Freitag, 3. Juni 2011

Gone to Croatan – Strategien des Verschwindens


„U-Turm Bilderuhr“ von Adolf Winkelmann

Am 3. Juni 2011 fand in der sechsten Etage des Dortmunder U die Ausstellungseröffnung von „Gone to Croatan – Strategien des Verschwindens“ statt, was ich zum Anlass genommen habe, dem denkmalgeschützten ehemaligen Gär- und Lagerhochhaus der Dortmunder Union-Brauerei erneut einen Besuch abzustatten.

„Kunstvertikale“ im Dormunder U

Vor Beginn der Vernissage war noch genügend Zeit, diesmal auch die 7. Etage, in der das Restaurant und Café VIEW untergebracht ist, zu besuchen. Der 15 Meter hohe Raum bietet einen Einblick in die Dachkrone mit der Unter­kon­struk­ti­on des Firmenzeichens der Union Brauerei auf dem Dach.

Dachkrone des Dortmunder U

Außerdem hat man aus den oberen Etagen einen herrlichen Blick auf die Dortmunder Innenstadt. Die Außenterrasse ist allerdings noch nicht zugänglich.

Blick Richtung Dortmunder Innenstadt

Weiterhin ist ein Besuch der Ausstellung des von der Fachhochschule Dortmund veranstalteten internationalen Gestaltungswettbewerbs FOCUS Award in der ersten Etage empfehlenswert, zumal die neun besten Einreichungen des in diesem Jahr unter dem Thema „Weltenmacher“ stehenden Wettbewerbs ständig bei freiem Eintritt zu sehen sind.

FOCUS Award 2011: „Weltenmacher“

Aus über 165 internationalen Einreichungen wählte die aus namhaften Vertretern der Kunst- und Designszene bestehende Jury die drei mit einem Preisgeld prämierten Siegerarbeiten aus. Insgesamt wählte die Jury neun Arbeiten aus, die noch bis zum 12. Juni 2011 im Dortmunder U gezeigt werden. Die Siegerarbeiten zeichnen sich nach dem Urteil der Jury besonders durch Kreativität sowie den ungewöhnlichen und kritischen Umgang mit dem diesjährigen Thema „Weltenmacher“ aus.

Ein Preisgeld in Höhe von 500 € für den dritten Platz erhielt Dipl. Grafikdesignerin Katrin Rodegast für ihren 200 × 250 cm² großen handgemachten zeitgenössischen Wandquilt „Soft Cover“, der aus bedruckter Baumwolle, aufgenähten Applikationen und Vliesfüllung besteht. Das Thema des Wandquilts ist die soziale Realität um die Künstlerin herum, mit den illustrierten Motiven gibt „Soft Cover“ wieder, was Katrin Rodegast während der Herstellung bewegte.

„Soft Cover“ von Katrin Rodegast

Für die grafische Umsetzung der Grundsatzfrage „What Graphic Designers Do“ erhielt Dipl. Grafikdesigner Sebastian Klebe als Zweitplatzierter ein Preisgeld in Höhe von 1.500 €. Die Plakat-Serie soll dazu auffordern, die Inhalte von Auftragsarbeiten kritisch zu reflektieren.

„What Graphic Designers Do“ von Sebastian Klebe

Das Preisgeld in Höhe von 3.000 € für den ersten Platz erhielt Kommunikationsdesignerin Denise Faust für ihre typografische Schatteninstallation „Nachtgefüster“. Die abstrakten Formen ergeben bei Tag keinen Sinn, erst im Dunkeln werfen sie im Licht der Laternen einen Schatten auf den Asphalt und werden zu Botschaften im öffentlichen Raum.

„Nachtgefüster“ von Denise Faust


Ausstellungseröffnung „Gone to Croatan“

Mit der Ausstellung „Gone to Croatan – Strategien des Verschwindens“ bespielt der Hartware MedienKunstVerein (HMKV) erstmals die sechste Wechselausstellungsetage des Dortmunder U. Als Austausch für die Anfang 2010 in Torun gezeigte HMKV-Ausstellung „Wach sind nur die Geister“ – Über Gespenster und ihre Medien (2009-2010) zeigt der Hartware MedienKunstVerein bis zum 14. August 2011 die von Robert Rumas and Daniel Muzyczuk kuratierte Ausstellung „Gone to Croatan“, die Ende 2009 im Centre of Contemporary Art „Znaki Czasu“ in Torun realisiert wurde. Am Eröffnungs­wochen­ende können beide Ausstellungen des HMKV im Dortmunder U – sowohl letztmalig „Traum einer Ausstellung“ von Barbara Breitenfellner in der dritten Etage als auch „Gone to Croatan“ in der sechsten Etage – von Freitag 18.00 Uhr bis Sonntag 18.00 Uhr bei freiem Eintritt besucht werden.

Bas Jan Ader – Nightfall, 1970 / Fischli & Weiss –
Der rechte Weg (The Right Way),
Photo Wojciech Olech,
Courtesy of Centre of Contemporary Art (CoCA) in Torun


Im Zusammenhang mit teilweise wahren, mysteriösen und erstaunlichen Geschichten laden über 30 künstlerische Positionen den Ausstellungsbesucher zu einer Spurensuche und Auseinandersetzung mit dem Thema Verschwinden als individuelles, gesellschaftliches wie politisches Phänomen ein. Der Ausstellungstitel nimmt Bezug auf eine geheimnisvolle historische Nachricht: Die ersten europäischen Siedler in der Neuen Welt verschwanden auf mysteriöse Weise und hinterließen ihre Siedlungen sowie eine Notiz mit den Worten „Gone to Croatan“ („Sind bei den Croatan“). Die Croatan waren ein indianisches Volk, das in der Nähe der Siedlung lebte. Diese Indianer sollen die Siedler umgebracht haben. Jedoch suggerieren Aufzeichnungen über grünäugige Indianer einen anderen Verlauf der Dinge. Eine dritte Hypothese lautet, dass die Siedler in eine andere Dimension gereist sein sollen.

Fischli & Weiss – Der Geringste Widerstand
(The Least Resistance), 1981,
Copyright: Peter Fischli & David Weiss, Zürich /
Courtesy Sprüth Magers Berlin London;
Matthew Marks Gallery New York, Galerie Eva Presenhuber, Zürich


Zur Ausstellungseröffnung sprachen Dr. Andreas Broeckmann (Gründungsdirektor Dortmunder U), der auf die erstmalige Nutzung der sechste Etage und eine Reihe erfolgreicher Eröffnung im Dortmunder U verwies, und Peter Landmann (Leiter der Kulturabteilung im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen), der sich aufgrund der herausragenden Stellung Nordrhein-Westfalens in der Medienkunst das Dortmunder U als Kompetenzzentrum für Medienkunst vorstellen kann. Weiterhin umriss Dr. Inke Arns (künstlerische Leiterin HMKV) kurz den Bezug von „Gone to Croatan“ zur Ausstellung vom Verschwinden. Über Weltverluste und Weltfluchten, die der HMKV 2005 in der PHOENIX Halle realisiert hat, und die beiden Kuratoren der Ausstellung, Robert Rumas (Gdanski) und Daniel Muzyczuk (Torun), bedankten sich bei den Künstlern und in erster Linie beim gesamten Team des HMKV für die gute Zusammenarbeit.

Adam Witkowski – For Magritte, 2005,
Courtesy of Adam Witkowski


Keine Kommentare: