Freitag, 31. Dezember 2010

Eröffnung der Aktion Dreikönigssingen 2011


Weihnachtskrippe im Essener Dom

In der Darstellung der Weihnachtskrippe in der Münsterkirche fehlen sie noch, die Weisen aus dem Morgenland, besser bekannt unter dem Begriff Heilige Drei Könige. Tatsächlich wird ihr Fest erst am 6. Januar gefeiert, sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche kennt hierfür den Begriff „Erscheinung des Herrn“ (Epiphanias). Aber am 30. Dezember 2010 sind etwa 1.000 Sternsinger aus ganz Deutschland zur bundesweiten Eröffnung der 53. Aktion Dreikönigssingen nach Essen gekommen.

Die Sternsinger ziehen durch Essener Innenstadt

Nach dem Auftakt in der Münsterkirche, bei dem die Sternsinger von Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck, Prälat Dr. Klaus Krämer, Präsident des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“, Harry K. Voigtsberger, Minister für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, und Essens Oberbürgermeister Reinhard Paß begrüßt wurden, zogen diese durch die Essener Innenstadt zum Colosseum Theater, wo der Eröffnungsgottesdienst stattfand.

Die Sternsinger ziehen durch Essener Innenstadt

Unter dem Motto „Kinder zeigen Stärke“ werden in allen 27 deutschen Bistümern etwa 500.000 Jungen und Mädchen in den Gewändern der Heiligen Drei Könige von Tür zu Tür ziehen, um Spenden für notleidende Kinder in der so genannten Dritten Welt zu sammeln.

Die Sternsinger am Aufgang zum Colosseum Theater

Als Hinweis auf die Eröffnung der Aktion Dreikönigssingen 2011 waren im Kreisverkehr am Berliner Platz „Sternsinger“ aus Stahl aufgestellt worden. Die Veranstaltung fand erstmals in Essen statt.

„Sternsinger“ aus Stahl auf dem Berliner Platz

Dienstag, 28. Dezember 2010

Eiszeit auf Zollverein


Kunsteisfläche im ehemaligen Druckmaschinengleis

Auf dem Welterbe Zollverein hat am 18. Dezember 2010 – unabhängig von Frost und Schnee – die Eiszeit begonnen. Auf einer Länge von 150 Metern hat sich das ehemalige Druckmaschinengleis der Kokerei in eine 1.800 m² große spiegelglatte Kunsteisfläche verwandelt, auf der Schlittschuhläufer ihre Runden drehen können.

Kunsteisfläche im ehemaligen Druckmaschinengleis

In regelmäßigen Abständen wird das Eis aufbereitet, nicht nur Kinder sind von der Eisaufbereitungsmaschine begeistert, die die Eisfläche in einem Arbeitsgang säubert und mit Wasser wiederaufbereitet: „There are three things in life that people like to stare at: a flowing stream, a crackling fire and a Zamboni clearing the ice.“ (Charlie Brown) Eisaufbereitungsmaschinen werden – unabhängig vom tatsächlichen Hersteller – häufig als Zambonis bezeichnet.

Kunsteisfläche im ehemaligen Druckmaschinengleis

Nach Einbruch der Dämmerung unterstreicht die 1999 installierte Illumination „Monochromatic Red and Blue“ von Speirs + Major (1993 von Mark Major zusammen mit Jonathan Speirs als Speirs and Major Associates Limited gegründet) die Atmosphäre der Industriekulisse. Die Eisbahn auf der Kokerei Zollverein ist noch bis zum 9. Januar 2011 geöffnet.

Schriftzug am Ruhr Museum

Der denkmalgerechte Schriftzug an der ehemaligen Kohlenwäsche auf Schacht XII – tagsüber dezent dunkel gehalten – ist abends beleuchtet und lädt zum Besuch der Dauerausstellung zur Kultur, Natur und Geschichte des Ruhrgebietes im Ruhr Museum ein.

Ruhr Museum

Samstag, 25. Dezember 2010

Weihnachtsspaziergang

Tief verschneite Wege laden zu einem Spaziergang am Weihnachtstag nach dem Festmahl ein, aber von Spaziergängen im Wald wird abgeraten, aufgrund der hohen Schneelast müsse mit umstürzenden Bäumen und abbrechenden schweren Ästen gerechnet werden. Und auf den Gehsteigen muss man sich vor Dachlawinen und herabfallenden Eiszapfen in Acht nehmen. Auf allen Tramlinien in Essen fahren wegen der vereisten Gleise Busse statt Bahnen … Gar nicht so einfach, dem winterlichen Chaos etwas Positives abzugewinnen.

