Donnerstag, 3. Juni 2010

EMSCHERKUNST.2010, Teil II

Vom Wasserkreuz zum Nordsternpark

Den Besuch des zweiten Teils der EMSCHERKUNST.2010 habe ich am Wasserkreuz in Castrop-Rauxel begonnen. Dort überquert der Rhein-Herne-Kanal die in einem so genannten Düker darunter fließende Emscher.

Die Emscher unterquert in einem Düker den Rhein-Herne-Kanal

Hier beginnt die Emscher-Insel mit einer Großbaustelle, dem Neubau des Emscher-Durchlasses unter dem Rhein-Herne-Kanal. Der Kanal wird verbreitert, und der marode Düker wird erneuert. Eine Aussichtsplattform erlaubt den Überblick über die Baustelle. Auf der Aussichtsplattform ist ein Fernrohr aus dem Projekt „Connecting Views“ von iJeppe Hein (* 1974 in Kopenhagen) aufgestellt, welches jedoch kein reales Bild von der Baustelle liefert, sondern sich in diesem Fall beständig wie ein Drehkreuz dreht.

„Connecting Views“ von Jeppe Hein

Diese Fernrohre sind in allen Ausstellungsräumen auf der Emscher-Insel aufgestellt. Sie lassen den Besucher z.B. in einen Spiegel oder ein Kaleidoskop blicken.

Um nicht vergebens nach den Projekten der EMSCHERKUNST.2010 zu suchen, möchte ich an dieser Stelle die Rad- und Wanderkarte EmscherInselTour im Maßstab 1:20.000 empfehlen, auf der alle Wege und Straßen mit Straßenname und die Standorte der Kunstobjekte zu ersehen sind. Da ich mit dem Auto unterwegs gewesen bin und daher dem direkten Verlauf der Insel-Tour nicht folgen konnte, hat mich das Ganze ein wenig an eine Schnitzeljagd erinnert, bei der leider alle Hinweise verschwunden sind. Freunde der modernen Schnitzeljagd werden begeistert sein, denn die Koordinaten für alle Kunstwerke, Infopoints und Radstationen sind für jedermann zugänglich.

Von der Großbaustelle Wasserkreuz geht es entlang der Emscher zu Tadashi Kawamatas (* 1953 in Hokkaido) „Walkway and Tower“, einem Aussichtsturm, zu dem eine schmale Steganlage führt. Der Turm ist begehbar, aber bereits so weit vom Wasserkreuz entfernt, dass man von hier aus unmöglich die Bauarbeiten in diesem Bereich beobachten kann.

„Walkway and Tower“ von Tadashi Kawamata


Ausstellungsraum „Herner Meer“

Das Projekt „reemrenreh (kaum Gesang) und Leben“ von Bildhauer Bogomir Ecker (* 1950 in Maribor) und Komponist Bülent Kullukcu (* 1971 in Markt Indersdorf) befindet sich auf bzw. am Ende der Mole am „Herner Meer“ zwischen Rhein-Herne-Kanal und Jachthafen. Die Bedeutung der mehr als zwanzig Meter hohen Skulptur im Wasser will sich mir so recht nicht erschließen; für mich sieht sie wie eine missgebildete Kurbelwelle aus, die aufrecht stehend im Wasser versenkt wurde, da sie anderweitig nicht zu gebrauchen ist. Die Klangkomposition von Bülent Kullukcu begleitet den Besucher bereits entlang der Mole und ist auch aus der Skulptur selbst zu hören.

„reemrenreh (kaum Gesang)“ von Bogomir Ecker und Bülent Kullukcu

Ziemlich genau gegenüber dem Molenkopf am Südufer des so genannten „Herner Meeres“ findet man einen Gastank, den der Künstler Mark Dion (* 1961 in New York) zu einer begehbaren „Forschungsstation“ umgestaltet hat.

„Gesellschaft der Amateur-Ornithologen“ von Mark Dion

Von dort soll eine Vielzahl unterschiedlichster Vogelarten zu sehen und zu beobachten sein (, die sich von Bülent Kullukcus Klangkomposition nicht haben vertreiben lassen).

„Gesellschaft der Amateur-Ornithologen“ von Mark Dion


Ausstellungsraum Herne/Stadthafen Recklinghausen und Ehemalige Kläranlage Herne

„Das goldene Dorf – BASIS“ im Stadthafen Recklinghausen ist ein kunstpädagogisches Projekt und bietet einen Ausstellungsraum für die Präsentation der Ideen, Entwürfe und Projekte der Studierenden der Kunstakademie Münster – Hochschule für Bildende Künste und ihrer Gäste. Für das Projekt „HOME SLEEP HOME“ von Maria Gerdwilker (* 1984 in Osnabrück) wurden sieben Bauwagen von außen golden lackiert und im Inneren von sieben Studierenden der Kunstakademie Münster individuell gestaltet.

