Mittwoch, 28. April 2010

Deutschlandpremiere: Eines Tages…

„Eines Tages…“, Deutschlandpremiere 28. April 2010; Deutschland, 2009; 97 Minuten; Buch: Karin Kaçi; Regie: Iain Dilthey; Produktion: Ester.Reglin.Film, Köln; mit Horst Janson (Jakob Filzmeyer), Annekathrin Bürger (Margot Filzmeyer), Heinrich Schafmeister (Frieder Ahrlenz), Verena Zimmermann (Hede Richards), Irene Fischer (Annette Eller-Richards), Herbert Schäfer (Leon Richards), Ulrike C. Tscharre (Miriam Böhringer), Sema Meray (Helene Ahrlenz), Andreas Schmidt (Stefan Eller) u.v.a.; FSK 0



Eines Tages…

Drei packende Geschichten zu einem ernsten Thema: Leben mit Demenz

Am Mittwoch, 28. April 2010 fand in der Lichtburg Essen die Deutschlandpremiere des Spielfilms „Eines Tages…“ in Anwesenheit der Hauptdarsteller Horst Janson, Heinrich Schafmeister, Verena Zimmermann, Annekathrin Bürger, Herbert Schäfer, Ulrike C. Tscharre, Sema Meray und Irene Fischer sowie der Produzenten Roswitha Ester und Thorsten Reglin statt. Initiiert und gefördert wurde der Film vom Landschaftsverband Rheinland (LVR), dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW, und den Pflegekassen NRW. Daher war die Lichtburg Essen als renommiertestes Premierenkino geradezu prädestiniert für diese Varanstaltung. Es handelt sich jedoch um keinen Kinofilm, sondern um einen Teil der DVD-Box „Demenz – Filmratgeber für Angehörige“, die ebenfalls ab sofort erhältlich ist.

Vor Beginn der Filmvorführung gab es natürlich den obligatorischen „roten Teppich“, für den die – neben einigen prominenten Gästen – zahlreich angereiste Darstellerriege auch gebührend Zeit eingeplant hatte.

Jenny Jürgens

Horst Janson

Heinrich Schafmeister

Verena Zimmermann

Annekathrin Bürger

Ulrike C. Tscharre, Herbert Schäfer

Die Darstellerriege von „Eines Tages…“:
Annekathrin Bürger, Horst Janson, Heinrich Schafmeister, Irene Fischer,
Ulrike C. Tscharre, Herbert Schäfer und Verena Zimmermann


Moderiert wurde der Abend von Nadine Krüger, die Grußworte sprachen Dr. Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Landschaftsversammlung Rheinland, Staatssekretär Dr. Walter Döllinger für das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW sowie Andreas Hustadt für die Pflegekassen in NRW.

Zum Kurzinhalt des Films:
In einer Beratungsstelle für Demenzkranke kreuzt sich das Schicksal dreier Familien: Die Geschwister Leon und Annette werden mit der zunehmenden Demenzerkrankung ihrer Mutter konfrontiert, die ein weiteres Alleinleben unmöglich macht. Doch wer soll sich um sie kümmern?

Irene Fischer (Annette), Verena Zimmermann (Hede)
Foto: Nicole Pientka, © 2010 LVR-Zentrum für Medien und Bildung


Der Architekt Frieder hat immer größere Probleme mit dem Gedächtnis, teilt sich aus Scham jedoch niemandem mit. Erst als Ehe und Freundschaften zu zerbrechen drohen, nimmt er Hilfe in Anspruch.

Heinrich Schafmeister (Frieder)
Foto: Dominik Schmitz, © 2010 LVR-Zentrum für Medien und Bildung


Margot lebt hingegen schon lange mit ihrem dementen Ehemann Jakob und hat ihr ganzes Leben auf die Pflege abgestellt. Als sich die Krankheit verschlimmert, muss sie lernen, Verantwortung abzugeben.

Annekathrin Bürger (Margot), Horst Janson (Jakob)
Foto: Nicole Pientka, © 2010 LVR-Zentrum für Medien und Bildung


Der Spielfilm geht von den zentralen Fragestellungen aus: Wie erkennt man frühzeitig, dass jemand an Demenz erkrankt ist? Wie verändert die Krankheit das Verhalten der Menschen mit Demenz? Wie gehe ich als Angehöriger damit um?

