Dienstag, 31. Mai 2011

Das Blaue vom Himmel

„Das Blaue vom Himmel“, Welturaufführung 30. Mai 2011; Deutschland, 2010; 102 Minuten; Drehbuch: Robert Thayenthal und Josephin Thayenthal; Regie: Hans Steinbichler; Musik: Niki Reiser; mit Juliane Köhler (Sofia Schleier), Hannelore Elsner (Marga Baumanis), Karoline Herfurth (junge Marga Baumanis), Niklas Kohrt (Juris Baumanis), David Kross (junger Osvalds Kalnins), Rüdiger Vogler (Osvalds Kalnins), Matthias Brandt (Lorenz Schleier), Juta Vanaga (junge Ieva Lepere), Dace Eversa (Ieva Lepere), Hans-Jochen Wagner (Taxifahrer), Fritzi Haberlandt (Ruta Bertulis), Victoria Trauttmansdorff (Frau Dr. Brandt) u. v. a.; FSK ab 12 Jahre


Das Blaue vom Himmel

Eine deutsch-baltische Familiengeschichte

Am 30. Mai 2011 feierte der Film „Das Blaue vom Himmel“ in der Lichtburg Essen seine Welturaufführung. Als Gäste waren Josephin und Robert Thayenthal (Drehbuch), Dieter Ulrich Aselmann (Produzent), Ewa Karlström (Produzentin), Hans Steinbichler (Regie), Niki Reiser (Musik), Juliane Köhler (Sofia Schleier), Hannelore Elsner (Marga Baumanis), Niklas Kohrt (Juris Baumanis), David Kross (junger Osvalds Kalnins), Matthias Brandt (Lorenz Schleier), Juta Vanaga (junge Ieva Lepere), Chris­ti­na Bent­la­ge (Filmstiftung NRW), Dr. Angelica Schwall-Düren, Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen u. v. a. nach Essen gekommen.

Juta Vanaga (junge Ieva Lepere)


Matthias Brandt (Lorenz Schleier)


David Kross (junger Osvalds Kalnins)


Juliane Köhler (Sofia Schleier)


Hannelore Elsner (Marga Baumanis)


Hans Steinbichler, Regie


Welturaufführung „Das Blaue vom Himmel“: David Kross, Hannelore Elsner, Juliane Köhler, Matthias Brandt, Hans Steinbichler, Niklas Kohrt, Josephin Thayenthal


Zum Inhalt:
Kennen Sie die Redewendung „Das Blaue vom Himmel lügen“? Genau davon handelt dieser Film. Marga Baumanis hat ihre Tochter Sofia zeit ihres Lebens angelogen und sie über ihre wahre Herkunft im Unklaren gelassen. Fernsehjournalistin Sofia Schleier (gespielt von Juliane Köhler) wird in einer Besprechung durch ein Telefonat gestört, in dem sie erfährt, dass sich ihre an Morbus Alzheimer erkrankte Mutter in Wuppertal in einer psychatrischen Klinik befindet, nachdem sie zuvor ohne Erlaubnis ihr Heim in Bonn verlassen hat, mit dem Taxi nach Wuppertal gefahren ist und dort ein heilloses Chaos angerichtet hat. Obwohl Sofia kein gutes Verhältnis zu ihrer Mutter hat und das Ganze lieber verdrängen möchte, muss sie sich der Situation stellen und begibt sich auf den Weg von Berlin nach Wuppertal, um ihre Mutter dort abzuholen. Sie findet Marga Baumanis (gespielt von Hannelore Elsner) in einem gänzlich verwirrten Zustand vor und ist entsetzt. Marga spricht von Dingen aus der Vergangenheit, die sie nicht versteht, nicht verstehen kann, da sie ihr ihre Mutter bisher verschwiegen hat. Sie entschließt sich, Marga mit zu sich nach Berlin zu nehmen, wo sie in Margas Gepäck alte Familienfotos entdeckt, von deren Existenz sie bisher nicht wußte. Darunter befindet sich auch ein Foto, das ihren Vater Juris neben einem ihr unbekannten jungen Mann – Osvalds Kalnins (gespielt von David Kross) – zeigt. Sofia beschließt, gemeinsam mit Marga nach Riga zu reisen, wo sie in die Unruhen der „Singenden Revolution“ geraten. In einem zweiten Handlungsstrang erfährt der Zuschauer in Rückblenden Margas (gespielt von Karoline Herfurth) Lebensgeschichte, wie sie in jungen Jahren in Jürmala – ein Badeort am Rigaischen Meerbusen in Lettland – unsterblich in Juris (gespielt von Niklas Kohrt) verliebt war und diesen gegen den Willen ihres Vaters 1939 geheiratet hat. Der Deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt zwingt sie zur Flucht nach Deutschland, doch ihr Mann Juris steigt in letzter Sekunde aus dem Zug, bleibt lieber bei seiner Geliebten Ieva Lepere (gespielt von Juta Vanaga). Marga sinnt auf Rache, kehrt nach Jürmala zurück und schiebt Ieva Flugblätter gegen die russische Besatzung unter, was dieser die Deportation nach Sibirien und 12 Jahre Inhaftierung im Gulag – einem umfassenden Repressionssystem in der Sow­jet­uni­on, bestehend aus Zwangsarbeitslagern, Straflagern, Gefängnissen und Verbannungsorten – einbringt. Auf ihrer Reise in die Vergangenheit treffen Sofia und Marga in Jürmala auf Osvalds Kalnins (gespielt von Rüdiger Vogler), der mit Erstaunen feststellen muss, dass Sofia lebt und nicht – wie von Marga in einem Brief behauptet – bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen ist. Er ist der Schlüssel zu Sofias wahrer Identität …

