Sonntag, 7. März 2010

Kulturpfad der Stadt Essen

Wegweiser durch das kulturelle Angebot

Der Essener Kulturpfad ist ein etwa vier Kilometer langer Fußweg, der Kulturstätten und Kunstobjekte in der Essener Innenstadt und im Südviertel miteinander verbindet. Der Kulturpfad beginnt im Süden am Museum Folkwang. Am nördlichen Ende des Weges ist die Installation „Lichtfinger“ an den STEAG-Schornsteinen zu sehen. Der Kulturpfad wurde am 17. Mai 2000 von Ilse Brusis mit einem Brückenfest an der Folkwang-Brücke, die über die Bismarckstraße (B 224) führt, offiziell eröffnet. Vom Museum Folkwang bis zur Marktkirche wird der Weg von 372 mit blauen Leuchtdioden bestückten Pflastersteinen markiert, die speziell für den Essener Kulturpfad entwickelt wurden. Jeder Stein kostete seinen Sponsor, der namentlich darauf erwähnt wird, 1.550 Euro.

Pflasterstein zur Markierung

Beginnen wir also beim Museum Folkwang, das seinen Ruf den herausragenden Sammlungen zur Malerei und Skulptur des 19. Jahrhunderts, der klassischen Moderne sowie der Kunst nach 1945 und der Fotografie verdankt. Der Schwerpunkt der bedeutenden Bestände liegt auf der deutschen und französischen Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts. Der vom englischen Architekten David Chipperfield (* 18. Dezember 1953 in London) entworfene Neubau wurde von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung als alleinige Förderin ermöglicht. Die Eröffnung fand im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres RUHR.2010 am 28. Januar 2010 statt.

Museum Folkwang

In unmittelbarer Nähe des Museum Folkwang liegt die evangelische Erlöserkirche, ein neoromanisches Kirchenbauwerk. Hier finden auch die Konzerte des Essener Bachchores statt, die fester Bestandteil in der Essener Kulturszene sind. Erbaut wurde die Kirche 1904-09 nach Plänen des Oberbaurats Franz Schwechten (* 12. August 1841 in Köln, † 11. August 1924 in Berlin, Erbauer der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Berlin, der Erlöserkirche Jerusalem und anderer evangelischen Kirchen).

Erlöserkirche

Unser Weg führt uns über die Folkwang-Brücke, die besonders in den Abendstunden durch die Lichtinstallation das Interesse der Passanten auf sich zieht. Die Hängebrücke über die Bismarckstraße wurde 1998-99 nach einem Entwurf von Helge Jo Marker errichtet, die Lichtinstallation hat Johannes Dinnebier beigesteuert.

Folkwang-Brücke

Folkwang-Brücke

Direkt auf der gegenüberliegenden Straßenseite in dem kleinen Park zwischen Bismarckstraße und Rüttenscheider Straße befindet sich die Buchstaben-Installation „Umraum“ von Timm Ulrichs (* 31. März 1940 in Berlin), die der Kunstring Folkwang 1989 angekauft und den Bürgern der Stadt Essen geschenkt hat.

„Umraum“

Gleich am Anfang der Rüttenscheider Straße befindet sich das Glückauf-Haus, das 1922/23 nach den Ideen des Planungsdezernenten Ernst Bode errichtet wurde. Es entstand im Rahmen einer in Essen in den 1920er Jahren stark ausgeprägten Tendenz zur Formung baublockgroßer Komplexe. Nachdem das alte Gebäude, das seit 1988 unter Denkmalschutz steht, fast ein Jahrzehnt leergestanden hatte und 2007 bis auf die Außenfassade abgerissen wurde, bezog im Oktober 2009 nach 18 Monaten Bauzeit das Ingenieurbüro für Messtechnik (ifm electronic) seine neue Unternehmenszentrale im Glückauf-Haus.

