Freitag, 1. Oktober 2010

Schwingungen am Hafen Wanne-Ost

„Schwingungen“ – Komposition, Realisation und Steuerung der Klanginsel 1: Christof Schläger; Choreografie der Betonpumpen: Marjon Smit und Seta Guetsoyan; Regie: Marjon Smit; Steuerung Klanginsel 2: Seta Guetsoyan; Steuerung der mobilen Klanginsel: Alexander Lahmann; Maschinisten an den Betonpumpen: Willi Schaffarczyk, Armin Scholten, Andreas Rompf, Jörg Wolf/Michael Kürten, Viktor Ein/Udo Büddemann, Norbert Einck, Torsten Oestreich/Heiko Paluch; Baggerfahrer: Maik Binder und Rambo Ceslik; Lokomotivführer: Hans Joachim Zelke; Rangierbegleiter: Friedhelm Hennes; Licht: Showtechnik Holtkamp; Feuerwerk: Feuerwerk ohne Grenzen. Uraufführung: 1. Oktober 2010, Hafen Wanne-Ost.



„Schwingungen“


Ein multimediales Spektakel zum Ausklang des „KulturKanals“


Das gemeinsame Abschlussfest der beiden Kulturhauptstadtprojekte „KulturKanal“ und „Ruhrlights: Twilight Zone“ fand bereits am 26. September 2010 im Duisburger Innenhafen statt, doch nun hat sich mit „Schwingungen“ der „KulturKanal“ endgültig für 2010 verabschiedet. „Spectacle müssen seyn …“, so hat es schon Maria Theresia in ihrem Dekret vom 9. Juni 1759 zum Ausdruck gebracht.

Das Veranstaltungsgelände war von der Schleuse Wanne-Eickel am Rhein-Herne-Kanal bei Kanalkilometer 31,197 zu erreichen. Hier begegnete man noch einem Relikt aus der Zeit der Errichtung des Rhein-Herne-Kanals, der zur Zeit nicht genutzten nördlichen Schleusenkammer. Nur die südliche Schleusenkammer wurde 1994 neu errichtet und an die aktuellen Bedürfnisse angepasst.

Das Gestell der stillgelegten nördliche Schleusenkammer für die Führung des Hubtores zum Unterwasser

Auf dem Gebiet der Wanne-Herner Eisenbahn und Hafen GmbH (WHE) ist 1987 das seinerzeit modernste Kohlenmischlager für die Versorgung des gesamten Heizkraftwerks Herne entstanden. Für den Transport zum Kraftwerk wurde eine Förderbandstraße errichtet.

Kohleterminal am Hafen Wanne-Ost

Das gesamte Areal ist industriell geprägt: Östlich befindet sich eben besagtes Heizkraftwerk, und auf dem Gelände an der Hafenstraße, also am Südufer des Hafens Wanne-Ost sind Recycling- und Entsorgungsfachbetriebe angesiedelt.

Schrottverwertung

„Schwingungen“ – so nannte sich das vom Herner Künstler Christof Schläger (* 15. Februar 1958 in Beuthen) erdachte Event, bei dem er auf selbst erstellten „Klangskulpturen“ eigene Kompositionen zu Gehör brachte. Dabei kamen verschiedene, von Christof Schläger eigenhändig gebaute Instrumente zum Eisatz: Drucklufthörner, Druckluftpfeifen, Windpfeifen, Spiralhörner und trommelähnlich aussehende Druckluft-Hörner, vom Künstler so genannte Branen.

Drucklufthörner

Um dem Klangerlebnis eine räumliche Komponente zu verleihen, waren die unterschiedlichen Instrumente auf insgesamt drei „Spielorte“ verteilt. Die zahlenmäßig stärkste Konzentration mit 16 Drucklufthörnern, 16 Branen, 16 Druckluftpfeifen und 16 Windpfeifen befand sich unmittelbar am Kohleterminal am Nordufer des Rhein-Herne-Kanals.

Klanginsel 1 am Kohleterminal

16 Drucklufthörner und 16 Druckluftpfeifen befanden sich am Südufer des Rhein-Herne-Kanals, auf dem Gelände an der Hafenstraße.

