Donnerstag, 24. März 2011

Route Charlemagne Aachen

Tagesausflug in Deutschlands westlichste Großstadt

Was macht man mit einem Bahnticket für den Nahverkehr in NRW, das man gratis bekommen hat und das Ende des Monats verfiele? Natürlich nutzen, was sonst!? Ich habe das Ticket u. a. für einen Tagesausflug nach Aachen, Deutschlands westlichste Großstadt mit knapp 258.000 Einwohnern, genutzt.

Rathaus

Dort gibt es – dem Kulturpfad in Essen nicht ganz unähnlich – die Route Charlemagne, Namensgeber ist Karl der Große († 28. Januar 814 in Aachen), der ab 789 in Aachen seine Kaiserpfalz errichten ließ, die er nach seiner Krönung zum Römischer Kaiser durch Papst Leo III am 25. Dezember 800 zu seinem ständigen Wohnsitz machte. Die Route Charlemagne führt als historischer Stadtrundgang zu diversen Stationen, die mit der Geschichte Aachens als europäische Stadt und als Stadt der Wissenschaft verbunden sind.

Schlussstein im Deckengewölbe des Rathausfoyers

Zentraler Anlaufpunkt der Route ist das Centre Charlemagne, bzw. wird sein, denn die Fertigstellung im Verwaltungsgebäude am Katschhof ist erst für 2012/13 vorgesehen. Bis zur Fertigstellung ist im Haus Löwenstein eine Infostelle untergebracht, später wird dort das Thema Wirtschaft repräsentiert werden. Das Rathaus repräsentiert das Thema Macht, es ist noch heute Sitz des Oberbürgermeisters, im Ratssaal tagt noch immer der Rat der Stadt.

Werkmeistergericht

Einer der prächtigsten Säle des Aachen-Lütticher Barocks ist das Werkmeistergericht, die barocken Wandverkleidungen stammen aus der Werkstatt von Jacques de Reux aus Lüttich. Hier wurden früher die Produkte der Tuchmacher eingehend geprüft, bevor sie für den Export freigegeben wurden.

Krönungssaal

Im Krönungssaal, der mit seinen Kreuzrippengewölben durch vier mächtige Pfeiler unterteilt wird, wurden bis zur letzten Aachener Königskrönung im Jahr 1531 die größten Feste im Reich gefeiert. Heute wird hier der Internationale Karlspreis verliehen, über den man sich beim Aufstieg durch das Ark´sche Treppenhaus informieren kann.

Reichsapfel

Im Erker der früheren Ratskapelle sind originalgetreue Kopien der Reichskleinodien ausgestellt, die für die Krönungsausstellung im Jahr 1915 angefertigt wurden. Die Reichskleinodien waren unverzichtbarer Bestandteil der mittelalterlichen Königskrönungen.

Reichskrone

Der Aachener Dom repräsentiert das Thema Religion, das karolingische Oktogon entstand Ende des 8. Jahrhunderts als Kapelle der Kaiserpfalz und ist mit Säulen und Marmorböden aus antiken Bauten ausgestattet. Das neobyzantinische Mosaik in der Kuppel der Marienkirche wird bis Oktober 2011 saniert, daher ist das Oktogon momentan eingerüstet.

Aachener Dom

Der Aachener Dom wurde 1978 von der UNESCO als erste deutsches Denkmal zum Weltkulturerbe erklärt. Karl der Große wurde noch am Tag seines Todes am 28. Januar 814 in der Marienkriche bestattet. Der mamorne Königsthron und der Karlsschrein (1215 von Aachener Goldschmieden fertiggestellt) geben einen Eindruck von der Stilisierung Karls des Großen zum Idealbild eines mittelalterlichen Herrschers.

Aachener Dom


Aachener Dom

Auch anhand der Exponate in der 1995 neu eingerichteten Domschatzkammer lassen sich die Sakralisierung und Mystifizierung Karls des Großen verfolgen. Hier wird einer der bedeutendsten Kirchenschätze Europa mit mehr als 100 Kunstwerken präsentiert.

Domschatzkammer


Grashaus

Das so genannte Grashaus, das älteste im Jahr 1267 erbaute und bis 1349 als solches genutzte Rathaus Aachens, wird zur Station Europa der Route Charlemagne umgebaut, es wird voraussichtlich 2013 eröffnet. Der Name geht auf einen mittelalterlichen Dorfanger zurück. Das Gebäude beherbergte bisher das Stadtarchiv, worauf die Inschrift auf dem Eingangstor verweist.

Grashaus


SuperC, Servicezentrum der RWTH

Das moderne Gebäude mit seiner außergewöhnlichen Architektur am Templergraben wurde 2008 als Service- und Tagungshaus der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen eröffnet. Es ist zugleich die Station Wissenschaft der Route Charlemagne, denn Karl der Große gründete seine Herrschaft auch auf Wissenschaft.

