Samstag, 29. Mai 2010

RUHR.2010 Großprojekt SchachtZeichen

Gelbe Heliumballone machen den Strukturwandel im Ruhrgebiet erfahrbar

Am Samstag, 22. Mai 2010 um 12 Uhr war es soweit: 311 SchachtZeichen wurden erstmals aufgelassen, um in der Metropole Ruhr Orte kilometerweit sichtbar zu markieren, an denen früher Bergwerke und große Schachtanlagen standen, und damit eine 4.000 km² große Kunstinstallation zu bilden. Die mit Helium gefüllten gelben Ballone haben einen Durchmesser von 3,7 m und können bis zu einer Höhe von 80 m aufgelassen werden. Eine etwa 18 m lange Fahne deutet auf den zu markierenden Ort am Boden.

SchachtZeichen

Die Ballone zeigen überwiegend auf Orte, die überhaupt nicht mehr als Zechenstandorte erkennbar sind. Aber die Zechen(schächte) haben die Kultur des Ruhrgebiets entscheidend geprägt. Daher sind sie Thema der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010. Dr. Volker Bandelow ist der Projektautor und künstlerische Ideengeber zum RUHR.2010 Leitprojekt SchachtZeichen.

Am häufigsten sind die SchachtZeichen täglich zwischen 10 und 20 Uhr noch bis zum 30. Mai in
  • Essen mit 52 Exemplaren,
  • Bochum mit 40 Exemplaren,
  • Dortmund mit 38 Exemplaren,
  • Gelsenkirchen mit 34 Exemplaren,
  • Herne mit 22 Exemplaren,
  • Duisburg mit 18 Exemplaren und
  • Oberhausen mit 14 Exemplaren
zu finden.

SchachtZeichen auf dem UNESCO Welterbe Zollverein, Schacht XII

SchachtZeichen auf dem UNESCO Welterbe Zollverein, Schacht XII

Selbst Fernreisende können an der West-Ost-Verbindungsstrecke Duisburg – Dortmund SchachtZeichen aus nächster Nähe erleben:

SchachtZeichen an der ICE West-Ost-Verbindungsstrecke Duisburg – Dortmund

Möglicherweise sind die SchachtZeichen auch aus Luftfahrzeugen zu beobachten, aus dem Flugzeug, oder bei einer Fahrt mit einem Heißluftballon über die SchachtZeichen. Flugzeuge waren von den SchachtZeichen Standorten regelmäßig zu sehen, Heißluftballone habe ich dagegen die ganze Woche keine gesehen.

SchachtZeichen mit Flugzeug im Hintergrund

Um sich einen Gesamteindruck von der Kunstinstallation zu verschaffen, bieten sich natürlich auch diverse Hochpunkte im Ruhrgebiet an, von denen man je nach Wetterlage weit über die Stadtgrenzen hinaus über den größten Ballungsraum Deutschlands schauen kann. Dabei sollte man sich aber vergegenwärtigen, dass das Ruhrgebiet eine Nord-Süd-Ausdehnung von 67 km und eine West-Ost-Ausdehnung von 116 km aufweist. Man darf also bei 311 Ballonen keinesfalls erwarten, eine SchachtZeichen-Dichte ähnlich einem blühenden Rapsfeld vorzufinden. Die nachfolgenden Fotos vermitteln einen kleinen Eindruck:

Richard Serras Landmarke „Bramme für das Ruhrgebiet“ (3° Neigung nach Süden) auf der Schurenbachhalde (53 m Höhe über Niveau) in Essen-Altenessen

Blick von der Schurenbachhalde Richtung Welterbe Zollverein, Schacht 1/2/8

Fußabdruck des Riesen Tippelus auf dem Tippelsberg (40 m Höhe über Niveau) in Bochum

Blick vom Tippelsberg Richtung Kraftwerk Herne

Herman Priganns „Himmelstreppe“ auf der Halde Rheinelbe (40 m Höhe über Niveau) in Gelsenkirchen-Ückendorf

Blick von der Halde Rheinelbe Richtung Gelsenkirchen, rechts die VELTINS-Arena

Tetraeder auf der Halde an der Beckstraße (80 m Höhe über Niveau) in Bottrop

Blick von der Halde an der Beckstraße Richtung Voerde, rechts das Bergwerk Prosper-Haniel

Blick von der Halde an der Beckstraße auf die Kokerei Prosper und das AlpinCenter

Das Essener Rathaus mit einer Höhe von 106 Metern

Mit prominentem Fahrstuhlführer in die 22. Etage

Blick vom Essener Rathaus über die Skyline

Blick vom Essener Rathaus Richtung UNESCO Welterbe Zollverein

Natürlich kommt solch ein Großprojekt nicht ohne ehrenamtliche Helfer aus, die für die Betreuung der Ballone, also den Auf- und Abbau, das Auf- und Ablassen und den Schutz vor Vandalismus, sorgen. Insgesamt 1.641 Volunteers waren am Pfingstmontag sehr enttäuscht, als durch starken Wind das Auflassen der Ballone unmöglich war.

Enttäuschte Volunteers vor ihrem Ballon

Etwa 40 Ballone wurden von dem starken Wind beschädigt. Drei SchachtZeichen in Bochum, Bottrop und Dortmund wurden dagegen durch Vandalismus zerstört. Nachdem sich sogar ein Ballon in Recklinghausen bei einer Windböe gelöst hatte, wurde die Kunstinstallation unterbrochen, und erst später mit Genehmigung der Bezirksregierung und der Flugsicherung fortgesetzt, allerdings aus Sicherheitsgründen zunächst nur mit einer Auflasshöhe von 30 Meter.


NachtSchachtZeichen

Um die SchachtZeichen auch im Dunkeln sehen zu können, sind die Ballone mit zwei 500-Watt Halogenlampen im Inneren ausgestattet und können – über ein Stromkabel mit 230 Volt-Haushaltsstrom versorgt – beleuchtet werden. Erstmalig fand diese Aktion am 24./25. Mai 2010 von 22 Uhr bis 1 Uhr statt. Eine (ursprünglich nicht geplante) Wiederholung fand am 28./29. Mai 2010 von 21 Uhr bis 1 Uhr statt, eine weitere Wiederholung ist für 29./30. Mai 2010 von 22 Uhr bis 1 Uhr vorgesehen.

NachtSchachtZeichen auf dem UNESCO Welterbe Zollverein,
Schacht XII


NachtSchachtZeichen auf dem UNESCO Welterbe Zollverein,
Schacht XII


NachtSchachtZeichen auf dem UNESCO Welterbe Zollverein,
Schacht XII


NachtSchachtZeichen auf dem UNESCO Welterbe Zollverein,
Schacht XII


NachtSchachtZeichen auf dem UNESCO Welterbe Zollverein,
Schacht XII


Der Mond über dem UNESCO Welterbe Zollverein,
Schacht XII


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1 Kommentar:

Diana hat gesagt…

Toller und sehr interessanter Blog mit richtig schönen Fotos. DANKE!!!