Glückauf-Haus

Im Glückauf-Haus ist auch das Filmstudio Glückauf beheimatet, eines der ältesten Kinos in Nordrhein-Westfalen. 1924 eröffnet, wurde es 1945 zerstört und später im 1950er-Jahre-Stil wieder aufgebaut. 2001 musste es geschlossen werden, da das baufällige Gebäude 2007 abgerissen werden musste und nach dem Original aus den 1920er Jahren wieder aufgebaut wurde. Am 18. und 19. Dezember 2009 konnte die Wiedereröffnung gefeiert werden.

Filmstudio Glückauf

Überquert man die Rüttenscheider Straße, so findet man vor der STEAG Hauptverwaltung (gegründet am 20. September 1937 als Steinkohlen-Elektrizität AG in Lünen) die Bronzefigur „Dynamik“ des rumänischen Bildhauers Ladis Schwartz (* 1920 in Temeswar, Rumänien, † 1991 in Bonn).

„Dynamik“

Auf der gegenüberliegenden Seite der Hohenzollernstraße trifft man auf die „Unendliche Schleife“ von Max Bill (* 22. Dezember 1908 in Winterthur, † 9. Dezember 1994 in Berlin). Es handelt sich um ein Geschenk der Ferrostaal AG für die Essener Bürger.

„Unendliche Schleife“

Mit der Philharmonie Essen ist im Gebäude des historischen Saalbaus von 1904 eines der schönsten und akustisch besten Konzerthäuser Deutschlands entstanden. Nach aufwändiger Renovierung wurde das Haus am 5. Juni 2004 mit einem Konzert der Essener Philharmoniker feierlich wiedereröffnet. Der Alfried Krupp Saal bietet bis zu 1.906 Besuchern Platz und ist damit der größte Konzertsaal des Ruhrgebiets.

Philharmonie

Der RWE Pavillon, der sich zwischen den beiden historischen Treppenhäusern des Saalbaus befindet, ist der einzige Gebäudeteil, der beim Umbau neu zum historischen Grundriss hinzugekommen ist. Vor dem Glaskubus findet man die Skuplturen „Große Geister“ von Thomas Schütte (* 16. November 1954 in Oldenburg).

„Große Geister“

„Große Geister“

Im Stadtgarten befindet sich die von Bildhauer Klaus Simon (* 1949 in Bad Godesberg) geschaffene Holzskulptur „Fünf Finger einer Wand – Fünf Wände zum Pentagramm“, welche der Kunstring Folkwang 1987 ebenfalls angekauft und den Bürgern der Stadt Essen geschenkt hat. Klare, ungekünstelte und eher archaisch wirkende Formen sind typisch für Simons Arbeiten.

„Fünf Finger einer Wand – Fünf Wände zum Pentagramm“

Ulrich Rückriem (* 30. September 1938 in Düsseldorf) schuf 1988 aus Anröchter Stein das „Steinhaus“ und den „Obelisk“, der vor dem Aalto-Theater an der Straßeneinmündung Rolandstraße / Huyssenallee zu finden ist.

„Steinhaus“

„Obelisk“ mit RWE-Turm

Das Hochtief-Haus am Opernplatz wurde in den Jahren 1937-38 nach Plänen der Essener Architekten Bucerius und Kleemann errichtet. Im zweiten Weltkrieg treffen zunehmende Luftangriffe 1944 den Energieversorger RWE schwer, die ehemaligen Hauptverwaltungen in Essen an der Hachestraße bzw. in Dortmund an der Silberstraße werden zerstört. Für die RWE-Mitarbeiter werden im Hochtief-Haus an der Rellinghauser Straße Büros eingerichtet. Das Provisorium bleibt schließlich 17 Jahre bestehen.

Hochtief-Haus

Der 120 Meter hohe RWE-Turm (mit Antenne 162 Meter) ist Sitz der Konzernzentrale des Energieversorgers RWE in Essen. Er wurde vom Düsseldorfer Architekturbüro Ingenhoven, Overdiek, Kahlen und Partner entworfen und ist Essens höchstes Gebäude. Das Hochhaus ist ökologisch orientiert konzipiert. Es ermöglicht zwischen der doppelt verglasten Fassade eine natürliche Belüftung und gewinnt natürliche Energie aus Tageslicht und Sonnenwärme. Jeden dritten Samstag im Monat von März bis Oktober werden zur vollen Stunde von 10.00 bis 15.00 Uhr kostenlose Führungen angeboten. Das Highlight ist die Auffahrt auf die Dachplattform. Die Aussicht aus 120 Meter Höhe über das Ruhrgebiet ist bei klaren Wetterverhältnissen traumhaft. Hierfür ist eine Anmeldung erforderlich.