Die zentrale Figur in „Das Blaue vom Himmel“ soll Sofia Schleier sein, um sie herum wurde das Drehbuch geschrieben und die Rollen besetzt. Davon ist im Film allerdings nicht mehr viel zu spüren, zu dominierend ist Hannelore Elsners Darstellung der dementen Marga. Regisseur Hans Steinbichler hat in „Das Blaue vom Himmel“ auch Privates verarbeitet, vier Monate bevor ihm das Drehbuch angeboten wurde, ist bei seiner eigenen Mutter Alzheimer diagnostiziert worden. Ursprünglich sollte Monica Bleibtreu (* 4. Mai 1944 in Wien, † 13. Mai 2009 in Hamburg) diese Rolle verkörpern, mit ihr und Matthias Brandt hatte Hans Steinbichler 2007 „Die zweite Frau“ gedreht. Aber beim Casting zu „Das Blaue vom Himmel“ hat Hans Steinbichler Monica Bleibtreu das letzte Mal gesehen, am 13. Mai 2009 ist sie gestorben. Nach langer Suche nach einer geeigneten Darstellerin hat er sich schließlich für Hannelore Elsner entschieden, der im Film jedoch Sprüche in den Mund gelegt werden, die aufgesetzt wirken und eine sensible Herangehensweise an das Thema Demenz für mich nicht erkennen lassen. Zum Ende des Films wurde selbst „Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“ nicht ausgelassen. „Das Blaue vom Himmel“ ist ein „Film für Frauen“ (O-Ton Hans Steinbichler nach der Welturaufführung), womöglich ist genau das mein Problem.

Montag, 30. Mai 2011

BVB und FC Schalke 04 friedlich vereint

… zumindest im Wandgemälde von Miroslav Lazović

Wandgemälde von Miroslav Lazović im Februar 2011

Vor gut drei Monaten, am 22. Februar 2011, war das Baugerüst am Gebäude der Evonik Wohnen GmbH am „Ruhrschnellweg“ demontiert worden, der serbische Maler und Kunstprofessor Miroslav Lazović (* 17. Juni 1959 in Prokuplje) hatte seine Arbeiten an dem Wandgemälde, das bekannte Spieler der Fußballvereine Ballspielverein Borussia 09 e. V. Dortmund und FC Gelsenkirchen-Schalke 04 e. V. zeigt, beendet. Zu diesem Zeitpunkt konnte wohl noch niemand vorhersehen, dass beide Mannschaften in den nächsten Monaten einen Grund zum Feiern haben würden, nämlich die Deutsche Meisterschaftschaft in der Fußball-Bundeliga bzw. den Gewinn des DFB-Pokals, nach der Deutschen Meisterschaft der zweitwichtigste Titel im nationalen Vereinsfußball.

