Sonntag, 18. April 2010

Spaziergang auf die Halde Haniel

Frühling lässt sein blaues Band
wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
streifen ahnungsvoll das Land.


Frühling, ja du bist´s!
Dich hab´ ich vernommen!

Eduard Friedrich Mörike, Er ist´s (1820)

Bei frühlingshaften Temperaturen und strahlendem Sonnenschein – wenn man von der Tatsache absieht, dass sich am Himmel eine Aschewolke isländischen Ursprungs befinden soll, die aber für das menschliche Auge nicht sichtbar ist – habe ich mich auf den Weg zur Halde Haniel gemacht, einem Panoramapunkt auf der Route der Industriekultur. Die überwiegend begrünte Abraumhalde ist ein beliebtes Ausflugsziel für Spaziergänger, Jogger und Mountainbiker im Norden von Bottrop. Mit 126 Metern Höhe ist sie die höchste Halde des Steinkohlenbergbaus im Ruhrgebiet, und bietet einen wunderbaren Blick auf das Bergwerk Prosper-Haniel und über das gesamte nordwestliche Ruhrgebiet.

Blick auf das Bergwerk Prosper-Haniel

Für den Weg auf die Halde bietet sich der Kreuzweg an, der am Karfreitag 1995 eingeweiht wurde. Jede der 15 Kreuzwegstationen besteht zum einen aus Federzeichnungen der Ordensfrau Tisa von Schulenburg aus dem Ursulinenkloster in Dorsten, zum anderen aus Elementen aus der Arbeitswelt des Bergbaus. Die kupfergeätzten Kreuzwegtafeln hat Adolf Radecki hergestellt. Exemplarisch zeigen die beiden Fotos die erste und letzte Station des Kreuzwegs.

Erste Station:
Pilatus wäscht seine Hände – Jesus wird zum Tode verurteilt
Der Teufkübel ist ein Gefäß, mit dem anfallendes Gestein beim Teufen
(Herstellen) eines Schachtes gehoben wird.


15. Station:
Die Auferstehung
Mit einem Greifer wird das beim Abteufen des Schachtes
gelöste Gestein in den Teufkübel geladen.

Auf dem Haldenplateau befindet sich die 1999 mit dem „Jedermann“ eröffnete Bergarena, ein im Vollkreis angelegtes Amphitheater mit 800 Plätzen. Hier wird im Juni im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres RUHR.2010 eine Neuinszenierung der Verdi Oper „Aida“ unter der künstlerischen Leitung des Bottroper Regisseurs Thomas Grandoch gezeigt. Dabei handelt es sich um einen Beitrag im Rahmen von Local Heroes, bei dem Bottrop eine Woche lang Mittelpunkt der Kulturhauptstadt Europas sein wird.

Plateau der Halde Haniel mit Bergarena

Außerdem gibt es noch die Installation „Totems“ des baskischen Malers und Bildhauers Agustín Ibarrola (* 18. August 1930 in Basauri bei Bilbao) aus über 100 bearbeiteten Eisenbahnschwellen zu sehen, die nach Aussage des Künstlers den „scheinbaren Gegensatz von Industrieraum und Natur“ zusammenführt.

Installation „Totems“ auf der Halde Haniel

Aufgrund des wunderbaren Blicks über das nordwestliche Ruhrgebiet wird man von der Halde Haniel auch einen guten Überblick über die im Mai im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres RUHR.2010 stattfindende Aktion SchachtZeichen haben, bei der 350 gelbe Ballone bis zu 80 m hoch über den alten Schächten den Strukturwandel im Ruhrgebiet städteübergreifend erfahrbar machen sollen.

Gelber Heliumballon mit einer Fahne, die auf einen Schacht deutet,
beim Krupp-Parkfest in Essen am 22. August 2009

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