Montag, 27. September 2010

Abschlussfest „KulturKanal“ und „Ruhrlights: Twilight Zone“

Mehr als ein Grund zum Feiern

Bereits tagsüber gab es im Duisburger Innenhafen eine Party für große und kleine Gäste, das im Bürokomplex „Five Boats“ untergebrachte WDR Studio Duisburg veranstaltete sein Studiofest in der vierten Auflage. Interessierte und ausreichend geduldige Gäste konnten auch einen Blick hinter die Kulissen werfen, aber auch rund um das Studio hatte das Fest mit Radio- und Fernsehquiz über Livemusik bis hin zu Auftritten von Stars der ARD Seifenopern ein abwechslungsreiches Programm zu bieten.

„Lindenstraße“: Sybille Waury alias Tanja Schildknecht

Bereits seit 1971 existiert die ARD Kindersendung „Die Sendung mit der Maus“, aber nicht nur bei den kleinsten Gästen zählt die Maus bei ihren Auftritten noch immer zu den Highlights.

„MausShow“

Neben der „Lindenstraße“, die als erste deutsche Seifenoper gilt und seit 8. Dezember 1985 wöchentlich ausgestrahlt wird, hat auch die „Verbotene Liebe“ seit 2. Januar 1995 montags bis freitags einen festen Platz im Vorabendprogramm.

„Verbotene Liebe“: Jasmin Lord alias Rebecca von Lahnstein und
Romina Becks alias Miriam Pesch


„Verbotene Liebe“: Jasmin Lord alias Rebecca von Lahnstein

„Verbotene Liebe“: Romina Becks alias Miriam Pesch

Am Abend wurde auf dem Ponton am Ende des Hafenbeckens am MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst der Abschluss der beiden Kulturhauptstadtprojekte „KulturKanal“ und „Ruhrlights: Twilight Zone“ gefeiert, und zum Sonnenuntergang wurden die historischen Mühlengebäude ganz natürlich in warmen Farben beleuchtet. Der spektakuläre Ausbau der Küppersmühle, bei dem ein rechteckiger Kubus scheinbar freischwebend auf die Röhren des Stahlsilos aufgesetzt wird, verzögert sich jedoch noch, mit der Fertigstellung ist im Kulturhauptstadtjahr nicht mehr zu rechnen.

Küppersmühle und Werhahn-Mühle

Bühne auf dem Ponton am MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst zur „blauen Stunde“

Leider hat man auch bei dem Konzert zum Abschluss des Projekts „Ruhrlights: Twilight Zone“ die vielbeschworene Dämmerung „ungenutzt“ verstreichen lassen. Die Sonne war gegen 19.25 Uhr untergangen, und gegen 20.00 Uhr war es stockfinster. Da wäre doch 19.30 Uhr ein „idealer“ Zeitpunkt gewesen, das Konzert mit den Duisburger Philharmonikern zu beginnen, das tatsächlich nach einführenden Worten von Kuratorin Dr. Söke Dinkla erst gegen 20.10 Uhr begonnen hat.

Eröffnung des Konzerts der Duisburger Philharmoniker

Das Ensemble Concertino Piccolino spielte einzelne Sätze aus barocken Suiten von Johann Sebastian Bach, Arcangelo Corelli, Georg Philipp Telemann und Georg Friedrich Händel. Schlagzeuger der Duisburger Philharmoniker befuhren als bewegliche Klangquellen in Kanus das Hafenbecken und brachten Gerhard Stäblers Komposition „Ferne/Nähe“ zu Gehör.

Abschluss des Konzerts mit bengalischer Beleuchtung

Zum Abschluss des Konzerts wurde das Ensemble Concertino Piccolino optisch von barocken Feuerspielen begleitet.

… und Feuerwerk

Wer im Anschluss an das Konzert der Duisburger Philharmoniker die Installation und Performance „Mirage – Moving Memories“ von Manuel Schroeder am Steingarten im „Garten der Erinnerungen“ ansehen wollte, musste schon einen kleinen Dauerlauf einlegen, denn bis zu dessen Beginn blieben gerade einmal zehn Minuten. Doch an diesem Abend hatten sich die Windverhältnisse gegen die Arbeit von Manuel Schroeder „verschworen“. Ein ganz leichter Wind drückte das Aerosol, das als Projektionsfläche dienen sollte, in Richtung Publikum, so dass man selbst zwar permanent im Nebel stand, von der Performance aber leider nur kleine Fetzen zu sehen bekam. Das war wohl höhere Naturgewalt.

Im Treppenhausturm im „Garten der Erinnerungen“ wurde an diesem Abend ein Rückblick auf die Veranstaltungen des „KulturKanals“ gezeigt. Ganz nebenbei konnte man natürlich auch „auf Augenhöhe“ einen Blick auf die mittels LED-Technik illuminierten Quertrakte des Bürokomplex „Five Boats“ werfen.

Bürokomplex „Five Boats“

Zum letzten Mal konnte man an diesem Abend die Installationen des Lichtkunstfestivals im Duisburger Innenhafen auf sich wirken lassen.

Universelle Formen von Peter Kogler an der Uferpromenade

„4D-House“ von Mader Stublic Wiermann

Sebastian Maier aka Sola Plexus präsentierte in der Lichtarchitektur von modulorbeat ein DJ-Set aus Sounds des „KulturKanals“.

Lichtarchitektur von modulorbeat

Allein in Duisburg hat das Lichtkunstfestival nach Angaben des Veranstalters rund 25.000 Menschen an den Innenhafen geführt, womit die Resonanz des Publikums die Erwartungen weit übertroffen hat.

In der Galerie DKM im „Garten der Erinnerungen“ wird vom 1. Oktober 2010 bis 24. Januar 2011 Mischa Kuballs Videoprojektion „public alphabet“ gezeigt. Dabei handelt es sich um einen Teil einer Videoarbeit, bei dem Mischa Kuball anhand von Leuchtreklamen ein Alphabet entwickelt hat. Der erste Ausstellungsteil wird im Museum DKM zu sehen sein.

„public alphabet“ von Mischa Kuball

21. Zechenfest auf Zollverein

Feiern unter dem Motto „Wir im Herzen der Kulturhauptstadt“

Bereits zum 21. Mal veranstalteten die Stiftung Zollverein, das Kulturbüro der Stadt Essen und die Werbegemeinschaft des Stadtbezirks VI am vergangenen Samstag und Sonntag das große Zechenfest, das in diesem Jahr unter dem Motto „Wir im Herzen der Kulturhauptstadt“ stand. Bereits seit 1990, knapp vier Jahre nach Einstellung der Steinkohleförderung auf Zollverein, kommen die Bewohner der Zollverein-Stadtteile Katernberg, Stoppenberg und Schonebeck zu „ihrem“ besonderen Fest.

Welterbe Zollverein, Schacht XII

So war mit Prof. Dr. Oliver Scheytt auch ein Vertreter der RUHR.2010 GmbH bei der Eröffnung des Zechenfestes zugegen, der in seinen Grußworten auf die Bedeutung von Zollverein für die Kulturhauptstadt und die wachsenden Besucherzahlen seit der Eröffnung des Kulturhauptstadtjahres auf der Kokereibühne hingewiesen hat.

Reinhard Paß, Oberbürgermeister der Stadt Essen und
Prof. Dr. Oliver Scheytt, Geschäftsführer der RUHR.2010 GmbH


Die Band Ruhrschnellweg aus Essen eröffnete das vielfältige Bühnenprogramm auf dem Ehrenhof. Insgesamt fünf Bühnen boten ein vielfältiges und abwechslungsreiches Programm für jedes Alter mit über 40 Showacts.

Ruhrschnellweg

Höhepunkt des Samstagabends dürfte sicherlich das große Höhenfeuerwerk gewesen sein. Da man damit aber in Konkurrenz zum Lichtkunstfestival „Ruhrlights: Twilight Zone“ in Duisburg getreten war, hatte ich mich zum abendlichen Besuch des Duisburger Innenhafens entschieden. Das Feuerwerk über Zollverein wird es auch im kommenden Jahr wieder geben, ob „Ruhrlights: Twilight Zone“ ebenfalls eine Fortsetzung finden wird, weiß momentan niemand.

Am Sonntag wurde das Bühnenprogramm auf dem Ehrenhof von der „Burg Big Band“, der Bigband des Essener Burggymnasiums eröffnet.

„Burg Big Band“

Sopranistin Coline Hardelauf (* 1986 in Essen), Studierende an der Folkwang Universität der Künste in den Studiengängen Musikwissenschaft und Gesang, präsentierte einen Querschnitt von bekannten und eher weniger bekannten Musicalsongs.

Coline Hardelauf

Auch Eisenbahnfreunde kamen beim Zechenfest nicht zu kurz. Ein Wismarer Schienenbus „Typ Hannover“ aus dem Jahre 1936 aus dem Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen pendelte zwischen Zeche und Kokerei. Wegen seiner langen Motorvorbauten wird diese Bauart auch liebevoll „Schweineschnäuzchen“ genannt. Von den 58 zwischen 1932 und 1940 gebauten Exemplaren sollen noch 12 Fahrzeuge in der einen oder anderen Form erhalten sein.

Wismarer Schienenbus

Und auch ein „Uerdinger Schienenbus“, also ein von der Waggonfabrik Uerdingen entwickelter Schienenbus Serie VT 98 der Baureihe 796 aus den 1950er Jahren lieferte seine Fahrgäste beim Zechenfest ab. Das Fahrzeug wird vom Verein Historische Eisenbahn Gelsenkirchen e.V. unter dem Namen „REVIER-SPRINTER“ betrieben und zu Sonderfahrten im Ruhrgebiet und in der näheren Umgebung eingesetzt.

Uerdinger Schienenbus

Rund 35.000 Besucher kamen nach Angaben des Veranstalters am vergangenen Wochenende auf das Gelände von Zollverein Schacht XII.

Samstag, 25. September 2010

Ruhrlights am Innenhafen Duisburg

Das vierte und gleichzeitig letzte Wochenende des Lichtkunstfestivals

Nachdem sich das Lichtkunstfestival „Ruhrlights: Twilight Zone“ von Hagen entlang der Ruhr über Witten, Bochum, Hattingen, Essen und Mülheim an der Ruhr flussabwärts „bewegt“ hatte, ist es an diesem Wochende an der Ruhrmündung in den Rhein in Duisburg „angekommen“. Hier steht der Innenhafen beispielhaft für einen erfolgreichen Wandel: 2002 wurde der Innenhafen Duisburg mit dem von der Stiftung „Lebendige Stadt“ vergebenen Stiftungspreis ausgezeichnet, da das ehemals industriell geprägte Areal beispielgebend zu einem vitalen Stadtquartier mit Wohnen, Dienstleistung, Freizeit und Kultur weiterentwickelt worden ist, und im Jahr 2004 wurde ihm der Renault Traffic Design Award – Sonderpreis Häfen verliehen.

Jüdisches Gemeindezentrum im „Garten der Erinnerungen“

Das jüdische Gemeindezentrum (mit Synagoge) gehörte nicht zu dem 1994 erstellten Masterplan des Londoner Architekten Norman Foster für die Umgestaltung des Duisburger Innenhafens, sondern die wachsende Mitgliederzahl der jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim/Ruhr-Oberhausen gab den Anstoß zum Bau. Es wurde nach Plänen des israelischen Architekten Zvi Hecker (* 31. Mai 1931 in Krakau, Polen) errichtet und 1999 eingeweiht.

Salvatorkirche

Das geschwärzte oktagonale Glockengeschoss der ältesten Kirche Duisburgs gehört zu den weithin sichtbaren Wahrzeichen der Stadt. Der ursprüngliche Turmhelm wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die spätgotische Kirche besitzt bedeutende Kirchenfenster und ist dienstags bis samstags von 9 bis 17 Uhr geöffnet. In ihr liegen der Kartograph Gerhard Mercator (* 5. März 1512 in Rupelmonde, Flandern, † 2. Dezember 1594 in Duisburg) und der Theologe, Philosoph und Gründungsrektor der Alten Universität Duisburg, Johannes Clauberg (* 24. Februar 1622 in Solingen, † 31. Januar 1665 in Duisburg) begraben.

Salvatorkirche

Auf dem Weg zum Museum Küppersmühle für Moderne Kunst konnte man am Treppenhausturm im „Garten der Erinnerungen“ Klaus Obermaier bei den letzten Vorbereitungen zu seiner Installation zusehen, die im Anschluss an die Eröffnung der „Ruhrlights: Twilight Zone“ im MKM dort stattfand. Es selbst „kämpfte“ noch ein wenig mit den Tücken des Objekts, sprich der Technik, wohingegen Barbara Autiero und Sara de Santis eher mit der Kälte zu kämfen hatten. Bei Temperaturen um die 14 °C und leichtem Regen kein Wunder.

Barbara Autiero und Sara de Santis bei den Vorbereitungen zur Inszenierung von Klaus Obermaier

Den „dramatischen“ Sonnenuntergang gab es an diesem Tag am Innenhafen gratis, von der Natur gestaltet. Man brauchte nur hinzuschauen und ggf. den Auslöser der Kamera zu betätigen.

Bürokomplex „Five Boats“

Die Eröffnung fand im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst statt. Nach Grußworten von Karl Janssen, Kulturdezernent der Stadt Duisburg, Ute Schäfer, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen und Dr. h.c. Fritz Pleitgen, Geschäftsführer der RUHR.2010 GmbH führte Kuratorin Dr. Söke Dinkla, Leiterin des Kulturhauptstadtbüros Duisburg, ein letztes Mal in das Lichtkunstfestival und in die zahlreichen Objekte des selbigen ein, die an diesem Wochenende von Freitag bis Sonntag in Duisburg zu sehen sind.

Ute Schäfer, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Klaus Obermaier zeigte einmalig an diesem Abend ein „Best of“ der beiden Arbeiten, die man bereits in Mülheim an der Ruhr bewundern konnte. Zunächst projizierte er dynamische Lichtmuster und digital transformierte Bilder auf die Fassade des Treppenhausturms, im weiteren Verlauf wurden die Bewegungen der beiden Tänzerinnen Barbara Autiero und Sara de Santis für die Projektion digital transformiert.

Inszenierung von Klaus Obermaier

Die interaktive Performance ist gemeinsam mit der Accademia Nazionale di Danza di Roma in Zusammenarbeit mit der Università IUAV di Venezia – Facoltà di Design e Arti entstanden.

Inszenierung von Klaus Obermaier

In einer weiteren Performance, die Manuel Schroeder (* 1962 in Herford) mit Gintaré Matulaityté, Monika Dirsyté, Oné Kartanaité und Rita Smolenskaité von der Kunstakademie Vilnius und Ramona Suresh (* 1985 in Ludwigsburg) aus dem Studiengang Physical Theatre der Folkwang Universität der Künste Essen erarbeitet hat, wurden die Bilder und Videos des Workshops auf temporären Nebel projiziert.

Ramona Suresh in der Performance „Mirage – Moving Memories“ von Manuel Schroeder

Xavier de Richemont (* 1959 in Algerien) hat für die Hauptfassade der Salvatorkirche am Burgplatz eine musikalisch untermalte Videoprojektion entworfen, die die Geschichte des Ortes auf neue Weise erzählen soll. Wer ein wenig genauer hinschaut, wird sicher selbst auf den Fotos noch das ein oder andere Motiv erkennen.

„Mercaturm“ von Xavier de Richemont

„Mercaturm“ von Xavier de Richemont

„Mercaturm“ von Xavier de Richemont

„Mercaturm“ von Xavier de Richemont

„Mercaturm“ von Xavier de Richemont

„Mercaturm“ von Xavier de Richemont

Peter Kogler (* 1959 in Innsbruck) bespielt die Stufen der Uferpromenade – das wohl prominenteste Architekturfragment im Innenhafen – auf einer Länge von 350 Metern mit sich bewegenden Netzstrukturen.

Universelle Formen von Peter Kogler an der Uferpromenade

Im Ludwigforum im „Garten der Erinnerungen“ hat Yves Netzhammer (* 1970 in Schaffhausen) seine „Abstraktionsvorräte“ installiert, die er 2009 für den Palazzo Strozzi in Florenz geschaffen hat. Silhouetten von Rehen und Vögeln und Videomonitore sind in einer begehbaren Anordnung zusammengestellt. Auch hier hat Yves Netzhammer – wie schon bei seiner Arbeit „Raumscherben“ in Bochum – mit dem Komponisten Bernd Schurer (* 1970 in Zürich) zusammengearbeitet.

„Abstraktionsvorräte“ von Yves Netzhammer im Ludwigsforum

Medienkünstler Holger Mader (* 1970 in Basel), Alexander Stublic (* 1967 in Saarbrücken) und Architektin Heike Wiermann (* 1971 in Saarbrücken) haben sich in Duisburg mit dem Jüdischen Gemeindezentrum im „Garten der Erinnerungen“ auseinandergesetzt und bespielen den Gebäudekomplex mit einer fassadenfüllenden Installation.