Am Mühlenbach

„Quaerite, et invenietis.“ („Wer suchet, der findet.“) Der serbische Maler und Kunstprofessor Miroslav Lazović hat bereits die Fassade des Verlagshauses der WAZ Mediengruppe in der Friedrichstraße in Essen gestaltet. Nun porträtiert der Künstler bekannte Spieler der Fußballvereine Borussia Dortmund und FC Schalke 04 auf einer Fassade an der „großen Straße“, dem so genannten „Ruhrschnellweg“.

Wandgemälde von Miroslav Lazović

Dabei soll es sich um Fußballspieler handeln, die im Laufe ihrer Karriere in beiden Vereinen gespielt haben, nämlich Reinhard „Stan“ Libuda, Jens Lehmann, Andreas „Andi“ Möller und Christoph Metzelder. Damit soll bildlich eine Brücke zwischen Dortmund und Gelsenkirchen geschlagen werden.

Wandgemälde von Miroslav Lazović

Miroslav Lazović möchte noch mindestens zehn weitere Hauswände mit zeitgenössischer Fassadenkunst verzieren, nicht nur in Essen, sondern im gesamten Ruhrgebiet.

Wandgemälde von Miroslav Lazović

Freitag, 24. Dezember 2010

White Christmas

Nein, ich habe nicht von weißer Weihnacht geträumt … weiße Weihnachten sind in weiten Teilen Deutschlands und Mitteleuropas eher selten, und wenn der Winter im Flachland Einzug hält, dann ist Chaos vorprogrammiert. Da bekommt man als Fußgänger von pfiffigen Autofahrern den Schneematsch mit durchdrehenden Rädern gegen die Hose geschleudert, da läuft man auf eisglatten Gehsteigen nicht nur Gefahr, auszurutschen, sondern auch von herabstürzenden, meterlangen Eiszapfen getroffen zu werden, die von den Dächern herabhängen. Also wirklich keine verlockenden Aussichten. Aber Tief „Scarlett“ wird dem Ruhrgebiet weitere Schneefälle bescheren. Hätten wir schon Silvester, so wäre ein „guter Rutsch“ wohl der adäquate Wunsch, aber so …


Mittwoch, 22. Dezember 2010

Johnny Cash – The Man in Black

„Johnny Cash – The Man in Black“ – Ein musikalisches Portrait; Musik: Roland Heinrich; Buch/Regie: James Edward Lyons; Choreografie: Andrew Hunt; Bühne: Zoltan Labas; Kostüme: Monika Seidl; Lichtdesign: Rolf Spahn; Arrangements, musikalische Einstudierung und Leitung: Roland Heinrich. Darsteller: Nils-Holger Bock (Johnny Cash), Roland Heinrich (Jimmie Rodgers/Prediger/Bremser/Dealer), Cornelia Corba (June Carter/Frau in Weiß), Arzu Ermen (Carrie Rivers Cash, Johnnys Mutter), Julia Leinweber (Vivian Liberto/Louise, Johnnys Schwester), Joel Kirby (Raymond Cash, Johnnys Vater/Sam Phillips), Heiko Ahrend (Luther Perkins). Musiker: Michael Deak (Kontrabass/E-Bass), Benjamin Glass (Schlagzeug/Percussion), Wolfram Csupkay (Fiddle/Säge/Mandoline/Gitarre) und Heiko Ahrend (Fiddle/E-Gitarre/Gitarre). Uraufführung: 21. September 2008, Stadttheater Amberg.



„Johnny Cash – The Man in Black“


Ein musikalisches Portrait


James Edward Lyons hat unter dem Titel „Johnny Cash – The Beast in Me“ bereits 2005 am Theater Bielefeld ein musikalisches Portrait über Johnny Cash (* 26. Februar 1932 in Kingsland, Arkansas, † 12. September 2003 in Nashville, Tennessee) zur Aufführung gebracht. Die Konzertdirektion Landgraf schickt das Stück unter dem Titel „Johnny Cash – The Man in Black“ nunmehr zum dritten Mal auf Tournee, wobei es erstmalig im Theater im Rathaus Essen Station macht. Die Aufführung wurde 2009 mit dem INTHEGA-Preis der Interessengemeinschaft der Städte mit Theatergastspielen e.V. in der Kategorie „Musik Theater Crossover“ ausgezeichnet. Die Tasache, dass Johnny Cash seit den frühen 1970er Jahren nur noch in schwarzer Kleidung auftrat, brachte ihm den Beinahmen „Man in Black“ ein. In dem 1971 erschienenen Nr. 1-Country-Album „Man in Black“ erklärt er in dem gleichnamigen Song den Grund dafür. 1975 erschien seine Autobiografie, ebenfalls unter dem Titel „Man in Black“.

