Sonntag, 31. Oktober 2010

„Vogelscheuchenparade“ am Mechtenberg

Halloween im Städtedreieck Bochum, Essen, Gelsenkirchen

Im Städtedreieck Bochum, Essen und Gelsenkirchen liegen der von der Eiszeit geformte Mechtenberg (83 Meter Höhe über NN) in Essen-Kray und die Abraumhalde (100 Meter Höhe über NN) mit der Himmelstreppe von Herman Prigann auf dem stillgelegten Zechengelände Rheinelbe in Gelsenkirchen-Ückendorf. Am Mechtenberg wird bis heute Getreide angebaut. Nur wenige Orte im Ruhrgebiet spannen einen solchen Bogen zwischen ursprünglicher und industriell veränderter Landschaft. Am Sonntag, den 31. Oktober 2010 fand im Rahmen des RUHR.2010 Projekts „Zwei Berge – Eine Kulturlandschaft“ das letzte der vier durch jahreszeitliche, landwirtschaftliche Bräuche inspirierte Fest zwischen Mechtenberg und Himmelstreppe statt – die „Vogelscheuchenparade“.

Die Mechtenbergbrücke

Am Nachmittag wurden die Vogelscheuchen an der Mechtenbergbrücke von Frei Paul Otto (* 31. Mai 1925 in Siegmar, heute ein Stadtteil von Chemnitz) ausgestellt. Die Mechtenbergbrücke überspannt die Hattinger Straße und den Leither Bach und verbindet den Essener Mechtenberg mit der Gelsenkirchener Halde Rheinelbe. Die Fußgängerbrücke wurde 2003 errichtet und hat eine Gesamtlänge von 130 Metern. Das in Deutschland wohl bekannteste Bauwerk von Frei Otto dürfte die zeltartige Dachkonstruktion über dem Hauptsportstättenbereich im Olympiagelände in München sein.

Herbststimmung an der Mechtenbergbrücke

Viele Kinder und vereinzelt auch die Erwachsenen waren passend zu Halloween verkleidet zur „Vogelscheuchenparade“ gekommen. Neben vielen lustigen Vogelscheuchen gab es auch einige Furcht erregende Gestalten.

Vogelscheuche am Mechtenberg

Vogelscheuche am Mechtenberg

Vogelscheuche am Mechtenberg

Die eigentliche Parade der Vogelscheuchen zum Bauernhof am Mechtenberg fand erst nach Einbruch der Dunkelheit statt. Da zur gleichen Zeit aber auch die 61. Essener Lichtwochen in der Innenstadt eröffnet wurden, habe ich mich für den Besuch dieser Veranstaltung entschieden.

Sonnenuntergang am Mechtenberg

Abendstimmung am Mechtenberg

Mit der „Vogelscheuchenparade“ am Mechtenberg ist das RUHR.2010 Projekt „Zwei Berge – Eine Kulturlandschaft“ beendet.

Freitag, 29. Oktober 2010

61. Essener Lichtwochen

Der Bruch mit einer langen Tradition

Am 3. Dezember 1950 ließen die Lichtwochen das erste Mal die Essener Innenstadt erstrahlen, und seit 1955 stehen sie unter einem jährlich wechselnden Motto. Dies ist in diesem Jahr erstmals nicht der Fall: Im kommenden Jahr werden die ehemalige Hauptstadt und älteste Stadt Finnlands Turku und die estnische Hauptstadt Tallinn den Titel „Kulturhauptstadt Europas“ tragen, und bei den 61. Essener Lichtwochen lässt man die 60. Essener Lichtwochen Revue passieren. Oder sind doch eher die Projekte des Kulturhauptstadtjahres 2010 in Essen gemeint? Vielleicht sind es auch einfach nur die ersten Anzeichen von Finanzmangel nach dem Kulturhauptstadtjahr, dass die Großmotive aus dem vergangenen Jahr quasi „recycled“ wurden.

„Essen für das Ruhrgebiet – Kulturhauptstadt Europas 2010“, Willy-Brandt-Platz

Essen ist ganzjährig Bannerträger der Kulturhauptstadt, daher hat man das Titelbild der diesjährigen Lichtwochen um die Krone, das offizielle Logo der „Local Heroes“ erweitert.

„Ruhr Museum“, Lindenallee/Willy-Brandt-Platz

In der Lindenallee begegnet uns das Großmotiv „Ruhr Museum“, das mit seiner Darstellung der mit 58 Metern längsten freistehenden Rolltreppe Deutschlands zur Eingangsebene des Ruhr Museums und dem Fördergerüst von Schacht XII auf das am 9. Januar 2010 in der ehemaligen Kohlenwäsche der Zeche Zollverein eröffnete Museum hinweist.

