Montag, 9. Mai 2011

Das Orangenmädchen

„Das Orangenmädchen“ – nach dem gleichnamigen philosophischen Roman von Jostein Gaarder; Musik: Martin Lingnau; Buch und Dialoge: Christian Grundlach; Songtexte: Edith Jeske; Regie: Harald Weiler; Musikalische Leitung: Stephan Sieveking; Darsteller: Carolin Fortenbacher (Veronika/Orangenmädchen), Sascha Rotermund (Jan Olav), Benjamin Hübner (Georg), Sonja Dengler (Isabell), Samir Sonntag (Vierjähriger Georg im Video); Musiker: Pirkko Langer (Cello), Stephan Sieveking (Klavier). Uraufführung: 5. Dezember 2004, Theater Trier, Trier. Premiere: 8. April 2011, Altonaer Theater, Hamburg.

Carolin Fortenbacher (Orangenmädchen), Sascha Rotermund
(Jan Olav); Foto: © Oliver Fantitsch



„Das Orangenmädchen“


Eine Hommage an die Liebe und das Leben


„Das Orangenmädchen“ (norwegischer Originaltitel: „Appelsinpiken“) ist ein philosophischer Roman des norwegischen Autors Jostein Gaarder (* 8. August 1952 in Oslo) aus dem Jahr 2003. Viele seiner Romane und Kurzgeschichten haben einen philosophischen Hintergrund, seine Zielgruppe sind vor allem Kinder und Jugendliche. Seinen Durchbruch als Schriftsteller gelang Jostein Gaarder mit dem 1991 geschriebenen, ursprünglich als philosophische Einführung für ältere Kinder gedachten Roman „Sofies Welt“ (norwegischer Originaltitel: „Sofies verden“). Das Musical „Sofies Welt“ von Øystein Wiik (Libretto) und Gisle Kverndokk (Musik) erlebte seine Uraufführung am 12. Juni 1998 bei den Schlossfestspielen Ettlingen, Sanni Luis spielte die Sofie. Martin Lingnau (Musik), Christian Grundlach (Buch und Dialoge) und Edith Jeske (Songtexte) haben „Das Orangenmädchen“ als Kammermusical für vier Darsteller und zwei Musiker (Klavier und Violoncello) für die Bühne eingerichtet, am 5. Dezember 2004 feierte das Musical am Theater Trier seine Uraufführung. Am 5. Dezember 2008 fand im Wiener Off Theater die österreichische Erstaufführung statt, ab dem 24. September 2009 wurde es in der Schweiz als Jubiläums Produktion der Kammerspiele Seeb aufgeführt. 2008 wurde „Das Orangenmädchen“ in der Regie von Eva Dahr mit Annie Dahr Nygaard als Orangenmädchen als norwegisch-deutsch-spanische Koproduktion verfilmt, die Filmpremiere fand am 27. Februar 2009 in Norwegen statt.

Sascha Rotermund (Jan Olav), Carolin Fortenbacher (Orangenmädchen); Foto: © Oliver Fantitsch

Zum Inhalt:
Im Alter von 15 Jahren erhält Georg von seiner Mutter Veronika einen langen Brief seines bereits vor 11 Jahren verstorbenen Vaters Jan Olav, der in Georgs Kinderwagen versteckt war und als Vermächtnis an seinen „großen“ Sohn gerichtet ist. In dem Abschiedsbrief erzählt der Vater von einem geheimnisvollen Mädchen mit einer großen Orangentüte, in das er sich bei einer flüchtigen Begegnung in der Straßenbahn unsterblich verliebt hat. Jan Olav begibt sich auf die Suche nach dem Orangenmädchen, bis die Sehnsucht beide wieder zusammen führt. Der seltsame Satz, dass sie sich jederzeit treffen können, sofern Jan Olav bereit sei, ein halbes Jahr auf sie zu warten, bringt auch Georg selbst zum Nachdenken. Wer ist das geheimnisvolle Orangenmädchen? Welche Bedeutung hatte es damals für den Vater? Wie hält Georg es selbst mit der Liebe und dem Leben? Jan Olav hält es vor Sehnsucht nach seiner großen Liebe nicht mehr aus, und findet „sein“ Orangenmädchen schließlich in Sevilla, wo sich die Geschichte für Jan Olav, seinen Sohn Georg (und auch den Zuschauer) aufklärt …

Carolin Fortenbacher (Orangenmädchen), Sascha Rotermund
(Jan Olav); Foto: © Oliver Fantitsch