Bereits 2004 wurde eine Filmbiografie über Johnny Cash mit dem Titel „Walk the Line“ mit Joaquin Phoenix als Johnny Cash und Reese Witherspoon als June Carter gedreht (Kinostart in den USA: 18. November 2005), für den Reese Witherspoon 2006 den Oscar als „Beste Hauptdarstellerin“ erhielt.

„Johnny Cash – The Man in Black“ ist eine Jukebox-Musical, das seine Lebensgeschichte anhand einer Reihe seiner bekanntesten Songs nachzeichnet. Seine ersten Songs „Folsom Prison Blues“ und „Cry, cry, cry“ kommen ebenso zu Gehör wie die zuletzt aufgenommenen Titel „The Man Comes Around“ und „Hurt“. Die Texte der Songs wurden teilweise der Handlung angepasst. Nachdem man nach dem ersten Song in der Aufführung („Jackson“) aus einer Radiomeldung von Johnny Cashs Tod erfährt und sein Gitarrenkoffer symbolisch zu Grabe getragen wird, blickt Johnny Cash auf sein Leben zurück, seine Kindheit und Jugend auf der elterlichen Baumwollfarm in Dyess, Arkansas, den Unfalltod seines zwei Jahre älterer Bruders Jack im Sägewerk, die Begegnung mit seiner ersten Frau Vivian Liberto, die er 1951 in San Antonio kennengelernt hatte, und seine Zeit bei der Air Force. Während seiner Stationierung in Landsberg am Lech gründete er seine erste Band, die Landsberg Barbarians, und auch der Song „Folsom Prison Blues“ geht auf diese Zeit zurück. Der zweite Akt schildert seine frühen Erfolge mit den Tennessee Two, dem Gitarristen Luther Perkins und dem Bassisten Marshall Grant, und Sam Phillips, dem Besitzer und Produzenten von Sun Records, der ihn 1955 unter Vertrag nahm, seine Tablettenabhängigkeit und seine Comebacks, sein Blackout in der Carnegie Hall in New York City am 10. Mai 1962 (das Konzert sollte ursprünglich für sein erstes Live Album aufgezeichnet werden), sowie seine leidenschaftliche Liebe zu Valerie June Carter (* 23. Juni 1929 in Maces Springs, Virginia, † 15. Mai 2003 in Nashville, Tennessee), der er am 22. Februar 1968 während eines Konzertes in Ontario, Kanada auf der Bühne einen Heiratsantrag machte und die er am 1. März 1968 in Franklin, Kentucky heiratete.

Nils-Holger Bock verkörpert die Figur des Johnny Cash nun schon seit 2008 und ist in nahezu allen Szenen auf der Bühne präsent. Ihm gelingt es, den Country-Sänger in seinen wesentlichen Lebenssituationen glaubhaft darzustellen. Weiterhin sind mir der Musikalische Leiter Roland Heinrich als „Mann für alle Fälle“ (in allen kleineren männlichen Rollen und als Musiker) und Cornelia Corba als June Carter positiv in Erinnerung geblieben, die Johnny bei seinem schwierigen Entzug zur Seite steht. Zusammen mit dem überzeugenden Ensemble ergibt sich ein schlüssiges Gesamtbild. Die Darsteller werden von vier Musikern auf der Bühne unterstützt, bisweilen sind diese auch als Johnnys Band in die Handlung integriert. Das Tournee-taugliche Bühnenbild von Zoltan Labas, das keine Wünsche offen lässt, besteht aus den Endbühnen zweier Eisenbahnwagen, einem Laternenmast und einem runden Ausschnitt in der Mitte, in dem das Geschehen teilweise durch Projektionen unterstützt wird.

Nils-Holger Bock und Cornelia Corba

Ein klein wenig merkwürdig ist es schon, dass die Vorstellungen von „Johnny Cash – The Man in Black“ in der Komödie im Bayerischen Hof München vom Musicalmagazin musicals angekündigt wurden, im Theater im Rathaus Essen dagegen nicht. Essen ist eben doch von der musicalischen Landkarte verschwunden. „Johnny Cash – The Man in Black“ ist aktuell bis zum 16. Januar 2011 im Theater im Rathaus Essen zu sehen, weitere Vorstellungen daselbst vom 12. bis 17. Mai 2011.