Die längste freistehende Rolltreppe Deutschlands zur Eingangsebene des Ruhr Museums und das Fördergerüst von Schacht XII

Auf der Kettwiger Straße/Kettwiger Tor weist das „TWINS 2010“ Lichtmotiv mit seinen bunten Pfeilen darauf hin, dass die von einer Jury ausgewählten 100 TWINS-Projekte als Zusammenarbeit der 53 Städte der Metropole Ruhr mit ihren mehr als 200 Partnerstädten in ganz Europa und darüber hinaus realisiert wurden.

„TWINS 2010“, Kettwiger Straße/Kettwiger Tor

Eines der 100 ausgewählten TWINS-Projekte war der „Flying Grass Carpet“, der den Willy-Brandt-Platz im Juli in eine grüne Oase verwandelt hat.

„The Flying Grass Carpet“ auf dem Willy-Brandt-Platz

Ebenfalls ein TWINS-Projekt ist das „Friedenslicht der Religionen“ von Leo Lebendig, das vom 7. Februar bis 18. Juni 2010 in der Volkshochschule Essen zu sehen war.

„Friedenslicht der Religionen“

Neue LED-Motive sind auf der Kettwiger Straße und der I. Dellbrügge zu finden, „Kosmische Wellen“ in Form von mit S-Bögen verzierten Kugeln überspannen die Kettwiger Straße, „Swing Glamour“ überspannen die I. Dellbrügge.

„Kosmische Wellen“, Kettwiger Straße

„Swing Glamour“, I. Delbrügge

„Alte Bekannte“ trifft man dagegen auf der Rathenaustraße, vor dem Grillo-Theater und im I. Hagen wieder. Hier begleiten einen „Sternenbälle“ in den Farben Silber und Gold. Zusammen mit dem Laternenmuseum sorgen sie für eine stimmungsvolle Atmosphäre.

„Sternenbälle“ und Laternenmuseum, 1. Hagen

Das Großmotiv „SchachtZeichen“ war 2009 vermutlich nicht nur bei mir dazu angetan, zu hohe Erwartungen an die SchachtZeichen zu wecken, die vom 22. bis 30. Mai 2010 die Orte markierten, an denen früher Bergwerke und große Schachtanlagen standen, und damit eine 4.000 km² große Kunstinstallation bildeten. Tatsächlich waren die mit Helium gefüllten gelben Ballone mit einem Durchmesser von 3,7 m aus einigen Kilometern Entfernung nämlich nur als stecknadelkopfgroße Punkte am Horizont zu erkennen.

„SchachtZeichen“, Kettwiger Straße/Höhe Lichtburg

Ungeachtet dessen bewegten die SchachtZeichen Menschen, die möglichst viele der 311 SchachtZeichen-Ballone sehen wollten und daher zu höher gelegenen Aussichtspunkten fuhren. Die Bewohner und Besucher des Ruhrgebiets kamen vom 22. bis 29. Mai 2010 (aufgrund starken Windes und Windböen verbunden mit schauerartigen Regenfällen konnten die SchachtZeichen-Ballone am 30. Mai 2010 nicht mehr aufgelassen werden) auf Halden, Hochpunkten und unter den Ballonen miteinander ins Gespräch, die Erwartungen der Veranstalter wurden damit weit übertroffen.

„SchachtZeichen“ vor dem Fördergerüst Schacht XII, Welterbe Zollverein

Das Motiv „ADVENIAT“ hängt bereits seit einigen Jahren am Kardinal-Hengsbach-Platz. Es weist den Weg zum Kerzenziehhaus, in dem Besucher vom 22. November bis zum 21. Dezember 2010 gegen eine Spende für das Hilfswerk „ADVENIAT“ ihre Advents- oder Weihnachtskerzen selbst ziehen können.

„ADVENIAT“, Kardinal-Hengsbach-Platz

Am nördlichen Ende der Kettwiger Straße sorgen erstmals in diesem Jahr goldene Sterne in „Bilderrahmen“ für vorweihnachtliche Stimmung. Die verwendete LED-Technik ermöglicht bei diesen Motiven eine dreidimensionale Wirkung.

„Bilderrahmen“ mit Sternen, Kettwiger Straße

Die beiden Großmotive an der Porschekanzel und am Markt weisen auf die beiden anderen Kulturhauptstädte Europas in diesem Jahr hin, Pécs in Ungarn und Istanbul in der Türkei.