Dr. Klaus Engel und Miroslav Lazović mit einem Entwurf des Wandgemäldes

Am 30. Mai 2011 fand vor Ort ein Pressetermin statt, zum dem Dr. Klaus Engel (* 21. April 1956 in Duisburg), Vorsitzender des Vorstandes der Evonik Industries AG, Hans-Joachim Watzke (* 21. Juni 1959 in Marsberg), Geschäftsführer bei Borussia Dortmund, Horst Heldt (* 9. Dezember 1969 in Königswinter), Sportdirektor des FC Schalke 04 und Mitglied des Vorstands, und Ingo Anderbrügge (* 2. Januar 1964 in Datteln) anwesend waren. Letzterer hat von 1984 bis 1988 bei Borussia Dortmund und von 1988 bis 2000 beim FC Schalke 04 gespielt und ist auch auf dem Wandgemälde „verewigt“.

Ingo Anderbrügge vor dem Wandgemälde von Miroslav Lazović

Reinhard „Stan“ Libuda (* 10. Oktober 1943 in Wendlinghausen, † 25. August 1996 in Gelsenkirchen) spielte von 1961 bis 1965, von 1968 bis 1972 und nochmals von 1973 bis 1976 beim FC Schalke 04, von 1965 bis 1968 bei Borussia Dortmund, und in 26 Länderspielen stand er von 1963 bis 1971 für die Deutsche Fußballnationalmannschaft auf dem Platz. Er ist gleich dreifach im gelben, blauen und schwarzen Trikot auf dem Wandgemälde zu sehen, das gelbe Shirt ziert der Schriftzug der Evonik Industries AG, aktuelle Hauptsponsor des BVB.

Miroslav Lazović und Dr. Klaus Engel

Das freundlicherweise von der Evonik Wohnen GmbH zur Verfügung gestellte Foto von der Gemäldeübergabe zeigt v. l. n. r. Bodo Hombach (Geschäftsführer WAZ Mediengruppe), Robert Schmidt (Vorsitzender der Geschäftsführung Evonik Wohnen GmbH), „Eurofighter“ Ingo Anderbrügge (Spieler), Dr. Klaus Engel (Vorsitzender des Vorstandes der Evonik Industries AG), Prof. Miroslav Lazovic (Künstler; hockend), Hans-Joachim Watzke (Geschäftsführer BVB), Horst Heldt (Vorstand FC Schalke 04).

Gemäldeübergabe im Alfredspark, Foto: Kirsten Neumann,
© Evonik Wohnen GmbH


Doch so richtig zur Geltung kommt das Wandgemälde für Autofahrer auf dem „Ruhrschnellweg“ nicht: In Fahrtrichtung Westen ist es – bedingt durch den Ausbau der Bundesautobahn 40 als Tiefstraße – nicht zu sehen, und in Gegenrichtung ist das Gebäude teilweise von Bäumen verdeckt. Hier sind Fußgänger eindeutig im Vorteil, die sich das Wandgemälde von der Hobeisenbrücke oder aus der Nähe anschauen können.

Wandgemälde von Miroslav Lazović

Als nächstes möchte Miroslav Lazović Gebäude in der Fußgängerzone in Mülheim an der Ruhr mit zeitgenössischer, abstrakter Fassadenkunst verzieren. Die Auswahl der Gebäude und Motive ist aber noch nicht abgeschlossen, daher gibt es dort noch nichts zu sehen.

Zeche Consolidation in Gelsenkirchen-Bismarck

„Andere Mütter haben auch schöne Töchter“

Brücke über die Bickernstraße, Doppelstrebengerüst über Schacht 9

So behaupten zumindest Sportfreunde Stiller, wenn auch in anderem Zusammenhang. Nachdem Welterbe Zollverein nach dem Kulturhauptstadtjahr auch im letzten Winkel der Erde bekannt sein dürfte und das Projekt NT2 (Erweiterung und Aufstockung Nordstern Schacht 2 mit Videokunstzentrum und Dachterasse) alles wird … nur nicht fertig, gibt es natürlich noch eine ganze Reihe weiterer Industriedenkmäler im Ruhrgebiet, die absolut sehenswert und eine Entdeckung wert sind. Zu diesen ist sicherlich auch das kultur.gebiet CONSOL zu zählen.