„4D-House“ von Mader Stublic Wiermann


„4D-House“ von Mader Stublic Wiermann

Marc Günnewig (* 1973 in Münster) und Jan Kampshoff (* 1975 in Rhede/Westfalen) vom Büro modulorbeat ambitious urbanists & planners aus Münster haben ihre temporäre Installation aus 1000 Liter-Flüssigkeitstanks in Duisburg vor dem Kultur- und Stadthistorischen Museum am Johannes-Corputius-Platz errichtet. Nur die nassen Pflastersteine konnten hier noch für eine Spiegelung im Wasser sorgen.

Lichtarchitektur von modulorbeat

Die mittels LED-Technik illuminierten vier hinteren Quertrakte des Bürokomplex „Five Boats“ gehören nicht zu „Ruhrlights: Twilight Zone“, sondern sind dort permanent zu sehen, was sie aber nicht minder interessant macht.

Bürokomplex „Five Boats“


Bürokomplex „Five Boats“

Als Besucher der Eröffnung im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst konnte ich mir die Installationen und Projektionen erst am Samstag in der Dämmerung anschauen. Am Kultur- und Stadthistorischen Museum war es noch zu hell, aber die Projektionen von Mader Stublic Wiermann und Peter Kogler konnte ich dann in der „blauen Stunde“ erleben.

Lichtarchitektur von modulorbeat


„4D-House“ von Mader Stublic Wiermann


„4D-House“ von Mader Stublic Wiermann


Universelle Formen von Peter Kogler an der Uferpromenade

An diesem Abend wurde es im Innenhafen und am Burgplatz so voll, dass ich an einer Stelle meine Ausrüstung vorsichtshalber in Sicherheit gebracht habe. Erst zu weit fortgeschrittener Stunde, als es vielen Besuchern wohl längst zu kühl geworden war, konnte ich an dieser Stelle ungestört Aufnahmen machen.

Am Sonntag, 26. September 2010 wird es ein gemeinsames Abschlussfest des Lichtkunstfestivals „Ruhrlights: Twilight Zone“ mit dem Kulturhauptstadt-Projekt „KulturKanal“ geben, Höhepunkt wird ein Konzert mit Ensembles der Duisburger Philharmoniker auf dem Wasser sein.

Dienstag, 21. September 2010

Ruhrlights in Witten

„Ruhrlights: Twilight Zone“ close to nature

Die Ruine Hardenstein liegt landschaftlich sehr schön am Südufer der Ruhr (51°25’14,72” N, 7°18’5,44” E). Folgt man aber den Empfehlungen des Veranstalters, so begibt man sich an das Nordufer der Ruhr zur Herbeder Schleuse mit dem Königlichen Schleusenwärterhaus aus dem Jahr 1835, das heute ein beliebter Rastplatz für Radfahrer und Wanderer ist.

Königliches Schleusenwärterhaus

Den schönsten Blick auf die Ruine vom Nordufer der Ruhr hat man jedoch nicht von hier, sondern von der Anlegestelle der RuhrtalFähre, die momentan von 9 Uhr bis 19 Uhr verkehrt, mittwochs wegen Wartung jedoch erst ab 12 Uhr.

Ruine Hardenstein

Tatsächlich kommt man vom Nordufer am schnellsten mit der RuhrtalFähre zur Ruine Hardenstein, da die Lichtprojektion auf die Mauern der Ruine aber erst beginnt, nachdem die RuhrtalFähre ihren Betrieb eingestellt hat, muss man für sich eine Entscheidung treffen, ob man sich „Dem Ort seine Sprache“ von Andreas M. Kaufmann an der Ruine selbst anschaut, oder eben aus der Entfernung von der Anlegestelle der RuhrtalFähre. Beides hat seinen Reiz, aber aus der Entfernung kann man einzelne Worte nicht erkennen.

RuhrtalFähre

Mit dem Tal des Muttenbachs und dem Bergbauwanderweg Muttental drängt sich mir unabhängig von der Empfehlung des Veranstalters eine Anfahrt von Süden geradezu auf. Ein guter Ausgangspunkt für Autofahrer dürfte der Parkplatz am LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall sein. Das Muttental ist eher ein Geheimtipp zum Wandern, für den Bergbauwanderweg sollte man schon etwa zwei Stunden einkalkulieren.