RWE-Turm

Blick aus 120 Meter Höhe Richtung Osten

An der Rellinghauser Straße 11 ist das Hauptverwaltungsgebäude der ehemaligen RAG AG (früher Ruhrkohle AG, heute Evonik Industries AG) zu sehen. Es wurde in zweijähriger Bauzeit nach Plänen des Düsseldorfer Architektur- und Planungsbüros Chapman Taylor Brune Architekten errichtet und im Juni 1999 fertiggestellt. Früher war hier der markante Backstein-Gebäudekomplex der Ruhrkohle AG aus dem Jahre 1949 zu finden.

RAG-Haus

Aus dieser Zeit, genauer aus dem Jahr 1953 stammt auch das Steinrelief „Heilige Barbara und Bergmann“ von Bildhauer Joseph Enseling (* 28. November 1886 in Coesfeld, † 16. Juli 1957 in Düsseldorf), das heute im Innenhof der neuen Evonik-Konzernzentrale zu sehen ist.

„Heilige Barbara und Bergmann“

1989 wurde das Bergarbeiterdenkmal „Steile Lagerung“ von Max Kratz (* 3. Mai 1921 in Remscheid, † 2. Juli 2000 in Düsseldorf) „zur Ehrung der Bergleute und ihrer schwierigen Arbeit unter Tage“ an der Freiheit aufgestellt, das zeigt, wie schwierig die Arbeit des Bergmanns früher gewesen ist.

„Steile Lagerung“

Unterquert man die Bahngleise durch die U-Bahnhof-Ebene des Hauptbahnhofs, so kann man die neu gestaltete Passerelle als besonderen Hingucker erleben: Auf einer Länge von über 80 Metern leuchten hinter einer durchgehenden Glaswand 144.000 LED-Lämpchen in wechselnden Farben.

U-Bahnhof-Ebene des Hauptbahnhofs

Das Haus der Technik (HDT) an der Hollestraße wurde 1922-1925 von Architekt Edmund Körner (* 2. Dezember 1874 in Leschwitz (Kr. Görlitz), † 14. Februar 1940 in Essen) als Gebäude für die Essener Börse erbaut, die 1934 lt. einer Inschrifttafel aufgelöst wurde. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das HDT am 5. März 1943 bei einem Bombenangriff vollkommen zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte 1951 bis 1953. Das seit 1987 denkmalgeschützte HDT ist Deutschlands ältestes, unabhängiges Weiterbildungsinstitut.

Haus der Technik

An der Bushaltestelle Hollestraße vor dem Haus der Technik beginnen auch die Stadtrundfahrten, die u.a. zum UNESCO-Welterbe Zollverein, dem Baldeneysee und der Villa Hügel führen. Die Fahrten finden regelmäßig sonntagvormittags in modernen Reisebussen statt, leider nur noch in Ausnahmefällen werden historische Fahrzeuge eingesetzt, wie hier ein Mercedes O 317, ein so genannter Anderthalbdecker, Erstzulassung 1974.

Mercedes O 317, ein so genannter Anderthalbdecker vor dem Haus der Technik

Der Handelshof prägt das Bild des nördlichen Hauptbahnhofvorplatzes sowie des Kettwiger Tores. Das 6-geschossige Hotel- und Geschäftshaus wurde in den Jahren 1911 und 1912 nach Entwürfen der Kölner Architekten Carl Moritz und Werner Stahl erbaut. Im Zuge der Bombenangriffe auf das Ruhrgebiet im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer beschädigt, nach 1945 aber ohne wesentliche Veränderungen instandgesetzt. Das Gebäude steht seit 1985 unter Denkmalschutz.