Montag, 20. Dezember 2010

„landmark“

Künstlerische Installation an der Bundesstraße 227

Seit dem 16. Juni 2010 befindet sich an der Bundesstraße 227 (Hattinger Straße auf Gelsenkirchener Stadtgebiet, Halterner Straße auf Essener Stadtgebiet) am Schnittpunkt der Stadtgrenzen der Städte Bochum, Essen und Gelsenkirchen (51°28’51,49” N, 7°6’7,28” E) und damit der Regierungsbezirke Arnsberg, Düsseldorf und Münster sowie der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe eine lotrechte, 14 Meter hohe Nachbildung eines in der Geodäsie gebräuchlichen rot-weiß beschichteten Fluchtstabs. Es handelt sich um eine künstlerische Installation im GrenzGebietRuhr nach einer Idee von Ulrich Daduna, Vorsitzender des Kunstvereins Gelsenkirchen, und Uwe Gelesch, die den Grenzpunkt visualisiert.

„landmark“ von Ulrich Daduna und Uwe Gelesch

An insgesamt 15 Standorten im Ruhrgebiet haben 12 Kunstvereine und zwei Künstlerhäuser gemeinschaftlich das Projekt GrenzGebietRuhr entwickelt, das das Thema Grenze reflektiert. Einige wenige Projektbeiträge sind noch bis zum Jahresende (z. B. „schrankenlos“) oder sogar permanent zu sehen.

Sonntag, 19. Dezember 2010

Mit der historischen Straßenbahn zum Rüttenscheider Wintermarkt

Am vierten Adventssamstag befuhr die Verkehrshistorische Arbeitsgemeinschaft EVAG e. V. zusammen mit der Essener Verkehrs-AG mit ihrer historischen Straßenbahn, Wagennummer 1753 die Strecke der Linie 106 vom Viehofer Platz zum Rüttenscheider Stern zum Rüttenscheider Wintermarkt. Witterungsbedingt konnte die Strecke nicht wie ursprünglich geplant bis zum Klinikum befahren werden.

Historische Straßenbahn, Wagennummer 1753

Der 1962 von der Essener Verkehrs-AG als Sechsachser 1723 in Dienst gestellte DÜWAG-Wagen wurde 1993 zum Achtachser umgebaut und erhielt dabei die neue Wagennummer 1753. 2001 wurde er in den Bestand der Museumsfahrzeuge der Verkehrshistorischen Arbeitsgemeinschaft EVAG e. V. übernommen. Das Fahrzeug kann als PartyTram für bis zu 50 Personen gemietet werden.

Historische Straßenbahn, Wagennummer 1753

Samstag, 18. Dezember 2010

„Ruhr.2010 – Das Finale“

Am 18. Dezember 2010 feierte die Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 ihr Finale in Dortmund, Duisburg, Essen und Gelsenkirchen, wobei die zentrale Veranstaltung am Nordsternplatz in Gelsenkirchen stattfand. Hatte am 9. Januar 2010 Tief Daisy für eisige Temperaturen und Schneetreiben beim Festakt zur Eröffnung der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 gesorgt, so bescherte Tief Petra zum Finale zumindest wieder Temperaturen von minus 5 °C. Verschiedene Gründe sprachen dafür, die Veranstaltung im Nordsternpark rund um das Amphitheater zu besuchen. (Impressionen von der bereits am 19. Juni und 20. August 2010 am „SANAA-Gebäude“ gezeigten audiovisuellen Performance Quadrangle kann man hier anschauen.)

Das Amphitheater Gelsenkirchen am Rhein-Herne-Kanal

Für nicht ortskundige Leser: Der Nordsternplatz befindet sich vor der Hauptverwaltung der THS Wohnen GmbH, am Fuße der erhaltenen Fördertürme der ehemaligen Zeche Nordstern, Schacht I/II. Der Nordsternpark ist ein Landschaftspark auf dem Betriebsgelände der 1993 stillgelegten Zeche Nordstern, in dem vom 19. April bis 5. Oktober 1997 die erste Bundesgartenschau an der Emscher stattfand. Für die zentrale Veranstaltung am Nordsternplatz waren 5.000 Eintrittskarten verkauft worden, aber wegen der Wetterverhältnisse haben längst nicht alle Besitzer einer Eintrittskarte die Veranstaltung auch tatsächlich besucht.

Weihnachtsbaum und SchachtZeichen

Besucher, die keine Eintrittskarte abbekommen hatten, konnten aber den Nordsternpark bei freiem Eintritt besuchen und sich die Übertragung der Veranstaltung im Amphitheater anschauen. Am Amphitheater war ein Weihnachtsbaum aufgestellt, der im Rahmen der Aktion „Wünsche für das Neue Emschertal“ mit Christbaumkugeln geschmückt werden konnte. Auch einige „SchachtZeichen“-Ballone wurden nochmals im Nordsternpark aufgelassen.