„Pécs – Kulturhauptstadt Europas 2010“, Porschekanzel/Rathaus Galerie


„Istanbul – Kulturhauptstadt Europas 2010“, Markt 1

In der Rathaus Galerie hängen während der Essener Lichtwochen acht Motive mit Essener Wahrzeichen, wobei das kleine Titelbild am Rathausplatz das so genannte Community-Logo der RUHR.2010 zeigt.

„Essener Wahrzeichen“, Rathaus Galerie


„Essener Wahrzeichen: Villa Hügel“, Rathaus Galerie

Die insgesamt drei Großmotive zum RUHR.2010 Leitprojekt Ruhr-Atoll (ursprünglich Folkwang-Atoll) rufen Erinnerungen an ein Projekt wach, das anfänglich mit 25 Entwürfen für die Kunst-Inseln „ins Rennen ging“. Tatsächlich tauchten auf dem Baldeneysee aber nur vier Kunst-Inseln auf, eine weitere Idee sorgte unter dem Titel „MARKING TIME“ für monatelange kontroverse Diskussion und dürfte damit für viel Publicity gesorgt haben. Ein fünfter Entwurf („LOCAL | GLOBAL“) wurde bis zur Bauausführung verfolgt, jedoch ließen Strömungsrisiken direkt unterhalb des Stauwehrs die als Rettungsring um die natürliche Sandbank in der Ruhr gestaltete Kunst-Insel nicht zu … Merkwürdige Begründung, denn die Strömungsverhältnisse unterhalb des Stauwehrs haben sich ja nicht von heute auf morgen geändert, und welcher Bauherr beginnt schon mit der Errichtung eines Bauwerks, bevor die Frage nach dem Baugrundstück nicht geklärt ist.

Ruhr-Atoll 2010: „Frosch und Teemeister – Ein Dialog“, Marktkirche/Flachsmarkt

Vom 12. Mai bis 10. Oktober 2010 waren die vier Kunst-Inseln auf dem Baldeneysee unter dem Motto „Kunst ist Energie – Energie ist Bewegung“ zu bewundern, und mit Ausnahme der Kunst-Insel „Frosch und Teemeister“ konnten diese auch mit Tretbooten angefahren und betreten werden. Etwa 35.000 Besucher nutzten diese Möglichkeit.

Teehaus („Frosch und Teemeister“) von Kazuo Katase und Prof. Michael Wilkens


Ruhr-Atoll 2010: „Projekt zur Erhaltung der natürlichen Ressourcen“, Viehofer Straße/Fontänengasse

Als inhaltlicher und optischer Kontrapunkt wurde das „Projekt zur Erhaltung der natürlichen Ressourcen“ von Ilya und Emilia Kabakov den übrigen Kunst-Inseln gegenübergestellt: Ein rostiges, quietschendes „Monstrum“ pumpte Wasser von der einen Seite der Insel auf die andere.

„Projekt zur Erhaltung der natürlichen Ressourcen“ von Ilya und Emilia Kabakov


Ruhr-Atoll: „Iceberg Palaoa“, Viehofer Straße/Pferdemarkt

In den auf dem Baldeneysse schwimmenden „ICEBERG“ ist ein Container mit ähnlichen Abmessungen wie die PALAOA Messstation (PerenniAL Acoustic Observatory in the Antarctic Ocean) des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung eingebaut. Die PALAOA Messstation ist unbemannt und zeichnet mit Unterwassermikrofonen alle akustischen Signale aus der Unterwasserwelt unter dem Schelfeis auf. Im Inneren der Kunst-Insel „ICEBERG“ waren Original-Bänder der Messstation zu hören.

„ICEBERG“ von Andreas Kaiser und Dr. Lars Kindermann

Die beiden Sonderbilder in der Lindenallee zwischen Kibbel- und Logenstraße verweisen auf die norwegische Stadt Stavanger, die 2008 neben Liverpool Kulturhauptstadt Europas gewesen ist, und die südungarische Stadt Pécs, neben Istanbul und RUHR.2010 Kulturhauptstadt Europas 2010.

„Stavanger – Kulturhauptstadt Europas 2008“ und „Pécs – Kulturhauptstadt Europas 2010“, Lindenallee zwischen Kibbel- und Logenstraße


„Museum Folkwang“, Friedrich-Ebert-Straße/Einkaufszentrum Limbecker Platz

Das Großmotiv am Einkaufszentrum Limbecker Platz an der Friedrich-Ebert-Straße zeigt den vom englischen Architekten David Chipperfield entworfenen Neubau des Museums Folkwang, das am 28. Januar 2010 eröffnet wurde. Paul Joseph Sachs, Mitbegründer des Museum of Modern Art in New York, sagte bei einem Besuch in Essen 1932, das Museum Folkwang sei „das schönste Museum der Welt“, und so wurde als erste Sonderausstellung vom 20. März bis 25. Juli 2010 „Das schönste Museum der Welt“ im Neubau gezeigt.

Museum Folkwang

Andere RUHR.2010 Leitprojekte wie !SING – DAY OF SONG, das Still-Leben Ruhrschnellweg oder der KulturKanal kamen bei der Neuauflage der Lichtwochen unter dem Motto „Essen für das Ruhrgebiet – Kulturhauptstadt Europas 2010“ gar nicht zum Zuge. Stellen die 61. Essener Lichwochen bereits einen Rückblick auf die Projekte der Kulturhauptstadt dar, so darf man sich die Frage stellen, was am Ende von RUHR.2010 bleiben wird, wenn die Kulturhauptstadt im Ruhrgebiet in zwei Monaten der Vergangenheit angehören wird. Sicherlich werden das Museum Folkwang und das Ruhr Museum mit ihren Dauer- und Sonderausstellungen auch zukünftig ein Publikum finden, und diverse Projekte sind noch gar nicht abgeschlossen. Auf der anderen Seite wurde ausgerechnet im Kulturhauptstadtjahr der En-suite-Spielbetrieb im Colosseum Theater eingestellt, und auch das städtische Theater in Essen hat aus Kostengründen ein Genre komplett vom Spielplan gestrichen. Das kulturelle Angebot im Ruhrgebiet wird sich zukünftig sicherlich an den schwindenden Finanzmitteln orientieren, und der Wandel vom Ruhrgebiet zur Metropolenregion Ruhr – auch das hat das Kulturhauptstadtjahr gezeigt – ist noch lange nicht vollständig vollzogen.

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Das Verwaltungsgebäude der Eisenbahn-Direktion Essen

Das Gebäude am Bismarckplatz 1 wurde bis zu deren Auflösung im Zuge der Bahnreform am 1. Januar 1994 als Verwaltungsgebäude der ehemaligen Bundesbahndirektion Essen genutzt. Es wurde im März 1898 von der Königlichen Eisenbahn-Direktion Essen bezogen. Die Statue Otto von Bismarcks vor dem Haupteingang wurde 1899 aufgestellt. Diese steht unter Denkmalschutz, das Gebäude selbst aber nicht. Nach jahrelangem Leerstand ist das Gebäude ab Juli 2009 für eine Nutzung als Service-Center der Deutschen Bank umgebaut und am 8. Oktober 2010 offiziell eingeweiht worden.

Bürogebäude am Bismarckplatz

Das Direktionsgebäude wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt und später in erheblich veränderter Form wieder aufgebaut. Bei dem neuerlichen Umbau wurde der ehemalige Mittelgiebel in Formen der Weserrenaissance wieder bildlich in die Frontfassade integriert, das Abbild wurde in die vorgehängte Glasfassade eingeäzt.

Vorgehängte Glasfassade

Das Gebäude gehört zur Themenroute „Bahnen im Revier“ auf der Route der Industriekultur.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Ein Zug für MELEZ

Der Festivalzug auf seiner kostenlosen „Tour de Ruhr“

In diesem Jahr wurde das seit 2005 im Herbst stattfindende Festival der Kulturen MELEZ in Kooperation mit der Deutschen Bahn auf die Schiene verlegt. Etwa 60 Auzubildende aus allen Geschäftsfeldern der Deutschen Bahn haben den aus fünf S-Bahn-Wagen – so genannten x-Wagen – und einer Lokomotive der Baureihe 143 bestehenden Zug unter der künstlerischen Leitung von Bühnen- und Kostümbildnerin Cordula Körber in den „Zug für MELEZ“ verwandelt. Die technischen Auf- und Umbauarbeiten fanden im Ausbesserungswerk der DB Fahrzeug und Instandhaltungs GmbH in Krefeld-Oppum statt, die künstlerische Innen- und Außengestaltung in den Werken der DB Regio NRW GmbH in Düsseldorf und Duisburg.

Anzeigetafel am Bahnsteig

Am 27. Oktober 2010 haben die Deutsche Bahn und ihre Tochter DB Regio NRW den MELEZ Festivalzug auf die unentgeltliche „Tour de Ruhr“ von Düsseldorf über Duisburg, Oberhausen und Bochum auf der „Industrieroute“ (eine sonst ausschließlich dem Güterverkehr vorbehaltene Strecke) zum Hauptbahnhof Essen geschickt.

MELEZ Festivalzug in Essen

Hier bestand ausgiebig Gelegenheit, die „Themenwagen“ zu besichtigen. Nach zwölf Themenfahrten hat sich insbesondere der „Weiße Wagen“ („Das weiße Blatt Papier“), in dem sich die Reisenden „verewigen“ durften, stark verändert.

MELEZ Festivalzug, „Weißer Wagen“

Im „Salonwagen“ hat sich dagegen nicht viel verändert, er hat nichts von seinem orientalischen Flair eingebüßt, die Teppiche und Tischlampen sind noch an Ort und Stelle, und die Sitze sind auch nicht bemalt.

MELEZ Festivalzug, „Salonwagen“

Trotz großem „Tamtam“ der Sambagruppe Balanção war das Interesse an der Veranstaltung eher mäßig, was möglicherweise auch am ein wenig abgelegenen Bahnsteig gelegen haben kann, an dem der Festivalzug zur Besichtigung abgestellt war.

Sambagruppe Balanção

Pünktlich um 18.02 Uhr machte sich der Festivalzug von Essen auf den Weg nach Düsseldorf, und obwohl man gratis mitfahren durfte und Dr. h.c. Fritz Pleitgen, Geschäftsführer der RUHR.2010 GmbH, persönlich Werbung für die Mitfahrt gemacht hatte, waren die Plätze nahezu unbesetzt.

MELEZ Festivalzug in Essen

Im Dunkeln sieht auch das Umfeld des Essener Hauptbahnhofs nach dem Umbau bereits recht ansehlich aus. Dann fällt es nämlich nicht so auf, wo überall noch gebaut wird, und dass die Bauarbeiten dieses Jahr wohl nicht mehr abgeschlossen werden können.

Hauptbanhof Essen, Ausgang zur Innenstadt

Am 28. Oktober findet die letzte Themenfahrt mit dem Festivalzug unter dem Motto „MELEZ.Endspurt“ statt, am Abend beginnt das viertägige MELEZ-Abschlussfest in der Jahrhunderthalle Bochum.

Jahrhunderthalle Bochum

Dienstag, 26. Oktober 2010

Medienhafen Düsseldorf

Ein Streifzug durch die architektonische Vielfalt des ehemaligen Industrieareals

Obwohl Düsseldorf durch seine geografische Lage am Rhein als Hafenstadt prädestiniert ist, beschloss die Stadtverordnetenversammlung erst am 9. November 1886 den Bau eines Hafens, der 30. Mai 1896 eröffnet wurde. Die Hafeneinfahrt liegt am so genannten Rheinknie. Nach dem ersten Weltkrieg erwies sich der Hafen allerdings als überdimensioniert, so dass in den 1970er Jahren beschlossen wurde, das Hafengebiet zu einem modernen Dienstleistungs- und Bürostandort weiterzuentwickeln. Erste sichtbare Zeichen waren der Bau des Rheinturms (1982), der Neubau des Landtags (1988), der Bau des WDR-Landesstudios (1991) sowie des Rheinparks Bilk (1986). Ab 1989 setzte mit Beginn der zweiten Entwicklungsphase eine rege Bautätigkeit ein. Der 1998/1999 fertiggestellte Gebäudekomplex „Der Neue Zollhof“ des Architekten Frank Owen Gehry wurde rasch zum Aushängeschild des neuen Standortes.

Östlicher Teil des MedienHafens

Bei dem 2002 nach Plänen der Architekten Michael Dahmen, Wolfgang Döring und Elmar Joeressen fertiggestellten 63 Meter hohen „Portobello-Haus“ handelt es sich um ein gemischtes Immobilien-Projekt mit 137 Wohnungen und 5.000 m² Bürofläche.

„Portobello-Haus“, Ernst-Gnoß-Straße 24

Vier Bürotürme mit einer Gesamtnutzfläche von 46.000 m² bilden den Gebäudekomplex in der Völklinger Straße 4. Der Gebäudekomplex wurde bereits 1974 fertiggestellt und erhielt nach Umbaumaßnahmen im Außen- und Innenbereich in demokratischer Abstimmung den Namen rwi4.

rwi4 Gebäude

Das 1998 fertiggestellte Stadttor markiert den Übergang vom Medienhafen in das Regierungsviertel. Es wurde bei der internationalen Immobilienmesse MIPIM (Marche International des Professionnels de l`Immobilier) in Cannes von einer internationalen Jury als Gruppensieger in der Kategorie „Europas Bürogebäude 1998“ ausgezeichnet. Die Planung für das 75 Meter hohe Gebäude mit einer Gesamtbürofläche von 27.000 m² auf dem Grundriss eines Parallelogramms stammt von Ingenhoven Overdiek Architekten.