Handelshof

An der Hachestraße befindet sich die Hauptpost. Das Postgebäude entstand etwa in den Jahren 1924 bis 1933 in einzelnen Bauabschnitten und wurde vom Architekten Hoeltz mit einer Fassade aus Klinkern und Kalksteinen als Gegenstück zur Börse, dem heutigen Haus der Technik, entworfen. Die Einfahrt zur Straße An der Reichsbank, die ins alte Essener Bankenviertel führt, ist von einem gedrückten Spitzbogen überbaut. Den dritten Bauabschnitt entwarf Architekt Lindemann in den Jahren 1930 und 1931 im Stil der Neuen Sachlichkeit, mit einer Muschelkalk-Werksteinfassade, der das gestreckte Gebäude an der Hachestraße zum heutigen Willy-Brandt-Platz hin abschloss und im Januar 1933 eröffnet wurde. Der gesamte Gebäudekomplex wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und später wieder aufgebaut. Das Gebäude ist seit 1988 denkmalgeschützt.

Hauptpost

Durch die Ausweitung der Kohle- und Stahlindustrie im 19. Jahrhundert entwickelte sich an der Lindenallee ein damals für das gesamte Ruhrgebiet bedeutendes Bankenviertel, in dem sich zahlreiche Kreditinstitute niederließen. Der Architekt Peter Zindel (Erbauer des alten Essener Rathauses) errichtete in den Jahren 1898 bis 1901 den repräsentativen Kuppelbau der bereits 1872, unter Mitwirkung von Friedrich Grillo, gegründeten Essener Credit-Anstalt, die 1925 in der Deutschen Bank aufging. Vollendet wurde das Gebäude, dessen Fassade heute unter Denkmalschutz steht, 1908 durch den Berliner Architekten Wilhelm Martens.

Deutsche Bank

Von 1928 bis 1929 wurde das Bankenviertel durch das Deutschlandhaus, Essens erstes Hochhaus, im Stil der Neuen Sachlichkeit kontrastreich erweitert. Nach nur einjähriger Bauzeit konnte die Stadt Essen ihr neues technisches Rathaus beziehen. Seither hat sich die Nutzung unwesentlich verändert und noch heute beherbergt dieses Gebäude (zwischenzeitlich mit modernisierter Außenfassade) die Stadt Essen als Mieter. Im Haus befindet sich ein öffentlicher Paternosteraufzug.

Deutschlandhaus

Das Glockenspiel am Deiterhaus befindet sich an der Kettwiger Straße, in der Fußgängerzone zwischen dem Hauptbahnhof und der Lichtburg. Das Glockenspiel besteht aus dem Glockengeschoss mit 26 Glocken und der kupfernen Bergmannsfigur, die die Stunden mit einem Schlegel schlägt, vier Ebenen mit Figuren aus der Stadtgeschichte Essens und darunter der Figur des „Wachsamen Hähnchens“.

Glockenspiel

Das Grillo-Theater wurde im neobarocken Stil nach Entwürfen des Berliner Architekten Heinrich Seeling (* 1. Oktober 1852 in Zeulenroda, † 15. Februar 1932 in Berlin) errichtet. Es trägt den Namen des Industriellen Friedrich Grillo (* 20. Dezember 1825 in Essen, † 16. April 1888 in Düsseldorf), der die Errichtung des Theaters ermöglichte, und zählt heute zu den ältesten Theatern im Ruhrgebiet. Die Eröffnung fand am 16. September 1892 mit einer Aufführung von Gotthold Ephraim Lessings „Minna von Barnhelm“ statt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude und seine wilhelminische Fassade stark beschädigt. Nach dem Wiederaufbau wurde das Theater 1950 mit einer Aufführung von Richard Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ wiedereröffnet. Die neue Frontfassade ist in einem schlichten Neoklassizismus gehalten. Heute beherbergt das Grillo-Theater die Schauspiel-Sparte der Theater und Philharmonie Essen.