Lagerfeuer vor dem Kohlebunker

Am Lagerfeuer vor dem Kohlebunker wurde zwar nur Holz verbrannt, aber man könnte anhand des Fotos auch meinen, die „neue Sehenswürdigkeit Europas“ am Kohlebunker (das Kampagnenmotiv „Die Kulturhauptstadt sagt Danke“) ginge mit in Flammen auf.

An der Emscher, im Hintergrund der Nordsternturm

Im Amphitheater wurde vor dem Public Viewing des Finales am Nordsternplatz ein interaktives Projekt des Musiktheaters im Revier Gelsenkirchen vorgestellt, die Internetoper „Die Affäre Manon“, in der es um die tragische Liebesgeschichte zwischen der jungen Manon Lescaut und dem Studenten Des Grieux geht. Eine Ballerina durfte eine Episode daraus auf der Freilichtbühne tanzen, bei den frostigen Temperaturen sicherlich kein angenehmer Job.

Ballerina auf dem Weg zur Bühne

„Ruhr.2010 – Das Finale“ wurde vom WDR Fernsehen übernommen und auf die Leinwand auf der Bühne projiziert. Allerdings hatten sich wohl weit weniger Besucher im Amphitheater eingefunden als vom Veranstalter erhofft, so musste aber auch niemand wegen Überfüllung am Eingang abgewiesen werden. Während der Übertragung konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Zuschauer auf dem Nordsternplatz weniger Details zu sehen bekamen als die Fernsehkameras. Schließlich möchte man ja auch Details erkennen können, und nicht nur permanent „große Bilder“ zu sehen bekommen. Von den oberen Reihen im Amphitheater war auch das kurze Feuerwerk zum Abschluss von „Ruhr.2010 – Das Finale“ am Nordsternplatz zu sehen, und im Anschluss fand im Amphitheater ein „Schichtwechsel“ statt. Viele Besucher verließen das Gelände, was auch der Moderator Martin Wilger nicht verhindern konnte. Aber es fand sich ein neues Publikum ein, ein wenig zahlreicher als zum Public Viewing.

Public Viewing im Amphitheater

Im Anschluss an die Übertragung der Show „Ruhr.2010 – Das Finale“ wurden auf der Freilichtbühne nämlich Musical-Highlights von der „Starlight Express Band“ dargeboten, unterlegt mit Impressionen der EMSCHERKUNST.2010 und des Kulturhauptstadtjahres. Gesangssolisten waren Nigel Casey, Anke Sieloff, Peti van der Velde, Marion Wilmer und Andreas Wolfram. Viele Besucher waren extra für die Höhepunkte aus „Cats“, „Disneys Der König der Löwen“, „Elisabeth“, „Grease“, „Hair“, „Jesus Christ Superstar“, „Das Phantom der Oper“, „Porgy and Bess“, „Rocky Horror Show“, „Starlight Express“ u.a. in das Amphitheater gekommen, so dass es während der anderthalbstündigen Gala voller war als beim Public Viewing. Die komplette Veranstaltung im Amphitheater war „umsonst und draußen“, ersteres war der Emschergenossenschaft zu verdanken, letzteres war bei minus 5 °C auf die Dauer schon etwas frisch. Ungeachtet dessen war das Publikum aber bester Laune und forderte zum Ende der Gala noch Zugaben. Es dürfte die ungewöhnlichste Musicalgala gewesen sein, die das Kulturhauptstadtjahr zu bieten hatte. „Die Kulturhauptstadt hat für jeden was.“

Musical-Highlights mit Impressionen der EMSCHERKUNST.2010
(im Bild: „Walkway and Tower“ von Tadashi Kawamata)


Die Fußgänger- und Fahrradbrücken über die Emscher im Nordsternpark sowie die Emscher selbst wurden an diesem Tag stimmungsvoll illuminiert, so dass sich ein kleiner Rundgang durch den Park im Anschluss an die Veranstaltung auf alle Fälle gelohnt hat, nicht nur zum Aufwärmen.

Bogenbrücke über die Emscher


Bogenbrücke über die Emscher


Kastenbrücke über die Emscher


Kastenbrücke über die Emscher

Freitag, 17. Dezember 2010

Erweiterung Nordstern Schacht II

„Herkules“ will hoch hinaus

Dienstag, 7. Dezember 2010:


Die ehemalige Zeche Nordstern

Die Vorbereitungen zum RUHR.2010 Finale am 18. Dezember 2010 sind in vollem Gange, der Norsternplatz, auf dem der von Gil Mehmert inszenierte Jahresrückblick stattfinden wird, ist bereits mit Bauzäunen mit Sichtschutz (!) hermetisch abgeriegelt. Kein Grund zur Besorgnis: „RUHR.2010 – Das Finale“ wird vom WDR Fernsehen übertragen. Aber als Kulissen sollen Fassade, Dach und Fördertürme der ehemaligen Zeche Nordstern dienen, und die bedürfen noch einer „schwergewichtigen“ Erweiterung.