Eindringlich, aber auch humorvoll schildert der Spielfilm die unterschiedlichen Stadien und Aspekte der Krankheit. Das Thema wurde häufig eher tabuisiert als offen angesprochen. Menschen mit Demenz werden sozial isoliert, können am alltäglichen Leben kaum noch teilnehmen. Umso wichtiger erscheint mir der nun erschienene Filmratgeber, bietet er doch konkrete Hilfe und zeigt erste Lösungswege auf.

Im Anschluss an die Vorführung wurden die an dem Spielfilm beteiligten Personen auf der Bühne der Lichtburg vorgestellt, wobei ich noch nie zuvor die Bühne bei einer Filmpremiere mit insgesamt 32 Personen gefüllt gesehen hatte.

Die Darstellerriege von „Eines Tages…“ auf der Bühne der Lichtburg

Montag, 26. April 2010

Still friends

„Still friends“ – Annika Bruhns, Pia Douwes; Staging & Choreografie: Gaines Hall; Musikalische Leitung/Piano: Jon Mortimer; Percussion: Stephan Jockusch, Gitarre: Matthias Strass, Horn: Bethany Kutz, Cello: Ania Koleba, Bass: Frank Skriptschinski, Keyboard: Erik Freitag, Reeds: Joe Ridder, Trompete: Michael Leuschner, Posaune: Chris Fidler, Geige: Matthias Brommann, Drums: Kai Bussenius. 22.03.2010, TUI Operettenhaus Hamburg; 29.03.2010, Palladium Theater Stuttgart; 19.04.2010, Theater des Westens Berlin; 26.04.2010, Colosseum Theater Essen

Foto: Martina Sandkühler, © compromise-productions


Ein Abend, zwei Freundinnen, viel Musik und jede Menge ungeschminkter Stories …


Unter dieses Motto hatten Annika Bruhns und Pia Douwes ihren gemeinsamen, sehr persönlichen Konzertabend gestellt, mit dem sie auf eine über zwanzigjährige Freundschaft zurückblicken und so einen kurzweiligen, unterhaltsamen Abend auf hohem professionellem Niveau bieten. Die besuchte Vorstellung in Essen stellt gleichzeitig den Abschied der beiden von der Bühne des Colosseum Theaters dar, das nach dem Ende der vorgesehenen Spielzeit von „BUDDY – Das Buddy Holly Musical“ wie berichtet seinen En-suite-Spielbetrieb einstellen wird.

Annika Bruhns, Foto: Gilbert Blüm, © compromise-productions

Annika Bruhns (* 8. August 1966 in Hamburg) spielt aktuell in der Hamburger Produktion von „Ich war noch niemals in New York“ alternierend die Hauptrolle der Lisa Wartberg. Sie wuchs in Israel und den USA auf und absolvierte ihre Ausbildung am Connecticut College in New London im Studienfach Gesang und in der Meisterklasse an der American Musical and Dramatic Academy in New York City. Ihr erstes Bühnenengagement als Fabrikarbeiterin/Eponine in der Wiener „Les Misérables“-Produktion führte sie 1988 in den deutschsprachigen Raum zurück, wo sie danach bereits in vielen Großproduktionen zu erleben war, u.a. als Isabella in Eric Woolfson´s „Gaudí“ in Alsdorf und Köln, als Ludovica/Frau Wolf und alternierende Elisabeth in der Essener „Elisabeth“-Produktion und als alternierende Donna in der Hamburger Produktion von „Mamma Mia!“.

Pia Douwes, Foto: Gilbert Blüm, © compromise-productions

Über Pia Douwes (* 5. August 1964 in Amsterdam) braucht man bei ihrem Bekanntheitsgrad sicher nicht viele Worte zu verlieren: Ausbildung an der Londoner Brooking School of Ballet, Gesangsunterricht u.a. bei Noelle Turner und Carol Blaickner-Mayo in London, Hamburg und Wien, 1984 und 85 Musicalkurse bei Susi Nicoletti und Sam Cayne. Erste Bühnenerfahrungen als Crystal in „Little Shop of Horrors“ in Wien, schließlich 1992 der Durchbruch mit der Hauptrolle bei der Uraufführung des Musicals „Elisabeth“ im Theater an der Wien, die sie später auch noch in den Produktionen in Scheveningen, Essen, Stuttgart und Berlin gespielt hat. 2003 kreierte sie in Rotterdam am Nieuwe Luxor Theater in „3 Musketiers“ die Rolle der Milady de Winter, die sie später auch in den deutschsprachigen Produktionen in Berlin und Stuttgart gespielt hat. Die Rolle der Velma Kelly im Kander/Ebb-Musical „Chicago“ hat sie am Beatrix Theater in Utrecht, am Ambassador Theatre, Broadway New York sowie am Adelphi Theatre und Cambridge Theatre, West End London gespielt. Pia wird ab dem 3. September 2010 neben John Vooijs als „Galileo“ und Marjolein Teepen als „Scaramouche“ in der Rolle der „Killerqueen“ im Beatrix Theater Utrecht zu sehen sein.