Grillo-Theater Essen

Auf der Kettwiger Straße 26 findet man das Lichtburggebäude, das 1928 als Büro- und Geschäftshaus mit Groß-Kino und Gastronomie nach Entwürfen von Ernst Bode und Curt Bucerius im Stil der neuen Sachlichkeit der 1920er-Jahre erbaut wurde. Die Lichtburg ist das mit 1.250 Plätzen größte Kino Deutschlands. Hier finden regelmäßig Filmpremieren statt, insbesondere von Werken deutscher Filmschaffender. Regelmäßige Führungen durch Deutschlands größten Filmpalast gewähren einen Blick hinter die Kulissen der Lichtburg.

Lichtburg Essen

Nach einem Entwurf der Architekten Hartmut Miksch und Wolfgang Rücker wurde in den Jahren 2002 bis 2004 im Rahmen der Renovierung der Lichtburg das Gebäude um die neue Volkshochschule erweitert. Im Treppenhaus der VHS am Burgplatz findet man vom 7. Februar bis 18. Juni 2010 die Installation „Himmelssäule“ von Leo Lebendig aus Dortmund (* 12. August 1939 als Hans Jürgen Troegel in Arnsberg), das Lichtdesign stammt von Manuel Storkebaum (* 1984 in Unna). Die Installation ist Teil des Twins2010-Projekts „Friedenslicht der Religionen“.

Installation in der Volkshochschule

Von hier sollte man seinen Blick auf das gegenüberliegende Bischofshaus lenken, auf dessen Giebel eine lebensgroße Engelsgestalt auf einer Kugel steht, die die Sonne symbolisiert. Ewald Mataré (* 25. Februar 1887 in Aachen-Burtscheid, † 28. März 1965 in Büderich) hat den Boten des Lichts im Jahr 1955 geschaffen. Das Bischofshaus wurde 1955-1956 nach Entwürfen von Emil Jung (* 26. Januar 1882 in Essen, † 30. November 1964 in Essen) zunächst als Pfarrhaus geplant und gebaut. Mit Gründung des Ruhrbistums am 1. Januar 1958 wurde das Gebäude Bischofshaus.

Mataré-Engel auf dem Giebel des Bischofshauses

In unmittelbarer Nachbarschaft zur Volkshochschule finden wir das Burggymnasium, dessen Ursprung in das Jahr 852 fällt – dem Jahr der Essener Stiftsgründung in Verbindung mit der Einrichtung einer katholischen Stiftsschule. Seit dem 1. Weltkrieg hieß die Schule „Gymnasium am Burgplatz“. Als der Burgplatz 1933 in „Adolf-Hitler-Platz“ umbenannt wurde, tauschte die Schule den alten Namen gegen den heutigen ein. Nach der Zerstörung des alten Schulgebäudes durch einen Bombenagriff in der Nacht des 5. April 1943, erfolgte bis 1952 der Neubau für das Gymnasium nach Entwürfen des Architekten Horst Loy. 1974 wurde das bisher staatliche Burggymnasium dann eine städtische Schule. In der I. Dellbrügge finden wir die Lichtinstallation „Fensterfassade“ von Peter Brdenk. Die Fenster der Klassenzimmer werden in drei verschiedenen Farben illuminiert.

Lichtinstallation am Burggymnasium

Am Burgplatz findet man auch das von der Deutschen AIDS-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Künstler Tom Fecht ins Leben gerufene Erinnerungsprojekt „Denkraum: Namen und Steine“, das jedoch kein Objekt des Kulturpfades ist. Es ist dem Andenken an Menschen gewidmet, die an den Folgen von AIDS starben.

„SPUR II“

Das Essener Münster, die Kathedralkirche des 1958 errichteten Ruhrbistums Essen, blickt auf eine rund 1150-jährige Geschichte zurück. Am Beginn stand die Gründung einer religiösen Frauengemeinschaft, die im frühen und hohen Mittelalter zu den herausragenden religiösen Institutionen des Deutschen Reiches gehörte. Vom mittelalterlichen Erbe Essens blieben im Herzen der Stadt bis heute die Münsterkirche St. Cosmas und Damian, die Anbetungskirche St. Johann sowie der Kreuzgang erhalten.