„Das goldene Dorf – BASIS“ von der Kunstakademie Münster – Hochschule für Bildende Künste

Franziska Lena Kluw (* 1985 in Hagen) möchte mit ihrem Projekt „MY HOME IS NOT YOUR CASTLE“, einem chaotischen Nest aus Dachlatten im Inneren des Bauwagens, die Ambivalenz zwischen Behaglichkeit und Unbehagen zum Ausdruck bringen.

„MY HOME IS NOT YOUR CASTLE“ von Franziska Lena Kluw

Auf dem Gelände der ehemaligen Kläranlage in Herne hat sich Silke Wagner (* 1968 in Göppingen) für die Realisierung ihres EMSCHERKUNST.2010 Projektvorschlags den gereinigten, entkernten und sanierten Faulturm ausgesucht. Ihr monumentales Wandmosaik „Glückauf.Bergarbeiterproteste im Ruhrgebiet“ ummantelt den zylindrischen Mittelteil des Turms. Es zeigt historische Szenen aus der Geschichte des Bergbaus.

„Glückauf.Bergarbeiterproteste im Ruhrgebiet“ von Silke Wagner

Im Inneren des Faulturms präsentiert das Künstlerduo M+M (Marc Weis, * 1965 in Daun/Eifel, und Martin De Mattia, * 1963 in Duisburg-Rheinhausen) seine Filmproduktion „Schlagende Wetter“ auf vier quadratisch gehängten Leinwänden. Der Film beschreibt auf verschiedenen Zeit-, Raum- und Handlungsebenen das Leben einer Ruhrgebietsfamilie.

„Schlagende Wetter“ von M+M

Von hier lohnt auf alle Fälle ein Abstecher zum Landschaftspark Hoheward an der Stadtgrenze Recklinghausen/Herten. Inmitten des rund 7,5 km² großen Landschaftsparks erhebt sich die Bergehalde Hoheward mit einer Höhe von 110 m über Niveau. Entsprechende Wetterverhältnisse vorausgesetzt, wird der Aufstieg mit einer fantastischen Fernsicht über das nördliche Ruhrgebiet belohnt.

Ausstellungsraum Herne/Gelsenkirchen Holzbachmündung

Die Emscher in Höhe der Holzbachmündung

Monica Bonvicinis (* 1965 in Venedig) „SATISFY ME“ erinnert wohl jeden an den bekannten Schriftzug in den Hollywood Hills über Los Angeles. Die Buchstaben sind jedoch nur 2,40 m hoch, und sind damit im Vergleich zu den etwa 15 Meter hohen Buchstaben des Hollywood Signs eher winzig.

„SATISFY ME“ von Monica Bonvicini

Die Detailaufnahme mit dem Vogel über dem Buchstaben E lässt die Größe des Schriftzuges erahnen. Wie das Hollywood Sign ist „SATISFY ME“ für den Besucher nicht zugänglich, sondern kann nur vom Emscher-Weg betrachtet werden. Sollte also die Rückseite der Buchstaben – wie in der Projektbeschreibung erläutert – eine Mauerstruktur zeigen, so ist diese für den Betrachter nicht sichtbar.

„SATISFY ME“ von Monica Bonvicini


Ausstellungsraum Gelsenkirchen Wilde Insel, Schleuse Gelsenkirchen

In Höhe der Kanal-Schleuse in Gelsenkirchen wurde in die dicht bewachsene Halde auf der Emscherinsel eine Schneise geschlagen, die eine Sichtverbindung zwischen Emscher und Rhein-Herne-Kanal herstellt. Der Aufgang auf die Anhöhe führt durch einen kleinen Terassenpark. Dort soll das Objekt „Monument for a forgotten future“ von Olaf Nicolai und Douglas Gordon mit Musik der schottischen Gruppe Mogwai entstehen, dessen Fertigstellung wohl erst im August 2010 zu erwarten ist.

„Wilde Insel“ in Höhe der Kanalschleuse in Gelsenkirchen

Schon aus der Ferne ist die große, rote Bogenbrücke über den Rhein-Herne-Kanal sichtbar, die sich im Nordsternpark in Gelsenkirchen befindet, womit ich am Endpunkt meines Besuchs des östlichen Teils der EMSCHERKUNST.2010 angelangt bin.

Bogenbrücke über den Rhein-Herne-Kanal im Nordsternpark

1 Kommentar:

Detlef hat gesagt…

Über den aktuellen Stand der Bauarbeiten zum „Monument for a forgotten future“ kann man sich hier informieren.