Montag, 5. April 2010

Osterspaziergang

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick;
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.


Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich´s sein!

Johann Wolfgang von Goethe, Faust I

Narcissus pseudonarcissus (Osterglocken)

Allgemein ist diese Szene als „Osterspaziergang“ bekannt, und so möchte ich hier einen kleinen Osterspaziergang vorstellen, der zu zwei Orten der Route der Industriekultur führt.

Als erste Station habe ich die Halde Rheinpreußen in Moers-Meerbeck mit der Landmarke „Geleucht“ von Otto Piene (* 18. April 1928 in Bad Laasphe) ausgewählt.

Die Landmarke „Geleucht“ auf der Halde Rheinpreußen

Die Halde Rheinpreußen ist eine 70 m über Umgebungsniveau aufgeschüttete Bergehalde in Moers-Meerbeck, wobei als „Berge“ das mit dem Kohleabbau und der Förderung zwangsweise anfallende Gestein bezeichnet wird. Der Abraum stammt aus der nahen Zeche Rheinpreußen. Die Bergehalde ist komplett begrünt und mit Rad- und Wanderwegen gut erschlossen.

Halde Rheinpreußen

Bis ins Ruhrgebiet und tief in den Niederrhein kann man schauen, wenn man nach dem „Gipfelsturm“ auch noch das „Geleucht“ besteigt, einen 28 Meter hohen Turm in Form einer historischen Grubenlampe mit Aussichtsplattform.

Blick Richtung Osten mit der Beeckerwerther Brücke der A42 über den Rhein, den Industrieanlagen von ThyssenKrupp links der Autobahn und der Haus-Knipp-Eisenbahnbrücke

Die Höhe des „Geleuchts“ beträgt ca. 122,6 m über NN. Es ist das weltweit größte Montan-Kunstwerk. Die erst im September 2007 fertiggestellte Landmarke ist nicht nur bei Tage ein Hingucker, sondern wird auch nachts von 240 LED´s und weiteren Leuchtkörpern illuminiert.

„Geleucht“ am Abend

Der Landschaftspark Duisburg-Nord bildet die zweite Station des Osterspaziergangs. Dabei handelt es sich um einen etwa 200 Hektar großen Landschaftspark rund um ein stillgelegtes Hüttenwerk in Duisburg-Meiderich, der im Rahmen der IBA (Internationale Bauausstellung Emscher Park) entstand und im Sommer 1994 zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt und zugänglich gemacht wurde. Landschaftsarchitekt Peter Latz hat den Park als einen Ort der Vermittlung zwischen industrieller Vergangenheit und neuer Bestimmung entworfen.

Landschaftspark Duisburg-Nord

Der ehemalige Hochofen 5 wurde bis zur Spitze begehbar gemacht. Erst im Jahr 1973 hatte er seinen Betrieb aufgenommen und erfüllte mit seinem modernen Kühlsystem und seinen Winderhitzern strenge Umweltschutzauflagen.

Hochofen 5

Abstichhalle am Hochofen 5

Kühlsystem am Hochofen 5

„Cowper-Winderhitzer“

Gichtbühne

Blick von oben auf den Schrägaufzug mit zwei Schüttwaggons (Hunts)

Die Hochöfen 3 und 4 wurden bereits 1968 bzw. 1970 abgerissen, und die Hochöfen 1 und 2 wurden 1982 stillgelegt. Am 4. April 1985 wurde der Betrieb des gesamten Meidericher Hüttenwerkes aus Gründen der Stahlquoten-Beschlüsse der EG eingestellt. Massiven Bürgerprotesten gegen einen Abriss ist es zu verdanken, dass die Anlage wegen ihres hohen Denkmalwertes erhalten blieb. Als begehbarer Aussichtsturm steht der Hochofen 5 mit einer Höhe von ca. 70 m im Zentrum des Interesses der Parkbesucher. Beim Besteigen kann man sich nur schwer vorstellen, dass dieses riesige Industriebauwerk 1985 noch aktiv war.

Blick vom Hochofen 5 auf Hochofenanlagen 1 und 2

Wem nach Besteigen des Hochofens nach „richtigem“ Klettern zumute ist: Der Deutsche Alpenverein, Sektion Duisburg hat in einem Teil der Erzbunkeranlage einen alpinen Klettergarten errichtet. Das Kernstück bilden die Kletterrouten und ein alpiner Klettersteig („Via Ferrata Monte Thysso“) innerhalb der „Möllerbunker“. Mit über 400 Routen vom Schwierigkeitsgrad 2 bis 9 ist er im Moment der größte Outdoor-Klettergarten Deutschlands.

Klettergarten

Am Abend finden sich im Landschaftspark diverse Stellen, an denen man den Sonnenuntergang beobachten kann: Südstaaten-Flair vor imposanter Industriekulisse.

Das Windrad auf dem Platz der ehemaligen Sinteranlage in der Abendsonne

Am Wochenende und an Feiertagen sind die Industrieanlagen im Landschaftspark Duisburg-Nord nachts durch eine farbige Beleuchtung des englischen Lichtdesigners Jonathan Park in Szene gesetzt. Weithin sichtbar ist die Illumination der drei Schornsteine mit ihren „aufgesetzten“ Neonringen in den Farben Rot, Grün und Blau. Vor Ort verwandelt die Lichtinstallation das Hüttenwerk in eine ebenso geheimnisvolle wie einzigartige Lichtgestalt.

Lichtinstallation von Jonathan Park

Hochofenanlagen 1 und 2 bei Nacht

Hochofenanlage 5 bei Nacht

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