Das Düsseldorfer Stadttor

Die von den Torsäulen und Attikageschossen gebildete Halle ist verglast und mit einer Höhe von 56 Metern die höchste Europas. 30.000 m² Glas wurden an dem in Skelettbauweise errichteten Bürogebäude verbaut.

Spiegelung des Rheinturms im Stadttor

Das neue Landtagsgebäude am Platz des Landtags 1 wurde nach Plänen des Architekturbüros Eller, Moser, Walter und Partner errichtet. Sechs halbrunde Teilgebäude gruppieren sich um den kreisförmigen Plenarsaal. Der Neubau wurde am 2. Oktober 1988 nach siebenjähriger Bauzeit eingeweiht.

Büro Rheinturm vor dem Landtag

Das 1962 von Brigitte und Christoph Parade in Düsseldorf gegründete Architekturbüro ging als Sieger eines Gutachterverfahrens für den Bau des neuen WDR-Landesstudios hervor. Der Entwurf besitzt einen asymmetrischen, U-förmigen Grundriss, dessen geöffnete Seite mit der Eingangshalle zum Rheinturm hin ausgerichtet ist.

Westdeutscher Rundfunk, Landesstudio Düsseldorf

Die Londoner Architektin Zaha Mohammad Hadid (* 31. Oktober 1950 in Bagdad, Irak) ging aus einem Wettbewerb zur Bebauung des Geländes des abzureißenden Zollhofs hervor. Ihr dekonstruktiver Entwurf scheiterte aber an „Verwertbarkeitsproblemen bei der Realisierung des Projekts“ (Quelle: Homepage der Stadt Düsseldorf), so dass schließlich der kanadisch-amerikanische Architekt Frank Owen Gehry (* 28. Februar 1929 in Toronto, Ontario als Ephraim Goldberg) das „Kunst- und Medienzentrum Rheinhafen“ entwickelte. Frank Gehry erhielt 1989 den Pritzker Architecture Prize, den weltweit renommiertesten Preis im Bereich der Architektur.

„Der Neue Zollhof“

Die drei Gebäude wirken wie eine riesige, asymmetrische Skulptur und zeichnen sich durch starke Lotabweichungen bis zu 28 Grad aus. Die Fenster ragen aus den Fassaden hervor, die Grundrisse sind ungleichmäßig. Durch unterschiedliche Fassadenoberflächen hat jedes Gebäude ein individuelles Erscheinungsbild erhalten. Das mit verchromten Nirosta-Edelstahlplatten verkleidete mittlere Gebäude ermöglicht eine Spiegelung der beiden anderen Häuser mit den ebenflächigen weiß verputzten Außenwänden und der terracottafarbenen Klinkerfassade.

„Der Neue Zollhof“

Die Realisierung der Baukörper mit Freiformflächen aus Beton stellte auch die ausführenden Architekten BM+P Beucker Maschlanka und Partner vor enorme Herausforderungen. Aber die Mühe hat sich gelohnt, die Gebäude haben sich zum Imageträger des MedienHafens entwickelt.

„Der Neue Zollhof“


Eingang zur Meerbar, Neuer Zollhof 1


Neuer Zollhof 2


Kaistraße im westlichen Teil des MedienHafens

Am Handelshafen befinden sich das 2006 nach Plänen von Professor Günter Zamp Kelp, UdK Berlin (* 1941 in Bistritz, Transsylvanien) fertiggestellte „Haus vor dem Wind“ (Kaistraße 8a) und die nach Entwürfen von RKW Rhode Kellermann Wawrowsky bereits im August 1995 fertiggestellten Gebäude Kaistraße 4 – 6, wobei in der Kaistraße 4 ein Lagerhaus aus den 1930er Jahren in den Gebäudekomplex mit einbezogen wurde. Die Fassaden des „Hauses vor dem Wind“ am Handelshafen und an der Kaistraße sind als segelartig aufgeblähte Oberflächen aus Glas und Metall vom Wind inspiriert.

Kaistrasse im westlichen Teil des MedienHafens

Das denkmalgeschützte Lagerhaus an der Kaistraße 3 wurde 1898 bis 1899 für die Firma de Haen Carstanjen und Söhne errichtet. In dem nach Plänen von Norbert Winkels von Grund auf sanierten Gebäude ist die DFA Deutsche Fernsehnachrichten Agentur Produktionsgesellschaft mbH & Co KG untergebracht. Dabei wurde die ehemalige Hofseite zur Haupteingangsseite umgestaltet.

DFA Gebäude, Kaistraße 3

Das Lagerhaus aus dem Jahr 1949 an der Kaistraße 11 wurde ebenfalls nach Plänen von Norbert Winkels in ein Büro- und Studiogebäude umgebaut.