Muttental

Freitags und sonntags verkehrt auch ein historischer Schienenbus auf der RuhrtalBahn zwischen dem Eisenbahnmuseum in Bochum-Dahlhausen und Hagen Hauptbahnhof. Damit lassen sich interessante Ziele in der Region wie das Eisenbahnmuseum in Bochum-Dahlhausen, die Henrichshütte in Hattingen, Zeche Nachtigall und die Ruine Hardenstein bequem erreichen.

Der Bergbauwanderweg im Muttental bietet Einblicke in die frühe Technik der Kohlegewinnung und ist daher besonders lehrreich für Leute mit Interessesse am Bergbau. Im Muttental wurden vermutlich die ersten Kohlevorkommen im Ruhrgebiet gefunden.

Besucherstollen Zeche Nachtigall

Das unter Denkmalschutz stehende Bethaus der Bergleute aus dem Jahr 1830 war früher Versammlungsstätte der Bergleute aus den Zechen des Muttentals, hier wurde vor der Schicht eine Andacht abgehalten. Im unteren Geschoss befand sich eine Schmiede. Es ist das letzte Gebäude dieser Art im Ruhrgebiet und beherbergt die Ausstellung des Westfälischen Industriemuseums „Vom Bethaus zur Kohle – Bergbaugeschichte im Wittener Muttental und Ruhrtal“.

Bethaus der Bergleute

Mit dem am Stollenmund der alten Zeche Jupiter ausgestellten handbetriebenen Kreiselkipper wurden die Kohlenloren aus dem Schacht zum Entladen auf den Kopf gestellt.

Verladeanlage Zeche Jupiter

Der Flözaufschluss zeigt das Flöz Geitling 3. Hier kann man sich einen Eindruck vom Arbeitsplatz des Bergmanns unter Tage zu Zeiten, als die Kohlegewinnung noch weitgehend Handarbeit war, verschaffen.

Flözaufschluß

Burg Hardenstein wurde zwischen 1345 und 1354 von Heinrich II. von Hardenberg erbaut. In einer zweiten Bauphase wurde das Burghaus nach Süden hin mit zwei Türmen und einer Schildmauer erweitert. Im 18. Jahrhundert verfiel die Burg zur Ruine. Seit 1974 bewahren die Burgfreunde Hardenstein e.V. die Ruine vor dem weiteren Verfall, jedoch konnte der Einsturz der Mauer zwischen der ehemaligen Küche und Saalkammer im vergangenen Winter nicht verhindert werden, weshalb die Ruine wegen Einsturzgefahr durch Absperrgitter gesichert ist.

Ruine Hardenstein

Andreas M. Kaufmann (* 1961 in Zürich) nutzt die Ruine im Rahmen des Projekts „Ruhrlights: Twilight Zone“ für seine Installation „Dem Ort seine Sprache“. Dabei werden Wörter aus einer enzyklopädischen Sammlung zur Ruhrgebietssprache auf die Mauern der Ruine projiziert. Die Installation in Witten stellt das Pedant zur Lichtinszenierung in Hattingen dar, wobei die Mauern der Ruine viel filigraner sind als die Bruchsteinwand in Hattingen.

„Dem Ort seine Sprache“ von Andreas M. Kaufmann


„Dem Ort seine Sprache“ von Andreas M. Kaufmann


„Dem Ort seine Sprache“ von Andreas M. Kaufmann

Wer sich schon immer gefragt hat, wodurch die tiefblaue Färbung des klaren Himmels während der blauen Stunde verursacht wird, es ist nicht die Rayleigh-Streuung, die tagsüber für das Himmelsblau verantwortlich ist. Sie wird vielmehr durch die Ozonschicht in 20 bis 30 km Höhe über dem Erdboden verursacht, ohne die der Himmel während der Dämmerung grau bis schwarz erscheinen würde. Aber auch ohne dieses Wissen kann man die besondere Stimmung in der Zeit der Dämmerung zwischen Sonnenuntergang und nächtlicher Dunkelheit genießen.

Ruine Hardenstein


„Dem Ort seine Sprache“ von Andreas M. Kaufmann


„Dem Ort seine Sprache“ von Andreas M. Kaufmann


„Dem Ort seine Sprache“ von Andreas M. Kaufmann