Hauptgebäude der RWTH

Das Hauptgebäude der RWTH Aachen am Templergraben wurde zwischen 1865 und 1870 von Baurat Robert Ferdinand Cremer (* 27. Dezember 1826 in Aachen; † 1882 in Koblenz) errichtet.

Haus Löwenstein

Das Couven-Museum in dem 1662 von Adam Coebergh als Apotheke errichteten und 1786 vom Architekten Jakob Couven (* 13. Oktober 1735 in Aachen, † 9. Oktober 1812 in Aachen) im Rokoko-Stil umgebauten typischen Aachener Wohnhaus bildet die Station Lebenskultur. Das Museum zeigt – neben kultur- und kunstgeschichtlichen Wechselausstellungen und der rekonstruierten „Adler-Apotheke“ – eine Sammlung historischer Möbel vom Rokoko bis hin zum Biedermeier.

Couven-Museum


Elisenbrunnen

Die heißen Quellen als Ursprung Aachens wurden bereits von den Römern zum Betrieb von Thermen genutzt, auch die Pfalz Karls des Großen befand sich in unmittelbarer Nähe der Thermalquellen. Der nach der Kronprinzessin Elisabeth Ludovika von Bayern benannte Elisenbrunnen wurde 1822 bis 1827 nach Plänen der Architekten Johann Peter Cremer (* 30. Oktober 1785 in Köln, † 1. August 1863 in Aachen) und Karl Friedrich Schinkel (* 13. März 1781 in Neuruppin, † 9. Oktober 1841 in Berlin) errichtet. Um die beiden Trinkbrunnen der Kaiserquelle im zentralen Rondell trotz der chemischen Zusammensetzung des Thermalwassers ohne Aufsicht betreiben zu können, wurden dort Hinweisschilder mit der Aufschrift „Kein Trinkwasser“ angebracht. Der Elisenbrunnen bildet die Station Badekultur auf der Route Charlemagne.

Elisenbrunnen

Hinter dem Gebäude des Elisenbrunnens schließt sich der 1852 bis 1854 von Peter Joseph Lenné (* 29. September 1789 in Bonn, † 23. Januar 1866 in Potsdam) angelegte Elisengarten an. Im Rahmen der Neugestaltung fanden zwischen August 2008 bis Februar 2009 großflächige archäologische Grabungen statt, die Siedlungs- und Handwerksplätze aus fünf Jahrtausenden nachgewiesen haben.

Elisenpark

Neben Karl dem Großen ist Aachen auch für seine Printen bekannt. An der Alt Aachener Kaffeestuben Leo van den Daele am Büchel hat dieser den Aachener Printen ein Denkmal gesetzt. Augenblicklich wird das historische Café renoviert, zu Ostern möchte es die Bäckerei Kockartz mit neuem Leben füllen.

Am historischen Café van den Daele

Aus der gleichen Zeit wie der Elisenbrunnen stammt das Theater Aachen, welches von 1822 bis 1825 errichtet wurde. Karl Friedrich Schinkel änderte die ursprünglichen Pläne von Johann Peter Cremer dahingehend ab, dass er den Portikus mit acht Säulen auf die gesamte Gebäudebreite erweiterte. Herbert von Karajan war am Theater Aachen 1935 der jüngste Generalmusikdirektor Deutschlands.

Theater

Heute ist im zwischen 1913 und 1916 von Karl Stöhr erbauten „Neuen Kurhaus“ an der Monheimsallee das Spielcasino untergebracht.

Spielcasino

Das Ponttor ist – neben dem Marschiertor – eines der beiden heute noch erhaltenen Stadttore der äußeren Aachener Stadtmauer. Die Torburg wurde noch durch ein Vortor mit zwei Türmen verstärkt.

Ponttor

Der Baukomlex aus Synagoge und Gemeindezentrum am Synagogenplatz wurde 1995 nach Entwürfen von Alfred Jacoby auf dem Grundstück der 1861 eingeweihten und in der Pogromnacht im November 1938 zerstörten Synagoge errichtet und am 18. Mai 1995 eingeweiht. Auf dem Synagogenplatz erinnert ein Mahnmal in Form eines Davidssterns von Heinz Tobolla an die Zerstörung.

Synagoge

Kommentare:

Lucie hat gesagt…

Hallo Detlef,

ich lese schon eine ganze Zeit deinen Blog. Ich bin immer sehr angetan von deinen Fotos und Berichten.

Ich bin bei der Suche nach nach der "Spiralbrücke" in Oberhausen auf deinen Blog gestoßen und habe ihn gleich im Feedreader gespeichert!

Liebe Grüße aus Duisburg
Lucie :-)

Detlef hat gesagt…

Hallo Lucie,
dann ist dir ja bestimmt auch aufgefallen, dass es im letzten Blogeintrag zu „Slinky springs to fame“ in unregelmäßigen Abständen Updates zum Baufortschritt gibt.
LG Detlef