Domkirche

Die Alte Synagoge an der Steeler Straße wurde 1911-1913 nach Plänen des Architekten Edmund Körner (* 2. Dezember 1874 in Leschwitz, † 14. Februar 1940 in Essen) errichtet, und am 25. September 1913 als „Neue Synagoge“ der Essener jüdischen Gemeinde eingeweiht. In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde sie in Brand gesetzt, blieb jedoch den gesamten Krieg hindurch im Äußeren unversehrt. Seit 1985 steht sie unter Denkmalschutz. Aktuell wird die Alte Synagoge zum Haus jüdischer Kultur umgestaltet.

Alte Synagoge

Die Marktkirche in der Essener Innenstadt am Flachsmarkt war die erste protestantische Kirche in Essen. Im Zweiten Weltkrieg wurde die damals dreischiffige Hallenkirche bis auf einige Mauerfragmente zerstört und sollte zunächst nicht wieder aufgebaut werden. Baudezernent Sturm Kegel setzte aber einen Wiederaufbau durch, wenn auch nur die beiden östlichen Joche als Kirche erneut errichtet wurden. 2006 wurde die Kirche vom Architekten Eckhard Gerber umgeplant und durch einen neuen Westchor aus blauem Glas ergänzt.

Marktkirche

Das damalige Amerikahaus (heute Europahaus) auf dem Kennedyplatz wurde 1951/52 nach Plänen des Architekten Hermann Gehrig erbaut und am 22. Februar 1952, dem Geburtstag George Washingtons, durch Ministerpräsident Karl Arnold eröffnet. Ursprünglich diente das Gebäude als Bibliothek für 40.000 Bände in- und ausländischer, insbesondere amerikanischer Literatur. Von 1967 bis 1979 wurde es als provisorisches Rathaus genutzt, und beherbergte von 1979 bis 1988 die Sammlung „Haus Industrieform“. Heute gibt es im seit 1991 unter Denkmalschutz stehenden Europahaus einen Gastronomischen Betrieb und eine Kleinkunstbühne.

Europahaus

Auf der Straßenkreuzung Vereinsstraße / II. Hagen findet man die „Spirale“ von Serge Spitzer (* 1951 in Bukarest, Rumänien), der über 200 Meter Doppel-T Träger aus Krupp-Fertigung wie ein Stück Draht auf die Rolle wickeln ließ und das 8 Metern hohe, 5 Meter breite und 22 Tonnen schwere Ungetüm über die Einfahrt zur Tiefgarage unter dem Kennedyplatz platzierte. Nach seiner Aussage symbolisiert das Werk die hiesige Stahl- und Kohlevergangenheit in einem „nicht begehbaren Werk voller Geheimnisse“. Die „Spirale“ wurde am 24.03.1996 eingeweiht. Der Essener Volksmund taufte das Objekt schnell „Essens größte Mülltonne“.

„Spirale“

Das Essener Rathaus am Porscheplatz ist mit 106 m Höhe nach dem RWE-Turm das zweithöchste Essener Gebäude. Es wurde nach Plänen des Darmstädter Architekten Theodor Seifert von 1975 bis 1979 errichtet, die erste Ratssitzung im neuen Rathaus fand am 7. November 1979 statt.

Rathaus

Die Kreuzeskirche ist das letzte erhaltene öffentliche Gebäude aus dem 19. Jahrhundert im nördlichen Teil der Innenstadt. Die Kirche gilt als Höhepunkt des Rundbogenstils und steht seit 1987 unter Denkmalschutz. Konzipiert wurde das von Kaiserin Auguste Viktoria 1896 eingeweihte Gotteshaus von dem Berliner Kirchenbauarchitekten August Orth (* 25. Juli 1828 in Windhausen bei Osterode am Harz, † 11. Mai 1901 in Berlin).