Lüftermaschinengebäude, südliches Maschinenhaus, Doppelstrebengerüst über Schacht 9 und Hängebank

Noch zu Betriebszeiten der Zeche Consolidation erfolgte bereits 1987 die Eintragung des Doppelstrebengerüstes über dem Zentralförderschacht 9 in die Denkmalliste der Stadt Gelsenkirchen. 1992 wurden auch die zugehörigen Maschinenhäuser unter Schutz gestellt. Damit war bereits der erste Schritt zur Bewahrung der historischen Industriebauwerke getan, bevor 1993 die Förderung auf Consolidation 3/4/9 eingestellt wurde.

Doppelstrebengerüst über Schacht 9

Das 53 Meter hohe, 1922 erbaute Doppelstrebengerüst über dem Zentralförderschacht 9 gilt als Wahrzeichen von Gelsenkirchen-Bismarck und ist eines der letzten filigranen Schachtgerüste, welches noch erhalten ist. Im südlichen Maschinenhaus befindet sich eine von der Gutehoffnungshütte Aktienverein für Bergbau und Hüttenbetrieb (GHH) gebaute Zwillingsdampffördermaschine, die 1963 in Betrieb genommen wurde und und heute noch vom Initiativkreis Bergwerk Consolidation e. V. zu bestimmten Terminen im Betrieb demonstriert wird.

Doppelstrebengerüst über Schacht 9

1958 erhielt Schacht 4 ein im Ruhrgebiet selten gebautes Betonfördergerüst mit außenliegenden Seilscheiben, welches ebenfalls erhalten ist. Das Musikprobenzentrum Consol4 in der ehemaligen Fördermaschinenhalle wurde im August 2005 als Proberaumzentrum für musikalische Nachwuchstalente eröffnet. Hier stehen 38 Probenräume zur Verfügung, in denen insbesondere Jugendliche ihre Interessen ausleben können.

Förderanlage über Schacht 4 mit Betonfördergerüst

In der Lüftermaschinenhalle und dem Lüftergebäude des Schachtes 3/4 wurde zwischen 1999 und 2001 im Rahmen der internationalen Bauausstellung Emscher Park das Consol Theater eingerichtet, das sich inzwischen zu einem renommierten Kinder- und Jugendtheater entwickelt hat.

Musikprobenzentrum Consol4 mit Spiegelbild des Doppelstrebengerüstes und des Lüftermaschinengebäudes

Die Trendsportanlage Consol bietet mit Beachvolleyballfeld, Multifunktionsspielfeld, Skatepark u. a. ein breites Spektrum an Sportangeboten, die dazugehörigen Sportmaterialien können im Betreuerhaus ausgeliehen werden.

Trendsportanlage Consol


„Wat is en Dampfmaschin? Da stelle mer uns mal janz dumm …“

Zwillingsdampffördermaschine im südlichen Maschinenhaus

Zeitgleich mit dem Doppelstrebengerüst über Schacht 9 wurde 1922 das südliche Maschinenhaus nach einem Entwurf des Zechenbaumeisters Heinrich von Bonin (* 30. Januar 1871 in Schroda/Posen, † 23. Juli 1927 in Gelsenkirchen) errichtet. Im Inneren steht die 1963 in Betrieb genommene 285 Tonnen schwere Zwillingsdampffördermaschine, die mit einer Leistung von 3.016 kW (entspricht 4.100 PS) Nutzlasten von 12 Tonnen mit einer Geschwindigkeit von 18 m/s ans Tageslicht befördern konnte.

Zwillingsdampffördermaschine im südlichen Maschinenhaus

Unter der Annahme, die 55 Tonnen schwere Treibscheibe (Koepe-Scheibe) habe einen Durchmesser von 7 Metern, dreht sich diese dabei 49 mal in der Minute. Bei Seilfahrt (Personenbeförderung) betrug die Geschwindigkeit aus Sicherheitsgründen „nur“ 8 m/s, was 22 Umdrehungen/min entspricht.

Zwillingsdampffördermaschine im südlichen Maschinenhaus

Durch viel Engagement der Mitglieder des Initiativkreis Bergwerk Consolidation e. V. konnte die Maschine vor dem Verfall bewahrt werden. Heute wird sie mit Hilfe von Druckluft – ähnlich wie in ihren letzten Jahren im regulären Betrieb der Zeche – im Schaubetrieb gezeigt. Das südliche Maschinenhaus ist an jedem ersten Sonntag im Monat von 13 bis 18 Uhr geöffnet.