Erste Pinselstriche: Markus Lüpertz bemalt seine „Herkules“-Skulptur

Eine 18 Meter hohe, 23 Tonnen schwere „Herkules“-Skulptur von Markus Lüpertz soll den auf 85 Meter angewachsenen Nordsternturm (Nordstern Schacht II) zieren, und wird dafür auf das Dach des Erschließungsturms gehoben werden. Der Erschließungsturm ist notwendig, um das Industriedenkmal und den gläsernen Aufbau nutzen zu können. Zuvor müssen aber noch ein Arm und die Keule an die Skulptur aus Guss-Aluminium angeschweißt werden. Markus Lüpertz hat bereits bei Eiseskälte mit der Bemalung der Figur begonnen.

Der Kopf der „Herkules“-Skulptur

Die „Herkules“-Skulptur steht noch gar nicht auf dem Nordsternturm, regt jedoch schon jetzt zu kontroversen Diskussionen an. Aber selbst bei eisigen Temperaturen beobachten Zuschauer den Fortgang der Arbeiten auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Nordstern. Der „Herkules“ animiert zu einem Besuch des Areals, und daran dürfte sich wohl auch in Zukunft nicht viel ändern.

Markus Lüpertz begutachtet sein Werk

Maler, Grafiker und Bildhauer Markus Lüpertz (* 25. April 1941 in Reichenberg, Tschechische Republik) hat die „Herkules“-Skulptur eigens für den Nordsternturm entworfen, sie soll einen Gegenpol zu dem gläsernen Aufbau schaffen.

Will hoch hinaus: Die „Herkules“-Skulptur vor dem Nordsternturm

Herakles oder Herkules ist ein für seine Stärke und die Bewältigung großer Herausforderungen berühmter altgriechischer Nationalheld, der in den Olymp aufgenommen wurde und dort die Unsterblichkeit erlangte. Der Nordsternturm ist zwar nicht der Olymp, aber es dürfte trotzdem ein interessantes Schauspiel werden, wenn die „Herkules“-Skulptur auf den Erschließungsturm gehoben wird.

Markus Lüpertz bemalt seine „Herkules“-Skulptur


Donnerstag, 9. Dezember 2010:

Heute muß die Glocke werden.
Frisch Gesellen, seid zur Hand.

Friedrich Schiller, Das Lied von der Glocke

In diesem Fall ist „Heute“ nicht ganz wörtlich zu nehmen, aber dennoch kann man die Tage an einer Hand abzählen, innerhalb derer die „Herkules“-Skulptur fertiggestellt und auf den Nordsternturm gehoben werden soll.

Die ehemalige Zeche Nordstern

Wer das Procedere live mitverfolgen möchte, muss sich gar nicht vor Ort begeben, sondern kann dies mit Hilfe der auf dem Treppenhausturm des Parkhauses installierten Webcam tun. Diese liefert Bilder – momentan sogar einen Livestream – aus einem ähnlichen Blickwinkel wie das zuvor gezeigte Bild.

Der Kopf der „Herkules“-Skulptur

Natürlich liefert die Webcam keine Detailaufnahmen von der Skulptur, dafür muss man sich tatsächlich auf den Weg zum Nordsternpark machen. Aber der Blick auf Augenhöhe entschädigt für die Anfahrt.

Die ehemalige Zeche Nordstern

Begibt man sich dann noch zum Fuß der „Pyramide“, so bekommt man bereits einen schönen Eindruck vom erweiterten Nordsternturm mit den neuen, gläsernen Etagen. Man darf schon jetzt auf den Blick aus 85 Metern Höhe gespannt sein, den die öffentliche Aussichtsplattform auf dem Dach des Nordsternturms bieten wird.

Kranmontage auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Nordstern

Augenblicklich wird am Fuße des Nordsternturms ein Raupenkran (LR 1750) montiert, der die „Herkules“-Skulptur auf den Erschließungsturm heben wird. Allein die Montage des Krans dauert einige Tage. Man darf gespannt sein, was zuerst fertiggestellt ist: Der montierte Raupenkran oder die „Herkules“-Skulptur.