Kreuzeskirche

Die St. Gertrud-Kirche wurde in der Nähe des ehemaligen Viehofer Tores nach einem Entwurf des Architekten August Rincklake (* 15. Februar 1843 in Münster, † 19. August 1915) von 1872 bis 1875 im gotischen Stil errichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte 1955 in veränderter Form.

Gertrudiskirche

Der Allgemeine Bauverein Essen AG (Allbau) errichte 1927-1928 sein neues Verwaltungsgebäude am Viehofer Platz nach einem Entwurf des Essener Architekten Ernst Knoblauch (1868-1955), der 1893 nach Essen kam und durch zahlreiche Büro- und Geschäftshäuser zum Erscheinungsbild der Stadt Essen beitrug. Das Allbauhaus ist ein Geschäfts- und Bürohaus. Es überstand den Zweiten Weltkrieg und wurde später von der Arbeiterwohlfahrt, der SPD und der Essener Sparkasse genutzt. Es steht seit 1997 unter Denkmalschutz.

Allbauhaus

Seit Mai 2004 präsentiert sich mit dem an eine Stadtmauer erinnernden Viadukt das Projekt „kunst-stück“ am Viehofer Platz. Miriam Giessler und Hubert Sandmann haben es erschaffen. Die abends beleuchteten, fünf Meter hohen Torbögen sollen nach dem Wunsch der Essener Künstler Uni-Viertel und City-Nord miteinander verbinden und – wörtlich genommen – zum „Durchgang“ einladen.

„kunst-stück“

Auf dem Weg zur Maschinenbauschule sollte man sich auch den U-Bahn Zugang Viehofer Platz ansehen. Hier hatten Jugendliche die Möglichkeit, aktiv an der Veränderung ihres Umfeldes mitzuwirken: Der Zugang zur U-Bahn wurde von Jugendlichen aus benachbarten Essener Schulen (Frida Levy Gesamtschule, Theodor Goldschmidt Realschule und Schule am Steeler Tor) gestaltet. Die künstlerischen Leitung hat Daniel Brekalo übernommen. So entstand ein großes, zum Betrachten einladendes Gesamtkunstwerk, das zum Blickfang für alle Fahrgäste geworden ist. Die Essener Verkehrs-AG hatte gemeinsam mit Storp9, dem Haus für Bildung und Kultur, SchülerInnen zu diesem Kreativprojekt aufgerufen. Das Thema „Kulturwelten“ stand dabei im Mittelpunkt.

U-Bahn Zugang Viehofer Platz

Bereits im Ostviertel befindet sich das seit 1988 unter Denkmalschutz stehende, vierstöckige Gebäude der ehemaligen Königlichen Maschinenbauschule, das 1909 im Stil des Süddeutschen Barock erbaut wurde. Die Maschinenbauschule ging aus der 1901 mit Unterstützung der Friedrich Krupp AG gegründeten staatlich-städtischen Gewerbeschule hervor.

Kgl. Preuss. Maschinenbauschule

Die im Dunkeln grün beleuchteten 90 Meter hohen STEAG-Schornsteine am nördlichen Rand der Innenstadt bilden als „Lichtfinger“ den nördlichen Endpunkt des Weges, der die vielfältige Kulturlandschaft Essens „ergehbar“ macht.

„Lichtfinger“

Wer den Kulturpfad im November oder Dezember besucht, kann sich auf ein weiteres Highlight freuen: In der Vorweihnachtszeit leuchten seit 3. Dezember 1950 die Essener Lichtwochen den Besuchern der Innenstadt durch die dunkle Jahreszeit. Beleuchtete Tannen, Sterne und Lichtgirlanden erhellten zu Beginn die Innenstadt und legten damit den Grundstein für die Erfolgsgeschichte der Lichtwochen. Als Veranstalter der Lichtwochen etablierte die EMG – Essen Marketing GmbH seit 2001 die Themenreihe „Europa in Essen“.

Lichtwochen

Damit möchte ich meine Anregungen zu ausgesuchten Objekten des Kulturpfades beenden.

1 Kommentar:

i-f-m hat gesagt…

Hallo Detlef,
wirklich tolle Fotos.