Zwillingsdampffördermaschine im südlichen Maschinenhaus
Zum Abspielen des Videos Bild anklicken

Im 1937 nach einem Entwurf des Industriearchitekten Dr.-Ing. Hans Väth (* 23. Februar 1897 in Geislingen, † 5. März 1950 in Gelsenkirchen) errichteten nördlichen Maschinenhaus befindet sich eine 1938 von der Gutehoffnungshütte aus Oberhausen-Sterkrade installierte und ebenfalls erhaltene Zwillingsdampffördermaschine im unrestaurierten Originalzustand.

Zwillingsdampffördermaschine im nördlichen Maschinenhaus

Daneben wird hier die Sammlung Werner Thiel (* 3. Februar 1927 in Breslau, † 28. April 2003) mit faszinierenden Relikten aus dem Bergbau in Installationen und Collagen präsentiert. Werner Thiel war von 1961 bis 1992 Fördermaschinist auf der Zeche Consolidation, ab 1980 sammelte er „Fundstücke“ bergmännischer und industrieller Arbeit auf den stillgelegten Zechen des Ruhrgebiets.

Sammlung Werner Thiel

Die Eröffnung seiner größten, dauerhaften Installation im nördlichen Maschinenhaus am 23. April 2006 erlebte er jedoch nicht mehr. Doch sein Geist lebt in der von Helmut Bettenhausen (* 1935 in Wanne-Eickel) mit Unterstützung von Lutz Kahnwald errichteten Sammlung Werner Thiel fort, die Sammlung kann samstags, sonntags und auch an Feiertagen von 12 bis 18 Uhr besichtigt werden.

Sammlung Werner Thiel


„Consol-Gelb“

Nach Einbruch der Dämmerung tauchen gelbe Natriumdampflampen und rote Leuchtstoffröhren das Doppelstrebengerüst über dem Zentralförderschacht 9 in eine Lichtwolke. „Consol-Gelb“ nennt sich die von Professor Günter Dohr (* 1936 in Münster) geschaffene Lichtinstallation.

Lichtinstallation „Consol-Gelb“


Lichtinstallation „Consol-Gelb“


Lichtinstallation „Consol-Gelb“ im Fenster von Consol4


Vorschau: Drachenfest 2011

Vom 10. bis 12. Juni 2011 findet auf dem kultur.gebiet CONSOL das 5. Drachenfest statt. Neben einem umfangreichen Kulturprogramm werden am Samstag und Sonntag Drachen aus aller Welt zu sehen sein. Und im Umfeld des Initiativkreis Bergwerk Consolidation e. V. habe ich etwas von einem SchachtZeichen gehört, das am Wochenende erneut aufgelassen werden soll …

Drachenfest

Sonntag, 29. Mai 2011

Die Hespertalbahn

Museumseisenbahn am Baldeneysee in Essen-Kupferdreh

Der auf den Namen „Düsseldorf“ getaufte Triebzug 422 583-5 am Haltepunkt Essen-Kupferdreh

Die Züge der Linie S 9 der S-Bahn Rhein-Ruhr halten heute am neu angelegten Haltepunkt Essen-Kupferdreh und fahren ohne Halt am alten Bahnhof Kupferdreh vorbei. Dieser wird heute unter dem Namen „LUKAS“ als „kulinarischer Bahnhof“ genutzt und gehört zur Route der Industriekultur, Themenroute 12 – Geschichte und Gegenwart der Ruhr. Hier kann man bei schönem Wetter gemütlich im Biergarten sitzen, in den ehemaligen Wartesälen in einzigartiger Atmosphäre speisen … oder sich ein ums andere Mal darüber ärgern, dass schon wieder ein Konzert aus der „Backstage“-Konzert­reihe abgesagt wurde.