Pia Douwes und Annika Bruhns
Foto: Gilbert Blüm, © compromise-productions


In der Mitte der Bühne standen ein rotes Sofa und ein Couchtisch, dahinter war auf der überdimensionalen Schallplatte, die bei „BUDDY – Das Buddy Holly Musical“ als Drehbühne fungiert, das zwölfköpfige Orchester unter der musikalischen Leitung von Jon Mortimer platziert. Sofa und Couchtisch bildeten quasi die fiktive Wohngemeinschaft von Annika Bruhns und Pia Douwes, die bei „Still friends“ keine Rolle verkörperten, sondern als Annika und Pia auf der Bühne standen. Die Freundschaft der beiden begann 1988 in Wien, Annika spielte in „Les Misérables“, Pia in „Cats“. Da Pia bei Auditions für „Les Misérables“ in den Niederlanden vorsingen wollte, was lag näher als sich bei Annika „Nachhilfe“ geben zu lassen. Ihre Freundschaft hat über eine gemeinsame WG-Zeit in Hamburg und einige gemeinsame Rollen – Kaiserin Elisabeth in Essen im Jahr 2001 dürfte wohl die Bekannteste sein – bis heute Bestand.

Annika Bruhns und Pia Douwes
Foto: Gilbert Blüm, © compromise-productions


Um diese Freundschaft gebührend zu begehen, wurde dem Publikum ein abwechslungsreiches Programm aus Country, Pop, Jazz und Musical geboten, bei dem neben unbekannten Stücken die Highlights ihrer Paraderollen natürlich nicht fehlen durften. Passend zum Thema des Abends präsentierten beide zu Beginn des ersten Teils den Sondheim-Titel „Old friends“ aus „Merrily we roll along“. In ihren Solopartien wurde Pia Douwes bei ihrem „All That Jazz“ aus „Chicago“ tänzerisch von Gaines Hall, der auch für Staging und Choreografie verantwortlich zeichnet, unterstützt, und auch Annika Bruhns konnte bei „Buenos Aires“ aus „Evita“ auf seine Unterstützung zählen. Nach einem gemeinsamen „Cabaret“-Medley („Mein Herr“, „The Money Song“, „Don't Tell Mama“ & „Cabaret“) intonieren die beiden mit „The Rose“ einen Song aus dem Jahr 1979, der von Amanda McBroom für den Film „The Rose“ geschrieben und von Bette Midler interpretiert wurde. Noch im ersten Teil des Abends brachte Annika den Diane Warren-Song „How Do I Live“ zu Gehör, Pia hatte sich „I´m Ready For Love“ ausgesucht.

Pia Douwes und Annika Bruhns
Foto: Gilbert Blüm, © compromise-productions


In den Gesprächsblöcken zwischen den Songs erfuhr der Zuschauer beispielsweise, dass die Idee zu „Still friends“ am Küchentisch geboren wurde, ein Teil der Proben aber über Skype (Internettelefonie) und Telefon abgewickelt wurden. Die beiden berichteten auch von vielen gemeinsam mit Gesang verbrachten Stunden, beispielsweise in Bad Hersfeld, wo sie 1995 gemeinsam bei den Bad Hersfelder Festspielen als Sally Bowles bzw. Fräulein Kost in „Cabaret“ engagiert waren. Lediglich von Annika an der Gitarre begleitet, gab es viel zu kurze Ausschnitte aus „Amazing Grace“, John Denvers „Take Me Home, Country Roads“ und Janis Joplins „Mercedes Benz“ zu hören. Den gemeinsamen WG-Anrufbeantworter nur zu „besprechen“ war für beide natürlich unmöglich. Pia war ein passender Ansagetext auf der Toilette eingefallen, und sie hatte ihn einfach auf Toilettenpapier notiert. Sie schlug diesen Annika vor, und kurzerhand wurde dieser zur Melodie von „Mercedes Benz“ aufgezeichnet.

