Montag, 28. Juni 2010

Jahrhunderthalle Bochum

Das doppelte Lottchen

Am 27. Juni 2010 eröffnete der Regionalverband Ruhr den „Fahrradsommer der Industriekultur“ an der Jahrhunderthalle Bochum, und gleichzeitig bot die Bochumer Veranstaltungs-GmbH einen „Tag der offenen Tür“ an der Jahrhunderthalle an. Wie schon in den Vorjahren wurde im Bochumer Stadtteil Stahlhausen im Doppelpack gefeiert. Die Internetpräsenz der Jahrhunderthalle versprach Führungen durch die Jahrhunderthalle (inkl. Katakomben). Das könnte interessant werden … dachte ich mir, ist doch die Jahrhunderthalle Bochum Ankerpunkt der Route der Industriekultur und eine der Attraktion des Ruhrgebiets.

Jahrhunderthalle Bochum

Die Jahrhunderthalle wurde 1901/02 vom Baubüro des „Bochumer Vereins für Bergbau und Gussstahlfabrikation“ unter Leitung des Baumeisters Otto Berndt nach Plänen des Architekten Heinrich Schumacher für die Düsseldorfer Industrie- und Gewerbeausstellung errichtet. Die Außenfassade war in Form einer gotischen Kirche gestaltet. Schumacher wählte für die mehrschiffige Industriehalle mit Satteldach und Dachreiter eine im Fabrikhallenbau unübliche Bogenbinder-Konstruktion, die nicht auf Stützen gelagert, sondern bis zum Boden durchgezogen ist. Nach Ausstellungsende wurde die Halle demontiert und auf dem Fabrikationsgelände des Bochumer Vereins für die neu einzurichtende Gaskraftzentrale wieder aufgebaut, allerdings ohne den Glockenturm und die Stuckfassaden. 1968 wurden nach Stilllegung des letzten Hochofens die Maschinen in der Gaskraftzentrale demontiert. 2002/03 wurde die Jahrhunderthalle, die seit 1991 unter Denkmalschutz steht, denkmalgerecht instand gesetzt und um eine aufwändige Bühnentechnik und das zweigeschossige Foyer ergänzt. Seither ist sie das zentrale Festspielhaus der RuhrTriennale.

Jahrhunderthalle Bochum

Die Führungen durch die Jahrhunderthalle (inkl. Katakomben) stellten sich dann leider als „geführte Kellergangbegehung“ heraus. So bekam man zwar die Fundamente der Hallenträger zu sehen, aber in der Halle selbst, durch die man nach der Kellergangbegehung wieder zum Ausgang geleitet wurde, wurde nicht einmal auf die Strebepfeiler der Bogenbinder-Konstruktion hingewiesen. Von einer Führung durch die Jahrhunderthalle habe ich mir mehr erwartet. Noch enttäuschender war die Tatsache, dass der Intendant der RuhrTriennale Innenaufnahmen verbietet, da in Vorbereitung selbiger eine Handvoll Wassertanks und zwei Gabelstapler in der Halle stehen, die seiner Meinung nach Kunst darstellen und daher nicht fotografiert werden dürfen. Nebenbei bemerkt: Katakomben sind unterirdische Gewölbekomplexe, die der Bestattung von Toten dienen. In den Kellerräumen unterhalb des zweigeschossigen Foyers befinden sich technische Betriebs- und Lagerräume, aber (hoffentlich) keine Toten.

Freestyle Mountainbike-Show

Immerhin konnte das sportliche Rahmenprogramm ein wenig versöhnlich stimmen. Montainbiker demonstrierten die perfekte Beherrschung ihres Sportgeräts, und die Rhönradgruppe des Linden-Dahlhauser Turnvereins Bochum zeigte einen kleinen Ausschnitt aus ihrem Programm.

Rhönradgruppe des Linden-Dahlhauser Turnvereins Bochum

Rhönradgruppe des Linden-Dahlhauser Turnvereins Bochum

Der Wasserhochbehälter nördlich der Jahrhunderthalle wird ab Einbruch der Dämmerung beleuchtet, die Jahrhunderthalle selbst wird aus Kostengründen nur bei Veranstaltungen beleuchtet.

Jahrhunderthalle Bochum bei einsetzender Dämmerung

Wasserhochbehälter an der Jahrhunderthalle bei einsetzender Dämmerung

Neben dem Wasserhochbehälter nördlich der Jahrhunderthalle werden die beiden Betonkühltürme und das Kühlwasserbecken in den komplementären Lichtfarben blau und orange-gelb illuminiert. Die Planung stammt vom Planungsbüro Uwe Knappschneider, licht|raum|stadt - planung.

„Wasserwelt“

Die Beleuchtung der „Nordpolbrücke”, die das ehemalige Hochofenplateau „Colosseum” mit dem Hochplateau „Nordpol” auf dem ehemaligen Krupp-Gelände verbindet, wurde von Lichtkünstler Achim Wollscheid als interaktives Objekt realisiert, das über Sensoren in der Brücke gesteuert wird. Unbedingt selbst ausprobieren!

„Nordpolbrücke”

„Nordpolbrücke”

„Nordpolbrücke”

Eine gute Gelegenheit, die Jahrhunderthalle selbst beleuchtet vorzufinden, sind die Veranstaltungen der Ruhrtriennale, die in diesem Jahr vom 20. August bis zum 10. Oktober 2010 stattfinden.

„Urmomente”, das Motto der Ruhrtriennale 2009 | 2010 | 2011

Jahrhunderthalle Bochum

Jahrhunderthalle Bochum

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