Der alte Bahnhof Kupferdreh, Eingang zur ehemaligen Vorhalle im Rundbogenstil

Früher … früher war alles besser, man nennt das auch Glorifizierung der „Guten Alten Zeit“. Also einigen wir uns darauf, dass früher alles anders war. Der Königlich Preußische Bahnhof zu Kupferdreh wurde am 27. Juli 1898 an der Prinz-Wilhelm-Eisenbahn eröffnet. Der vordere Bahnsteig gehörte zur Ruhrtalbahn, die dem Erz- und Kalktransport diente, später dem Kohlen- und Abraumtransport und dem Personenverkehr für die Bergwerksbelegschaft der Zeche Pörtingssiepen in Essen-Fischlaken. Die Förderung auf Pörtingssiepen II wurde am 30. Dezember 1972 eingestellt, aber der 1975 gegründete gemeinnützige Verein zur Erhaltung der Hespertalbahn e. V. bewahrte die Strecke vor dem Abriss.

Dampflok D 8, Baujahr 1961

Vereinsmitglieder des 2008 in Hespertalbahn e. V. umbenannten Vereins betreiben die Hespertalbahn seit 1976 als Museumseisenbahn und bieten an bestimmten Tagen Fahrten zwischen altem Bahnhof Kupferdreh und Haus Scheppen entlang des Ufers des Baldeneysees an. Die von der Fried. Krupp AG, Essen gebaute dreiachsige Nassdampf-Tenderlokomotive, Typ „Knapsack“, Fabriknummer 3435, wurde 1961 an die Zeche Niederberg geliefert. Heute hätte diese regulär den Museumszug antreiben sollen, doch sie musste wegen eines Schadens am Rohrsatz an der ehemaligen Zementfabrik stehen bleiben.

Museumszug mit der Diesellok V 1, Baujahr 1961, am alten Bahnhof Kupferdreh

Was zwar bedauerlich ist, aber noch lange kein Grund, den Museumszugverkehr abzusagen. Immerhin verfügt der Hespertalbahn e. V. mit den Diesellokomotiven V 1 und V 9 über zwei weitere Zuglokomotiven für den Museumszug. Bei der Diesellok V 1 handelt es sich um eine standardisierte Werksbahn-Diesellokomotive. Die von den Henschel-Werken 1961 für die Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke gebaute DH 360 Ca, Fabriknummer 30321, befand sich zwischenzeitig im Besitz der Westfälischen Lokomotiv-Fabrik Hattingen Karl Reuschling.

Die so genannte „Holzklasse“: 3. Klasse Wagen, Sitzbänke mit Holzlattung

Heute wird mit dem Begriff „Holzklasse“ vielfach die Economy Class, also die niedrigste der drei Beförderungsklassen bei Flugreisen, bezeichnet. Tatsächlich leitet sich der Begriff aber aus der dritten Wagenklasse von Eisenbahnwagen ab, die bis 1935 in Deutschland ausschließlich Holzbänke aufwies.

Museumszug mit der Diesellok V 1, Baujahr 1961, am alten Bahnhof Kupferdreh

Samstag, 28. Mai 2011

Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt!?

Morgens auf dem Wochenmarkt

Man mag über die Warnungen vor den gefährlichen enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC) Bakterien denken wie man will, Tatsache ist jedoch, dass in Deutschland bereits sieben Menschen an den Folgen einer EHEC-Infektion gestorben sind, und die Zahl der Neuerkrankungen weiter zunimmt. Trotz einer Warnung vor Gurken, Tomaten und Salat wurden diese Gemüsesorten an nahezu allen Gemüseständen auf dem von mir besuchten Wochenmarkt angeboten.

Gurken und Tomaten

Allenthalben wird versichert, dass es sich um Gemüse aus deutschem Anbau handelt. Aber wer garantiert mir, dass Gemüse aus deutschem Anbau nicht als Träger der gefährlichen Darmbakterien fungieren kann? Und so darf jeder für sich nun seine persönliche Entscheidung treffen. No risk, no fun! Oder vielleicht doch lieber bis zur zweifelsfreien Aufklärung der Ursache für die Häufung schwerer EHEC-Erkrankungen auf andere Lebensmittel auszuweichen. Guten Appetit.