Freitag, 10. Dezember 2010:

Von der Stirne heiß
Rinnen muß der Schweiß

Fieberhaft wird an allen Ecken auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Nordstern gearbeitet, die Gerüste am Förder- und Erschließungsturm werden demontiert, die „Herkules“-Skulptur wird unermüdlich mit Winkelschleifern bearbeitet, und der Ausleger des Raupenkrans gewinnt unaufhaltsam an Länge.

Kranmontage auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Nordstern

„Herkules“ scheint von alledem unbeindruckt zu sein, aber man könnte meinen, ihn plagen Kopfschmerzen, denen man hier zu Leibe rückt.

Der Kopf der „Herkules“-Skulptur

Jedenfalls konnten die Kranbauer am Freitagnachmittag den Wettlauf gegen die Zeit für sich gewinnen, das Hindernisfeuer am Ende des Auslegers leuchtet in über 100 Metern Höhe.

Die ehemalige Zeche Nordstern

Am Ende der obligatorischen Keule bekommt die „Herkules“-Skulptur von Markus Lüpertz eine Schildkröte zur Seite gestellt, ein Symbol für langes Leben. Für die beteiligten Handwerker dürfte wohl eher ein langes Wochenende ins Haus stehen …

Schildkröte am Ende der noch nicht montierten Keule


Samstag, 11. Dezember 2010:

„Es ist nicht viel passiert, obwohl doch schon sehr viel geschehen ist.“

Die ehemalige Zeche Nordstern

Man könnte leicht ein Bilderrätsel daraus machen, den Fortschritt der Arbeiten auf den beiden Totalaufnahmen von Freitag und Samstag zu finden.

„Herkules“-Skulptur

Und wieviel Mühe es macht, die „Herkules“-Skulptur aus den vorgefertigten Teilen zusammenzusetzen, kann man augenblicklich erleben, wenn beispielsweise die tragenden Teile für den rechten Arm montiert werden.

„Herkules“-Skulptur

Schaut man sich das Zechenensemble vom Fuß der „Pyramide“ an, so sind dort momentan mehr Kräne zu sehen als Fördertürme.

Die ehemalige Zeche Nordstern


Montag, 13. Dezember 2010:

Die ehemalige Zeche Nordstern

Wenn man seinen Standort sorgfältig wählt, sieht es so aus, als seien die Bauarbeiten am Förderturm bereits abgeschlossen, die Gerüste restlos beseitigt, und nur die „Herkules“-Skulptur fehlt noch auf dem Erschließungsturm.

Die ehemalige Zeche Nordstern, Schacht II

Doch ganz so ist es nicht. Der „Herkules“-Skulptur ist in der Zwischenzeit zwar der rechte Arm „gewachsen“, aber die linke Körperhälfte sieht noch ziemlich „krank“ aus, wie nach einer Armamputation.

„Herkules“-Skulptur

Stattdessen gibt es an der linken Körperhälfte eine Einstiegsluke, durch die die Skulptur „begehbar“ ist. Aber so geräumig wie in der Freiheitsstatue wird es im Inneren wohl kaum zugehen.

Wo geht´s denn hier nach oben?


Dienstag, 14. Dezember 2010:

„Was nützt ein Plan - ist er auch noch so schlau,
er bleibt doch immer Theorie!
Und nur das eine weiß man ganz genau:
So wie man plant und denkt, so kommt es nie!“

„Herkules“-Skulptur

Letzten Pressemeldungen zufolge sollte die „Herkules“-Skulptur am heutigen Dienstag auf den Nordsternturm gehoben werden. Aber getreu dem obigen Zitat wurde dieser Plan nicht in die Tat umgesetzt, „Herkules“ steht noch immer mit beiden Beinen fest auf dem Boden (der Tatsachen). Aber auch heute gab es genügend Schaulustige, die nicht nur den Tag, sondern auch die Stunde meinten benennen zu können, in der der Raupenkran zum Einsatz kommt. Ich wüsste zu gern, wer ihnen das ins Ohr geflüstert hat. Mitunter ist es interessanter, den Gesprächen der Schaulustigen am Bauzaun zu lauschen als den Fortgang der Arbeiten zu verfolgen.

Schildkröte am Ende der Keule

Ein kleines Detail möchte ich aber dennoch zeigen. Möglicherweise ist dieses gar nicht mehr von unten zu sehen, wenn die „Herkules“-Skulptur in 85 Metern Höhe auf dem Erschließungsturm steht. Die bereits am Freitag erwähnte Schildkröte hat nämlich inzwischen einen Anstrich bekommen.

Bearbeitung des Traggerüsts mit dem Winkelschleifer

Bisher war immer die Rede davon, dass die Skulptur permanent mit Winkelschleifern berabeitet und der aus 244 Einzel-Gussteilen bestehende „Herkules“ zusammengeschweißt wird. Voilà, hier ist der Beweis.