Kaistraße 11, umgebautes Lagerhaus von 1949

Der neue Sitz der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen wurde von werk.um architekten GbR (Erhard Botta, Thomas Lückgen und Arne Steffen) geplant. Auf dem Grundriss eines Dreiecks mit gebogenen Schenkeln ist ein siebengeschossiges Gebäude mit einer Nutzfläche von etwa 2.500 m² entstanden, das Ende 2002 als modernes Kommunikationszentrum übergeben wurde.

„Haus der Architekten“, Zollhof 1

„Grand Bateau“ (Großes Schiff) hat der französische Architekt Claude Vasconi (* 24. Juni 1940 in Rosheim, Elsass; † 8. Dezember 2009 in Paris) sein Gebäude im MedienHafen genannt. Wie ein großer Transatlantikliner im Hafen zieht es die Blicke der Besucher auf sich. Das Gebäude ist Sitz der Landesanstalt für Rundfunk NRW und des Europäischen Medieninstituts.

„Grand Bateau“, Zollhof 2, 4, 6, 8

Im November 1998 wurde das von Till Sattler entworfene Multiplex-Kino fertiggestellt. Seit Dezember 1998 betreibt United Cinemas International, kurz UCI, das Haus mit neun Sälen und fast 2800 Plätzen. Nach eigenen Angaben besitzt das Haus die längste Rolltreppe Nordrhein-Westfalens – ohne konkrete Längenangabe kann man viel behaupten. Ich empfehle zum Vergleich die mit 58 Metern längste freistehenden Rolltreppe Deutschlands zum Empfangsbereich des Ruhr Museums in Essen in Augenschein zu nehmen.

Multiplexkino UCI, Hammer Straße 29

Als Pedant zum Fernsehturm wurde am südlichen Ende des Handelshafens im März 2002 das 16-geschossige Büro- und Service-Hochhaus „DOCK – Düsseldorf Office Center Kaistraße“ nach Plänen des niederländischen Architekten Jo Coenen (* 30. September 1949 in Heerlen) fertiggestellt.

„DOCK – Düsseldorf Office Center Kaistraße“, Kaistraße 2

Das Stahlfachwerkgebäude am Ende des Handelshafens wurde um 1896 als Maschinenhaus errichtet. Besonders spektakulär ist das nach Plänen von Norbert Wansleben als Brückenkonstruktion über dem Maschinenhaus errichtete Bürogebäude. Der nach einem 1924 entworfenen Projekt des russischen Architekten Eliezer „El“ Lissitzky so genannte „Wolkenbügel“ enthält Büros und Studios. In diesem Komplex ist auch die Diskothek 3001 angesiedelt.

„PEC – Port Event Center“, Am Handelshafen 4

Der Architekt Helmut Jahn (* 4. Januar 1940 in Zirndorf bei Nürnberg) hat mit dem zwanzigstöckigen Bürogebäude „SIGN!“ in seiner charakteristischen abgerundeten Form eine markante Landmarke am MedienHafen geschaffen. Mit 76 Metern Höhe ist das „SIGN!“ das höchste Hochaus im MedienHafen, es wird nur vom Rheinturm als Düsseldorfs höchstem Gebäude mit einer Höhe von 240,5 Metern überragt.

„PEC – Port Event Center“, Am Handelshafen 4 und „SIGN!“, Speditionsstraße 1

Die denkmalgeschützte Produktionsgebäude in der Speditionsstraße 7 wurde 1897 als Malzfabrik für die Firma Friedrich Küppers errichtet. Die zuletzt von der Dortmunder Union Kronen-Brauerei genutzte Mälzerei wurde nach Planungen des Architekten Bob Gansfort saniert, wobei der größte Teil der Dachsilhouette erhalten blieb und die Kriegsschäden im Mauerwerk sorgfältig beseitigt wurden.

„Alte Mälzerei“, Speditionsstraße 7

Das im Dezember 2001 nach Plänen des britischen Architekten William („Will“) Allen Alsop (* 12. Dezember 1947 in Northampton) fertiggestellte „Colorium“ sticht durch seine aus über 2200 farbig bedruckten Glaspaneelen bestehenden Fassade sofort hervor. Einen zusätzlichen „Hingucker“ bildet das rote Technikgeschoss, das mehrere Meter in Richtung Hafenbecken „übersteht“.