Freitag, 27. Mai 2011

„Naturpark im Wandel“

Ausstellung des Fotografen Raymond Clement im Wissenschaftspark Gelsenkirchen

Technologiezentrum im Wissenschaftspark Gelsenkirchen

Raymond Clement (23. Dezember 1944 in Luxemburg) hält seit vielen Jahren die Veränderungen der Landschaft in den Naturparks Our und Obersauer in den Ardennen mit der Kamera fest. Seine internationale Anerkennung beruht u. a. auf der Fotoausstellung „The Family of Jazz“. Ein Konzert des Duke Ellington Orchestra 1970 beim Wiltzer Festival in Luxemburg und die Fotoausstellung „The Family of Man“ von Edward Steichen (* 27. März 1879 in Bivange, Großherzogtum Luxemburg, † 25. März 1973 in West Redding, Connecticut) haben Raymond Clement zu der Fotoausstellung „The Family of Jazz“ inspiriert, in der er Legenden der Jazz-Szene wie Duke Ellington und Miles Davis in Schwarz-Weiß porträtierte und die seit 1975 weltweit gezeigt wird. Seit den 1980er Jahren traten Farbe, Natur und Landschaften in den Vordergrund, wobei er Naturerlebnisse mit seinen professionellen Großformat- und Panoramakameras einfühlsam in Bildkompositionen übersetzt. 2009 war seine Ausstellung Element 5 zum Thema „Holz und Bäume“ mit Fotografien aus verschiedenen Erdteilen in der Luxemburger Nationalbibliothek zu sehen. Von 1977 bis 2001 moderierte Raymond Clement auch die Jazzsendungen im RTL Radio. Er hat zahlreiche Foto-Bildbände veröffentlicht, 1980 erschien sein erster Bildband JAZZ Impressions/Expressions. Bei der Vernissage zu „Naturpark im Wandel“ wird sein zwölfter Bildband „ÖEWERSAUER & OUR“ erstmals präsentiert.

© Raymond Clement 2011

Die Emschergenossenschaft initiierte 2005 das BRIDGES Fotoprojekt Emscher Zukunft, um in der langfristigen fotografischen Auseinandersetzung mit den strukturellen Veränderungen im Emschertal und dessen Umfeld nicht nur den Wandel zu dokumentieren, sondern auch Denkanstöße zu geben und vielmals Gesehenes in ein neues Licht zu rücken. Auf Einladung des BRIDGES Fotoprojekt Emscher Zukunft sind 55 großformatige Farb-Fotografien (1 × 1 m²) von Raymond Clement – teilweise als Diptychen und Triptychen – unter dem Titel „Naturpark im Wandel“ vom 28. Mai bis zum 9. Juli 2011 im Wissen­schafts­park Gelsenkirchen zu sehen. Er dokumentiert damit die Entwicklung der Naturparks Our und Obersauer im Norden Luxemburgs während der vergangenen 25 Jahre. Die Ausstellung findet in enger Zusammenarbeit mit dem Netzwerk der Naturparke der Großregion (Saar, Lor, Lux, Rheinland-Pfalz, Wallonie, Französische und Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens) statt. Das von der Europäischen Union geförderte Projekt unterstützt die Kooperation zwischen neun Naturparken in der Großregion: Parc Naturel Haute-Sûre et Forêt d´Anlier, Parc Naturel des Deux Ourthes, Parc Naturel Hautes-Fagnes Eifel, Parc Naturel de la Vallée de l´Attert, Parc naturel régional de Lorraine, Naturpark Öewersauer, Naturpark Our, Deutsch-Belgischer Naturpark Hohes Venn – Eifel, Teilgebiete Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

Raymond Clement

Offiziell wird die Ausstellung erst am 28. Mai 2011 ab 18 Uhr eröffnet, ungeachtet dessen habe ich heute schon einen Blick „riskiert“. Und obwohl noch gar nicht alle Arbeiten zu sehen waren, bin ich schon jetzt von den Bildkompositionen und der herausragenden Qualität der ausgestellten Fotografien restlos begeistert.

Zur Ausstellungseröffnung werden der luxemburgische Minister für Wohnungsbau, nachhaltige Entwicklung und Infrastruktur, Marco Schank, und Charles Pauly, Präsident des Naturparks Obersauer, erwartet.


