarbeiten zur Ruhrtriennale nicht in die Jahrhunderthalle verlegt werden, was sonst überhaupt kein Problem gewesen wäre, schließlich wird „URBANATIX – Die Show“ auch regelmäßig in der Halle gezeigt.

Freestyle Mountainbike-Show

1 Kommentar:

Frierefritz hat gesagt…

Tolle Fotos! Durch die Katakomben der Jahrhunderthalle sind wir während einer Extraschicht gewandert. Ein größerer Einblick hätte uns schon interessiert, denn die Erzählungen haben uns neugierig gemacht.
Vielleicht magst du mal in unserem Forum vorbeischauen? Es ist grade im Wiederaufbau zwecks Freizeitgestaltung, aber auch Hobbies, z.B. Fotografie.
LG Frierefritz