Samstag, 5. Juni 2010

RUHR.2010 Leitprojekt !SING – DAY OF SONG

Jeder kann singen

Der DAY OF SONG vom 3. bis 6. Juni 2010 im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 verwandelt alle 53 Städte der Metropole Ruhr in die Metropole Chor. Insgesamt werden mehr als 26.000 Sängerinnen und Sänger, die in über 760 Chören organisiert sind, etwa 600 Einzelkonzerte geben. Das große Abschlusskonzert !SING EUROPE mit dem Vokalkünstler Bobby McFerrin, der Mezzo-Sopranistin Vesselina Kasarova, dem belgischen Mädchenchor Scala & Kolacny Brothers, den Wise Guys und anderen Gästen findet am Samstagabend in der VELTINS-Arena in Gelsenkirchen statt. Ich halte es eher mit einem Zitat von Ludwig Uhland aus seinem Gedicht Freie Kunst: „Singe, wem Gesang gegeben“.

Als mir das Programmheft zu diesem Ereignis in die Hände fiel, war ich zunächst skeptisch, ob ich dort etwas meinen Interessen entsprechendes finden würde. Aber beim Blättern stieß ich auf die Wandelkonzerte der Metropole Ruhr Hochschulchöre, bei dem facettenreiche Chormusik an verschiedenen Orten in Essen-Werden (Haus Fuhr, Evangelische Kirche Werden und Neue Aula der Folkwang Universität) unter Mitwirkung von Chören der Evangelischen Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe, der Folkwang Universität der Künste, der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, der Ruhr-Universität Bochum und der Technischen Universität Dortmund präsentiert wurde. Die Konzerte wurden von der Folkwang Universität der Künste in Kooperation mit RUHR.2010, dem Kontaktbüro Wissenschaft – Kulturhauptstadt 2010 und der Initiative Werden 2010 veranstaltet. Die künstlerische Leitung hatte Prof. Jörg Breiding.

Wer noch niemals zuvor in Essen-Werden, einem Stadtteil im Süden von Essen, gewesen ist, der sollte sich auf alle Fälle einige der alten, sehenswerten Baudenkmäler anschauen, die vom Krieg verschont geblieben sind. Hier wäre zunächst die ehemalige Abteikirche St. Ludgerus zu nennen, die um 799 zusammen mit dem Kloster Werden erbaut wurde.

Basilika Sankt Ludgerus

Das Alte Rathaus der damals selbständigen Stadt Werden wurde in den Jahren 1879/80 errichtet und 1912/13 im Stil der Renaissance umgebaut.

Altes Rathaus

Das 1756 errichtete typische Weberhaus in der Grafenstraße zeigt ein Beispiel für das Wohnen und Arbeiten in einer Tuchmacherstadt.

Weberhaus in der Grafenstraße

Die Evangelische Kirche Essen-Werden wurde 1900 errichtet und besitzt im Inneren wertvolle Jugendstil-Malereien.

Evangelische Kirche Essen-Werden

Das genaue Errichtungsdatum von Haus Heck ist nicht überliefert, eine urkundliche Erwähnung des Hauses findet sich im Lehngutverzeichnis der Abtei Werden aus dem Jahr 1412. Der mächtige Rundturm stammt aber vermutlich bereits aus dem 11. Jahrhundert. Nach Aufhebung der Abtei Werden kam es 1803 in den Besitz des preußischen Staates, seit 1966 gehört es der evangelischen Kirchengemeinde Werden.

Haus Heck

Die Sankt-Lucius-Kirche gilt als älteste Pfarrkirche nördlich der Alpen, sie wurde ab 995 unter Abt Werinbert gebaut und 1063 durch den Kölner Erzbischof Anno II. geweiht.

Sankt-Lucius-Kirche, Blick durch das Kirchenschiff zum Chor

Die alte Schleuse Neukirchen wurde 1776 bis 1778 zur Schiffbarmachung der Ruhr zum Kohletransport errichtet. Die heute nicht mehr in Betrieb befindliche Schleuse liegt nordöstlich der Brehminsel. Das Mühlengebäude der ehemaligen Getreidemühle auf der Schleuseninsel beherbergt seit 2003 die Unterrichtsräume des Studiengangs Musical der Folkwang Universität der Künste.

Die Weiße Mühle an der Schleuse Neukirchen

Schließlich ist noch der Baldeneysee zu nennen, der zwischen den Stadtteilen Werden, Bredeney, Heisingen, Kupferdreh und Fischlaken liegt. Durch das Stauwehr in Werden wird die Ruhr auf einer Länge von 7,8 km aufgestaut. Der See wurde 1933 vom Ruhrverband zur Verbesserung der Wasserqualität angelegt und ist heute Wassersportparadies und Naherholungsgebiet.

