Dienstag, 10. Mai 2011

Schachtanlage Prosper II

Besichtigung des Tagesbetriebes

Die Schachtanlage Prosper II gehört seit 1974 zum Verbundbergwerk Prosper-Haniel. Es handelt sich um ein aktives Steinkohlen-Bergwerk in Bottrop, der Tagesbetrieb auf Prosper II kann jeden 1. und 3. Donnerstag im Monat besichtigt werden. Wer kein Museum besuchen möchte, sondern ein modernes, leistungsfähiges Bergwerk, der ist hier genau richtig. 4.507 Beschäftigte fördern im Verbundbergwerk Prosper-Haniel im Jahr rund 3,2 Millionen Tonnen Kohle (Stand: 31.12.2009), die hauptsächlich zur Stromerzeugung eingesetzt wird.

Malakoffturm mit eingezogenem Koepe-Strebengerüst

Nachdem am 3. November 1986 der so genannte „Förderberg“ in Betrieb genommen wurde, wurde die Schachtanlage Prosper II 1987 abgeworfen und verfüllt, die Förderanlage Schacht 2 blieb aber komplett als Industriedenkmal erhalten. Der Turm wurde unter Federführung der Historischen Gesellschaft Bottrop e. V. saniert und ist seit April 2004 für die Öffentlichkeit zugänglich.

Malakoffturm mit eingezogenem Koepe-Strebengerüst


Malakoffturm, Innenansicht mit eingezogenem Stahlgerüst

Der Bottroper Sportbund betreibt im Malakoffturm eine Kletteranlage, in der Gruppen von erfahrenen Übungsleitern betreut werden (müssen).

Kletterwand im Malakoffturm

In der Maschinenhalle tritt der „Förderberg“ zu Tage. Dabei handelt es sich um eine geneigte Strecke, auf der die Rohkohle um 783 Meter in die Höhe befördert wird. Der neu angelegte schräge Schacht verbindet auf direktem Weg die 5. Sohle unter Prosper IV mit den Aufbereitungsanlagen von Prosper II. Die Röhre mit 21% Steigung ist mit einer Bandanlage ausgestattet, in der ein Fördergurt mit 1.400 mm Breite und 35 mm Dicke bei einer Bandgeschwindigkeit von 6,0 m/s stündlich etwa 2.000 Tonnen Rohkohle zu Tage befördert.

Maschinenhalle

Um die erforderliche Zugfestigkeit zu erreichen, besitzt der 7.500 Meter lange Gurt eine Einlage aus 72 Stahlseilen mit je 12,5 mm Durchmesser. Es handelt sich um einen PHOENOCORD® St 7500 Fördergurt mit einer Bruchkraft von 8.200 N/mm, der drei Boeing 747 halten könnte, ohne zu reißen. Der Bandrücklauf kann zum Rücktransport des bei der Kohlenaufbereitung anfallenden tauben Gesteins genutzt werden und fördert stündlich 1.000 Tonnen Berge nach unter Tage. Um den ca. 800 Tonnen schweren Gurt anzutreiben, sind in der Maschinenhalle zwei Drehstromsynchronmotoren mit je 3.100 kW Leistung als Eintrommel-Kopfantrieb installiert. Der „Förderberg“ läuft seit seiner Inbetriebnahme beinahe störungsfrei, die Antriebstrommel und der Fördergurt wurden nach 14 Jahren Betrieb planmäßig ausgewechselt.

35 mm dicker Fördergurt auf den Tragrollen

Im Rundlager ist eine so genannte Rohkohlen-Stapel- und Vergleichmäßigungsanlage (kurz RSV-Anlage) untergebracht, die die Rohkohle – leicht verständlich ausgedrückt – gut durchmischt und damit Qualitätsschwankungen bis zu einem bestimmten Grad ausgleichen kann. Das Rundlager hat eine Kapazität von 30.000 Tonnen und entkoppelt gleichzeitig die Aufbereitung vom Grubenbetrieb. Die RSV-Anlage läuft komplett mannlos und wird aus der Schaltwarte der Aufbereitung betrieben, sie wird von einer Vielzahl von Sensoren überwacht und von einer Speicherprogrammierbaren Steuerung (SPS) geregelt.

Rundlager

Zum Transport der aufbereiteten Kohle wird diese auf Prosper II in offene Schüttgutwagen verladen. Innerhalb weniger Sekunden sind die einzelnen Waggons mit mehr als 50 Tonnen Kohle beladen. In so genannten Ganzzügen wird die Kohle von hier zu den Kraftwerken transportiert.

Verladestation


Blick über die beladenen Eisenbahnwaggons zur Halde Beckstraße

Der Bottroper Unternehmer Dirk Helmke hat die ehemalige Waschkaue von der RAG Deutsche Steinkohle gekauft, grundsaniert, und möchte sie langfristig als Eventlocation in Bottrop etablieren.

ehemalige Waschkaue

Zur Vernissage unter dem Titel „Rüsselsheim“ am 6. Mai 2011 hatte der Bottroper Künstler Reinhard Wieczorek mit Materialien wie Pech, Bitumen und Zement Elefanten gemalt, mit denen die 3.000 m² große Halle als Kunstschauplatz in Szene gesetzt wurde.

„Elefant“ von Reinhard Wieczorek


Malakoffturm mit eingezogenem Koepe-Strebengerüst


ehemalige Waschkaue

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