Sonntag, 29. Mai 2011

Die Hespertalbahn

Museumseisenbahn am Baldeneysee in Essen-Kupferdreh

Der auf den Namen „Düsseldorf“ getaufte Triebzug 422 583-5 am Haltepunkt Essen-Kupferdreh

Die Züge der Linie S 9 der S-Bahn Rhein-Ruhr halten heute am neu angelegten Haltepunkt Essen-Kupferdreh und fahren ohne Halt am alten Bahnhof Kupferdreh vorbei. Dieser wird heute unter dem Namen „LUKAS“ als „kulinarischer Bahnhof“ genutzt und gehört zur Route der Industriekultur, Themenroute 12 – Geschichte und Gegenwart der Ruhr. Hier kann man bei schönem Wetter gemütlich im Biergarten sitzen, in den ehemaligen Wartesälen in einzigartiger Atmosphäre speisen … oder sich ein ums andere Mal darüber ärgern, dass schon wieder ein Konzert aus der „Backstage“-Konzert­reihe abgesagt wurde.

Der alte Bahnhof Kupferdreh, Eingang zur ehemaligen Vorhalle im Rundbogenstil

Früher … früher war alles besser, man nennt das auch Glorifizierung der „Guten Alten Zeit“. Also einigen wir uns darauf, dass früher alles anders war. Der Königlich Preußische Bahnhof zu Kupferdreh wurde am 27. Juli 1898 an der Prinz-Wilhelm-Eisenbahn eröffnet. Der vordere Bahnsteig gehörte zur Ruhrtalbahn, die dem Erz- und Kalktransport diente, später dem Kohlen- und Abraumtransport und dem Personenverkehr für die Bergwerksbelegschaft der Zeche Pörtingssiepen in Essen-Fischlaken. Die Förderung auf Pörtingssiepen II wurde am 30. Dezember 1972 eingestellt, aber der 1975 gegründete gemeinnützige Verein zur Erhaltung der Hespertalbahn e. V. bewahrte die Strecke vor dem Abriss.

Dampflok D 8, Baujahr 1961

Vereinsmitglieder des 2008 in Hespertalbahn e. V. umbenannten Vereins betreiben die Hespertalbahn seit 1976 als Museumseisenbahn und bieten an bestimmten Tagen Fahrten zwischen altem Bahnhof Kupferdreh und Haus Scheppen entlang des Ufers des Baldeneysees an. Die von der Fried. Krupp AG, Essen gebaute dreiachsige Nassdampf-Tenderlokomotive, Typ „Knapsack“, Fabriknummer 3435, wurde 1961 an die Zeche Niederberg geliefert. Heute hätte diese regulär den Museumszug antreiben sollen, doch sie musste wegen eines Schadens am Rohrsatz an der ehemaligen Zementfabrik stehen bleiben.

Museumszug mit der Diesellok V 1, Baujahr 1961, am alten Bahnhof Kupferdreh

Was zwar bedauerlich ist, aber noch lange kein Grund, den Museumszugverkehr abzusagen. Immerhin verfügt der Hespertalbahn e. V. mit den Diesellokomotiven V 1 und V 9 über zwei weitere Zuglokomotiven für den Museumszug. Bei der Diesellok V 1 handelt es sich um eine standardisierte Werksbahn-Diesellokomotive. Die von den Henschel-Werken 1961 für die Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke gebaute DH 360 Ca, Fabriknummer 30321, befand sich zwischenzeitig im Besitz der Westfälischen Lokomotiv-Fabrik Hattingen Karl Reuschling.

Die so genannte „Holzklasse“: 3. Klasse Wagen, Sitzbänke mit Holzlattung

Heute wird mit dem Begriff „Holzklasse“ vielfach die Economy Class, also die niedrigste der drei Beförderungsklassen bei Flugreisen, bezeichnet. Tatsächlich leitet sich der Begriff aber aus der dritten Wagenklasse von Eisenbahnwagen ab, die bis 1935 in Deutschland ausschließlich Holzbänke aufwies.

Museumszug mit der Diesellok V 1, Baujahr 1961, am alten Bahnhof Kupferdreh

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