Annika Bruhns und Pia Douwes
Foto: Gilbert Blüm, © compromise-productions


Den zweiten, persönlicheren Teil des Abends begannen Annika und Pia im Pyjama mit „Life is just a bowl of cherries“ aus „Fosse“, und im Anschluss berichtete Annika offen von ihrem schweren Bühnenunfall und der daran anschließenden existenzbedrohenden Phase ihres Lebens: Am 4. Januar 2003 fiel sie in der „Dancing Queen“-Szene der Nachmittagsvorstellung von „Mamma Mia!“ vom Bett in den Orchestergraben. Dabei hat sie sich einen Lendenwirbel gebrochen, der mit vier Schrauben stabilisiert wurde. 10 Wochen später stand sie schon wieder mit einem Korsett auf der Bühne. Später stellte sich aber in einer zweiten Operation heraus, dass der Lendenwirbel nicht wie erhofft verheilt ist, und so war sie danach 14 Wochen zur Untätigkeit verbannt. Erst am 20. Februar 2004 kehrte sie wieder auf die Bühne zurück. Mit dem für sie geschriebenen Song „Look at us now“ (der auch auf ihrer neuen Solo-CD zu hören ist) brachte sie ihre Erleichterung zum Ausdruck.

Pia zelebrierte mit „Ich gehör nur mir“ aus „Elisabeth“ ihr persönliches Highlight, was ihr prompt standing ovations beim zahlreich auch aus den Niederlanden angereisten Publikum einbrachte. Dagegen präsentierte Annika mit „Der Sieger hat die Wahl“ ein berührendes Highlight aus „Mamma Mia!“. Nach Pias Lament („Diva´s Lament - Whatever Happened to My Part?“ aus „Monty Python´s Spamalot“) berichtete sie, wie einsam sie der Beruf auch macht, gefolgt von „Do It Anyway“. Gegen Ende des zweiten Teils versicherten sich beide „I will never leave you“, der wohl bekannteste Song aus dem Broadway-Musical „Side Show“. Zum Abschluss des Konzerts gab es noch den Sondheim-Titel „Our time“ aus „Merrily we roll along“ und den Renato Russo-Song „Old friend“ zu hören.

Im Anschluss an die Veranstaltung ließen es sich die beiden nicht nehmen, im Theaterfoyer Autogramm- und Fotowünsche zu erfüllen.

Pia Douwes und Annika Bruhns

Gaines Hall

Für die zur Verfügung gestellten Produktionsfotos bedanke ich mich bei compromise-productions GbR.

Samstag, 24. April 2010

Weiblich, 45 plus – Na und!?! Wechseljahre

„Weiblich, 45 plus – Na und!?! Wechseljahre“ – Text: Tilmann von Blomberg; Liedtexte: Bärbel Arenz; Arrangements & Musikalische Einstudierung: Carsten Gerlitz; Regie: Katja Wolff; Choreografie: Betty Dir; Bühnenbild: Susanne Füller; Kostüme: Heike Seidler; Musikalische Leitung: Maria Baptist. Darsteller: Mary Harper, Kerstin Marie Mäkelburg, Angelika Mann, Inez Timmer. Keyboard: Maria Baptist, Gitarre: Katrin Schüler-Springorum, E-Bass: Maike Scheel, Schlagzeug: Karoline Körbel. Premiere: 23.04.2010, Theater im Rathaus, Essen.



Weiblich, 45 plus – Na und!?! Wechseljahre

Ein musikalisches Hormonical

Im Zeitalter von Jukebox-Musicals wie „Mamma Mia!“, „We Will Rock You“ oder „Ich war noch niemals in New York“ hat sich Tilmann von Blomberg mit dem Klimakterium der Frau eines Themas angenommen, das bisher häufig tabuisiert wurde. Die Veränderungen im Hormonhaushalt der Frau und die daraus resultierenden Krisen wurden in eine amüsante Geschichte verpackt, woraus der Untertitel „Ein musikalisches Hormonical“ resultiert.