Schweißarbeiten

Auch die Baustelle für das RUHR.2010-Finale am Norsternplatz macht inzwischen gute Fortschritte, soweit man dies außerhalb der Bauzäune mit Sichtschutz beurteilen kann. Das imaginäre „RUHR.2010-Schiff“, mit dem sich eine Künstler-Mannschaft bei der Abschlussveranstaltung auf eine Reise durch das Jahr 2010 begeben wird, ist bereits zu erkennen.

Die ehemalige Zeche Nordstern, Schacht I

Aber noch ist – neben der „Herkules“-Skulptur – der riesige Raupenkran das interessanteste Objekt auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Nordstern.

Die ehemalige Zeche Nordstern

Im benachbarten Nordsternpark wird im Amphitheater auch gewerkelt, zumindest dringen entsprechende Geräusche aus der Freilichtbühne nach außen. Die 1996 errichtete, 36 Meter hohe Doppelbogenbrücke führt über den Rhein-Herne-Kanal.

Doppelbogenbrücke über den Rhein-Herne-Kanal


Mittwoch, 15. Dezember 2010:

Soll das Werk den Meister loben!
Doch der Segen kommt von oben.

In der Nacht waren die letzten Vorbereitungen getroffen worden, um die „Herkules“-Skulptur auf den Erschließungsturm zu heben. Bereits am frühen Morgen war der Ausleger des Raupenkrans über die Skulptur geschwenkt und diese am Lasthaken befestigt worden.

„Herkules“-Skulptur


„Herkules“-Skulptur

Um 9.31 Uhr wurde die Skulptur ein wenig angehoben, und nochmals kontrolliert, ob alles seine Richtigkeit hat.

„Herkules“-Skulptur

Für den Raupenkran war die „Herkules“-Skulptur wohl eher ein „Leichtgewicht“, mühelos gewann diese an Höhe, um langsam aber sicher in den grauen Wolken und einsetzendem Schneetreiben beinahe zu „verschwinden“.

Die „Herkules“-Skulptur auf dem Weg auf den Erschließungsturm


Die „Herkules“-Skulptur auf dem Weg auf den Erschließungsturm

Nach etwa einer halben Stunde Schwebezustand ist die Skulptur wohlbehalten auf dem Erschließungsturm abgesetzt worden.

Die „Herkules“-Skulptur auf dem Erschließungsturm

Dort wurde sie sorgsam befestigt, um fortan den Ausblick Richtung Osten nach Gelsenkirchen-Schalke „genießen“ zu können. Damit kehrt „Herkules“ dem Nordsternplatz den Rücken zu, zeigt ihm die sprichwörtliche „kalte Schulter“.

Die „Herkules“-Skulptur auf dem Erschließungsturm

Bis zum Mittag hat es gedauert, dass sich die grauen Wolken verzogen haben und „Herkules“ den blauen Himmel über Gelsenkirchen zu sehen bekam.

Die ehemalige Zeche Nordstern, Schacht II

Sobald der Raupenkran die Skulptur vom Haken gelassen hat, wird er wieder zerlegt und abtransportiert. Am Freitag erfolgt im Rahmen der Feierlichkeiten zum 90-jährigen Geburtstag der THS GmbH die Enthüllung des „Herkules“ mit einer Inszenierung im Nordsternkarree.

Die ehemalige Zeche Nordstern, Schacht II


Die ehemalige Zeche Nordstern


Freitag, 17. Dezember 2010:

Am späten Freitagnachmittag verließen die letzten Schwertransporter mit den Baugruppen des Raupenkrans nach getaner Arbeit das Gelände der ehemaligen Zeche Nordstern.

Die „Herkules“-Skulptur wird enthüllt

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 90-jährigen Geburtstag der THS GmbH (1920 in Essen als TreuHandStelle für Bergmannswohnstätten im rheinisch-westfälischen Steinkohlenbezirk GmbH gegründet) wurde die „Herkules“-Skulptur auf dem Dach des Erschließungsturms enthüllt, und nun gehört sie offiziell zur Silhouette in Gelsenkirchen-Horst.

Das kann „ins Auge gehen“: Kletterer an der „Herkules“-Skulptur

In die Licht-, Ton- und Videoinszenierung am Nordsternkarree wurde neben dem Nordsternturm und der erhaltenen Ziegelmauer des Kesselhauses auch die ehemalige Werkstatt einbezogen.

Bengalische Beleuchtung des Nordsternturms


Zeche Nordstern, ehemalige Werkstatt


„Herkules“-Skulptur auf dem Nordsternturm


„Herkules“-Skulptur