Blick vom Stauwehr auf den Baldeneysee

In Anbetracht meiner persönlichen Vorliebe für bestimmte Stilrichtungen habe ich mich für die Kozerte im Haus Fuhr entschieden. Dort hat der Hochschulchor der Evangelischen Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe unter der Leitung von Prof. Dr. Okko Herlyn sein Programm „Zwischen Broadway und Ruhr“ präsentiert. Die Evangelische Fachhochschule RWL in Bochum bietet Studiengänge im Bereich Sozialwesen an, der Hochschulchor besteht aus Studierenden mit Interesse am Singen. Ihr Programm bestand aus den Titeln „New York, New York“, „Manha de Carnaval“ aus dem Film „Orfeu Negro“, „Cabaret“ aus dem gleichnamigen Musical, „Scarborough Fair“ und „Bei Dir war es immer so schön“. Der erste und letzte Titel wurden mit einem besonderen Augenzwinkern auf das Ruhrgebiet dargeboten.

Hochschulchor der Evangelischen Fachhochschule RWL

Der Musicalchor der Folkwang Universität der Künste präsentierte unter der Leitung und mit Begleitung am Flügel von Prof. Michael Mills ein umfangreiches Programm unter dem Titel „Life is a Cabaret“, welches den vorgegebenen Zeitrahmen von maximal 30 Minuten beinahe sprengte. Zunächst intonierten die ersten drei Jahrgänge des Studiengangs Musical den Song „The Light in the Piazza“ aus dem gleichnamigen Musical von Adam Guettel.

Musicalchor der Folkwang Universität der Künste, 1., 2. & 3. Jahrgang

Daran anschließend gab es den Stephen Sondheim-Titel „Send in the Clowns“ aus dem Musical „A Little Night Music“ vom dritten Jahrgang zu hören, gefolgt von einem Medley aus dem Fats Waller-Jazzstandard „(What Did I Do to Be So) Black and Blue“ und der Ray Henderson-Komposition „Bye Bye Blackbird“ vom zweiten Jahrgang.

Musicalchor der Folkwang Universität der Künste, 2. Jahrgang

Der erste Jahrgang präsentierte mit „Hear My Song“ einen Titel aus dem Musical „Songs for a New World“ von Jason Robert Brown. Obwohl die Studierenden des ersten Jahrgangs ihr Studium erst im April diesen Jahres begonnen haben, konnten sie – wie auch die höheren Jahrgänge – das zahlreich anwesende Publikum mit einer souveränen Leistung überzeugen.

Musicalchor der Folkwang Universität der Künste, 1. Jahrgang

Da auch im Bereich Musical rockigere Töne nicht fehlen durften, brachte der dritte Jahrgang den Titel „Heartbreak Hotel“ aus dem Musical „All Shook Up“ zu Gehör.

Musicalchor der Folkwang Universität der Künste, 3. Jahrgang

Zum Ende ihres Programms präsentierten alle drei Jahrgänge passend zum gewählten Motto den Titelsong „Cabaret“ aus dem Kander/Ebb-Musical „Cabaret“.

Als musikalischer Abschluss wurde in der Evangelischen Kirche Werden ein „!SING BEST OF“ mit ausgewählten Programmpunkten aller Ensembles und dem gemeinsamen Abschlussstück „The day thou gavest, Lord, is ended“ unter der Leitung von Prof. Jörg Breiding geboten. Obwohl Text und Noten zu diesem Stück an alle Besucher verteilt wurden, hat man sich mehrheitlich auf das Zuhören und den musikalischen Genuss des John F. Ellerton-Werkes beschränkt.

Musicalchor der Folkwang Universität der Künste in der Evangelischen Kirche Werden

Zum Abschluss des Abends hatte die Initiative Werden 2010 ein Lichterfest am Ruhr-Ufer organisiert. Dabei wurde die Gustav-Heinemann-Brücke durch verschiedenste Projektionen effektvoll angestrahlt.

Lichterfest am Ruhr-Ufer

Nun wird sich der geneigte Leser – so es ihn gibt – sicher fragen, wie man auf die Idee kommt, wegen einiger Konzerte von der Metropole Chor zu sprechen. Die Antwort auf diese Frage liegt auf der Hand, denn am Samstag, 5. Juni 2010 wurden bei !SING CITY in 50 Städten der Metropole Ruhr auf öffentlichen Plätzen nach dem mittäglichen Angelusläuten um 12.10 Uhr gleichzeitig die beiden Lieder „Glück auf“ (das so genannte Steigerlied) und „Komm zur Ruhr“ von Herbert Grönemeyer gesungen.

Essen.SINGT auf dem Burgplatz

Auch der Geschäftsführer der RUHR.2010 GmbH, Prof. Dr. Oliver Scheytt und Essens Oberbürgermeister Reinhard Paß hatten sich mit etwa 2.000 Besuchern auf dem Essener Burgplatz eingefunden, um gemeinsam mit den anwesenden Chören diese beiden Lieder zu singen.

Prof. Dr. Oliver Scheytt, Geschäftsführer RUHR.2010 GmbH und Essens Oberbürgermeister Reinhard Paß bei Essen.SINGT auf dem Burgplatz

Mit im Vorfeld „geschätzten 1 Million Menschen“ bei !SING CITY hatte man sich allerdings ein wenig verschätzt. Tatsächlich haben sich einige Zehntausend Besucher an dieser Aktion im gesamten Ruhrgebiet beteiligt.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hallo Detlef, Deine Seite und Deine Berichte finde ich auch sehr gut gemacht. Gruß, Claudia von Volkers Klassikseiten