Im Altonaer Theater spielt Carolin Fortenbacher (* 26. Juni 1963 in Hamburg) die Rolle des Orangenmädchens. Carolin Fortenbacher war 1992 als Pier Angeli zusammen mit Andreas Bieber (Junger Mann/James Dean) im Theater Casa Nova in Essen in der Rock-Oper „Jimmy Dean“ (Inszenierung: Jürgen Schwalbe, französischer Originaltitel: „La Légende de Jimmy“) zu sehen, 1994 spielte sie dort die Rolle der Aldonza im Musical „Der Mann von La Mancha“ (Regie: Jürgen Schwalbe), dafür erhielt sie den Image Award Germany. Im Hamburger Operettenhaus spielte sie fünf Jahre die Hauptrolle der Donna im Musical „Mamma Mia!“. Sonja Dengler (* 27. Juni 1983 in Frankfurt am Main) als Isabell dürfte Musicalbesuchern von ihrem Engagement als Martha in der Deutschspachigen Erstaufführung des Rock-Musicals „Frühlings Erwachen“ (Regie: Michael Mayer) im Ronacher in Wien bekannt sein. Benjamin Hübner (* 1983 in Hamburg) als Georg und Sascha Rotermund (* 13. Juni 1974 in Arnsberg) als Georgs Vater Jan Olav sind eher auf der Schauspielbühne heimisch, aber Martin Lingnaus Partitur stellt keine übertrieben hohen gesanglichen Anforderungen an die Darsteller, wobei Sascha Rotermund neben seinem Schauspielstudium auch Gesangsunterricht genommen hat. Er ist seit 17 Jahren Sänger einer Rhythm-and-Blues-Band und sieht sich selbst als Schauspieler mit Hang zur Musik.

Benjamin Hübner (Georg), Sonja Dengler (Isabell);
Foto: © Oliver Fantitsch


Mit Carolin Fortenbacher ist das Altonaer Orangenmädchen mit einer Darstellerin besetzt, die sowohl durch ihre Musical-Engagements als auch durch klassische Partien bekannt ist. Beides bekommt der Zuschauer von „La Fortenbacher“ im Stück geboten, und zwar ohne dabei zu aufdringlich in der Vordergrund zu treten und die übrigen Darsteller an die Wand zu singen. Sascha Rotermund als Jan Olav punktet bei mir dagegen mehr durch sein überzeugendes Schauspiel, wobei aber auch er gesanglich keine Wünsche offen lässt. Benjamin Hübner spielt glaubhaft den 15-jährigen Georg, der noch seinen eigenen Weg im Leben sucht und sich gegen seine Mutter zur Wehr setzt. Jan Olavs Geschichte scheint sich zu wiederholen, wenn Georg unbeholfen versucht, auf seine heimliche Liebe Isabell – gespielt von Sonja Dengler – zuzugehen, die sich mit Lolly total cool gibt, aber auch nur darauf wartet, dass Georg ihre Liebe erwidert.

Meine erste Bekanntschaft mit dem Musical „Das Orangenmädchen“ habe ich im Wiener Off Theater gemacht, einem kleinen, intimen Theater mit weniger als 100 Plätzen. Nun steht es im Altonaer Theater mit etwa 530 Plätzen auf der „Großen Bühne“, die aber mit einigen Podesten und den beiden Musikern ebenfalls gut ausgefüllt wird. Das Bühnenbild (Ausstattung: Lars Peter) kommt mit wenigen Requisiten aus, ein Kinderwagen, zwei überdimensionale Papierstapel, auf denen Jan Olav den Brief an seinen „großen“ Sohn verfasst, entscheidend sind natürlich unzählige Orangen, die auch gerne einmal „unkontrolliert“ über die Bühne purzeln und so für Erheiterung sorgen. Pirkko Langer (Cello) und Stephan Sieveking (Klavier) bringen Martin Lingnaus Partitur in modernen Arrangements zu Gehör, die Sprechtexte der Teenager wurden dem aktuellen Sprachgebrauch Jugendlicher angepasst.

Leider war die Premiere am 8. Mai 2011 bereits für 19 Uhr angesetzt, was unweigerlich mit der Auslaufparade beim 822. Hafengeburtstag kollidierte. War ich der einzige Besucher, der sich für beide Veranstaltungen interessierte? 1,5 Mio. Besucher beim Hafengeburtstag können sich doch eigentlich nicht irren. Oder etwa doch? Ungeachtet dessen war die Aufführung ein gelungener Abschluss eines ereignisreichen Wochenendes in Hamburg. „Das Orangenmädchen“ steht bis 9. Juli 2011 auf dem Spielplan des Altonaer Theaters.

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