„Colorium“, Speditionsstraße 9

Neben dem „Colorium“ befindet sich der Gebäudekomplex „Dock 13“, bestehend aus einem Hotelneubau (Courtyard by Marriott Düsseldorf Hafen, Speditionsstraße 11), einem neungeschossigen Neubau mit Balkon- und Terrassenflächen („Neuwerk“, Speditionsstraße 15), einer Jugendstilvilla (Speditionsstraße 13a) sowie einem elfgeschossigen ehemaligen Speichergebäude (Speditionsstraße 13).

Speditionsstraße im westlichen Teil des MedienHafens

1938 wurde auf dem engen, schmalen Grundstücksstreifen an der Speditionsstraße 13 ein neuer Speicher mit 6.800 t Fassungsvermögen für die Firma Paul Lamers errichtet.
Die Arbeiten zur Umnutzung des Gebäudes in ein Bürogebäude nach Plänen von Alberto Priolo wurden 2004 abgeschlossen. Besonders markant ist der Getreideeinfülltrichter, der auf der Unterseite mit einem Relief geschmückt ist, das drei Getreidesäcke schleppende Hafenarbeiter zeigt.

Ehemaliger Silo der Firma Paul Lamers von 1938, Speditionsstraße 13

rosalie (* 24. Februar 1953 in Gemmrigheim als Gudrun Müller) hat 1998 für die Eröffnung des Deutschen Kunststoff-Museums im NRW-Forum am Rhein das Skulpturenensemble „Flossis“ geschaffen. Die bunten Kletterer krabbelten auf die Fassade des NRW-Forums Kultur und Wirtschaft und hangelten sich bis zum Dach empor, mussten dort aber aufgrund des Denkmalschutzes das Feld räumen. Im März 2002 haben sie im MedienHafen eine neue Heimat gefunden. Insgesamt sind am ehemaligen „Roggendorf-Speicher“ und am benachbarten Neubau 29 Figuren zu sehen, wobei eine einzelne Figur etwa 4,2 × 2,6 m² groß ist. 5 Figuren sind am Gebäude Speditionsstraße 15 angebracht, und 24 Figuren am Gebäude Speditionsstraße 15a.

„Roggendorf-Haus“ mit den „Flossis“ von rosalie, Speditionsstraße 15a

An der Spitze der Speditionsstraße auf einer Landzunge direkt am Rheinufer entstehen augenblicklich nach Plänen des 1963 von Helmut W. Joos gegründeten Architekturbüros JSK Architekten zwei jeweils 65 Meter hohe neunzehnstöckige Zwillingstürme, in denen das Hyatt Regency Düsseldorf mit insgesamt 303 Zimmern und Suiten und Büroräume ihren Platz finden werden. Das 5-Sterne-Hotel soll Ende 2010 eröffnet werden.

Spitze der Speditionsstraße

Den südlichen Abschluss der Neubebauung am MedienHafen bildet das nach Plänen des Bauplanungsbüros Gatermann, Schossig und Partner 2005 fertiggestellte „Capricorn Haus“. Die Fassade mit den roten Glaspaneelen ist eines der zentralen Elemente des Gebäudes, das komplett an die E.ON AG vermietet ist. Integriert in die Außenhülle des als Niedrigenergiehaus konzipierten Gebäudes ist ein Versorgungssystem, das eine individuelle Regelung des Raumklimas im Inneren der Büroräume ermöglicht.

„Capricorn Haus“, Holzstraße 6

1906 siedelte sich die Weizenmühle Georg Plange am Hafen an, jedoch wurde der historische Bestand der Bauten und Anlagen durch Kriegszerstörungen stark reduziert. Die denkmalgeschütze Mühle wurde nach Entwürfen von Ingenhoven Overdiek Architekten umgebaut, Nebengebäude wie die alte Schlosserei und die Silogebäude wurden integriert.

Plange Mühle


MedienHafen


„Der Neue Zollhof“


Sonnenuntergang am Rhein

Für den Abend bieten sich das Multiplex-Kino, zahlreiche gehobene Restaurants, eine Großraumdiskothek sowie Clubs und Lounges als Freizeitalternative zur Düsseldorfer Altstadt an, die aber aufgrund der geringen Entfernung (etwa 900 Meter Luftlinie) ebenfalls schnell zu erreichen ist. Vom Düsseldorfer Schloss in der Altstadt ist heute nur noch der Schlossturm erhalten.

Schlossturm und Basilika St. Lambertus

In der Düsseldorfer Altstadt findet man auf einem halben Quadratkilometer über 300 Kneipen, Diskotheken und Restaurants, wovon sich allein 50 in der Bolkerstraße befinden, was der Altstadt den Ruf der „längsten Theke der Welt“ eingebracht hat.

Bolkerstraße – die „längste Theke der Welt“