Klanginsel 2 am Südufer des Hafens Wanne-Ost

Schließlich befanden sich 16 Drucklufthörner, zwei Branen und zwei Spiralhörner auf einem Eisenbahnwaggon der Wanne-Herner Eisenbahn, der mit einer Diesellok während der Performance auf dem Gelände der WHE bewegt werden konnte.

Mobile Klanginsel auf dem Zug

Sieben Betonpumpen des Herstellers Schwing – in unmittelbarer Nachbarschaft zum Cranger Kirmesgelände gelegen – sorgten am Südufer des Rhein-Herne-Kanals für zusätzliche visuelle Eindrücke. Die Choreografie für das Betonpumpen-„Ballett“ haben die Amsterdamer Künstlerin Marjon Smit und die Dramaturgin Seta Guetsoyan erstellt.

Betonpumpen-„Ballett“

Christof Schläger hat bereits seit 2007 an diesem Projekt gearbeitet. Am Anfang stand die Idee, ein Konzert für Druckluft-Hörner in einer urbanen Landschaft geben. Seine eigenen Kompositionen sind an die Fähigkeiten der von ihm gebauten Instrumente angepasst. Dabei handelt es sich größtenteils um Staccato-artige Tonfolgen, wie sie bei Blasinstrumenten meist durch ein abruptes Unter- oder Abbrechen des Luftstromes durch die Zunge erzeugt werden. Dies lässt sich mit den von Christof Schläger gebauten Instrumenten leicht durch die verwendeten Druckluftventile umsetzen.

Betonpumpen-„Ballett“

Das Event war sorgfältig an die Lichtverhältnisse an diesem Tag angepasst. Die Sonne ging um 19.09 Uhr unter, und um diese Zeit begann man auch mit dem Konzert. So konnte man das Betonpumpen-„Ballett“ in der Dämmerung und zur blauen Stunde lichttechnisch in Szene gesetzt erleben, bevor zum Ende der Dämmerung ein Feuerwerk weitere Höhepunkte setzte.

Betonpumpen-„Ballett“

Ist man von der Cranger Kirmes spektakuläre Höhenfeuerwerke gewohnt, so wurden bei diesem Event sämtliche pyrotechnischen Effekte am Boden, auf dem Wasser oder an den Endschläuchen der Betonverteilermaste abgebrannt.

Betonpumpen-„Ballett“

Wer sich von Begriffen wie „Industrieoper“ hatte leiten lassen, oder vom Betonpumpen-„Ballett“ grazile Bewegungen wie die einer Primaballerina erwartet hatte, der war eindeutig mit falschen Vorstellungen gekommen und wurde womöglich enttäuscht. Wer dagegen nicht vorbelastet und ohne konkrete Vorstellungen gekommen war, der dürfte die einmalige und spektakuläre Performance sicher in guter Erinnerung behalten. Am Ende gab es jedenfalls verdienten Applaus für die Akteure.

Betonpumpen-„Ballett“

Betonpumpen-„Ballett“

Betonpumpen-„Ballett“

Klanginsel 1 am Kohleterminal

Kohleterminal am Hafen Wanne-Ost

Das Veranstaltungsgelände war für 4.000 Besucher freigegeben, und obwohl es nur einen einzigen Zugang über die Schleuse Wanne-Eickel gab, hat man sich dort nicht die Mühe gemacht, die Anzahl der Besucher exakt festzustellen. Wahrscheinlich war man sich bereits im Vorfeld sicher, dass man die maximal erlaubte Besucherzahl nicht erreichen würde.

Waren Sie selbst bei diesem Event dabei? Wie haben Ihnen die „Schwingungen“ gefallen?

Kommentare:

Per hat gesagt…

Ein sehr schöner und gut geschriebener Bericht!
Es ist allerdings nicht richtig, dass die Besucher nicht erfasst wurden. Es wurde im Einlassbereich eine Zählung durchgeführt.

Detlef hat gesagt…

Als ich den Einlass zum Veranstaltungsgelände gegen 18 Uhr passiert habe, hat niemand vom Sicherheitspersonal einen Handstückzähler o.ä. gehabt. Und beim Verlassen des Geländes gegen 21 Uhr hat man mir auf Nachfrage mitgeteilt, dass die Besucherzahl nicht exakt festgestellt wurde.