Vier Frauen, die sich alle in bzw. kurz vor den Wechseljahren befinden, möchten im gleichen Flugzeug nach New York fliegen, stranden aber aufgrund diverser Flugverspätungen am Flughafen. (Ein aktueller Bezug zu den durch die Aschewolke des isländischen Gletschervulkans Eyjafjallajökull verusachten Flugausfällen ist wirklich rein zufälliger Natur.) Mary Harper, Kerstin Marie Mäkelburg, Angelika Mann und Inez Timmer stehen gemeinsam mit vier musikalischen Flugbegleiterinnen auf der Bühne. Sie verkörpern unterschiedliche Frauenfiguren: Die Karrierefrau, 54 (Kerstin Marie Mäkelburg), die Hausfrau, 55 (Angelika Mann), die Vornehme, 57 (Inez Timmer) und die Junge, 42 (Mary Harper). Sie sind zwar unterschiedlich, aber in jeder von ihnen steckt auch etwas von der anderen und jede hat auf ihre Art und Weise nicht nur Probleme mit den Beschwerden des Klimakteriums, sondern auch mit dem anderen Geschlecht: die Hausfrau mit ihrem Ehemann, die Vornehme mit ihrem Vater, die Junge mit ihrem Verlobten und die Karrierefrau hauptsächlich mit sich selbst. Und so nutzen sie die Wartezeit, um sich musikalisch über ihre Krisen auszutauschen.

Carsten Gerlitz arrangierte dafür bekannte Evergreens aus den ´60er bis ´80er Jahren („Downtown“, „Fly me to moon“, „Is this the way to Amarillo?“, „It's raining men“, „I've been looking for freedom“, „I will survive“, „Lady Marmelade“, „Pretty Woman“, „Stand by your man“ u.v.a.), zu denen Bärbel Arenz neue deutsche Texte verfasst hat. So wird zur Meldoie von „Stand by your man“ das Thema Inkontinenz besungen, ein Song zur Melodie von „Lady Marmalade“ befasst sich mit potenzsteigernden Mitteln, und aus „Pretty Woman“ wurde „Busy Woman“. Symptome der Wechseljahre wie Schlaflosigkeit, nächtliche Schweißausbrüche, Heißhungerattacken, Probleme mit Kindern und alt gewordenen Eltern, Gewichtszunahme und schlappe Ehemänner werden als Solo, im Duett oder als Quartett intoniert. Der Flug nach New York, der zum Ende der 130 Minuten dauernden Aufführung zum Einsteigen aufgerufen wird, wird eine Art Aufbruch, auch für die Junge, die ihn gar nicht antritt.

Die aus Kentucky/USA stammende Schauspielerin und Sängerin Mary Harper hat sowohl in den USA als auch in Europa auf zahlreichen Theaterbühnen im Sprechtheater und Musical und auch für Film und Fernsehen gearbeitet. Die Rolle der Eliza in „My Fair Lady“ hat sie bereits in über 200 Vorstellungen am Theater in St. Gallen, am Deutschen Theater in München und bei den Domfestspielen in Bad Gandersheim gesungen, wo sie für diese Darstellung als beste Schauspielerin mit dem Roswitha-Ring ausgezeichnet wurde. Die gebürtige Hamburgerin Kerstin Marie Mäkelburg ist für Fernseh- und Theaterproduktionen tätig. Musicalbesuchern ist sie als Lisa Wartberg in „Ich war noch niemals in New York“, als Vivian Pressman in „Dirty Dancing – Das Original live on Stage“, als Fräulein Rottenmeier in „Heidi – Das Musical“ oder als Tanya in „Mamma Mia!“ sicher ein Begriff. Dort konnte sie ihr komödiantes Talent bereits unter Beweis stellen. Angelika Mann hat ihre Ausbildung als Sängerin und Pianistin absolviert und wirkte danach überwiegend in der DDR. Nach ihrer Ausreise nach West-Berlin begann sie eine Karriere als Theaterschauspielerin und Kabarettistin. Unmittelbar im Anschluss an ihre Ausbildung zur Jazzsängerin und Gesangslehrerin am Konservatorium Hilversum arbeitete die Niederländerin Inez Timmer als Musicaldarstellerin und gehörte bei viele namhaften Musicals mit zur Premierenbesetzung. Als Erstbesetzung der Frau Dünnbügel stand sie von 2007 bis Februar 2010 in „Ich war noch niemals in New York“ auf der Bühne. Neben dem Musical ist der Jazz ihre zweite, große Leidenschaft. Aktuell hat sie sich im Ruhrgebiet niedergelassen und ist als Gesangslehrerin und bei kürzeren Engagements im Theater und auf Kreuzfahrtschiffen tätig.

