Donnerstag, 13. Mai 2010

RUHR.2010 Projekt Ruhr-Atoll

Kunst-Inseln auf dem Baldeneysee: Ist das nicht toll!?

Im Rahmen der Kulturhaupstadt Europas RUHR.2010 ist vom 12. Mai bis Ende September auf dem Baldeneysee im Süden der Stadt Essen ein Atoll der Kunst und der Wissenschaft zu sehen. Bei einem Atoll handelt es sich ursprünglich um eine Inselgruppe, die durch vulkanische Energie aus dem Meer gewachsen ist. Ich assoziiere mit dem Begriff allerdings auch zahlreiche Kernwaffentests in den 1940er und 1950er Jahren, die das Bikini-Atoll für Jahrzehnte radioaktiv verseucht und unbewohnbar gemacht haben. So verheerend wird es am Baldeneysee sicherlich nicht kommen, aber schon jetzt gibt es lebhafte Diskussionen um eine Kunst-Insel, die noch gar nicht zu sehen ist. Doch dazu später mehr.

Der Konzeptkünstler Norbert Bauer hat das Projekt Ruhr-Atoll, eines der Leitprojekte von RUHR.2010, unter das Motto „Kunst ist Energie – Energie ist Bewegung“ gestellt. Jede Kunst-Insel greift auf spezifische Weise die Themen Kunst – Wissenschaft und Energie – Ökologie auf. Augenblicklich schwimmen vier dieser Inseln auf dem Baldeneysee. Diese sind sowohl vom Seeufer als auch von der Staumauer zu besichtigen. Mit Tretbooten kann man zu den Kunst-Inseln fahren und diese mit Ausnahme des Teehauses, das vom Hardenbergufer aus am besten zu sehen ist, auch betreten. Dabei sollte man die Zeit aber nicht aus den Augen verlieren: Wer die für den Bootsparcours mit Besichtigung der Inseln vorgesehene Dauer von 45 Minuten überschreitet, muss bei Rückgabe des Tretboots nachzahlen. Kunstgenuss gegen die Uhr.

Ilya und Emilia Kabakovs „Projekt zur Erhaltung der natürlichen Ressourcen“ erinnert mich ein wenig an ein „Perpetuum Mobile“: Ein rostiges, quietschendes Monstrum pumpt Wasser von der einen Seite der Insel auf die andere. Der Antrieb mit einem Diesel-Motor ist allerdings wenig Ressourcen-schonend. Ist einmal jemand auf die Idee gekommen, einen Elektromotor zu verwenden, der von Solarmodulen mit Strom versorgt wird?

„Projekt zur Erhaltung der natürlichen Ressourcen“

Das Teehaus „Frosch und Teemeister“ von Kazuo Katase und Architekt Prof. Michael Wilkens ist ein west-östlicher Dialog über das Wohnen auf der Erde. Es veranschaulicht die Grundbedürfnisse des Menschen: Festen Boden unter den Füßen, ein Dach über dem Kopf, Wasser, Nahrung.

Teehaus („Frosch und Teemeister“)

In einem scheinbar auf Grund gelaufenen U-Boot von Andreas M. Kaufmann und Medienwissenschaftler Prof. Hans Ulrich Reck, aus dessen Außenwänden das Immanuel Kant-Zitat „Ich kann, weil ich will, was ich muss“ herausgestanzt ist, sind im Inneren in den so enstandenen „Fenstern“ ausgewählte CNN-Nachrichten in Form von Diapositivmaterial zu sehen.

U-Boot „Ich kann, weil ich will, was ich muss“

Der „ICEBERG“ des Künstlers Andreas Kaiser und des Polarforschers Dr. Lars Kindermann setzt einen naturwissenschaftlichen Akzent. Im Inneren des Eisbergs ist ein Container untergebracht, der den Besucher mit einer optisch-akustischen Datenfülle in eine Messstation in der Antarktis entführt.

„ICEBERG“

Am 12. Mai fand die Eröffnung des Ruhr-Atolls statt, schon wieder begleitet von maritimem Wetter. Dabei wurde auch das sanierte Stauwehr am Baldeneysee offiziell eingeweiht. Nach der Talkrunde zur offiziellen Eröffnung konnte man in Anlehnung an die Wasserfontänen bei Schiffsparaden an diesem Abend eine in wechselnden Farben illuminierte Fontäne bestauen.

Geschäftsführer der RUHR.2010 GmbH Prof. Dr. Oliver Scheytt, Moderator Thorsten Schlautmann und 1. Bürgermeister der Stadt Essen Rudolf Jelinek

Fontäne am Stauwehr

Dauerhaft ist die abendliche Wehrbeleuchtung in wechselnden Farben von der Seeseite des Stauwehrs zu sehen.

Illuminiertes Stauwehr

Zum Abschluss der Eröffnungsveranstaltung gab es ein zur Musikbegleitung abgestimmtes Höhenfeuerwerk.

Feuerwerk

Die fünfte Kunst-Insel, die von der Künstlerin C.U. Frank als Rettungsring „LOCAL | GLOBAL“ um die natürliche Sandbank in der Ruhr unterhalb des Stauwehrs gestaltet wurde und möglicherweise als dauerhafte Installation an dieser Stelle verbleiben soll, wird erst zur „Extraschicht“ am 19. Juni eingeweiht.

Noch keine Spur von „LOCAL | GLOBAL“ unterhalb des Stauwehrs

Gleiches gilt für die bereits angesprochene heftig diskutierte Kunstaktion „MARKING TIME“ von Nobert Francis Attard, die wegen Differenzen mit dem Hauptsponsor aus dem Ruhr-Atoll-Projekt ausgegliedert wurde. Dabei wird es sich um einen 225 m² großen schwimmenden Teppich aus 20.000 roten und grünen Äpfeln in Form eines Quadrats handeln, der von Holzbalken zusammengehalten wird. Den Aufreger bildet die Verwendung der Äpfel, die von vielen Leuten als sinnlose Verschwendung von Lebensmitteln angesehen wird. Die finden das nämlich gar nicht toll.

Nachtrag: Nach in Augenscheinnahme der örtlichen Gegebenheiten kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass „LOCAL | GLOBAL“ von C.U. Frank nicht zur „Extraschicht“ am 19. Juni eingeweiht wird. Zur Installation von „MARKING TIME“ wollte man mir keine Auskunft geben, möglicherweise möchte man die „Apfelinsel“ in einer „Nacht- und Nebelaktion“ installieren und will dabei nicht von Aktivisten gestört werden. (Stand: 14. Juni 2010)

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