Samstag, 28. Mai 2011

Vernissage

Technologiezentrum im Wissenschaftspark Gelsenkirchen

Heute fand in der 300 Meter langen Glasarkade die Vernissage zur Ausstellung „Naturpark im Wandel“ statt. Nach der Begrüßung durch Gabriele Preuß, Bürgermeisterin der Stadt Gelsenkirchen, nutzten Charles Pauly, Präsident des Naturparks Obersauer, Luxemburg und Marco Schank (* 10. Oktober 1954 in Ettelbrück), Minister für Wohnungsbau und beigeordneter Minister für nachhaltige Entwicklung und Infrastruktur, Luxemburg die Gelegenheit für eine Einführung in das Netzwerk der Naturparke der Großregion, die Naturparke Our und Obersauer, die Europäische Förderung, das Schaffen Raymond Clements … all die vielen Dinge, die man sich auf die Schnelle unmöglich alle merken kann.

Charles Pauly, Präsident des Naturparks Obersauer, Luxemburg


Marco Schank, Minister für Wohnungsbau und beigeordneter Minister für nachhaltige Entwicklung und Infrastruktur, Luxemburg

Schließlich gab es – und darauf hatten ja alle Besucher gespannt gewartet – einen Rundgang durch die Ausstellung mit Erläuterungen von Raymond Clement. Dabei berichtete er auch von einem Jazz-Konzert mit Miles Davis im Jahr 1983, bei dem er drei Schwarzweißfilme gegen einen Farbfilm eintauschte, was den Beginn seiner Arbeit in Farbe markiert. Oder von einem Gefrierschrank, der nicht mit Lebensmitteln gefüllt ist, sondern mit Fotoplatten, derweil diese Aufnahmetechnik beinahe vollständig von Zelluloidfilmen und Digitalfotografie verdrängt wurde. Damit werden dann auch Großformataufnahmen in der in dieser Ausstellung gezeigten Qualität irgendwann der Vergangenheit angehören – leider.

Raymond Clement

Neben der Entwicklung der Naturparks Our und Obersauer im Norden Luxemburgs während der vergangenen 25 Jahre dokumentieren die Fotografien von Raymond Clement auch die Entwicklung während der vier Jahreszeiten.

Raymond Clement erläutert seine Fotografien


© Raymond Clement 2011

Neben den Landschaftsaufnahmen zeigt „Naturpark im Wandel“ auch einige außergewöhnliche Makroaufnahmen, besonders beeindruckend ist eine Biene in einer Blüte, natürlich ebenfalls im Format 1 × 1 m². Man muss die Fotografien aber schon mit eigenen Augen gesehen haben, eine Beschreibung kann die visuellen Eindrücke nur unvollständig wiedergeben.

Präsentation des Bildbandes „ÖEWERSAUER & OUR“:
Raymond Clement und Marco Schank



Raymond Clement signiert den Bildband „ÖEWERSAUER & OUR“

Die Ausstellung „Naturpark im Wandel“ ist bis zum 9. Juli 2011 während der Öffnungszeiten des Technologiezentrums im Wissenschaftspark Gelesenkrichen zugänglich, montags bis freitags von 6 bis 19 Uhr, und samstags von 7.30 Uhr bis 17 Uhr. Das Technologiezentrum ist sonntags und an Feiertagen geschlossen (außer bei Veranstaltungen). Wer sich für Fotografie interessiert, sollte sich die Ausstellung auf keinen Fall entgehen lassen.


Lichtinstallation von Dan Flavin

Lichtinstallation im Technologiezentrum

Bei Dunkelheit taucht eine der letzten Installationen des Lichtkünstlers Daniel Nicholas Flavin (* 1. April 1933 in Jamaica, New York, † 29. November 1996 in Riverhead, New York, USA) das Technologiezentrum und den angrenzenden Landschaftsgarten in grün-blaues Licht. Die Installation ist dem Minimalismus zuzuordnen, sie besteht aus drei „Röhren-Bäumen“ an den Aufzugschächten sowie einer Lichtzeile am First der Glasarkade. Die „Röhren-Bäume“ bestehen jeweils aus 12 blau leuchtenden Röhren und 6 dazu senkrecht angeordneten grün leuchtenden Röhren.

Lichtinstallation am Aufzugsschacht


Lichtinstallation am First der Glasarkade

Sieht man über den kleinen See auf das Technologiezentrum, so erscheint die Glasfront als grün-blauer Lichtraum und die Anordnung der einzelnen Leucht­stoff­ele­mente verliert an Relevanz.

Lichtinstallation im Technologiezentrum