Die Darstellerinnen harmonieren gut miteinander, und auch in den Soli kann jede für sich überzeugen. Die Rahmenhandlung wird durch das Einheitsbühnenbild des Wartebereichs eines Flughafengates unterstützt (Bühnenbild: Susanne Füller), und die Kleidung der auf der Bühne agierenden Damen (Kostüme: Heike Seidler) unterstreicht die dargestellten Charaktere. Die Musikerinnen sind als Flubegleiterinnen/Bodenpersonal ebenfalls in das Geschehen auf der Bühne einbezogen. Thematik und Umsetzung treffen offensichtlich den Geschmack und auch den Humor des in der besuchten Vorstellung mehrheitlich weiblichen Publikums. „Weiblich, 45 plus – Na und!?! Wechseljahre“ wird noch bis zum 8. Mai 2010 im Theater im Rathaus Essen gezeigt.

Nachtrag: Wegen der großen Nachfrage wird „Weiblich, 45 plus – Na und!?! Wechseljahre“ in der Spielzeit 2010/2011 erneut gezeigt, und zwar vom 11. – 14. Oktober 2010 und vom 18. – 23. Januar 2011.

Mittwoch, 21. April 2010

SchachtZeichen auf Zollverein

Welterbe Zollverein Essen, Schacht XII

Am 21. April 2010 fand ein zentrales Helfertreffen für das Kulturhauptstadt-Projekt SchachtZeichen auf Welterbe Zollverein Essen statt. Infos rund um das Projekt SchachtZeichen und technische Details standen an diesem Tag im Vordergrund. Dabei wurde auch ein Original SchachtZeichen-Ballon aufgelassen.

SchachtZeichen-Ballon über dem Doppelbock von Schacht XII

Die mit Helium gefüllten gelben Ballone haben einen Durchmesser von 3,7 m und können bis zu einer Höhe von 80 m aufgelassen werden. Eine etwa 18 m lange Fahne deutet auf den Boden. So werden vom 22. bis 30. Mai 2010 350 dieser Ballone in der Metropole Ruhr Orte kilometerweit sichtbar markieren, an denen früher Bergwerke und große Schachtanlagen standen, und damit eine 4.000 km² große Kunstinstallation bilden. SchachtZeichen soll den Strukturwandel im Ruhrgebiet aufzeigen und erfahrbar machen. Bedingt durch die gewählte Ein-Punkt-Befestigung können die Ballone im Wind schwingen. Sollten sie sich dabei um mehr als 45° neigen, müssen sie von den Volunteers eingeholt werden.

Die Ballone sind mit zwei 500-Watt Halogenlampen im Inneren ausgestattet und können am Abend – über ein Stromkabel mit 230 Volt-Haushaltsstrom versorgt – beleuchtet werden. Es ist geplant, so in zwei Nächten (NachtSchachtZeichen: 24./25. und 29./30. Mai 2010, jeweils 22 Uhr bis 1 Uhr) 350 zusätzliche „Monde“ über dem gesamten Ruhrgebiet leuchten zu lassen.

Bei Dunkelheit beleuchteter SchachtZeichen-Ballon,
daneben der Erdmond


Hinweis aus gegebenem Anlass: Aktuelle Fotos zum Großprojekt SchachtZeichen (entstanden vom 22. bis 30. Mai 2010) sind in einem neueren Blogeintrag zu finden!

Im SANAA Gebäude (nach dem japanischen Architektenbüro Sejima And Nishizawa And Associates) auf dem Welterbe Zollverein wird vom 24. April bis 24. Oktober 2010 im Rahmen der Kulturhauptstadt RUHR.2010 das Fotografieprojekt „Ruhrblicke“ gezeigt, wofür elf herausragende deutsche Fotografen speziell neue künstlerische Dokumentarfotografien entwarfen. Nicht die rauchenden Schlote und die Schwerindustrie der Vergangenheit, sondern neue Sichten der heutigen Ruhr-Realität sind Thema des Projekts.

SANAA-Gebäude bei Sonnenuntergang

Sonntag, 18. April 2010

Spaziergang auf die Halde Haniel

Frühling lässt sein blaues Band
wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
streifen ahnungsvoll das Land.


Frühling, ja du bist´s!
Dich hab´ ich vernommen!

Eduard Friedrich Mörike, Er ist´s (1820)

Bei frühlingshaften Temperaturen und strahlendem Sonnenschein – wenn man von der Tatsache absieht, dass sich am Himmel eine Aschewolke isländischen Ursprungs befinden soll, die aber für das menschliche Auge nicht sichtbar ist – habe ich mich auf den Weg zur Halde Haniel gemacht, einem Panoramapunkt auf der Route der Industriekultur. Die überwiegend begrünte Abraumhalde ist ein beliebtes Ausflugsziel für Spaziergänger, Jogger und Mountainbiker im Norden von Bottrop. Mit 126 Metern Höhe ist sie die höchste Halde des Steinkohlenbergbaus im Ruhrgebiet, und bietet einen wunderbaren Blick auf das Bergwerk Prosper-Haniel und über das gesamte nordwestliche Ruhrgebiet.

Blick auf das Bergwerk Prosper-Haniel

Für den Weg auf die Halde bietet sich der Kreuzweg an, der am Karfreitag 1995 eingeweiht wurde. Jede der 15 Kreuzwegstationen besteht zum einen aus Federzeichnungen der Ordensfrau Tisa von Schulenburg aus dem Ursulinenkloster in Dorsten, zum anderen aus Elementen aus der Arbeitswelt des Bergbaus. Die kupfergeätzten Kreuzwegtafeln hat Adolf Radecki hergestellt. Exemplarisch zeigen die beiden Fotos die erste und letzte Station des Kreuzwegs.

Erste Station:
Pilatus wäscht seine Hände – Jesus wird zum Tode verurteilt
Der Teufkübel ist ein Gefäß, mit dem anfallendes Gestein beim Teufen
(Herstellen) eines Schachtes gehoben wird.


15. Station:
Die Auferstehung
Mit einem Greifer wird das beim Abteufen des Schachtes
gelöste Gestein in den Teufkübel geladen.

Auf dem Haldenplateau befindet sich die 1999 mit dem „Jedermann“ eröffnete Bergarena, ein im Vollkreis angelegtes Amphitheater mit 800 Plätzen. Hier wird im Juni im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres RUHR.2010 eine Neuinszenierung der Verdi Oper „Aida“ unter der künstlerischen Leitung des Bottroper Regisseurs Thomas Grandoch gezeigt. Dabei handelt es sich um einen Beitrag im Rahmen von Local Heroes, bei dem Bottrop eine Woche lang Mittelpunkt der Kulturhauptstadt Europas sein wird.

Plateau der Halde Haniel mit Bergarena

Außerdem gibt es noch die Installation „Totems“ des baskischen Malers und Bildhauers Agustín Ibarrola (* 18. August 1930 in Basauri bei Bilbao) aus über 100 bearbeiteten Eisenbahnschwellen zu sehen, die nach Aussage des Künstlers den „scheinbaren Gegensatz von Industrieraum und Natur“ zusammenführt.

Installation „Totems“ auf der Halde Haniel

Aufgrund des wunderbaren Blicks über das nordwestliche Ruhrgebiet wird man von der Halde Haniel auch einen guten Überblick über die im Mai im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres RUHR.2010 stattfindende Aktion SchachtZeichen haben, bei der 350 gelbe Ballone bis zu 80 m hoch über den alten Schächten den Strukturwandel im Ruhrgebiet städteübergreifend erfahrbar machen sollen.

Gelber Heliumballon mit einer Fahne, die auf einen Schacht deutet,
beim Krupp-Parkfest in Essen am 22. August 2009

Donnerstag, 8. April 2010

Tag der offenen Tür im Colosseum Theater Essen

Ein letzter Blick hinter die Kulissen

Colosseum Theater Essen

Am 8. April wurde auf Initiative der Mitarbeiter im Colosseum Theater Essen von 11 bis 17 Uhr ein „Tag der offenen Tür“ veranstaltet, bei dem die Besucher letztmalig die Gelegenheit hatten, einen Blick hinter die Kulissen einer Longrun-Produktion zu werfen. Die Mitarbeiter waren an diesem Tag vor dem Hintergrund der angekündigten Schließung des Colosseum Theaters ehrenamtlich tätig, und viele Gespräche drehten sich auch um dieses Thema. Seit der Ankündigung am 10. Februar wurden über 15.000 Unterschriften für den Erhalt des Colosseum Theaters als Musical Spielstätte gesammelt, was aber die Entscheidung der Stage Entertainment GmbH sicher nicht mehr beeinflussen wird. Man sollte auch die Augen nicht vor der Realität verschließen: Hierbei kann es sich lediglich um ein Zeichen der Solidarität handeln. Dementsprechend war die Stimmung beim Tag der offenen Tür auch ein wenig von der baldigen Schließung des Colosseum Theaters geprägt.

Blick von der Bühne in den Zuschauerraum

Bei einem Backstage Rundgang konnte man die Geheimnisse der riesigen Bühnen-Jukebox ergründen, Mitarbeiter standen bei Fragen detailliert Rede und Antwort.

überdimensionale Schallplatte als Drehbühne

bespielbarer Tonarm

Instrumente auf der Seitenbühne

Studio von Norman Petty

In zwei Jam Sessions im Theaterfoyer brachte das Ensemble von „BUDDY – Das Buddy Holly Musical“ ausgewählte Rock- und Poptitel zu Gehör. „La Bamba“ und „Oh Boy“ mit Beteiligung des anwesenden Ensembles bildeten das Highlight und zugleich den Abschluss der Session am Nachmittag.

Ursula Anna Baumgartner: „Kamera läuft! Und Action!“

Matthias Bollwerk

Malcolm Walgate

Sidonie Smith

Anita Davis

Vincinius Gomes als Freddie Mercury

Myrthes Monteiro

Auch Dominik Hees rockt inmitten der Zuschauer begeistert mit

Bei einer Autogrammstunde in der Studio Bar kamen Autogrammjäger auf ihre Kosten.



Sidonie Smith, Anastasia Bain

Myrthes Monteiro, Ursula Anna Baumgartner

Bei einer Versteigerung von Merchandise Artikeln und Requisiten aus abgespielten Produktionen konnten Fans Erinnerungsstücke erwerben.


Zur Stärkung gab es – passend zum Musical – Hot Dogs.


Von erfahrenen Maskenbildnern konnte man sich mit Haarspray, Föhn und Pomade passend zum Musical frisieren lassen, um sich anschließend mit Jacket, Brille und Gitarre vollends zu verwandeln und als Buddy Holly vor der Fotowand ablichten zu lassen.

Colosseum Theater Essen und die Frisur sitzt

Sidonie Smith

Matthias Bollwerk demonstriert den „sachgerechten“ Umgang mit der Gitarre

Auch der bei Tagen der offenen Tür übliche Karaoke-Wettbewerb durfte an diesem Tag nicht fehlen. Alle Teilnehmer sowie die mit Dave Moskin alias Britney Spears und Vinicius Gomes alias Freddie Mercury „prominent“ besetzte Jury und auch die Zuschauer hatten sichtlich ihren Spaß. Die Gewinnerin konnte mit ihrem Titel „Ich gehör nur mir“ aus dem Musical „Elisabeth“ die Jury und das Publikum überzeugen und darf sich über den Besuch einer Vorstellung von „BUDDY – Das Buddy Holly Musical“ im Backstage Bereich freuen.

Recall Teilnehmer beim Karaoke-Wettbewerb

prominent besetzte Jury beim Karaoke-Wettbewerb

DSDS: „Deutschland sucht Dominik Schwarzer“
(Thema der 200. Folge von Matthias Bollwerks Blog)


„Freddie Mercury“ mit Bodyguard

Zum Abschluss wurden beim Technik-Check die Möglichkeiten der Bühne präsentiert, Malcolm Walgate führte unterhaltsam durch das vorbereitete Programm.

Malcolm Walgate

Technik-Check


Trotz Osterferien war die Besucherzahl im Colosseum Theater Essen im Vergleich zur Nacht der offenen Tür im Metronom Theater Oberhausen im vergangenen Jahr eher überschaubar. Bei der Autogrammstunde wurden alle Autogramm- und Fotowünsche erfüllt, und beim Technik-Check musste auch niemandem der Zutritt zum Saal verwehrt werden. (Das Parkett bietet Sitzplätze für etwa 1.000 Besucher.) Auch das „Tag der offenen Tür“-Special sorgte nicht für übermäßig lange Wartezeiten an der Theaterkasse.